Wümme

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Wümme
Einzugsgebiet der Wümme

Einzugsgebiet der Wümme

Daten
Gewässerkennzahl DE: 494
Lage Niedersachsen und Bremen, Deutschland
Flusssystem Weser
Abfluss über Lesum → Nordsee
Quelle im NSG Lüneburger Heide südl. Niederhaverbeck
53° 7′ 46″ N, 9° 53′ 42″ O53.1294444444449.89590
Quellhöhe ca. 90 m ü. NNVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Mündung Vereinigt sich bei Wasserhorst mit der Hamme zur Lesum53.1713888888898.74305555555562Koordinaten: 53° 10′ 17″ N, 8° 44′ 35″ O
53° 10′ 17″ N, 8° 44′ 35″ O53.1713888888898.74305555555562
Mündungshöhe m ü. NNVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Höhenunterschied ca. 88 m
Länge 118 kmVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen 
120 kmVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen mit Haverbeeke
Einzugsgebiet 1584,77 km²[1]
Abfluss am Pegel Hellwege-Schleuse[2]
AEo: 908 km²
Lage: 44 km oberhalb der Mündung
NNQ (10.08.1992)
MNQ 1961/2008
MQ 1961/2008
Mq 1961/2008
MHQ 1961/2008
HHQ (05.03.1979)
864 l/s
2,4 m³/s
9,9 m³/s
10,9 l/s km²
50,7 m³/s
118 m³/s
Abfluss[3] an der Mündung
AEo: 1584,77 km²
MQ
Mq
15,5 m³/s
9,8 l/s km²
Linke Nebenflüsse Königsgraben, Stellbach, Rieper Reithbach, Fintau, Beeke, Veerse, Rodau, Wiedau, Ahauser Bach, Kleine Wümme
Rechte Nebenflüsse Haverbeeke, Fuhlbach, Barkenbuschgraben, Rehrbach, Rischbach, Reithbach, Wieste, Walle, Wörpe
Großstädte Bremen
Mittelstädte Rotenburg (Wümme)
Gemeinden Borgfeld, Fischerhude, Hellwege, Lilienthal, Lauenbrück, Ottersberg, Scheeßel, Stemmen
Einwohner im Einzugsgebiet 488.000[4]
Schiffbar Abschnittsweise für Motorboote
Südarm der Wümme bei Bremen

Südarm der Wümme bei Bremen

Die Wümme (plattdeutsch Wümm) ist der 118 km lange Hauptquellfluss der Lesum, die ab der Vereinigung mit der von Nordosten (rechts) herankommenden Hamme noch weitere 10 Kilometer bis zur Mündung in die Unterweser zurücklegt. Von Borgfeld (km 0,00) bis zum Zusammenfluss mit der Hamme (km 18,53)[5], dem Tidenbereich, zählt die Wümme zu den sog. sonstigen Binnenwasserstraßen des Bundes[6]; zuständig ist das Wasser- und Schifffahrtsamt Bremen. Auf ihr gilt die Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung.

Die Wümme fließt durch das nördliche Niedersachsen und Bremen. Das Wasser hat fast durchgehend die Güteklasse II: mäßig belastet. Damit gehört die Wümme zu den saubersten Flüssen Norddeutschlands.[7][8]

Wümme ist auch der Name einer Ortschaft, die nahe der ersten Überquerung der Wümme durch die B 75 (zwischen Tostedt und Lauenbrück) liegt.

Geografie[Bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten]

An der Wümme liegen die Orte:

Wichtige Nebenflüsse der Wümme sind:

  • Ahauser Bach (bei Hellwege, von links)
  • Beeke (in Scheeßel, von links)
  • Fintau (in Lauenbrück, von links)
  • Veerse (in Veersebrück bei Scheeßel, von links)
  • Wiedau, mit Rodau, (in Rotenburg, von links)
  • Wieste (bei Ottersberg, von rechts)
  • Wörpe (bei Lilienthal, von rechts)
  • Kleine Wümme (vor Wummensiede, von links)

Oberlauf[Bearbeiten]

Die Wümme in Rotenburg

Die Quelle der Wümme liegt im höchsten Teil der Lüneburger Heide im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide [9] südlich von Niederhaverbeck. Vom Wilseder Berg kommt als größter Quellbach die Haverbeeke, die sich 1,5 km westlich von Niederhaverbeck mit der Wümme vereinigt. Diese fließt zunächst durch naturnahe Niederungen. Sie strömt dann durch Scheeßel und Rotenburg, zu deren Entwicklung einst auch die Mühlen an der Wümme beitrugen. Zwischen Rotenburg und Ottersberg ist die Wümmeniederung durch einen niedrigen Dünenrücken in Längsrichtung geteilt. Nördlich dieses Dünenrückens verlaufen als Seitenarme der Everinghausen-Scheeßeler Kanal (von Scheeßel bis Everinghausen nahe der A 1) und – näher an der Wümme – der Reithbach.

