Wilhelm Bittrich

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Wilhelm Bittrich (rechts) als SS-Brigadeführer mit Hermann Fegelein in der Sowjetunion, 1942

Wilhelm Bittrich (* 26. Februar 1894 in Wernigerode; † 19. April 1979 in Wolfratshausen) war ein deutscher Offizier und Flugzeugführer, zuletzt SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg.

Leben[Bearbeiten]

Erster Weltkrieg und Nachkriegsjahre[Bearbeiten]

Bittrich meldete sich mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs als Freiwilliger und wurde am 15. Oktober 1915 im Infanterie Regiment 77 zum Leutnant der Reserve befördert. 1914 wurde er schwer verwundet. 1916 wechselte er in die noch junge Fliegertruppe und erzielte als Flugzeugführer der Jagdstaffel 37 drei Abschüsse.

Unmittelbar nach Kriegsende schloss er sich dem Freikorps Hülsen an, bis er sich ab 1921 für kurze Zeit als Sportlehrer und Angestellter einer Maklerfirma verdingte. Am 29. Dezember 1922 heiratete er die Theaterschauspielerin und Regisseurin Käte Sonntag-Blume und arbeitete von 1924 bis 1930 als Fluglehrer bei der Stettiner Sportflug GmbH in Stettin-Kreckow und der Deutschen Verkehrsfliegerschule (D.V.S.) in Schleißheim bei München. Ab 1. April 1930 wurde Bittrich Zivilangestellter in der Reichswehr und als Fluglehrer zur geheimen fliegerischen Ausbildung und zum Aufbau der deutschen und sowjetischen Luftwaffe auf sowjetischem Boden nahe Lipezk kommandiert. Dort erwarb er am 4. April 1932 den Flugzeugführerschein.

Von März 1932 bis Juni 1932 war er Mitglied der SA.

Karriere in der Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Bittrich trat am 1. Juli 1932 als SS-Anwärter (SS-Nr. 39.177) in die SS-Fliegerstaffel "Ost" ein und wurde am 31. Oktober 1932 zum SS-Sturmführer und Führer der Staffel befördert. Das deutsche Flug- und Ausbildungszentrum in der Sowjetunion wurde 1933 durch das Reichswehrministerium aufgelöst. Die Führung der SS arbeitete bereits zu diesem Zeitpunkt an der Aufstellung bewaffneter und kasernierter SS-Einheiten (vgl. SS-Verfügungstruppe) und war daher auf militärische Fachleute angewiesen. Bittrich wirkte zunächst bei der Aufstellung des I. Bataillons der SS-Standarte „Germania“ (I./SS-Germania) mit und machte bereits vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges eine steile Karriere. Am 1. Oktober 1936 zum SS-Sturmbannführer und am 30. Januar 1938 zum SS-Obersturmbannführer befördert, übernahm er im gleichen Jahr als Kommandeur das II.Bataillon des SS-Regiments "Deutschland" (II./SS-„Deutschland“), mit dem er nach Wien zur Neuaufstellung der aktiven SS-Standarte 3 verlegte, die später den Namen SS-Regiment "Der Führer" erhielt. Am 1. Juni 1939 wurde Bittrich als SS-Standartenführer zum Führer beim Stab der Leibstandarte SS "Adolf Hitler" ernannt. Die Leibstandarte hatte keine Regimentsnummer, gehörte aber zur SS-Verfügungstruppe.

Truppenführer im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Den Polenfeldzug erlebte Bittrich als SS-Standartenführer und Oberst beim Stabe des SS-Infanterie-Regiments (mot.) „Leibstandarte-SS Adolf Hitler“, wo er den Regimentskommandeur Sepp Dietrich bei der Führung des Verbandes unterstützen sollte. Anschließend wurde er am 1. Februar 1940 in das SS-Führungshauptamt versetzt, um einheitliche Ausbildungsvorschriften für die nun Waffen-SS genannte SS-Verfügungstruppe zu erarbeiten.

Bereits seit dem 4. September 1940 SS-Oberführer, erhielt er ab dem 1. Dezember als Kommandeur der SS-Standarte „Deutschland“ wieder ein Frontkommando. Diesen Verband führte Bittrich im Feldzug gegen die Sowjetunion bis zum Oktober 1941, als er in Vertretung für den verwundeten Paul Hausser die Führung der SS-Division „Das Reich“ vor Moskau übernahm. Am 19. Oktober 1941 folgte die Beförderung zum SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS. Für den selbstständigen Entschluss, die Moskauer Schutzstellung zu durchbrechen, erhielt er am 14. Dezember 1941 zudem das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes.

