Wilhelm Hennis

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Wilhelm Hennis (* 18. Februar 1923 in Hildesheim; † 10. November 2012 in Freiburg im Breisgau[1]) war ein deutscher Politikwissenschaftler.

Leben[Bearbeiten]

Seine Familie wanderte 1933 nach Venezuela aus, kehrte jedoch 1938 wieder nach Deutschland zurück. Hennis machte 1942 in Dresden sein Abitur. Seinen Kriegsdienst absolvierte er als Marineoffizier. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges studierte er an der Georg-August-Universität Göttingen Rechtswissenschaft. Hennis wurde am 28. Februar 1952 an der dortigen Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät mit einer Arbeit über die Souveränität promoviert. Zudem gehörte er in dieser Zeit zu den Mitgründern des Göttinger SDS. Der Schüler von Rudolf Smends studierte anschließend ein Jahr in den Vereinigten Staaten und arbeitete sodann als wissenschaftlicher Mitarbeiter des SPD-Bundestagsabgeordneten Adolf Arndt. 1953 wurde Hennis Assistent von Carlo Schmid am Institut für Politische Wissenschaft der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Hennis habilitierte sich 1960 im Fach Politische Wissenschaft mit einer knapp 100 Seiten starken Schrift über Aristoteles’ Politikverständnis der „guten Herrschaft“. Anschließend arbeitete er in Frankfurt am Main als Privatdozent und nahm noch im selben Jahr einen Ruf an die Pädagogische Hochschule Hannover an. 1962 wurde er von dort als ordentlicher Professor für Politische Wissenschaft neben Siegfried Landshut an die Universität Hamburg berufen. Von dort ging er 1967 an die Universität Freiburg, wo er bis zu seiner Emeritierung 1988 den Lehrstuhl für Politische Theorie innehatte.

1969 wurde er Mitglied der CDU. Zuvor war er jahrelang Mitglied der SPD gewesen.

1970 war er Gründungsmitglied des Bund Freiheit der Wissenschaft.[2]

1987 erhielt er das Große Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland und 2003 den Reuchlinpreis der Stadt Pforzheim. Am 14. Juli 2009 erhielt er den Dr. rer. pol. ehrenhalber der Universität Hamburg. Die Laudatio hielt Christine Landfried. Im selben Jahr wurde ihm der Theodor-Eschenburg-Preis der DVPW verliehen.

Hennis forschte insbesondere zum Regieren im modernen Staat. Er legte bedeutende Studien über Max Weber vor. Dabei lag der Schwerpunkt auf der Entschlüsselung von Webers Gesellschaftstheorie. Sein anspruchsvoller und unverblümter, der Verteidigung der Demokratie verpflichteter, eher normativer Wissenschaftsbegriff, den er in zahlreichen Publikationen vertreten hat, geriet häufig in Widerspruch zu vorherrschenden, auf empirische Methodik konzentrierten Ansätzen in der Politikwissenschaft.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Politik und praktische Philosophie : Schriften zur politischen Theorie, Klett-Cotta, Stuttgart 1977 (zugleich Habilitations-Schrift an der Universität Frankfurt/Main, 1959/60) ISBN 3-12-910880-7, zweite Auflage 1981.
  • Max Webers Fragestellung : Studien zur Biographie des Werks, Mohr-Verlag Tübingen 1987, ISBN 3-16-345150-0.
  • Max Webers Wissenschaft vom Menschen : neue Studien zur Biographie des Werks, Mohr-Verlag Tübingen 1996, ISBN 3-16-146543-1 kart., ISBN 3-16-146544-X geb.
  • Politik als praktische Wissenschaft : Aufsätze zur politischen Theorie und Regierungslehre, Piper-Verlag München 1968, (englische Ausgabe: Politics as a practical science, Palgrave Macmillan, Basingstoke, New York/USA 2009, ISBN 978-0-230-00728-4 Pp).
  • Auf dem Weg in den Parteienstaat : Aufsätze aus vier Jahrzehnten, Reclam, Stuttgart 1998 (Reihe: Reclams Universal-Bibliothek Nr. 9724) ISBN 3-15-009724-X.

Literatur[Bearbeiten]

  • Andreas Anter (Hrsg.): Wilhelm Hennis' politische Wissenschaft. Fragestellungen und Diagnosen, Mohr Siebeck, Tübingen 2013.
  • Hans Maier (Hrsg): Politik, Philosophie, Praxis : Festschrift für Wilhelm Hennis zum 65. Geburtstag, Klett-Cotta, Stuttgart 1988, ISBN 3-608-91471-4.
  • Heinrich Meier: Politik und Praktische Philosophie. Gedenkrede auf Wilhelm Hennis (Wissenschaftliche Abhandlungen und Reden zur Philosophie, Politik und Geistesgeschichte Band 76), Duncker & Humblot, Berlin 2014, ISBN 978-3-428-14291-0.
  • Stephan Schlak: Wilhelm Hennis. Szenen einer Ideengeschichte der Bundesrepublik, Beck, München 2008, ISBN 3-406-56936-6.
  • Rolf Zundel: Aus der Nähe erlebt, aus der Distanz gelehrt. (ein Porträt anlässlich des 65. Geburtstags). In: DIE ZEIT 9. September 1988.
  • Christian Starck: Wilhelm Hennis, In: Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): Kindlers Literatur Lexikon (7 Bd.). 3. völlig neu bearbeitete Auflage. J.B.Metzler, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-476-04000-8, S.353-354.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Politikwissenschaftler Wilhelm Hennis gestorben, Badische Zeitung, 10. November 2012, abgerufen am 10. November 2012.
  2. http://bund-freiheit-der-wissenschaft.de/content/ot_gruendung.htm