Ariana Afghan Airlines

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Ariana Afghan Airlines
هواپیمایی آریانا
Logo der Ariana Afghan Airlines
Airbus A310-300 der Ariana Afghan Airlines
IATA-Code: FG
ICAO-Code: AFG
Rufzeichen: ARIANA
Gründung: 1955
Sitz: Kabul, AfghanistanAfghanistan Afghanistan
Heimatflughafen:

Flughafen Kabul

Unternehmensform: Staatsbesitz
IATA-Prefixcode: 255
Leitung: Moin Khan Wardak (CEO)
Vielfliegerprogramm: Reward Club
Flottenstärke: 7
Ziele: national und international
Website: www.flyariana.com

Ariana Afghan Airlines (persisch هواپیمایی آریانا) ist die staatliche Fluggesellschaft Afghanistans mit Sitz in Kabul und Basis auf dem Flughafen Kabul.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung und erste Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemalige McDonnell Douglas DC-10 der Ariana Afghan Airlines

Ariana Afghan Airlines Co. Ltd. wurde am 28. Januar 1955 gegründet. Die Afghanische Indama Corp. stellte die ersten Flugzeuge vom Typ Douglas DC-3 zu Verfügung und erhielt 49 % der Anteile. Diese Anteile übernahm 1956 Pan American World Airways. Die internationalen Strecken waren damals Delhi, Ankara, Beirut, Prag und Frankfurt. Zum Einsatz kamen Douglas DC-4 und später Douglas DC-6. 1968 erhielt die Fluggesellschaft ihre erste Boeing 727, gefolgt von einer McDonnell Douglas DC-10 im Oktober 1979.

Auch nach dem Einmarsch der Sowjetischen Armee 1979 wurde der Flugbetrieb der Ariana aufrechterhalten. Im März 1985 verfügte die Flotte nurnoch über die DC-10 und zwei Boeing 727-100C.[1] Im April 1985 wurde das Unternehmen auf sowjetischen Druck hin gezwungen, die McDonnell Douglas DC-10 an British Caledonian zu verkaufen und anstelle dessen drei Tupolew Tu-154 anzuschaffen.[2] Im Oktober 1985 wurde Ariana durch die afghanische Regionalfluggesellschaft Bakhtar Afghan Airlines übernommen, die mit diesem Schritt zur nationalen Fluggesellschaft avancierte.[3] 1987 wurden zwei Tupolew Tu-154M an Bakhtar ausgeliefert.[4] 1988 wurden beide Unternehmen unter dem Namen Ariana Afghan Airlines zu einer, sowohl nationale als auch internationale Destinationen bedienenden, Fluglinie verschmolzen.[5] Die von Kabul aus angeflogenen internationalen Destinationen waren jedoch nurmehr Amritsar, Delhi, Moskau und Taschkent; die Flotte bestand aus zwei Tu-154M, zwei Boeing 727-100, zwei Antonow An-26, zwei Antonow An-24, zwei Jakowlew Jak-40 und einer de Havilland Canada DHC-6 Twin Otter.[6]

Nach der Machtübernahme der Taliban 1996 wurden, bedingt durch die Abschottungspolitik der Machthaber, viele der übrig gebliebenen internationalen Verbindungen gekappt; lediglich Länder wie Indien, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate wurden angeflogen.[7] Die Flotte war auf wenige Maschinen reduziert, darunter einige Antonow, eine Jakowlew Jak-40 und drei Boeing 727. Laut Bericht der Los Angeles Times stand die Fluglinie in Diensten von al-Qaida und beförderte für diese militante Islamisten nach Afghanistan.[8] Im Oktober 1999 existierte, bedingt durch die internationalen Sanktionen, offiziell nur noch eine Verbindung nach Dubai.[7] Im Oktober 2001 wurden sieben Flugzeuge der Flotte auf dem Flughafen Kabul bei einem US-Bombardement am Boden zerstört.[9][10][11][12][13][14][15] Im November 2001 wurde der Flugbetrieb komplett eingestellt. Von der Flotte übrig geblieben waren lediglich eine Boeing 727 und eine Antonow An-24.[16][17]

Entwicklung seit 2001[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Entmachtung der Taliban Ende 2001 nahm Ariana im Dezember 2001 den Betrieb wieder auf.[16][17] Bereits im Januar 2002 wurde die erste internationale Verbindung nach Neu Delhi aufgenommen.[18] Als Geste des guten Willens stellte die indische Regierung drei Airbus A300 der Air India für internationale Strecken zur Verfügung.[19][20] Im Oktober 2002 konnte eine wöchentliche Verbindung nach Frankfurt am Main eingerichtet werden, die mit einem Airbus A300 bedient wurde.[21]