Am 1. Mai 1942 wurde er als SS-Brigadeführer und Generalmajor der Waffen-SS beauftragt, aus der SS-Kavalleriebrigade die SS-Kavallerie-Division aufzustellen, mit der er dann bis Anfang 1943 im Mittelabschnitt der Ostfront kämpfte. Ab Februar 1943 stellte er als Kommandeur die 9. SS-Panzergrenadier-Division „Hohenstaufen“ auf und wurde am 1. Mai 1943 zum SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Waffen-SS befördert. Seine Division verblieb zunächst in Belgien und Frankreich, wo sie im Oktober 1943 zu einer Panzer-Division umgerüstet wurde. Ab März 1944 kämpfte sie im Rahmen des II. SS-Panzerkorps im Krieg gegen die Sowjetunion im Raum Tarnopol, wo es gelang, die eingekesselte deutsche 1. Panzerarmee zu entsetzen.

Nach der Invasion der Alliierten am 6. Juni 1944 wurde das II. SS-Panzerkorps mit der 9. SS-Panzer-Division „Hohenstaufen“ und der 10. SS-Panzer-Division „Frundsberg“ nach Frankreich verlegt, wo Bittrich am 31. Juli 1944 zum SS-Obergruppenführer und Kommandierenden General des II. SS-Panzer-Korps ernannt wurde. Unter seiner Führung kämpfte das Korps, nunmehr bestehend aus der 9. SS-Panzer-Division, 3. Fallschirmjäger-Division und Teilen der 21. Panzer-Division, zunächst an der Invasionsfront u. a. im Raum Caen. Später, am 20./21. August brach es unter schweren Verlusten den Kessel von Falaise auf und befreite die eingeschlossene 7. Armee und die 5. Panzerarmee. Für seine Führungsleistung bei dieser Operation erhielt er am 28. August 1944 das Eichenlaub zum Ritterkreuz.

Wilhelm Bittrich während einer Lagebesprechung mit Walter Model und Kurt Student während der Kämpfe um Arnheim (September 1944)

Das II. SS-Panzerkorps wurde zur Auffrischung seiner Verbände am Anfang September 1944 in die Niederlande in die Gegend von Arnheim verlegt. Am 17. September 1944 begann dort die alliierte Luftlande-Operation Market Garden mit dem Absprung von britischen Fallschirmjägern genau in die Bereitstellungsräume des II. SS-Panzerkorps, dessen tatsächliche Größe und Kampfkraft der alliierten Aufklärung entgangen war. Bittrichs Korps gelang es, die britische 1. Luftlandedivision einzukesseln und ihr schwere Verluste beizubringen. Auf Bitten des Divisionsarztes der Briten verfügte Bittrich am 24. September 1944 eine dreistündige Waffenruhe, um mehr als 2.000 verwundete Briten aus dem Kessel abtransportieren und in den Lazaretten seiner Divisionen versorgen zu lassen.

Ab dem 16. Dezember 1944 nahm das II. SS-Panzerkorps im Rahmen der 6. SS-Panzerarmee unter Sepp Dietrich an der Ardennenoffensive teil. Bittrich unterstanden für die Operation neben der 9. SS-Panzer-Division „Hohenstaufen“ auch die 2. SS-Panzer-Division „Das Reich“ sowie die „Führer-Begleit-Brigade“. Nach geringen Anfangserfolgen liefen sich die Stoßkeile des Korps aber mehr und mehr fest und erlitten durch ständige alliierte Luftangriffe schwere Verluste.

