Scheeßel

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Scheeßel (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Scheeßel
Scheeßel
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Scheeßel hervorgehoben
53.1705555555569.483055555555630Koordinaten: 53° 10′ N, 9° 29′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Rotenburg (Wümme)
Höhe: 30 m ü. NHN
Fläche: 149,7 km²
Einwohner: 12.976 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 87 Einwohner je km²
Postleitzahl: 27383
Vorwahl: 04263
Kfz-Kennzeichen: ROW, BRV
Gemeindeschlüssel: 03 3 57 041
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Untervogtplatz 1
27383 Scheeßel
Webpräsenz: www.scheessel.de
Bürgermeisterin: Käthe Dittmer-Scheele (CDU)
Lage der Gemeinde Scheeßel im Landkreis Rotenburg (Wümme)
Bremen Hamburg Schleswig-Holstein Landkreis Cuxhaven Landkreis Diepholz Landkreis Harburg Landkreis Osterholz Landkreis Stade Landkreis Heidekreis Landkreis Verden Ahausen Alfstedt Anderlingen Basdahl Rotenburg (Wümme) Bötersen Bothel Breddorf Bremervörde Brockel Bülstedt Deinstedt Ebersdorf (Niedersachsen) Elsdorf (Niedersachsen) Farven Fintel Gnarrenburg Groß Meckelsen Gyhum Hamersen Hamersen Hassendorf Heeslingen Hellwege Helvesiek Hemsbünde Hemslingen Hepstedt Hipstedt Horstedt (Niedersachsen) Horstedt (Niedersachsen) Kalbe (Niedersachsen) Kirchtimke Kirchwalsede Klein Meckelsen Lauenbrück Sittensen Lengenbostel Oerel Ostereistedt Reeßum Rhade Rotenburg (Wümme) Sandbostel Scheeßel Seedorf (bei Zeven) Selsingen Sittensen Sittensen Sottrum Stemmen (Landkreis Rotenburg) Tarmstedt Tiste Tiste Vahlde Vahlde Vierden Visselhövede Vorwerk (Niedersachsen) Westertimke Westerwalsede Wilstedt Wohnste ZevenKarte
Über dieses Bild

Scheeßel ist eine Einheitsgemeinde im Landkreis Rotenburg (Wümme) in Niedersachsen.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Scheeßel liegt am Übergang von Stader Geest zur Lüneburger Heide (Nordheide) in einer Höhe von etwa 30,36 m ü. NN. Durch den Ort fließen die Wümme und die Beeke. Die Umgebung wird geprägt durch Wälder, Wiesen und Moore (Geestlandschaft).

Der im Ortsteil Westerholz gelegene Bullerberg stellt mit seinen 53 Metern eine der höchsten Erhebungen im Kreisgebiet dar.

Die Kreisstadt Rotenburg (Wümme) ist etwa neun Kilometer entfernt. Die nächsten größeren Städte sind Hamburg (etwa 50 km), Bremen (etwa 40 km) und Hannover (etwa 115 km).

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

(Die Zahlen hinter den Namen der Ortsteile geben die Zahl der Einwohner mit Hauptwohnsitz an.)

  1. Scheeßel 6.741 (aktualisiert am 30. September 2009)
  2. Abbendorf 283
  3. Bartelsdorf 473
  4. Hetzwege 393
  5. Jeersdorf 1.385
  6. Ostervesede 754
  7. Sothel 202
  8. Westeresch 510
  9. Westerholz 635
  10. Westervesede 776
  11. Wittkopsbostel 515
  12. Wohlsdorf 356

(Stand: 30. September 2009)

Nachbarstädte[Bearbeiten]

Zeven, Bremervörde
22 km, 46 km
Sittensen, Stade
13 km, 54 km
Tostedt
20 km
Tarmstedt, Bremen
35 km, 52 km
Nachbargemeinden Bispingen
42 km
Rotenburg (Wümme)
8 km
Visselhövede, Walsrode, Hannover
28 km, 42 km, 102 km
Schneverdingen
25 km

Geschichte[Bearbeiten]

