ÖBB Nightjet

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Nightjet-Liegewagen in Wien Hbf

ÖBB Nightjet ist ein Markenname für Nachtreisezüge, der von den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) seit dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2016 verwendet wird. Seit Dezember 2017 ist Nightjet (NJ) zugleich eine Zuggattung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ÖBB Nightjet umfasst im Wesentlichen die bislang unter dem Namen ihrer Zuggattung als EuroNight vermarkteten Nachtzüge der ÖBB sowie einen Teil der bis Dezember 2016 von der Deutschen Bahn betriebenen City Night Line-Züge (CNL). Ein weiterer Teil der seit 2016 unter diesem Namen verkehrenden EN-Zugläufe wird nicht durch die ÖBB, sondern von Partnerbahnen aus Kroatien (Hrvatske željeznice, HŽ), Ungarn (Magyar Államvasutak, MÁV), Polen (Polskie Koleje Państwowe, PKP), Tschechien (České dráhy, ČD) und der Slowakei (Železničná spoločnosť Slovensko, ZSSK) betrieben und bewirtschaftet. Diese werden nicht als ÖBB Nightjet, sondern als Nightjet Partner bezeichnet.

Die Fahrgastzahlen in den ersten drei Monaten lagen bereits über den Erwartungen der ÖBB.[1]

Einsatzgebiete und Zugläufe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zuglaufschild des Nightjets im EuroNight 465
Dreibettabteil im Schlafwagen (Nachtposition)
Liegewagenabteil mit sechs Liegeplätzen

Im Jahresfahrplan 2017 wurden alle Nightjets unter der Zuggattung EuroNight geführt, seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2017 werden die von den ÖBB betriebenen Nightjets unter der Zuggattung Nightjet (NJ) geführt. Die Verbindungen konzentrieren sich neben dem Binnenverkehr in Österreich im Wesentlichen auf Ziele in Deutschland, Italien, der Schweiz, Polen, der Slowakei sowie Kroatien und Slowenien. Im Jahresfahrplan 2018 (seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2017) werden folgende Verbindungen angeboten:

Zugnummern Betreiber Zuglauf
(Autotransport-Abschnitt hervorgehoben)
Fahrrad­mitnahme
NJ 246/247 ÖBB Wien – Linz – Innsbruck – Feldkirch – Bregenz Nein
NJ 464/465 Graz – Leoben – Innsbruck – Feldkirch – Zürich
NJ 466/467 Wien – Linz – Innsbruck – Feldkirch – Zürich
NJ 470/471 Berlin – Magdeburg – Mannheim – Basel – Zürich
NJ 401/40470 Hamburg – Hannover – Mannheim – Basel – Zürich Ja
NJ 490/491 Wien – Linz – Nürnberg – Hamburg
NJ 40490/40421 Wien – Linz – Nürnberg – Düsseldorf
NJ 40420/40491 Innsbruck – München – Nürnberg – Hamburg
NJ 420/421 Innsbruck – München – Nürnberg – Düsseldorf
NJ 40233/40294 Wien – Villach – Florenz – Rom Nein
NJ 233/235 Wien – Villach – Verona – Mailand
NJ 1237/12341 Wien – Villach – Florenz – Livorno
NJ 237/236 Wien – Linz – Venedig
NJ 295/294 München – Salzburg – Florenz – Rom
NJ 40295/40235 München – Salzburg – Verona – Mailand
NJ 40463/40236 München – Salzburg – Treviso – Venedig
EN 40406/4772 ČD (Nightjet Partner) Wien – Prag Nein
EN 50467/504662 Zürich – Linz – Prag
EN 414/40465 HŽ (Nightjet Partner) Zagreb – Ljubljana – Villach – Feldkirch – Zürich Nein
EN 50463/498 München – Ljubljana – Zagreb
EN 60463/4803 München – Opatija – Rijeka
EN 462/463 MÁV (Nightjet Partner) Budapest – Wien – Linz – München Nein
EN 406/407 PKP (Nightjet Partner) Wien – Ostrava – Katowice – Warschau Nein
EN 50406/504024 Wien – Ostrava – Krakau
EN 60406/60444 ZSSK (Nightjet Partner) Wien – Poprad – Košice Nein
1 Saisonal verkehrend (April – Oktober)
2 Nur Schlafwagen
3 Keine Liegewagen, Schlafwagen nur saisonal
4 Liegewagen nur saisonal

NJ 490 und 40490 bzw. 491 und 40421 verkehren zwischen Wien und Nürnberg vereinigt.
NJ 420 und 40420 bzw. 421 und 40491 verkehren zwischen Innsbruck und Nürnberg vereinigt.
NJ 490 und 40420 bzw. 491 und 40491 verkehren zwischen Nürnberg und Hamburg vereinigt.
NJ 420 und 40490 bzw. 421 und 40421 verkehren zwischen Nürnberg und Düsseldorf vereinigt.

NJ 471 und 401 bzw. 470 und 40470 verkehren zwischen Hildesheim (ohne Zusteigemöglichkeit) und Zürich vereinigt.

