Adolf Seger

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Adolf Seger (* 2. Januar 1945 in Freiburg im Breisgau) ist ein ehemaliger deutscher Ringer. Er war zweifacher Medaillengewinner bei den Olympischen Spielen 1972 und 1976 und zweifacher Weltmeister im Welter- bzw. Mittelgewicht (Freistil). Bei den Ringer-Veteranen (Masters) holte er zehnmal den Weltmeister-Titel.

Deutsche Nationalmannschaft der Freistil-Ringer 1978 (Adolf Seger in der hinteren Reihe, Zweiter von links)

Persönlicher Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adolf Seger stammt aus einer ringkampfbegeisterten Familie: Sein Vater und seine fünf Brüder waren alle als Ringer aktiv. Seinen ersten Ringkampfunterricht erhielt der fünfjährige Adolf von seinem Vater. Sein sportliches Vorbild war sein älterer Bruder Edmund, der in der deutschen Ringer-Nationalmannschaft bei den Olympischen Sommerspielen 1960 in Rom kämpfte.

Adolf Seger ist verheiratet und dreifacher Familienvater. Über 40 Jahre war er als Briefträger bei der Deutschen Post AG in Zähringen tätig; seit Januar 2010 ist er im Ruhestand. Er setzt sich in seiner Freizeit für die Kommunalpolitik, wohltätige Zwecke und die Sportförderung ein. Seger ist nach wie vor sportlich fit und aktiv: Beim Tischtennis, im Radsport und beim Krafttraining. So ist er noch heute austrainiert wie ehedem und hält noch immer sein Wettkampfgewicht. Adolf Seger steht in seinem Verein AV Germania St. Georgen nach wie vor als Trainingspartner und Coach zur Verfügung.

Sportlicher Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adolf Seger startete im Freistil (Welter- und Mittelgewicht), und er war oftmaliger Deutscher, Europa- und Weltmeister. Zu seinen größten Erfolgen zählten auch die Medaillengewinne bei den Olympischen Sommerspielen 1972 in München und den Olympischen Sommerspielen 1976 in Montreal. Seger gilt als einer der besten deutschen Ringer aller Zeiten. Durch sein Bewegungstalent hat er insbesondere die Kampftechniken am Boden weiterentwickelt. Mit dem nach ihm benannten Seger-Griff hat er zahlreiche Schultersiege erzielen können.

Adolf Seger hatte schon als junger Ringer große Gesundheitsprobleme. Bereits Mitte der 1960er Jahre laborierte er nicht nur an dem ringertypischen "Blumenkohlohr", sondern vor allem auch an Schulter-, Rücken- und Knieverletzungen. In dieser Zeit war Seger in ständiger Behandlung im Universitätsklinikum Freiburg. Die Verletzungen verzögerten seine internationale Sportkarriere um etliche Jahre. Trotzdem legte Seger einen enormen Trainingsfleiß an den Tag und stellte dafür sogar seine Berufsausbildung zurück.

Segers Kraft und Athletik gehörten weltweit zum Besten im Ringkampfsport. Das anstrengende Training und "Gewicht machen" vor Wettkämpfen bewogen Seger im Jahr 1975, vom Welter- ins Mittelgewicht zu wechseln.

Obwohl auf der Ringermatte sehr konsequent und ehrgeizig, hat sich Adolf Seger immer für einen sauberen, fairen Sport eingesetzt. Nicht umsonst wurde er mit der Fair-Play-Trophäe ausgezeichnet. Seinem Freiburger Ringerverein hat er immer die Treue gehalten: Angebote für andere Vereine zu ringen, hat Seger nicht angenommen.

In den 1990er und 2000er Jahren wurde Adolf Seger zehnfacher Freistil-Weltmeister bei den Ringer-Veteranen (Masters); dies ist weltweit bislang unerreicht. Sein hierfür erzieltes Preisgeld von 15000 US-Dollar spendete Seger der Kinderkrebshilfe.

