Die Brücke von Arnheim (Film)

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Filmdaten
Deutscher Titel Die Brücke von Arnheim
Originaltitel A Bridge Too Far
Produktionsland Vereinigtes Königreich,
Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1977
Länge 168 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Richard Attenborough
Drehbuch William Goldman
Produktion Joseph E. Levine,
Richard P. Levine
Musik John Addison
Kamera Geoffrey Unsworth
Schnitt Antony Gibbs
Besetzung

Der Spielfilm Die Brücke von Arnheim (Originaltitel: A Bridge Too Far) ist ein 1977 von United Artists produzierter Kriegsfilm über die Operation Market Garden, eine gescheiterte Luftlandeaktion der Alliierten hinter den deutschen Linien im Zweiten Weltkrieg. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch von Cornelius Ryan und dem Drehbuch von William Goldman. Der Film ist mit sehr vielen internationalen Stars besetzt: Dirk Bogarde, James Caan, Michael Caine, Sean Connery, Elliott Gould, Gene Hackman, Ryan O’Neal und Robert Redford spielen auf der Seite der Alliierten, Hardy Krüger und Maximilian Schell spielen deutsche Offiziere und Laurence Olivier und Liv Ullmann niederländische Zivilisten.

Handlung[Bearbeiten]

Zu Beginn wird mit Hilfe von Wochenschau-Bildern die Situation des Jahres 1944 nach der Landung in der Normandie dargestellt, speziell die mit persönlichem Ehrgeiz verbundene Zielsetzung der obersten alliierten Befehlshaber, möglichst schnell einen Weg ins (wirtschaftliche) „Herz des Reiches“, sprich ins Ruhrgebiet (und dann Richtung Berlin) zu erobern, um letztlich den Krieg in Europa schnell beenden zu können. Dazu entwirft der britische Feldmarschall Montgomery die Operation Market Garden, die der britische General Browning im Spätsommer des Jahres 1944 seinen Kommandeuren eröffnet: 35.000 alliierte Fallschirmjäger sollen hinter der feindlichen Linie in den Niederlanden abspringen und anschließend sechs wichtige Brücken besetzen und halten, bis die Bodentruppen nachgerückt sind. Der Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Europa, Eisenhower, hatte sich diesem Plan angeschlossen, für Montgomery ein "Sieg" über seinen Rivalen, den US-General Patton.

Weil die Operation auch ein Prestigeprojekt für Montgomery und seine Offiziere ist, wird die Aktion selbst dann nicht gestoppt, als die Briten Informationen erhalten, dass im Zielgebiet um Arnheim seit kurzem deutsche Panzertruppen stationiert sein könnten. Auf diese Weise gerät General Urquhart mit seinen 10.000 Fallschirmjägern ins Kreuzfeuer zweier Panzerdivisionen. Die Männer werden getrennt und sind fortan auf sich allein gestellt – der erbitterte Kampf um die Rheinbrücke wird zum blutigen Massaker. Als Urquhart sich zurückziehen muss, hat er 8.000 Mann verloren. Von den sechs Brücken, die im niederländischen Kanal- und Deltagebiet erobert werden mussten, scheitert die alliierte Streitmacht letztlich an der besonders wichtigen Brücke von Arnheim, eine Brücke "too far", zu weit weg für die Militäroperation, wie es der Originaltitel sagt.

Drehort[Bearbeiten]

Sie spielt eine Filmrolle:
die IJssel-Brücke in Deventer

Obwohl es die eigentliche Brücke in Arnheim noch gab, war die Umgebung in den 1970er-Jahren mit modernen Gebäuden bebaut worden, wodurch die gesamte Szenerie für die gewünschten Filmaufnahmen nicht geeignet war. Ein Ersatz für die Arnheimer Brücke wurde mit einer Brücke über die IJssel, der Wilhelminabrücke, gefunden, so dass tatsächlich in Deventer gefilmt wurde. Einige Szenen wurden in Zutphen gedreht: Das alte Rathaus, ein weißes Gebäude, das im Film als Wehrmachts-Stützpunkt dient, und die Kirche sind zu sehen.

Größtenteils wurde jedoch an Originalschauplätzen gedreht, so zum Beispiel in Nijmegen (die missglückte Sprengaktion der Waalbrücke mit Hardy Krüger) sowie an und auf der Waal die Waalüberquerung mit den „Faltbooten“ und auf der Waalbrücke bei Nimwegen, die auch schwer umkämpft war, die Szenen mit Robert Redford. Die Luftlandeaktion wurde ebenso in der Heidelandschaft um Arnheim gedreht, das 1944 eines von mehreren Fallschirmabsprunggebieten war.

Hintergrund[Bearbeiten]

Drehbuchautor William Goldman (Butch Cassidy and the Sundance Kid) schreibt in seinem Buch „Das Hollywood-Geschäft“, dass die Produktion von Die Brücke von Arnheim insgesamt zwei Jahre dauerte und größtenteils von Joseph E. Levine aus dessen Privatvermögen finanziert wurde. Levine wurde durch die Produktion und den Vertrieb von Billigproduktionen zum erfolgreichsten unabhängigen Produzenten von Hollywood. Anfang der 1970er-Jahre zog er sich zunehmend aus dem Filmgeschäft zurück, war von Ryans Roman aber derart begeistert, dass er sich zu einem Comeback entschloss und mit der Verfilmung des Romans sein bis dahin größtes Filmprojekt auf die Beine stellte.

