Goetheanum

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Goetheanum Vorderansicht
Goetheanum Seitenansicht

Das Goetheanum ist ein 1928 errichteter, monumentaler, von Rudolf Steiner (1861–1925) entworfener Theater-Bau in Dornach bei Basel in der Schweiz, benannt nach Johann Wolfgang von Goethe.

Der imposante Sichtbetonbau mit weit gespanntem Dach vermeidet weitgehend rechte Winkel, hat daher ein spezielles Aussehen und ist der Sitz der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft sowie der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft (= Anthroposophie) mit ihren Sektionen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Die Bauten

Quellenangaben
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[Bearbeiten] Das erste Goetheanum (1913–1922)

Das erste Goetheanum

In einem gemieteten Theatersaal in München wurde zwischen 1910 und 1913 jährlich ein Mysteriendrama von Rudolf Steiner aufgeführt. Aus dem Umkreis Rudolf Steiners kam der Wunsch, dazu wie auch zu Eurythmieaufführungen einen eigenen geeigneten Saal zu bauen.

Nachdem sich in München Hindernisse zeigten, wurde der Bau - auf dem durch Schenkung eines sympathisierenden Zahnarztes (Grosheintz) erworbenen Grundstück in Dornach das sog. „erste Goetheanum“ als Zentrum seiner Bewegung - umgeplant.

1913 begannen die Bauarbeiten, die sich während des Ersten Weltkrieges verzögerten. Noch unfertig, wurde der Bau in der Silvesternacht von 1922/23 durch Brandstiftung zerstört.

[Bearbeiten] Architektur

Das erste Goetheanum, Steiners erstes grösseres architektonisches Projekt, weist Einflüsse des Jugendstils und von Antoni Gaudí auf. Auch wirkte in seiner zehnjährigen Entstehungsgeschichte die englische Bildhauerin Edith Maryon durch ihre Mitarbeit prägend auf es ein.

Grundlegend war schon im Münchner Projekt die Grundrissgestalt: Zwei ungleich grosse Kuppelräume, die auf zwei ungleich grossen Rotunden ruhen, durchdringen sich gegenseitig. Durch die Art der Proportionen kann der Eindruck eines einzigen grossen gegliederten Raumes wie auch der von zwei Räumen entstehen. Mit den Säulen im Innern des Baues schliesst Rudolf Steiner an frühere Architekturepochen an. Gleichzeitig gestaltet er eine jede einzelne so, dass sich die Sockel- und Kapitellformen aus der Gestaltung der jeweils Vorangehenden ableiten und weiter entwickeln. Damit versucht er, der Gestaltung Entwicklungsgesetze des Lebendigen zugrunde zu legen (Goethes Metamorphose) und in neuen künstlerischen Formen auszudrücken. Die Architektur verlässt damit das Statisch-„Tote“ und beginnt, einen Entwicklungsweg zu beschreiben. Die Künste Architektur, Plastik, Malerei, Glasfenster werden vereinigt, um Raum zu schaffen für Weitere: die Musik, das Schauspiel und die Eurythmie. Mit diesem Bau sei der Versuch getan, dem in jedem Menschen schlummernden Höheren zur Entfaltung zu verhelfen.

[Bearbeiten] Das zweite Goetheanum (1924–1928)

Goetheanum von Süden
Innenansicht
Modell

Das zweite Goetheanum wurde gebaut als Zentrum zur Ausübung der weltweiten anthroposophischen Tätigkeiten. Es ist Sitz der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft sowie der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft mit ihren Sektionen. Das Gebäude wurde 1925–1928 als Nachfolgebau des ersten Goetheanums brandsicher in Beton errichtet. Die räumliche Konzeption war im Prinzip die gleiche wie diejenige des ersten Baues: ein grosser Saal mit ca. 1000 (900) Sitzplätzen und eine Bühne für Schauspiel (Faust von Goethe, für Mysteriendramen von Steiner und andere Inszenierungen) wie auch für Eurythmie und Vorträge. Steiner fertigte für das zweite Goetheanum ein Aussenmodell an, das Grundlage für die Baueingabepläne war. An der Ausführung des Baues konnte er nicht mehr mitwirken, da er im Frühjahr 1925 verstarb.