Wegen des endgültigen Scheiterns der Ardennenoffensive und der bevorstehenden sowjetischen Offensive im Süden der Ostfront wurde die 6. SS-Panzerarmee mit Bittrichs Korps im Februar 1945 nach Ungarn verlegt, konnte einen Durchbruch der Roten Armee aber nicht verhindern. Das II. SS-Panzerkorps wurde daraufhin mit der Verteidigung Wiens beauftragt. Nachdem am 2. April 1945 der Angriff auf die Stadt begonnen hatte, erhielt Bittrich am 9. April 1945 vom Oberkommando der Wehrmacht (OKW) den Befehl, Wien „bis zum letzten Atemzug“ zu halten. Noch am gleichen Tag aber zog er seine Verbände aus Wien ab und verlegte sie hinter den Donaukanal, um eine sinnlose Zerstörung der Wiener Altstadt und ein Ausbluten seiner Divisionen zu verhindern. Einem neuerlichen Befehl des OKW, Wien zurückzuerobern, leistete er keine Folge. Hinhaltend kämpfend zog sich Bittrich mit seinem Korps nach Westen zurück und ging am 8. Mai 1945 in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Im Januar 1948 wurde Bittrich nach amerikanischer Internierung auf eigenen Wunsch an die französischen Militärbehörden ausgeliefert, die ihn wegen Kriegsverbrechen in Frankreich anklagten. Er saß fünf Jahre in Marseille in einer kleinen Zelle in Einzelhaft. Der spät folgende Prozess begann, nachdem ihm der Kriegsgefangenen-Status aberkannt worden war, am 16. Juni 1953 vor einem französischen Militärgericht, das z. T. mit ehemaligen Resistance-Anhängern besetzt war, in Marseille. Der Anklagevorwurf bezog sich auf die Erhängung von 17 Mitgliedern der Résistance bei Nîmes durch einen Zug der Feldgendarmerie-Kompanie der 9. SS-Panzer-Division „Hohenstaufen“, deren Kommandeur Bittrich zu dieser Zeit gewesen war. Die Verhandlung ergab, dass Bittrich erst im Nachhinein Kenntnis von den Erhängungen erhalten und daraufhin gegen die beteiligten Soldaten sofort ein Verfahren eingeleitet hatte. Letztlich wurde Bittrich zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, weil er, so das Gericht, als Divisionskommandeur die Verantwortung für das Verhalten der ihm unterstellten Soldaten zu übernehmen habe. Die Strafe galt durch die Untersuchungshaft als verbüßt. Nach einem Sieben-Tage-Prozess erhielt er die sofortige Freilassung. Der mitangeklagte verantwortliche Zugführer erhielt eine 20-jährige Zuchthausstrafe.

Bittrich ließ sich nach seiner Entlassung 1953 am Starnberger See nieder. Einen Beruf konnte er krankheitsbedingt nicht mehr ausüben. Eine Rente wurde ihm als ehem. General der Waffen-SS verweigert.

Historische Bewertung[Bearbeiten]

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Bittrich gehörte, wie auch Paul Hausser und Felix Steiner zu jener Gruppe von ehemaligen Reichswehroffizieren, Reformer, die in der SS-Verfügungstruppe ihre neue militärische Heimat fanden und die militärische Ausbildung der noch jungen Truppe prägten. Eine ideologische Heimat, so mehrheitlich die Aussagen in der Nachkriegszeit, sei die SS nie gewesen. Auch Bittrich hat später durchweg die rein militärfachlichen Aspekte seiner Arbeit betont, auch wenn er erklärte, während der 1930er-Jahre sehr unter dem Einfluss des späteren SS-Oberst-Gruppenführers und Chefs der Ordnungspolizei Kurt Daluege gestanden zu haben, dem er freundschaftlich verbunden war. Zudem hatte Bittrich bereits vor seinem Eintritt in die SS von der Idee eines „nationalen Sozialismus“ geschwärmt und sich später wiederholt als Nationalsozialist bezeichnet. Eine wohl sehr weitgehende Akzeptanz der SS-Ideologie zumindest für die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg ist anzunehmen.

Mit zunehmender Kriegsdauer jedoch mehrten sich die Auseinandersetzungen mit der Reichsführung-SS, insbesondere mit Heinrich Himmler selbst. Nach eigener Aussage sei Bittrich nach dem Untergang der 6. Armee in Stalingrad von der Unmöglichkeit eines „Endsieges“ überzeugt gewesen. Nachweisbar sind mehrere Versuche Himmlers, Bittrich seines Kommandos zu entbinden, da dieser immer häufiger vor seinen Stabsoffizieren und einem eingeschleusten SD-Offizier offen seinen Unmut über die Machthaber in Berlin äußerte. Bittrich aber weigerte sich, den Anweisungen des Reichsführer-SS nachzukommen. Dabei wurde er stets von seinen Vorgesetzten gedeckt. Während der Schlacht um Arnheim 1944 sandte Himmler eigens den Reichsarzt-SS Karl Gebhardt mit dem Auftrag in die Niederlande, Bittrich abzusetzen und nach Berlin zu bringen. Generalfeldmarschall Walter Model, dem das II. SS-Panzerkorps unterstellt war, lehnte es jedoch ab, Bittrich das Kommando zu entziehen und stellte sich auch in der Folgezeit schützend vor ihn. Model: "Bittrich, nicht wir Soldaten verlieren den Krieg, sondern weil wir keinen psychologisch geschulten Menschen im Führerhauptquartier sitzen haben!" (Aussage Bittrichs). Model nahm sich am 21.April 1945 durch einen Pistolenschuss das Leben.