Wichtigste Nebenflüsse in diesem Bereich sind die Fintau, die am Mündungspunkt die Wümme an Wasserführung etwas übertrifft, 2 km südlich von Scheeßel folgt die Veerse und in Rotenburg die Wiedau, die sich kurz zuvor mit der Rodau vereinigt hat.

Wümmewiesen[Bearbeiten]

Rastvögel auf überfluteten Wümmewiesen bei Bremen

Bei Ottersberg (ab Dodenberg) verästelt sich die Wümme zu einem Binnendelta, nach seiner hauptsächlichen Vegetation Wümmewiesen genannt. Im Winterhalbjahr stehen hier oft große Flächen wochenlang unter Wasser und bilden ein Vogelrastgebiet von internationaler Bedeutung. Nordarm, Mittelarm und Südarm der Wümme vereinigen sich an der Nordostecke des Bremer Gebietes wieder zu einem Fluss, seitdem der zum Schutz des Hollerlandes (mit dem Bremer Stadtteil Oberneuland) angelegte Hollerdeich hier die Wümmewiesen nach Süden begrenzt. Die ehemalige südwestlichere Deichlinie wird vom alten Lehester Deich und dem ehemaligen Achterdiek (Straßenname im Stadtteil Horn-Lehe) nachgezeichnet.

Tidenbereich[Bearbeiten]

August Haake: An der Wümme

Unterhalb des letzten Wehres in Bremen-Borgfeld ist die Wümme von der Tide beeinflusst, jedoch verhindert seit 1974 das Lesum-Sperrwerk bedrohliche Hochwasser durch Sturmfluten. In diesem Abschnitt bildet der Fluss die Grenze zwischen Niedersachsen und Bremen. Vom Kuhsiel an heißt der Bremer Deich Wümmedeich, die Marsch dahinter Blockland. Bei Trupe mündet von Norden die Wörpe. Deren frühere, natürliche Mündung lag weiter nordwestlich bei den Truper Blänken. Bei Wasserhorst vereinigt sich die Wümme mit der Hamme zur nur 10 km langen Lesum. Den Tidensaum von Wümme und Lesum bedeckt eines der größten Schilfgebiete Nordwestdeutschlands.

Torfschifffahrt auf der Wümme[Bearbeiten]

Vom Nordarm der Wümme zweigen im Bereich Seebergen/Hexenberg/Ebbensiek sogenannte Schiffgräben in die Moordörfer Rautendorf, Schmalenbeck und Meinershausen ab. Sie dienten dem Transport des Torfs nach Bremen, wie auch die Semkenfahrt. In Kuhsiel zweigt der schon im 13. Jahrhundert erwähnte Kuhgraben ab, der heute nur noch bis zur Kleinen Wümme reicht. An seiner Verknüpfung mit dem Dobben (heute der kleine Platz Parkallee/An der Weide/Am Dobben) lag bis 1826 bei der Südostecke der Bürgerweide der Bremer Torfhafen. Auf der Westseite des heutigen Bürgerparks, damals zwischen Bürgerweide und Bürgerweide-Kämpen wurde zwischen 1817 und 1826 der zirka 3,5 Kilometer lange (Neue) Torfkanal mit dem (Neuen) Torfhafen angelegt. Die Routen der Torfschiffe führten zuletzt über die Hamme, den Semkenfahrtkanal oder die Wörpe zur Wümme, von dieser über die neue Semkenfahrt zum Torfkanal.

Nach der Erschließung der Moorgebiete durch die der Kleinbahn Bremen–Tarmstedt 1900 und der Bahnstrecke Stade–Osterholz-Scharmbeck 1911 fuhren keine Torfschiffe mehr bis nach Bremen.

Wasserbau[Bearbeiten]

Ausgebauter und begradigter Südarm der Wümme
Bremer Wümmedeich

Das Wasser aus dem Gebiet südlich von Hollerdeich und Bremer Wümmedeich sammelt sich im Hollerfleet, in der Kleinen Wümme (möglicherweise einem alten Unterlauf des Wümme-Südarms) und im Kuhgraben. Bei Niedrigwasser fließt es durch Siele ab, bei hohem Wasserstand von Wümme und Lesum wird es seit 1864 durch ein Pumpwerk am Ende des Maschinenfleets in die Lesum gepumpt, um den Wasserstand hinter dem Deich niedriger zu halten als in der Wümme. Vom historischen Pumpenhaus stehen nur noch als Denkmal geschützte Reste. Die modernen Pumpen sind in einer Kammer im Deichkörper verborgen.