Zugkonfiguration[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Reisekategorie Sitzwagen werden Abteilwagen angeboten, welche auch im ÖBB-Intercity sowie in REX-Zügen verkehren

Genau wie die CNL-Züge bestehen auch die Nightjet-Zuggarnituren aus Einzelwagen, sodass sie in einzelne Zugteile und Kurswagengruppen aufgeteilt werden können. Dies findet Anwendung zum Beispiel beim EuroNight von Wien nach Rom/Mailand, der in Venedig geteilt wird. Sie verfügen über Abteil- und Großraumwagen mit Sitzplätzen (nur 2. Klasse), Fahrradabteilen und barrierefrei zugänglichen Plätzen sowie Liege- und Schlafwagen, führen jedoch auch teilweise Autozugwagen und Motorräder mit.

Design und Name basieren im Wesentlichen auf dem Railjet. Allerdings sind die Nightjets in Nachtblau gehalten und haben einen angedeuteten Sternenhimmel auf den Außenwänden. Das Design wurde von Spirit Design in Wien entwickelt. Die Bewirtschaftung der Züge (mit Ausnahme der Partner-Nightjets) erfolgt durch Newrest Wagons-Lits.[2]

Wagenpark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten in Nightjets eingesetzten Wagen waren bereits vorher im Bestand der ÖBB. Zusätzlich wurden 15 Liegewagen und 42 Schlafwagen von der Deutschen Bahn angekauft, die seit Herbst 2016 eingesetzt werden. Bisher beschränken sich Umbauten auf technische Anpassungen (Einbau der für Italien vorgeschriebenen Türsteuerung), die Wagen blieben innerlich unverändert und erhielten lediglich das neue Farbschema.

Schlafwagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wichtigste Schlafwagenbauart der ÖBB sind heute 42 Wagen WLABmz 61 80 72-90 001 bis 042, die 2003 bis 2005 von Siemens SGP als WLABmz173.1 Comfortline an die Deutsche Bahn geliefert wurden. Die luftgefederten Drehgestelle der Bauart SGP 400 erlauben eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h. Drei der zwölf Dreibettabteile sind mit eigenem Badezimmer ausgestattet, die Abteile können paarweise zur Suite verbunden werden. 2016 wurden die Wagen an die ÖBB abgegeben.

In den Zügen Wien – Zürich und Zürich – Berlin setzen die ÖBB 10 Doppelstock-Schlafwagen ein, die 1995 von SGP und Talbot an die City Night Line CNL AG geliefert wurden. 5 WLBmz 61 81 76-94 215 bis 219 haben je 17 Zweibett- und zwei Vierbettabteile, 5 WLABmz 61 81 76-94 321 bis 325 haben je 4 Deluxe-Abteile mit eigenem Bad, 9 Zweibett- und 2 Vierbettabteile. Die Vierbettabteile werden heute nur in Dreibettbelegung genutzt und teilweise als Dienstabteil reserviert. Die ÖBB übernahmen diese Wagen bei ihrem Ausscheiden aus der CNL AG und modernisierten sie 2009 mit Drehgestellen SGP 400.

Liegewagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Liegewagen sind allgemein mit Sechsbettabteilen ausgestattet, die gegen Aufpreis auch mit maximal vier Personen pro Abteil gebucht werden können.

29 Liegewagen Bcmz 61 81 59-90 000 ... 059 entstammen der 1981 bis 1982 von den Jenbacher Werken gelieferten Serie von 60 Wagen 51 81 59-70.0. Sie wurden 2004 bis 2010 mit Klimaanlagen ausgestattet und für 200 km/h ertüchtigt.

10 Liegewagen Bcmz 61 81 59-91 100 bis 109 wurden 1991 von den Jenbacher Werken geliefert. Sie sind als weltweit erste Liegewagenbauart druckertüchtigt und laufen auf Drehgestellen MD 52.

20 ebenfalls druckertüchtigte Liegewagen Bcmz 61 81 59-91 200 bis 219 wurden 2000 bis 2001 von Siemens SGP konstruiert und bei Bombardier Dunakeszi endmontiert. Die kantige Dachform dieser Wagen wurde später beim railjet und anderen Wagen übernommen. Wie die Schlafwagen sind diese Wagen auch mit Drehgestellen SGP 400 ausgestattet.

15 Liegewagen Bvcmbz 61 80 59-90 002 ... 044 wurden 2016 von der Deutschen Bahn übernommen. Diese Wagen wurden 1962 bis 1967 bei Credé, WMD, DWM und O&K als Bc4üm-62 gebaut, später als Bcm243 bezeichnet, in den 1980er Jahren in Bcmh246 umgebaut, dann 2001 bis 2004 im Ausbesserungswerk Halberstadt in Bvcmbz249.1 umgebaut, dabei wurden zwei Liegeabteile in ein behindertengerechtes Abteil und eine barrierefreie Toilette umgebaut, eine Klimaanlage installiert und neue Drehgestelle MD 52 eingebaut.

Sitzwagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle Sitzwagen haben Abteile mit sechs Plätzen, die bei Nacht in eine Liegefläche umgewandelt werden können.