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Scheeßel war im Jahr 1588 von Hexenverfolgung betroffen: eine Person geriet in einen Hexenprozess.[2] Auch Scheeßeler Ortsteile waren betroffen: Abbendorf, Bartelsdorf, Oldenhöfen, Ostervesede, Westerholz und Wittkopsbostel im Jahr 1664. In Hetzwege geriet Anna Hastedt, Ehefrau von Dietrich Hastedt, etwa 60 Jahre alt, in einen Hexenprozess und wurde verbrannt. In Jeersdorf gab es von 1588–1664 Hexenprozesse. Westeresch war zwischen 1662–1669 von Hexenverfolgungen betroffen. Vier Personen gerieten in Hexenprozesse; eine Frau wurde enthauptet.[3]

Im Jahre 2005 feierte der Ort Scheeßel sein 1200-jähriges Bestehen. Die Begründung dafür ist die Aufführung des Ortes Schesla im Diedenhofener Kapitular. Die Gemeinde Scheeßel ist der Ansicht, dass damit der heutige Ort Scheeßel gemeint gewesen sei. Namhafte Historiker und Archäologen teilen diese Ansicht nicht.[4] Denn im Kapitular werden im Zusammenhang mit dem Verbot des Waffenhandels folgende Handelsorte an der damaligen Slawengrenze erwähnt: Bardowieck, „Skaesla“, Magdeburg, Erfurt, Hallstadt (bei Bamberg), Forchheim usw. bis Regensburg. Die Aufzählung zeigt eine deutliche Reihenfolge von Nord nach Süd; demnach müsste „Skaesla“ zwischen Bardowieck und Magdeburg liegen. Das an der Mündung der Jeetzel in die Elbe gelegene Hitzacker kann daher mit größerer Wahrscheinlichkeit in Anspruch nehmen, das gesuchte Skaesla zu sein, als das von der Slawengrenze viel zu weit entfernte Scheeßel.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. März 1974 wurden die Gemeinden Abbendorf, Bartelsdorf, Hetzwege, Jeersdorf, Ostervesede, Sothel, Westeresch, Westerholz, Westervesede, Wittkopsbostel und Wohlsdorf eingegliedert.[5]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Politische Zusammensetzung des Gemeinderates für die Wahlperiode 2011-2016:

  • CDU (41,86 %) – 12 Sitze + Bürgermeisterstimme
  • SPD (32,07 %) – 10 Sitze
  • Grüne (15,61 %) – 5 Sitze
  • WFB (3,76 %) – 1 Sitz
  • MenSch (3,68 %) – 1 Sitz
  • FDP (3,0 %) – 1 Sitz

Bürgermeister[Bearbeiten]

Seit 2001 ist Käthe Dittmer-Scheele (CDU) hauptamtliche Bürgermeisterin der Einheitsgemeinde Scheeßel. Bei der Kommunalwahl am 10. September 2006 wurde sie für weitere acht Jahre in ihrem Amt bestätigt, für eine weitere Amtszeit bei der Wahl am 25. Mai 2014.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen von Scheeßel besteht aus sechs Eichenblättern auf gelbem Grund. Diese Eichenblätter sollen symbolisch die sechs ersten Höfe darstellen, aus denen der Ort hervorgegangen ist.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Wappen der Gemeinde Scheeßel in Tukums

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Green Stage 2005 des Hurricane Festivals. Es spielen die Beatsteaks

Scheeßel ist einer der Schwerpunkte des Fremdenverkehrs der Wümmeniederung und Standort verschiedener regionaler Trachtengruppen.

Die wohl bekanntesten sind die Tanz- und Trachtengruppe De Beekscheepers Scheeßel e. V. und die Original Scheeßeler Trachtengruppe. Beide Gruppen haben sich der Aufgabe verschrieben, norddeutsches Kulturgut national und international bekannt zu machen und zu pflegen. Jedes Jahr findet daher in Scheeßel ein großes Trachtenfest statt, das weit über die Grenzen Scheeßels hinaus bekannt ist. Dieses wird im Wechsel von den Beekscheepers und der Original Scheeßeler Trachtengruppe ausgerichtet und wartet jedes Mal mit vielen Trachtengruppen aus dem In- und Ausland auf. Vom 19. bis 21. Juli 2013 fand das von den Beekscheepers veranstaltete Internationale Beeke-Festival, früher als Beeke-Trachtenfest bekannt, zum 20. Mal statt.[6]