Er erfand ein heute noch gebräuchliches Verfahren zur Finanzierung eines Filmes, während er noch gedreht wird: Immer wenn mit dem vorhandenen Geld Szenen fertiggestellt waren, ließ er sie zusammenschneiden und interessierten Investoren und Verleihern vorführen. So kam das Geld mit dem Verkauf von Lizenzen und Aufführungsrechten noch während der laufenden Dreharbeiten nach und nach zusammen.

Das Budget war mit am Ende insgesamt 22 Millionen US-Dollar für damalige Verhältnisse sehr hoch. Levine stand dafür mit seinem Privatvermögen ein. Die Situation fasste er gegenüber William Goldman mit den Worten zusammen „Wenn es schiefgegangen wäre, wäre ich nicht mehr reich gewesen …“ Risikoreich war aber auch die Art der Produktion – sie wurde bereits begonnen, noch bevor ein erster Drehbuchentwurf fertig oder die Besetzung gesichert war.

William Goldman beschreibt die Produktion des Films als „angenehmste Erfahrung, die ich bis dahin im Filmgeschäft gemacht hatte.“ Dennoch bereitete ihm die Struktur des Filmes anfangs erhebliche Probleme. Zum einen musste die ereignisreiche und mehrere Tage dauernde Operation zwangsläufig auf drei Stunden Filmhandlung gekürzt werden, weshalb viele interessante Episoden ersatzlos gestrichen werden mussten. Das größte Problem stellte aber die Konstruktion eines Handlungsablaufs dar. Goldman stieß erst durch Zufall auf eine Konstruktion, die seine Probleme beendete: Er baute das Drehbuch in der Art eines Westerns auf. Die alliierten Armeegruppen behandelte er wie die Kavallerie, die den eingeschlossenen Verbänden zu Hilfe eilt. Damit konnte er einen groben Spannungsbogen aufbauen, der die Handlung des Filmes bestimmte.

Kritiken[Bearbeiten]

„Das Luftlandeunternehmen mit 35.000 Fallschirmjägern in Holland 1944: Zur Abkürzung des Krieges wollen die Alliierten den Westwall im Norden umgehen. Technisch und darstellerisch gute Hollywood-Qualität.“

Lexikon des Internationalen Films

„Mangelnde Spannung soll durch Beanspruchung des Gefühls ausgeglichen werden. Trotz des ungeheuren Aufwandes …, trotz der Fülle von (gut erkennbaren) Attrappen, trotz der Vielzahl von Weltstars ist der Film nicht mehr als ein Kriegsfilm üblicher und längst überholter Art, ein Film, dem es mehr um das große Pathos als um die Sinnfrage geht.“

film-dienst 22/1977

Trivia[Bearbeiten]

  • Eine der Ungenauigkeiten im Film ist Absicht. Die Brücke, die im Film von Robert Redford als US-Major Julian Cook eingenommen wird, wurde in Wirklichkeit von britischen Grenadieren zuerst erstürmt. Nach Meinung von Joseph E. Levine zahlte es sich an den Kinokassen jedoch besser aus, wenn man Redford den Kampf gewinnen ließe.
  • Als technische Berater an dem Film nahmen auch ehemalige Schlüsselfiguren der Operation „Market Garden“ teil, darunter unter anderem John Frost, James M. Gavin, Robert Urquhart und John Ormsby Evelyn Vandeleur.
  • Die deutschen Kampfpanzer, die im Film Verwendung fanden, sind keine zeitgenössischen Originale, sondern umgebaute Leopard 1 der niederländischen Armee.
  • Auch vom amerikanischen Sherman-Panzer waren am Set nur drei Originale aus einer Privatsammlung vorhanden. Die restlichen Sherman-Panzer waren Fiberglasmodelle, die auf VW-Käfer-Fahrgestelle montiert wurden.
  • Bei den alliierten Jagdbombern, welche die vorrückenden Panzer des XXX. Korps unterstützen, handelt es sich um Schulmaschinen des Typs T-6 mit verkleideter hinterer Cockpithälfte.
  • Es gab insgesamt sechs flugtaugliche C47-Maschinen, mit denen die Startszenen und die Absprünge der Fallschirmjäger in den Niederlanden gedreht wurden. Da von den britischen Airspeed AS.51 Horsa-Lastenseglern keine mehr existierten, wurden zwölf Gleiter für je 35.000 US-Dollar Stückkosten nachgebaut.
  • Während der Dreharbeiten auf der Brücke von Deventer wurde für die Anwohner ein Fährbetrieb eingerichtet.
  • Der Komponist der Filmmusik, John Addison, war während der Landung in der Normandie selbst Kommandant eines Sherman-Panzers des britischen XXX. Korps – jenes Verbandes, der von Süden her nach Arnheim vorstoßen sollte. An der Operation „Market Garden“ selbst war Addison nicht beteiligt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Cornelius Ryan: Die Brücke von Arnheim. (Originaltitel: A Bridge Too Far). Deutsch von Emil Bastuk. Ungekürzte Taschenbuchausgabe, Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-596-21956-6.
  • William Goldman: Das Hollywood-Geschäft. Hinter den Kulissen der amerikanischen Filmindustrie. (Originaltitel: Adventures in the Screen Trade.). Deutsch von Bernd Müller und Cinescript. Erweiterte Neuauflage. Bastei-Verlag Lübbe, Bergisch Gladbach 1999, ISBN 3-404-94004-0.
  • Christian Hißnauer: Die Brücke von Arnheim. In: Filmgenres. Kriegsfilm. Hg. von Thomas Klein, Marcus Stiglegger und Bodo Traber. Reclam, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-15-018411-0, S. 241–244.

Weblinks[Bearbeiten]