Die Sitzwagen entstammen überwiegend der Serie von 92 druckertüchtigten Abteilwagen Bmz 73 81 21-91 100 bis 191, die 1989 bis 1992 von SGP geliefert wurden. Wagen dieser Bauart werden auch in Tagesreisezügen (EC/IC) eingesetzt. Ersatzweise können auch Wagen der älteren Bauart Bmz 61 81 21-90 500 ... 604 von 1980 bis 1982 eingereiht werden. Beide Wagentypen wurden zwischen 2002 und 2009 einem Upgrading unterzogen, wobei unter anderem Steckdosen eingebaut, die Sitzbezüge und Klapptische erneuert wurden.

12 Sitzwagen Bbmvz 61 81 28-91 102 ... 144 wurden 2007 bis 2010 aus Amz 19-70.1 (SGP 1982) umgebaut. Dabei wurde ein behindertengerechtes Liegeabteil und eine rollstuhlgerechte Toilette eingerichtet, am anderen Wagenende ein Bereich für die Fahrradbeförderung. Diese Wagen laufen in den Zügen Düsseldorf/Hamburg – Innsbruck/Wien.

Autotransportwagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von ursprünglich 80 Autoreisezugwagen DDm 51 81 98-70 000 bis 079, die 1982 bis 1990 von den Jenbacher Werken geliefert wurden, sind noch 36 bei den ÖBB in Betrieb. Diese Wagen sind als einzige auf 160 km/h beschränkt und werden in allen Verbindungen mit Autotransport eingesetzt.

Tarife[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

DB und ÖBB einigten sich, innerhalb einer Übergangszeit, auf den Nightjet-Zügen innerhalb Deutschlands und im grenzüberschreitenden Verkehr nach Österreich neben den ÖBB-Globalpreisen Komfort-Ticket und Sparschiene auch weiterhin die klassischen DB-Tarife (Flexpreis, Sparpreis und BahnCard 100) mit dem üblichen Reservierungsaufschlag zu akzeptieren. Ab dem kleinen Fahrplanwechsel am 10. Juni 2018 sollen ausschließlich Fahrkarten des ÖBB-Tarifs vertrieben und die Anerkennung von durchgehenden Fahrkarten nach DB-Tarif eingestellt werden. Die Benutzung eines Interrail- oder Eurail-Passes mit zusätzlicher Platz-/Liege-/Bettkarte bleibt weiterhin möglich. Die DB bemühe sich aber, weiterhin über ihre Vertriebskanäle die Fahrscheine zu verkaufen.[3]

Weitere Planungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Modell der neuen Schlafwagenabteile

Die ÖBB wollen laut einer Pressemitteilung vom Oktober 2016 ab 2018 neue Liege- sowie Schlafwagen und ab 2020 im Italienverkehr komplett neue Zuggarnituren einsetzen.[4] Diese sollen ein neues Konzept, mit einzeln verschließbaren Betten (Mini-Suiten), 4-Bett-Liegeabteilen, die bei Bedarf mit Kinderliege ausgestattet werden können (Family-Abteile) und 2-Bett-Schlafabteilen mit Dusche und WC im Abteil (First-Class-Abteile), aufweisen.[5][6]

Die nächste Nightjet-Generation soll Teil des Projekts Railjet 2 sein, welches die Lieferung von 21 neuen Fernzügen für den Tages- und Nachtverkehr vorsieht.

Unfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 20. April 2018 ereignete sich der bisher einzige Unfall seit der Einführung der Marke Nightjet: Bei der Vereinigung der Züge NJ 236 und NJ 467 in Salzburg Hbf rammten die hinzuzufügenden Wagen den stehenden Teil des Zuges mit überhöhter Geschwindigkeit. 54 Personen wurden dabei verletzt.[7][8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Nightjet – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nachtzüge: "Die ÖBB kann's, die DB nicht". In: nachrichten.at, 19. Februar 2017, abgerufen am 19. Februar 2017
  2. Wir weiten unser Nachtreisezug-Angebot in Deutschland aus. In: ÖBB Corporate Blog, 7. Oktober 2016, abgerufen am 1. Dezember 2016
  3. Wann wird die ÖBB nach Nightjetnetz erweitern? In: Die Service-Community der Bahn. (bahn.de [abgerufen am 2. April 2017]).
  4. ÖBB weiten Nachtreisezug-Angebot in Deutschland aus. (Memento des Originals vom 7. Februar 2017 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/presse.oebb.at In: ÖBB Presse, 7. Oktober 2016, abgerufen am 6. Februar 2017
  5. ÖBB evaluates options for new couchette coaches. In: International Railway Journal, 8. Februar 2016, abgerufen am 6. Februar 2017
  6. ÖBB presents more Nightjet design studies. In: International Railway Journal, 2. Dezember 2016, abgerufen am 6. Februar 2017
  7. 54 Verletzte bei Zugunfall am Bahnhof Salzburg in "Die Presse"
  8. Über 50 Verletzte bei Zugunglück auf kleinezeitung.at