[Bearbeiten] Architektur

Das erste Goetheanum war in seiner Gestalt stark durch geometrische Verhältnisse geprägt. Die einzelnen Formen jedoch waren in lebendige Bewegung übergeführt. Beim zweiten Goetheanum finden wir nun die Gestalt des ganzen Baues von dieser Bewegung ergriffen. Im Osten gleicht er einem verschlossenen Kubus, der aber, je weiter er sich nach Westen erstreckt, immer bewegter und dynamischer wird. Es schiene im Osten des Baues im Inneren verborgen etwas zu entstehen, was im Westen seine Offenbarung und Verwirklichung hinaus in die Welt fände. So brächten sich in diesem Bau zwei polare Weltenkräfte zum Ausdruck. Die eine sei in sich verschlossen, verberge etwas in sich, tendiere in die Schwere (Osten), die andere wende sich nach aussen, teile sich mit und tendiere in die Leichte (Westen). Doch zeige sich in diesem Bau noch eine dritte Kraft, welche die ersten beiden ergreift und verbindet. Sie führt diese in eine gesteigerte Bewegung.

[Bearbeiten] Die Nebenbauten

Mit diesem Namen wird häufig eine Reihe von Gebäuden bezeichnet, die ebenfalls von Steiner entworfen und in der unmittelbaren Nähe des Goetheanum gebaut wurden. Sie bilden eine Einheit mit dem Hauptgebäude und mit der Geländegestaltung, die auch zum grossen Teil von Steiner stammt.

[Bearbeiten] Veranstaltungen

[Bearbeiten] Faust

Berühmt ist das Goetheanum vor allem wegen der regelmässigen Faust-Aufführungen. Der Goetheanum-Bühne gebührt das Verdienst, 1938 als erstes beide Teile von Goethes Faust (Faust I, Faust II) inszeniert zu haben. Seitdem werden im Abstand einiger Jahre unter wechselnden anthroposophischen Regisseuren Aufführungen und Tagungen veranstaltet, zuletzt von April bis August 2004.

[Bearbeiten] Berichte

(...)dabei macht es das Gebäude unvorbereiteten Besuchern nicht leicht. Die äussere Würde verwandelt sich jenseits der Pforte in herrische Autorität. Klotzige Betonträger ragen schief in die Räume, asymmetrische Fenster lenken den Blick in den leeren Himmel, der Atem hallt merkwürdig in den düsteren Treppenhäusern. Alles ist riesig und klobig. (...)
Beim Warten auf den Bus kann man den Betonkoloss noch einmal aus sicherer Distanz auf sich wirken lassen. Es ist eine strenge und gleichberechtigte Verbindung, die Masse und Körperlosigkeit miteinander eingehen. Geschaffen wurde sie zu einer Zeit, in der Beton als Baustoff noch nicht gebräuchlich war. Plötzlich ist die visionäre Kraft spürbar, die von diesem Ort einmal ausgegangen sein muss. In überwältigender Klarheit scheint das Gebäude plötzlich einen Gedanken auszudrücken: Die grösste Freiheit und das grösste Glück des Menschen liegen darin, denken zu können. So etwas kann ein Gebäude sagen? Einfach mittels gebogener Betonmauern? So etwas verstört den skeptischen Besucher.
Der ganze Artikel der Wochenzeitung Die Zeit.

[Bearbeiten] Ansichten

[Bearbeiten] Literatur

  • Carl Kemper: Der Bau. Studien zur Architektur und Plastik des ersten Goetheanum, Freies Geistesleben, 1984, ISBN 978-3772505348
  • Hans Hasler: Das Goetheanum, Verlag am Goetheanum, 2005, ISBN 978-3723512586
  • Werner Blaser: Natur im Gebauten: Rudolf Steiner in Dornach, Birkhäuser Verlag, 2002, ISBN 978-3764365417
  • Christina Haberlik: 50 Klassiker. Architektur des 20. Jahrhunderts. Hildesheim: Gerstenberg Verlag, 2001. ISBN 3-8067-2514-4
  • Helmut Zander: Anthroposophie in Deutschland, Vandenhoeck & Ruprecht 2007, Band 2, ISBN 978-3-525-55452-4
  • Christoph Hackelsberger Beton: Stein der Weisen? Nachdenken über einen Baustoff. Vieweg-Verlag, 1988
  • Sonja Ohlenschläger: Rudolf Steiner (1861-1925). Das architektonische Werk, Michael Imhof Verlag, 1999, ISBN 3-932526-37-6

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Goetheanum – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

47.4861111111117.6202777777778Koordinaten: 47° 29′ 10″ N, 7° 37′ 13″ O; CH1903: (613691 / 259499)

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