Das Heimatmuseum Scheeßel zeigt auf zwei in sich geschlossenen Hofanlagen mit insgesamt 13 historischen Fachwerkbauten die Wohn- und Arbeitswelt des 19. Jahrhunderts. Bereits 1913 wurde das sogenannte „Heimathaus“ an seinem ursprünglichen Standort abgetragen und als Museumsgebäude wieder aufgebaut. Seit den 1970er Jahren wurde die Anlage kontinuierlich erweitert. Auf dem Heimathausgelände wird heute das Wohnen und Wirtschaften der Menschen auf einer Hofanlage mit niederdeutschem Hallenhaus dargestellt. Auf dem Gelände des historischen Meyerhofs werden textile Handwerke (Spinnen, Weben, Blaudruck, Occhi) lebendig gehalten.

Auch im Bereich der Rock- und Popmusik hat Scheeßel Tradition: In den Jahren 1973 und 1977 fanden auf dem Eichenring in Scheeßel große Open-Air-Festivals statt. Zu diesen Veranstaltungen kamen so namhafte Musiker und Gruppen wie Chicago, Chuck Berry und Golden Earring. Seit Ende der 1990er Jahre ist Scheeßel wieder Heimat eines großen Open-Air-Festivals: Im Jahre 1997 wurde auf dem Eichenring erstmals das Hurricane Festival ausgerichtet. Diese Musikveranstaltung findet alljährlich im Juni statt, im Jahre 2008 mit rund 75.000 Besuchern.

Bauwerke[Bearbeiten]

Der Meyerhof
Das Heimatmuseum

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Hurricane Festival (jährlich seit 1997)
  • Internationales Beeke-Festival (Trachtenfest, alle zwei Jahre seit 1975 am dritten Juli-Wochenende)
  • Internationale Trachtenbegegnung (alle zwei Jahre seit 1986)
  • Deutscher Mühlentag in der Scheeßeler Mühle und der Westerveseder Mühle (jedes Jahr zu Pfingstmontag)
  • Scheeßeler Museumsfest auf dem Meyerhof und Heimathausgelände (jährlich am 1. Mai)
  • Scheeßel-Tag (jährlich Ende August)
  • Auf dem Eichenring in Scheeßel jedes Jahr Ende August/Anfang September Internationale Motorrad-Sandbahnrennen auf der 1.000 m Sandbahn des MSC Eichenring Scheeßel.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

In Scheeßel und den umliegenden Ortschaften haben sich zahlreiche kleine und vor allem mittelständische Unternehmen angesiedelt, da der Ort verkehrsgünstig zwischen den Ballungszentren Hamburg, Bremen und Hannover liegt. Scheeßel ist Sitz der Sparkasse Scheeßel.

Von der Krippe bis zum Gymnasium: mehrere Kitas, zum Teil als Ganztagskindergarten bzw. Krippe, Grundschule, Oberschule "Beeke-Schule", Gymnasium "Eichenschule".

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

  • Das Unternehmen Campana-Schwimmbad-Überdachungen ((Campana)) produziert und vertreibt weltweit Schwimmbad-Überdachungen und Salvada Terrassenüberdachungen in Deutschland. Unter anderem wurden im Rahmen der Olympischen Sommerspiele 2004 Schwimmbadüberdachungen nach Athen geliefert.
  • Ebenfalls weltweit tätig ist das Unternehmen Adolf Müller, seit 1906 ist das Maschinenbauunternehmen in Scheeßel ansässig. Wurden in den Anfangsjahren Sägewerksmaschinen produziert, werden heute Rollenwickel und -schneidmaschinen für die Papier, Kunststoff und Aluminium verarbeitende Industrie produziert.
  • MAM Babyartikel GmbH als Tochtergesellschaft der österreichischen MAM Babyartikel gesGmbh vertreibt Babyprodukte.
  • Das Büro für Elektrotechnik ist seit 1989 in Scheeßel ansässig und bietet innovative Planung elektrotechnischer Anlagen.
  • Die Lackfabrik Norix
  • Scheeßel besitzt eine Geschäftsstelle der Volksbank Wümme-Wieste eG.
  • Scheeßel ist Sitz der Sparkasse Scheeßel

