Universitätsklinikum Gießen und Marburg

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Universitätsklinikum Gießen und Marburg
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Trägerschaft Rhön Klinikum AG (95 %), Land Hessen (5 %)
Ort Gießen
Koordinaten 50° 34′ 49,3″ N, 8° 40′ 38″ O50.5803611111118.6772222222222
Leitung Martin Menger (Vors.), Werner Seeger, (Stv.), Christiane Hinck-Kneip, Holger Thiemann, Gunther K. Weiß, Jochen A. Werner[1]
Betten 1191
Mitarbeiter 4235[2]
Website www.ukgm.de

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Universitätsklinikum Gießen und Marburg
Ort Marburg
Koordinaten 50° 48′ 53″ N, 8° 48′ 21″ O50.8147222222228.8058333333333Koordinaten: 50° 48′ 53″ N, 8° 48′ 21″ O
Betten 1185[2]
Mitarbeiter 3873
Website

Die Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH (UKGM) ist ein Klinikum der Rhön Klinikum AG. Es ist hervorgegangen aus den Universitätskliniken der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Philipps-Universität Marburg.

Fusion und Privatisierung[Bearbeiten]

Die Kliniken wurden durch das Land Hessen mit Wirkung zum 1. Juli 2005 fusioniert, am 2. Januar 2006 in eine GmbH überführt und anschließend durch Verkauf von 95 Prozent der Anteile der Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH privatisiert. Aus einem Bieterverfahren ist im Januar 2006 die Rhön-Klinikum AG als Käuferin hervorgegangen, der Kaufpreis der beiden Kliniken betrug 112 Millionen Euro. Fünf Prozent der Anteile verbleiben beim Land, das somit faktisch keinen Einfluss auf die Geschäftsführung mehr hat. Gesetzliche Regelungen sollen Forschung und Lehre in diesem Spezialfall gewährleisten, darüber hinaus wurden umfangreiche vertragliche Regelungen zwischen dem Land Hessen, der Rhön Klinikum AG und den beiden Universitäten geschlossen. Das wissenschaftliche Personal ist weiterhin beim Land Hessen beschäftigt und für Dienstleistungen in der Krankenversorgung der GmbH gestellt.

Sowohl das Bundeskartellamt wie auch der Wissenschaftsrat erklärten am 27. Januar 2006 ihr Einverständnis zur Privatisierung. Am 31. Januar 2006 hat der Hessische Landtag mit den Stimmen von CDU und FDP dem Verkauf der Gesellschafteranteile der Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH an die Rhön-Klinikum AG zugestimmt. Die erste komplette Universitätskliniksprivatisierung in der öffentlichen Hochschulmedizin Deutschlands war umstritten: Neben einer Bürgerinitiative gab es eine Initiative für ein Volksbegehren gegen die Privatisierung, zahlreiche Protestaktionen und Demonstrationen und politischen Widerstand, weil eine Verschlechterung der Patientenversorgung und der Arbeitsbedingungen befürchtet wurde. Die Initiative zum Volksbegehren wurde wegen sich abzeichnender Erfolglosigkeit mittlerweile eingestellt. Eine Reihe von Mitarbeitern klagte gegen ihren Übergang vom öffentlichen Dienst zur privaten GmbH, ein Verfahren durch alle arbeitsgerichtlichen Instanzen endete beim Bundesverfassungsgericht: dieses hob die für die Mitarbeiter negativ ausgegangenen Entscheidungen des Landesarbeitsgerichts Hessen und des Bundesarbeitsgericht auf und bezeichnete den Übergang der Arbeitsverhältnisse auf die fusionierte Anstalt und spätere privatisierte Gesellschaft als verfassungswidrig. Dem Land Hessen wurde aufgegeben, bis zum Ende des Jahres 2011 eine gesetzliche Neuregelung zu treffen. Diese liegt als „Gesetz zur Stärkung der Arbeitnehmerrechte am Universitätsklinikum Gießen und Marburg“ nun vor und regelt die Rückkehrmöglichkeit für den berechtigten Personenkreis (ca. 4500 Personen) auf ihr Verlangen in den hessischen Landesdienst.