Bereits in der Nacht vom 15. zum 16. Juli 1944 hatte Bittrich gegenüber Generalfeldmarschall Erwin Rommel, der die Einstellung der an der Westfront eingesetzten Waffen-SS-Verbände zu einem eventuellen Staatsstreich zu sondieren suchte, erklärt: „Herr Feldmarschall, wenn dieses Wort gilt, dann stehe ich mit dem II. Panzerkorps hinter Ihnen und Ihrer Führung. Meine Kommandeure denken genauso wie ich.“ Am 21.Juli 1944 kam Bittrich für eine Nacht zu einem Gestapo-Verhör in Untersuchungshaft (Aussage Bittrich).

Wilhelm Bittrich nun als „Mitverschwörer“ oder „Widerstandskämpfer“ bezeichnen zu wollen, geht sicherlich fehl. Seine zunehmende Distanz zu der politischen Führung beruhte wohl mehr auf deren Starrsinn, den Krieg selbst dann nicht zu beenden, als eine Niederlage Deutschlands unausweichlich war und stattdessen immer neue Jahrgänge Tausender 17jähriger an den Fronten des Zweiten Weltkrieges in den Tod zu schicken. Bittrich hat sich einen kritischen Geist bewahrt und als Offizier der Waffen-SS das getan, was so viele Wehrmacht-Generäle nicht vermochten: Befehlen, die sinnlos Menschleben geopfert hätten, nicht zu gehorchen. Sein mutiger und selbstloser Entschluss, Wien entgegen anders lautenden Weisungen Hitlers zu räumen und den Russen kampflos zu überlassen, mag dafür ein Beispiel sein. Seine Befehlsgewalt entzog ihm daraufhin das OKW, er wurde allerdings durch Generaloberst Sepp Dietrich in den Rückzugs-Wirren der letzten Tage von der Abberufung bis zur Auflösung der Restbestände seiner Divisionen geschützt und sicherlich vor dem Tod bewahrt. Die eigenmächtige Verleihung der Schwerter am 5.Mai 1945 durch Sepp Dietrich fand keine Bestätigung mehr.

Dennoch hat auch er dem Nationalsozialismus im Zweiten Weltkrieg bis zum bitteren Ende gedient. Ob Bittrich selbst dies auch so gesehen, und wie er seine militärische Karriere vor diesem Hintergrund bewertet hat, ist wegen fehlender Zeugnisse nicht zu klären. Folgende Passage eines Briefes, den er am 19. Mai 1977, zwei Jahre vor seinem Tod, an den Bundesgeschäftsführer des „Bundesverbandes der Soldaten der ehemaligen Waffen-SS e.V.“, deren Ehrenvorsitzender er war, geschrieben hat, mag aber einen Hinweis auf seine Sicht der Dinge liefern:

„Ich bitte Sie sehr herzlich, dass bei meiner Beerdigung keine Reden gehalten werden, die irgendwelche Beziehungen zu Verdiensten des Verstorbenen enthalten. Ich würde Ihnen dankbar sein. Der ehemalige General der Waffen-SS Bittrich wird nur eine einzige Liebe in sein Jenseits mitnehmen, die Liebe zu seinem Vaterland Deutschland.[1]

Trivia[Bearbeiten]

In dem Hollywood-Film Die Brücke von Arnheim (Originaltitel: A Bridge Too Far) von 1977 wird Bittrich durch Maximilian Schell verkörpert.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Mühleisen, S. 85.
  2. a b Veit Scherzer: Die Ritterkreuzträger 1939-1945, Scherzers Militaer-Verlag, Ranis/Jena 2007, ISBN 978-3-938845-17-2, S.121