Für seine sportlichen Leistungen war er am 11. September 1972 mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet worden.[1]

Internationale Erfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Platz Wettbewerb Gewichtsklasse
1969 3. EM in Sofia Welter mit Siegen über Ludovic Ambrus, Rumänien, Pauli Tuuri, Finnland, Janusz Pajak, Polen, einem Unentschieden gegen Miklos Urbanovics, Ungarn u. einer Niederlage gegen Juri Gussow, UdSSR
1969 5. WM in Mar del Plata Welter mit Siegen über Pasqual Palombo, Argentinien u. Niederlagen gegen Sarbeg Beriaschwili, UdSSR und Matti Poikkala, Finnland
1970 6. EM in Berlin Welter mit Siegen über Robert Blaser, Schweiz und Josef Völc, CSSR, einem Unentschieden gegen Giuseppe Spagnoli, Italien und Niederlagen gegen Sarbeg Beriaschwili u. Jan Karlsson, Schweden
1970 2. Turnier in Genua Welter hinter Jan Karlsson und vor Robert Blaser
1970 5. WM in Edmonton Welter mit Siegen über Giuseppe Spagnoli, David Briers, Südafrika und Robert Blaser, einem Unentschieden gegen Angel Petrow, Bulgarien und einer Niederlage gegen Dandsandardschaagiin Sereeter, Mongolei
1971 7. WM in Sofia Welter mit Siegen über Janusz Pajak, Polen, Pete Symons, USA und Francisco Lebeque, Kuba und Niederlagen gegen Ludovic Ambrus und Mohammad Farhangdoust, Iran
1972 1. EM in Kattowitz Welter mit Siegen über Mehmet Uzun, Türkei, Stefanos Ioannidis, Griechenland, Ludovic, Ambrus, Michael Busse, Polen und Roman Marsagaschwili, UdSSR z. trotz einer Niederlage gegen Jancho Pawlow, Bulgarien
1972 Bronze OS in München Welter mit Siegen über Francisco Lebeque, Alfred Wurr, Kanada, Juri Gussow, Miklos Urbanovics und Mansour Barzegar, Iran und Niederlagen gegen Jan Karlsson und Wayne Wells, USA
1973 1. EM in Lausanne Welter mit Siegen über Kazimierz Kos, Polen, Peter Spycher, Schweiz, Jozsef Rusznyak, Ungarn, Frank Birke, DDR, Christo Stantschew, Bulgarien und Viktor Silbermann, UdSSR
1973 5. WM in Teheran Welter mit Siegen über Mitsuo Degawa, Japan und Panwar, Indien, einem Unentschieden gegen Mansour Barzegar und Niederlagen gegen Jancho Pawlow u. Ruslan Nuralijewitsch Aschuralijew, UdSSR
1974 2. EM in Madrid Welter mit Siegen über Nikoaes Palaskas, Griechenland, Dan Karabín, Tschechoslowakei, Jancho Pawlow und Servet Aydemir, Türkei u. Niederlagen gegen Jan Karlsson und Ruslan Aschuralijew
1974 4. WM in Istanbul Welter mit Siegen über Stanley Dziedzic, USA, Dandsandardschaagiin Sereeter und Kazimierz Kos u. Niederlagen gegen Viktor Silbermann, Israel und Jancho Pawlow
1975 6. EM in Ludwigshafen am Rhein Welter mit Siegen über Jan Lachoda, Polen und Servet Aydemir und Niederlagen gegen Dan Karabín u. Pawel Pinigin, UdSSR
1975 1. WM in Minsk Mittel mit Siegen über Apostolos Mersiakaris, Griechenland, Wassili Sjulschin, UdSSR, Ismail Abilow, Bulgarien, Mehmet Uzun, Vasile Iorga, Rumänien u. István Kovács, Ungarn
1976 1. EM in Leningrad Mittel mit Siegen über Wiktor Nowoschilow, UdSSR, Jan Gorski, Polen, István Kovács und Ismail Abilow
1976 Bronze OS in Montreal Mittel mit Siegen über Anthony Shacklady, Großbritannien, André Bouchoule, Frankreich und Henryk Mazur, Polen und Niederlagen gegen Wiktor Nowoschilow u. John Peterson, USA
1977 5. EM in Bursa Mittel mit Siegen über Georgios Pahtas, Griechenland und Daima Pereira, Spanien und Niederlagen gegen Hassan Zangiew, UdSSR und Mehmet Uzun
1977 1. WM in Lausanne Mittel mit Siegen über Jan Gorski, Polen, Dsewegiin Düwtschin, Mongolei, Christopher Campbell, USA und István Kovács und trotz einer Niederlage gegen Magomedchan Arazilow, UdSSR
1978 2. EM in Sofia Mittel mit Siegen gegen Georgios Polychronidis, Griechenland, Pawel Szabo, Tschechoslowakei, István Kovács und Tiberiu Sereghely, Rumänien und einer Niederlage gegen Schukri Lutwiew-Achmedow, Bulgarien
1978 2. WM in Mexiko-Stadt Mittel mit Siegen über Richard Deschatelets, Kanada, Akira Ōta, Japan, Dsewegiin Düwtschin, István Kovács und John Peterson und Niederlagen gegen Schukri Lutwiew-Achmedow u. Magomedchan Arazilow
1979 3. EM in Bukarest Mittel mit Siegen über Günter Busarello, Österreich, Efraim Kamberow, Bulgarien u. Reşit Karabacak, Türkei und Niederlagen gegen Oleg Alexejew, UdSSR und István Kovács
1979 5. WM in San Diego Mittel mit einem Sieg über Alan Thompson, Australien und Niederlagen gegen John Peterson u. Magomedchan Arazilow
1980 12. EM in Prievidza Mittel nach Niederlagen gegen Vasile Tiganas, Rumänien und Günter Busarello