Nach wie vor gestaltet sich Trennung und Trennungsrechnung zwischen öffentlich-rechtlich organisierter Forschung und Lehre und privater Krankenversorgung schwierig.

2009 bildete sich unter der Bezeichnung "NotRuf 113" eine Initiative von Ärzten, Juristen und Mitarbeitern des Uni-Klinikums Marburg sowie Patienten und Angehörigen (Stand Juni 2010: 500 Mitglieder). Die Initiative wirft den Betreibern vor, dass seit der Privatisierung die Qualität der Behandlung und Versorgung dramatisch eingebrochen sei.[3] Gleichzeitig wird kritisiert, dass die Rhön-Klinikum AG nach dem Kauf der beiden Universitätskliniken auch in den Markt der ambulanten Versorgung einsteigt und an beiden Standorten Praxen aufkauft und zu Medizinischen Versorgungszentren erweitert. Dadurch, so die Kritik, sei eine freie Arztwahl kaum mehr gewährleistet, denn „Ziel des Konzerns sei es, Geld für seine Aktionäre zu verdienen. Also werde der Patient eines Rhön-MVZ auch in eine Rhön-Klinik überwiesen werden und umgekehrt“.[4] Die ZDF-Fernsehdokumentation „Der Patient als Ware“ vom Mai 2010 kritisierte, dass im Klinikbetrieb „Profit vor dem Patientenwohl“ komme.[5] Von in der Dokumentation zu Wort kommenden Ärzten sowie vom Produzenten Rainer Fromm verlangt der Klinikbetreiber Unterlassungserklärungen (Stand Januar 2011).[6] Das juristische Vorgehen der Rhön-Klinikum AG wird von der hessischen SPD[7] und den hessischen Grünen[8] kritisiert. Den Watchblog rhoenwatch.de der Gewerkschaft ver.di schloss die Gewerkschaft im November 2008, da nach ihrer Aussage die Rhön-Klinikum AG gedroht habe, „fies“ zu werden.[9]

Die Privatisierung im Urteil des Deutschen Hochschulverbandes[Bearbeiten]

In einem vom 16. Juli 2013 datierten Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft Hochschulmedizin des Deutschen Hochschulverbands, in der die Bundesärztekammer, Deutscher Hochschulverband, Marburger Bund, die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften und andere ärztliche Organisationen zusammenarbeiten, wurde ein negatives Gesamturteil gefällt. Dort hieß es „dass die Privatisierung des Universitätsklinikums an beiden Universitätsstandorten […] gescheitert sind. Die umfangreichen Investitionen sollen vom Universitätsklinikum Gießen und Marburg aus dem laufenden Haushalt selbst refinanziert werden. Hierzu ist das Universitätsklinikum […] nicht in der Lage.“ Weiter wurden grundsätzliche Standpunkte zur Privatisierung von Universitätskliniken vertreten:

„Die Erfahrungen am Klinikum Gießen/Marburg haben gezeigt, dass die von dem privaten Unternehmen geforderten Renditeerwartungen mit den Aufgabenfeldern eines Universitätsklinikums nicht in Einklang zu bringen sind. Ein Universitätsklinikum besteht nicht nur aus der Behandlung schwersterkrankter Patienten, sondern hat dienende Aufgaben in Forschung und Lehre. Die Unterstützung der Medizinischen Fakultäten bei der Ausbildung von Studierenden ist ebenso Aufgabe der Universitätsklinika wie die maßgeblich an ihnen stattfindende Weiterbildung junger Ärztinnen und Ärzte. Diese Aufgaben stehen in einem natürlichen Spannungsverhältnis zur Erwirtschaftung einer möglichst hohen Rendite. Die Universitätsmedizin sollte daher nach Auffassung der Arbeitsgemeinschaft Hochschulmedizin grundsätzlich als Teil der staatlichen Daseinsfürsorge öffentlich-rechtlich organisiert sein.“