Verkehr[Bearbeiten]

Straße[Bearbeiten]

Ortsdurchfahrt der B 75 in Scheeßel

Scheeßel ist sehr gut an den regionalen und auch überregionalen Verkehr angebunden. Durch die Gemeinde verläuft die Bundesstraße 75 und in der Nähe verläuft die Bundesautobahn 1 (etwa 15 km bis zur Anschlussstelle in Sittensen). Durch diese verkehrsgünstige Lage ist man mit dem Auto in etwa einer Stunde in Hamburg, Bremen oder Hannover und auch die Urlaubsregionen der Nord- und Ostsee sowie der Harz sind mit dem PKW in höchstens zwei Stunden zu erreichen. Wann die Ortsumgehung der B75 realisiert werden kann ist offen. Mehrfach wurde das Bauvorhaben auf Vorhabenlisten gesetzt und wieder entfernt.[7][8][9][10][11]

Eisenbahn[Bearbeiten]

Östlich des Ortes verläuft die Hauptbahn Hamburg–Bremen (–Ruhrgebiet). Aus dieser soll in der Nähe von Scheeßel die geplante Y-Trasse abzweigen. Scheeßel verfügt über einen Bahnhof an der Bahnstrecke Wanne-Eickel–Hamburg, an dem im Rahmen des Hanse-Netzes verkehrende Züge der metronom Eisenbahngesellschaft auf der Verbindung Hamburg-Bremen halten. Mit dem Zug kommt man in knapp 40 Minuten nach Bremen und in knapp 50 Minuten nach Hamburg.

Flugverkehr[Bearbeiten]

Der nächste Verkehrslandeplatz liegt in Rotenburg (Wümme). Die nächsten internationalen Flughäfen sind der Hamburg Airport, der Flughafen Bremen und Hannover-Langenhagen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

weitere Persönlichkeiten, die mit dem Ort in Verbindung stehen[Bearbeiten]

  • Schriftsteller und ehemalige Pressesprecher von Außenminister Joachim von Ribbentrops; Paul (Karl) Schmidt (Pseudonym: Paul Carell) lebte nach seiner Freilassung hier.
  • Sandbahnfahrer Egon Müller: Der Kieler wurde 1974 auf dem Eichenring überraschend zum ersten Mal Weltmeister.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Scheeßel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, Fortgeschriebene Einwohnerzahlen zum 31. Dezember 2012 (Hilfe dazu)
  2. Jürgen Hoops und Heinrich Ringe: mißbraucht & verbrannt. Die Hexenprozesse im Amt Rotenburg, Bistum Verden, 2. Auflage, Stuttgart 2011, S. 325-328.
  3. Jürgen Hoops und Heinrich Ringe: mißbraucht & verbrannt. Die Hexenprozesse im Amt Rotenburg, Bistum Verden, 2. Auflage, Stuttgart 2011, S. 325-328; Joachim Woock: Unterrichtsmaterialien zum Thema „Hexenverfolgung im Stift Verden und in den Herzogtümern Bremen-Verden“, Verein für Regionalgeschichte Verden e. V., Verden 2009, S. 88-96.
  4. Leserbrief von Dr. Wolfgang Dörfler: 1.200 Jahre Scheeßel? Mit Sicherheit nicht! 4. August 2005 Rotenburger Rundschau.
  5.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 245.
  6.  Scheeßel wird ganz bunt. In: Weser-Kurier. 19. Juli 2013 (Online, abgerufen am 8. August 2013).
  7. Planung für Großprojekt läuft“ Rotenburger Kreiszzeitung vom 14. August 2009
  8. Scheeßel auf Vorhabenliste, Ortsumgehung bestätigt / „Bahnstreckenausbau geplant“ Rotenburger Rundschau vom 21. März 2012
  9. Straße für Geduldige“ Rotenburger Rundschau vom 24. November 2012
  10. Scheeßel ist dabei“ Rotenburger Rundschau vom 29. Dezember 2012
  11. Planfortschreibung steht auf der Kippe“ Rotenburger Rundschau vom 6. März 2013