Deutsche Meisterschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Platz Gewichtsklasse Ergebnis
1967 3. Welter hinter Otto Alt, Schifferstadt u. Peter Nettekoven, Dortmund
1969 2. Welter hinter Reinhard Zeiher, Brötzingen u. vor Günter Niedermaier, Hallbergmoos
1970 2. Welter hinter Reinhard Zeiher u. vor Günter Niedermaier
1971 1. Welter vor Wolfgang Engel, Baienfurt u. Fritz Sauer, Ladenburg
1972 1. Welter vor Reinhard Zeiher u. Konrad Schluttenhofer, Freising
1973 1. Welter vor Reinhard Zeiher u. Peter Schöffler, Freiburg im Breisgau
1974 1. Mittel vor Bernhard Dunke, Efferen u. Willibald Liebgott, Freiburg
1975 1. Mittel vor Hubert Krämer, Haslach u. Martin Dassler, Untertürkheim
1976 1. Mittel vor Willibald Liebgott u. Hubert Krämer
1977 1. Mittel vor Heribert Metz, Waldaschaff u. Detlef Englich, Witten
1978 1. Mittel vor Detlef Englich u. Karl-Heinz Fettel, Freiburg
1979 1. Mittel vor Willibald Liebgott u. Alexander Senn, Freiburg
1980 1. Mittel vor Hans-Joachim Klötzing, Witten u. Heribert Metz

Anm.: alle Wettbewerbe im freien Stil, OS = Olympische Spiele, WM = Weltmeisterschaft, EM = Europameisterschaft, Weltergewicht, bis 74 kg, Mittelgewicht, bis 82 kg Körpergewicht

Zitate über Adolf Seger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Hinfallen können viele, aufstehen nur wenige.“

Adolf Seger

„Der kräftigste Postbote Deutschlands.“

Die Sport-Reportage

„Ein Freiburger Urgestein.“

„Ein bärenstarker Briefträger.“

Sport 3

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fachzeitschriften Athletik aus den Jahren 1965 bis 1975 und Der Ringer aus den Jahren 1976 bis 1980
  • Documentation of International Wrestling Championships der FILA, 1976
  • Hundert Jahre Ringen in Deutschland, Verlag Der Ringer, Niedernberg, 1991, Seiten 200, 228 u. 229
  • Munzinger Sportarchiv

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sportbericht der Bundesregierung vom 29. September 1973 an den Bundestag - Drucksache 7/1040 - Seite 72

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]