Deutscher Hochschulverband: Pressemitteilung vom 16. Juli 2013[10]

Standort Gießen[Bearbeiten]

Chirurgie-Neubau am Standort Gießen

Zentren[Bearbeiten]

  • Zentrum für Augenheilkunde
  • Zentrum für Chirurgie, Anaesthesiologie und Urologie
  • Zentrum für Dermatologie und Andrologie
  • Zentrum für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
  • Zentrum für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde
  • Zentrum für Humangenetik
  • Zentrum für Innere Medizin
  • Zentrum für Kinderheilkunde und Jugendmedizin
  • Zentrum für Labordiagnostik und Pathologie
  • Zentrum für Neurologie und Neurochirurgie
  • Zentrum für Ökologie
    • Arbeits- und Sozialmedizin
    • Hygiene und Umweltmedizin
    • Rechtsmedizin
  • Zentrum für Psychiatrie
  • Zentrum für Psychosomatische Medizin
  • Zentrum für Radiologie
  • Zentrum für Transplantation
  • Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde

Abteilungen[Bearbeiten]

  • Anaesthesiologie, Intensivmedizin, Schmerztherapie
  • Allgemeinpädiatrie und Neonatologie
  • Audiologie
  • Diagnostische Radiologie
  • Institut für Medizinische Mikrobiologie Gießen
  • Institut für Medizinische Virologie Gießen
  • Kinderkardiologie
  • Kinderradiologie
  • Medizinische Psychologie
  • Medizinische Soziologie
  • Neuropädiatrie, Sozialpädiatrie und Epileptologie
  • Neuroradiologie
  • Pädiatrie, Hämatologie und Onkologie
  • Pädiatrische Pneumologie und Allergologie
  • Strahlentherapie

Standort Marburg[Bearbeiten]

Standort Marburg, ehem. Klinikum Marburg
Klinikum Marburg 02.jpg
Universitätsklinikum Marburg.jpg

Zentren und Abteilungen[Bearbeiten]

  • Abteilung für Klinische Chemie und Molekulare Diagnostik – Zentrallaboratorium
  • Biometrie und Informatik
  • Frauenheilkunde und Geburtshilfe
  • Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde
  • Innere Medizin
  • Institut für Transfusionsmedizin und Hämostaseologie – Universitätsblutbank
  • Institut für Virologie Marburg
  • Klinik für Anästhesie und Intensivtherapie
  • Klinik für Augenheilkunde
  • Operative Medizin
  • Pathologie
  • Zentrum für Hautkrankheiten
  • Zentrum für Humangenetik
  • Zentrum für Hygiene und Infektionsbiologie
  • Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin
  • Zentrum für Nervenheilkunde
  • Zentrum für Notfallmedizin
  • Zentrum für Radiologie
  • Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
  • Zentrum für Hämatologie/Onkologie/Immunologie

Durch die Eröffnung des 3. Bauabschnitts am Standort Marburg wurden mit Ausnahme der Psychiatrie sowie der Zahnklinik alle Fachkliniken aus dem Lahntal auf die Lahnberge verlegt und damit an einem Standort zentral zusammengeführt.

Von-Behring-Röntgen-Stiftung[Bearbeiten]

100 Millionen Euro des erlösten Kaufpreises wurden vom Land Hessen dazu verwendet, als Anfangskapital eine Stiftung zur Förderung der hochschulmedizinischen Forschung und Lehre an den Universitäten Gießen und Marburg zu gründen. Die Stiftung, die nach den beiden Nobelpreisträgern Emil von Behring und Wilhelm Conrad Röntgen benannt ist, die an den mittelhessischen Standorten geforscht haben, ist damit eine der größten Medizinstiftungen Deutschlands. Sie hat das Ziel, „an beiden Standorten neue Perspektiven für die Hochschulmedizin zu sichern“.[11]