Das noch bestehende Dammsiel entstand im Wümmedeich bei der Einmündung der Kleinen Wümme in die Große Wümme, nahe beim Ort Damme. Es wurde 1299 erstmals genannt. Die Dammsielschleuse wurde mehrmals erneuert. Unterhalten wurde sie von den Dorfschaften des Block- und Hollerlandes. Hier stand ein Gasthof, in dem vor allem Torfschiffer einkehrten.

In früheren Zeiten lief bei starkem Weser-Hochwasser Wasser durch eine Dünenlücke bei Bremen-Mahndorf in die Wümme. Nach dem bisher letzten derartigen Ereignis Anfang 1881 wurden die Weserdeiche massiv verstärkt. Seitdem ist das Bremische Gebiet zwischen Weser und Wümme von einem Deichring umschlossen. Verantwortlich ist der Bremische Deichverband am rechten Weserufer.

Im Auftrag des Wümmewasserverbandes Fischerhude wurde im November 2012 die Wehranlage Zwei im Wümme-Südarm in eine Sohlgleite umgebaut. Planung und Bauleitung der Renaturierungsmaßnahme lagen in den Händen der Betriebsstelle Verden des NLWKN. Im Rahmen des GR-Projektes Fischerhuder Wümmeniederung wurden im Landkreis Verden weitere Wehre und Schleusen zu Sohlgleiten umgebaut. Dadurch wurde die ökologische Durchgängigkeit der Wümme soweit verbessert, dass zahlreiche Wanderfische wieder zu ihren Laichgebieten wandern können. Im Mittellauf der Wümme (Scheeßel, Unterstedt, Hellwege) behindern aber noch immer hohe Stauwehre die Laichwanderungen der hier lebenden Fische.

Naturschutz und Tourismus[Bearbeiten]

Die Wümme ist in ihrem gesamten Verlauf unter Natur- oder Landschaftsschutz gestellt. Sie gehört zum europäischen Schutzgebiet Natura 2000. In einem Teil der Wümmewiesen bei Stemmen wurden Weidenalleen und Wildhecken entfernt, um die Fläche für die seltenen Großtrappen attraktiv zu machen.

Der Tidenbereich des Flusses ist schiffbar, wird aber fast nur noch von Sportbooten befahren. Das Paddelrevier reicht wesentlich weiter flussaufwärts bis Lauenbrück. Der Wümme-Radweg verläuft am Unterlauf beidseits auf oder hinter den Deichen, weiter flussaufwärts bis zur Quelle überwiegend abseits des Flusses.

Die Wümme gilt als einer der für den Fisch-Artenschutz wertvollsten Flüsse Niedersachsens. Bemerkenswert ist das Vorkommen bedrohter Wanderfischarten wie Meerneunauge, Flussneunauge, Meerforelle und Lachs. Zahlreiche Angelvereine im Wümmegebiet arbeiten seit Jahren an der Wiederansiedlung von Lachs und Meerforelle. Das obere Wümmegebiet ist Lebensraum bedrohter Kleinfischarten wie Elritze, Mühlkoppe, Bachschmerle, Steinbeißer und des Bachneunauge.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Franzius-Institut (Universität Hannover): Hochwasserschutzplan Wümme. Bericht Nr. 685. 2006, S. 276, abgerufen am 10. August 2013 (pdf; 7,52 MB).
  2. Deutsches Gewässerkundliches Jahrbuch Weser-Ems 2008. Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, 2012, abgerufen am 7. Oktober 2012 (PDF, deutsch, 6184 KB).
  3. Anm.: Pegelwert Hellwege, vermehrt um den Abfluss des Resteinzugsgebietes (676,8 km²) mit einem Gebietsabfluss von ca. 8,2 l/s km² (gemittelt aus den Daten der umliegenden Pegel Hellwege an der Wümme, Ahrensdorf am Giehler Bach und Oberlethe an der Lethe)
  4. Flussgebietsgemeinschaft Weser: Bewirtschaftungsplan Flussgebietseinheit Weser 2005 – Bestandsaufnahme Teilraum Tideweser
  5. Längen (in km) der Hauptschifffahrtswege (Hauptstrecken und bestimmte Nebenstrecken) der Binnenwasserstraßen des Bundes, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes
  6. Verzeichnis F der Chronik, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes
  7. Wassergüte Wümme Mitte
  8. Wassergüte Wümme Ost
  9. Übersichtskarte vom NSG Lüneburger Heide

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wümme – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien