Gustave Eiffel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Alexandre Gustave Eiffel)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gustave Eiffel (Aufnahme von Nadar, 1888)

Alexandre Gustave Eiffel [alɛkˈsɑ̃dʀ gysˈtaːv ɛˈfɛl] (* 15. Dezember 1832 in Dijon; † 27. Dezember 1923 in Paris) war ein französischer Ingenieur mit deutschstämmigen Vorfahren.

Lebenslauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eiffels Geburtsname lautete Alexandre Gustave Bonickhausen dit Eiffel.[1] Als sein deutscher Stammvater gilt dem bisherigen genealogischen Wissensstand zufolge Leo Heinrich Bönickhausen, der zu Ende des 17. Jahrhunderts in der Eifel lebte.

Eiffel wuchs in seinem Geburtsort Dijon auf. Ab 1843 besuchte er das Collège Sainte-Barbe in Paris, wo er sich 1850 niederließ[2] und zunächst an der dortigen École polytechnique studierte. Wegen umständlicher Zulassungsbedingungen wechselte er für ein Chemiestudium an die École Centrale des Arts et Manufactures, die er 1855 mit einem Chemiediplom abschloss. Nachdem sich ein Eintritt in die Fabriken seines Onkels nicht verwirklichte, war er für einige Monate in einer Sprengstoff-Fabrik in Châtillon-sur-Seine beschäftigt. Danach arbeitete er in verschiedenen Konstruktionsbüros, bis er 1856 eine Anstellung als Brückenbauingenieur bei der westfranzösischen Compagnie des chemins de fer de l'Ouest fand, bei der er sich erstmals mit der Konstruktion von Eisenbahnbrücken befasste. Dort machte er im gleichen Jahr die Bekanntschaft mit dem Stahlbau-Unternehmer Charles Nepveu. Dieser erkannte sein Talent und machte ihn zum Projektmanager im Eisenbahnbrückenbau. In dieser Sparte bestand damals eine große Nachfrage nach Ingenieuren und zugleich eine hohe Personal-Fluktuation. Eiffel zeigte Durchhaltevermögen, diplomatische Menschenkenntnis und vor allem großes Organisationstalent, immer die geeignetsten Fachleute für seine Projekte zu gewinnen und zusammenzuführen.

Die Passerelle Eiffel um 1900

1858 ernannte man ihn zum leitenden Ingenieur beim Bau einer 500 Meter langen Eisenbahnbrücke über die Garonne in Bordeaux (später Passerelle Eiffel genannt), die im Juli 1860 eröffnet wurde[3] und als sein erstes Bauwerk gilt. Statt die Brücke - wie üblich - als Vollwandträger auszuführen, konstruierte Eiffel den Überbau als leichte Fachwerkkonstruktion, die er auch künftig bevorzugte.[4] Dieser erfolgreich vollendete anspruchsvolle Auftrag begründete seinen guten Ruf in der Branche.

1862 heiratete er die Französin Marie Gaudelet, mit der er fünf Kinder hatte, drei Mädchen und zwei Jungen. Seine Frau starb jedoch schon sehr früh im Jahr 1877. Er heiratete danach seine Cousine Chantall Letou. 1866 machte er sich mit einem eigenen Betrieb in Levallois-Perret bei Paris selbständig. Darauf erhielt er 1867 den Auftrag für den Bau der Viadukte von Rouzat-sur-la-Sioule und Neuvial auf der Eisenbahnlinie Commentry-Gannat in der Auvergne; es folgten erste Arbeiten für die Weltausstellung im gleichen Jahr. Von 1872 bis 1874 war Eiffel in Südamerika tätig, wo er in Chile, Bolivien und Peru arbeitete; er errichtete unter anderem 1872 eine Brücke in Chile und 1874 eine Gasfabrik in Bolivien. 1875 oblag ihm der Bau des 1877 fertiggestellten Westbahnhofs in Budapest, er erhielt den Auftrag zum Bau des Ponte Maria Pia in Lissabon (Eröffnung am 4. November 1877) und des Ponte Dom Luís I in Porto (31. Oktober 1881). 1880 erhielt er den Zuschlag für den Bau des Viadukts von Garabit, das wegen seiner Höhe (122 Meter) und seiner gebogenen Form Aufsehen erregte und erst im Juli 1888 eröffnet werden konnte.[5] 1879 begann er mit der Entwicklung eines ausgeklügelten Trägersystems für die Tragwerke des inneren Stützgerüsts der von dem Franzosen Frédéric-Auguste Bartholdi entworfenen Freiheitsstatue in New York, deren Einweihung am 28. Oktober 1886 stattfand. Zwischen 1881 und 1882 baute Eiffel die Brücke von Szeged in Ungarn.

Das Dictionnaire des Francs-Maçons Européens nennt Eiffel als Mitglied einer Loge des Grand Orient de France, ohne jedoch die Loge konkret zu benennen.[6] Zwar scheint insbesondere die maßgebliche gestalterische und finanzielle Beteiligung der Freimaurer an der Freiheitsstatue die Mitgliedschaft zu bestätigen, da jedoch Aufnahmedatum als auch der konkrete Name der Loge nicht allgemein bekannt sind, gilt die Mitgliedschaft als umstritten.[7]

Seinem wichtigsten Projekt ging eine Patentanmeldung vom 18. September 1884 voraus „für ein neues Verfahren, das es erlaubt, Metallpfeiler und –pylonen von einer Höhe zu bauen, die dreihundert Meter übersteigen kann“. Es handelte sich um den nach ihm benannten Pariser Eiffelturm, der seit Baubeginn am 26. Januar 1887 in nur 26 Monaten Bauzeit am 31. März 1889 fertiggestellt werden konnte und am 15. Mai 1889 Eröffnung feierte. Der Entwurf stammte vom Architekten Charles Léon Stephen Sauvestre nach einer Konstruktionsidee von Maurice Koechlin. Er war für die Pariser Weltausstellung 1889 vorgesehen und wurde unter Eiffels Leitung erbaut. Der zunächst von der Pariser Bevölkerung nicht akzeptierte Turm avancierte rasch zum international anerkannten Symbol von Paris und Frankreich.

Erst während der Bauzeit des Eiffelturms beantragte Gustave die Änderung seines - für Franzosen unaussprechlichen - Familiennamens auf „Eiffel“,[8] die am 15. Dezember 1888 ein Gericht in Dijon verfügte.[9] Inzwischen unterzeichnete Eiffel Ende 1887 den folgenschwersten Vertrag seiner Laufbahn, als er für den von Ferdinand de Lesseps geplanten Panama-Kanal 30 Schleusen liefern sollte, die ab 1. Januar 1888 zu montieren waren. Nachdem die Panamagesellschaft im Februar 1889 Konkurs anmelden musste, wurde Eiffel 1893 der Nichterfüllung schuldig gesprochen. Daraufhin übergab er seine Gesellschaft Eiffel & Cie. an seinen Mitarbeiter Maurice Koechlin und zog sich aus dem Geschäft zurück. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts leistete Eiffel Pionierarbeit auf dem Gebiet der Windkanäle mit Experimenten zur Untersuchung des Luftwiderstandes von verschiedenen geometrischen Formen und legte damit einen Grundstein für den modernen Flugzeugbau.

Der Name „Eiffel“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gustave Eiffel

Die väterlichen Vorfahren Gustave Eiffels trugen den Namen „Bonickhausen-Eiffel“ bzw. „Bonickhausen dit Eiffel“ („genannt Eiffel“). Die deutsche Schreibung des Namens Bonickhausen ist „Bönickhausen“ mit Trema. Der älteste nachweisbare Vorfahre der Familie Bönickhausen in Frankreich ist Jean René Bönickhausen, der am 30. April 1711 im Haus des Herzogs von Gramont in der rue Neuve Saint-Augustin in der Pfarrei St-Roch, Paris, Marie Lideriz heiratete und als Angestellter der Ferme générale am 7. Januar 1734 im Alter von 75 Jahren in Saint-Valery-sur-Somme in der Picardie verstarb. In dessen Sterbeeintrag findet sich der Namenszusatz „dit Eiffel“ (genannt Eiffel).[10]

Der Schriftsteller und Eiffel-Biograph François Poncetton[11] und der ehemalige Generaldirektor der französischen Archive, Charles Braibant[10] vertraten die Annahme, dass der älteste Vorfahre in der französischen Linie, Jean René Bönickhausen, der Familie des Eifeler Schulmeisters Leo Heinrich Bönickhausen entstammt. Dieser lebte zu Ende des 17. Jahrhunderts in Aremberg, Kreis Ahrweiler, und in Marmagen, Kreis Euskirchen, und stand dort als ludimagister (Schulmeister) und Sakristan in Kirchendiensten. Auf Braibant zurückgehend hat sich die Erklärung verbreitet, dass dessen 1680 in Marmagen getaufter Sohn Wilhelm Heinrich um 1710 nach Frankreich ausgewandert sei und sich dort Jean René Bönickhausen mit dem Zusatz Eiffel genannt habe.[10] Diese in vorliegenden Eiffel-Biographien häufig[12] zu findende Behauptung ist aber unbewiesen.

Auch in der Geburtsurkunde von Alexandre Gustave Eiffel ist „Bonickhausen dit Eiffel“ eingetragen. Am Rande der Urkunde befindet sich aber der Vermerk, dass per Richterspruch des erstinstanzlichen Gerichts von Dijon vom 15. Dezember 1880 verfügt wurde, den Namen „Eiffel“ an die Stelle von „Bonickhausen dit Eiffel“ zu setzen.[10] Die Namensverkürzung hatte er am 30. Oktober 1878 beim Justizministerium beantragt und ausführlich begründet.[13]

Wichtige Bauwerke (soweit im Artikel nicht erwähnt)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Garabit-Viadukt
Gustave-Eiffel-Monument am Eiffelturm

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • La résistance de l'air et l' aviation. Paris : H. Dunod et E. Pinat, 1910.
  • Les nouvelles Recherches expérimentales sur la résistance de l'air et l' aviation. 1914

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Theo Zollna: Eiffel – Zum 35. Todestag des großen Bauingenieurs. In: Deutsche Architektur, 1. Heft Jahrgang 1959, S. 43f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gustave Eiffel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Auszug aus dem Geburtsregister von Dijon, 713/1832, erstellt am 13. Mai 1878. Archives Nationales, Dossier LH/892/60. Online bei Base Léonore (abgerufen am 1. September 2015)
  2. David I Harvie, Eiffel: The Genius Who Reinvented Himself, 2013, S. 1
  3. Le Grand Journal de Bordeaux, Histoire des maires de Bordeaux, 2008, S. 321
  4. Gerhard Mehlhorn/Manfred Curbach (Hrsg.), Handbuch Brücken: Entwerfen, Konstruieren, Berechnen, Bauen und Erhalten, 2014, S. 49
  5. Klaus Stiglat, Brücken am Weg: Frühe Brücken aus Eisen und Beton in Deutschland und Frankreich, 1997, S. 86 ff.
  6. Michel Gaudart de Soulages, Hubert Lamant: Dictionnaire des Francs-Maçons Européens. Coulommiers: Dualpha 2005, S. 337
  7. Philip Militz: Freimaurer in 60 Minuten. Hrsg.: Jonathan Byron. Thiele Verlag, München 2009
  8. nach dem deutschen Mittelgebirge Eifel, das bis um 1850 „Eiffel“ geschrieben wurde
  9. État-civil de la Côte-d'Or, Dijon, Registres d'état civil (Geburts- und Namensregister) 1832, p. 249, abgerufen am 8. August 2011
  10. a b c d Charles Braibant: Histoire de la Tour Eiffel. Paris 1964, S. 35
  11. François Poncetton: Eiffel: Magicien du fer. Paris 1939
  12. z. B. Henri Loyrette: Gustave Eiffel. Ein Ingenieur und sein Werk. Stuttgart 1985
  13. Archives nationales: BB/11/1473 dossier 3121x78. Online, abgerufen am 23. Oktober 2015 (französisch)
  14. Galerie des machines. structurae.de, abgerufen am 21. August 2015 (deutsch).
  15. Die Weltausstellung 1889 in Paris. Abgerufen am 21. August 2015 (deutsch).
  16. http://stockpress.de/2011/05/11/monsieur-eiffel-kommt-in-den-amazonasurwald/
  17. http://rail-en-vaucluse.blog4ever.com/blog/lirarticle-141963-472252.html
  18. http://www.artesdelasfilipinas.com/archives.php?page_id=24 Die Basílica de San Sebastián auf Artes de las Filipinas