Stiftungsorgane[Bearbeiten]

Als Präsident der Stiftung wurde nach Joachim-Felix Leonhard ab Dezember 2012 der ehemalige Kanzleramtsminister und Aufsichtsratsvorsitzender der DVAG, Friedrich Bohl ernannt, die Vizepräsidenten sind zwei Medizin-Professoren[12]: Hans-Dieter Klenk, Marburg, und Friedrich Grimminger, Gießen. Dazu kommt ein wissenschaftlicher Beirat aus 14 medizinischen Experten. Als Aufsichtsgremium fungiert ein Kuratorium, dessen Vorsitzende Staatsministerin Eva Kühne-Hörmann ist.[13]

Preisträger/geförderte Projekte[Bearbeiten]

  • 2008 - 1. Förderrunde: 2,6 Mio. Euro für zehn Forschungsprojekte, ein Fellowship, zwei Symposien und drei Reisebeihilfen.[14]
  • 2009 - 2. Förderrunde: 1,7 Mio. Euro für acht medizinische Forschungsvorhaben, ein Fellowship, zwei Symposien.
  • 2009 - Nachwuchspreise: je 5.000 Euro gehen an Malgorzata Wygrecka und Thomas Strecker.
  • 2010 - 3. Förderrunde: 1,7 Mio. Euro für 14 Forschungsprojekte.
  • 2010 - Nachwuchspreise: je 5.000 Euro an Ivica Grgić und Stephanie Lefèvre.[15]
  • 2010 - Forschungsmedaille: Andreas Oksche.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH: Geschäftsführung, abgerufen am 8. September 2013
  2. a b Rhoen-Bilanz 2006 in Zahlen in: Oberhessische Presse, 20. April 2007, S. 3
  3. Mittelhessen.de: Initiative übt massive Kritik an Betreibern des Uni-Klinikums, 19. Juni 2010
  4. Jutta Rippegather: Rhön AG: Klinikkonzern kauft Arztpraxen auf. In: FR-online vom 13. Februar 2010; abgerufen am 18. Juli 2010
  5. Rainer Fromm: „Der Patient als Ware“ Sendung vom 26. Mai 2011; Video Frontal 21: Der Patient als Ware (27. Mai 2010) in der ZDFmediathek, abgerufen am 17. Januar 2011 (offline)
  6. Jutta Rippegather: „Rhön-Klinik geht gegen Kritiker vor“, Frankfurter Rundschau vom 5. Januar 2011; Gitta Düperthal: »Man hat zum Rundumschlag ausgeholt«, junge welt vom 10. Januar 2011, abgerufen am 17. Januar 2011.
  7. Thomas Spies (SPD): Runder Tisch zur Medizinischen Versorgung in der Region, Pressemitteilung vom 12. Januar 2011, abgerufen am 17. Januar 2011.
  8. GRÜNE: Rhön-Klinikum sollte rechtliches Vorgehen gegen Kritiker überdenken, Pressemitteilung vom 6. Januar 2011, abgerufen am 17. Januar 2011.
  9. Jutta Rippegather: "Rhön-Klinik geht gegen Kritiker vor", Frankfurter Rundschau vom 5. Januar 2011, abgerufen am 17. Januar 2011.
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatPrivatisierung der Hochschulmedizin gescheitert. Deutscher Hochschulverband, 16. Juli 2013, abgerufen am 31. August 2013.
  11. Die von Behring/Röntgen-Stiftung; abgerufen am 15. Juli 2010
  12. Spitzenforschung im Namen Röntgens und von Behrings in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. März 2007
  13. Stiftungsorgane; abgerufen am 15. Juli 2010
  14. Gesamtverzeichnis der bisher geförderten Projekte, PDF; abgerufen am 15. Juli 2010
  15. idw: Herausragende Leistungen in der medizinischen Forschung gewürdigt; abgerufen am 15. Juli 2010