Im März 2006 wurde die Fluggesellschaft in die Liste der Betriebsuntersagungen für den Luftraum der Europäischen Union aufgenommen und darf seitdem nicht mehr mit eigenen Maschinen im Luftraum der Europäischen Union fliegen.[22] Dennoch wurden ab April 2008 wieder wöchentlich zwei Flüge nach Frankfurt am Main mit einer geleasten (und daher vom Flugverbot ausgenommenen) Boeing 757-200 durchgeführt. Seit Anfang 2009 wurde diese Verbindung jedoch nicht mehr direkt angeflogen; die Flüge nach Frankfurt am Main (nun mit Zwischenlandung in Istanbul) wurden seither mit einem ebenfalls gecharterten Airbus A310 durchgeführt. Ab Januar 2010 durfte die Airline zwischenzeitlich wieder ohne Zwischenlandung in Istanbul direkt von Kabul nach Frankfurt am Main fliegen. Diese Erlaubnis wurde aber am 7. Juli 2010 von der EU-Kommission widerrufen, so dass derzeit kein eigener Betrieb in die EU mehr möglich ist.[22]

Zum 1. Oktober 2011 wurde die Verbindung von Kabul nach Frankfurt eingestellt.[23]

Flugziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ariana Afghan Airlines bedient Verbindungen innerhalb Afghanistans sowie im Nahen Osten.[24]

Flotte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemalige Boeing 727-200 der Ariana Afghan Airlines

Mit Stand Juli 2016 besteht die Flotte der Ariana Afghan Airlines aus sieben Flugzeugen mit einem Durchschnittsalter von 24,7 Jahren:[25]

Flugzeugtyp Anzahl bestellt Anmerkungen Sitzplätze[26]
(Business/Economy)
Airbus A310-300 2 210 (18/192)
237 (-/237)
Airbus A320-200 2 150 (12/138)
180 (-/180)
Boeing 737-400 3 142 (8/134)
Gesamt 7

Bis 2015 standen drei Boeing 727-200 sowie eine Frachtmaschine Boeing 727-200F in der Flotte, während von den zwei Boeing 737-400 eine stillgelegt war. Im 2006 hatte die Flotte im Weiteren die Typen Airbus A300B4 (drei Stück), je eine Antonow An-12, Antonow An-26, De Havilland Canada DHC-6 Twin Otter Series 300 und Jakowlew Jak-40 umfasst. Von 2003 bis 2004 hat die Airline auch zwei Boeing B-747 betrieben.[27]

Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ariana Afghan Airlines verzeichnet in ihrer Geschichte sieben Zwischenfälle mit Todesopfern:

  • Am 21. November 1954 kollidierte eine Douglas DC-4 kurz nach dem Start in Beirut mit einem Berghang, wobei von 27 Menschen an Bord 24 ums Leben kamen. Während des Steigflugs wurde der Ausbruch eines Feuers an einem der Antriebe gemeldet, wodurch die Steigleistung beeinträchtigt wurde, hinzu kam in der Folge ein Navigationsfehler. Die Maschine hatte bereits zuvor durch einen technischen Defekt einen längeren Aufenthalt in Beirut.[28]
  • Am 5. Januar 1969 verunglückte eine Boeing 727-100 beim nächtlichen Landeanflug auf den Gatwick Airport bei London. Die Maschine unterschritt während starkem Nebel den Gleitpfad des Instrumentenlandesystems und konnte nicht mehr abgefangen werden. Sie schlug etwa 2,5 km vor der Landebahn auf Grund auf und zerbrach, wobei 48 von 62 Menschen an Bord sowie zwei Personen am Boden ums Leben kamen.[29]
  • Am 10. Dezember 1988 wurde eine Antonow An-26 auf einem Inlandsflug von Chost nach Kabul mutmaßlich von pakistanischen Luftstreitkräften abgeschossen, was diese jedoch dementierten. An Bord befanden sich 25 Menschen, von denen höchstwahrscheinlich niemand überlebte.[30]
  • Am 18. Juni 1989 musste eine weitere Antonow An-26 auf dem Weg von Kabul nach Sarandsch in bergigem Gelände notlanden, nachdem sich die Frachtrampe im Flug aus unbekannten Gründen geöffnet hatte. Sechs von 39 Menschen an Bord kamen dabei ums Leben, die Maschine wurde schwerst beschädigt.[31]
  • Am 11. September 1995 verunglückte eine Antonow An-26 beim Landeanflug auf Dschalalabad. Sie schlug aufgrund eines Treibstoffmangels kurz vor der Landebahn auf Grund auf, wobei drei von 46 Menschen an Bord ums Leben kamen.[32]
  • Am 29. Oktober 1997 verunglückte eine Jakowlew Jak-40 ebenfalls bei der Landung in Dschalalabad, wobei ein Mensch ums Leben kam.[33]
  • Am 19. März 1998 kollidierte eine Boeing 727-200 im Anflug auf Kabul mit dem Berg Sharki Baratayi, wobei alle 45 Menschen an Bord ums Leben kamen. Zum Zeitpunkt des Unglücks herrschten Regen und Schneefall.[34]
  • Im Jahr 2004 ereignete sich über Kabul ein Beinahezusammenstoß zwischen einer Airbus A300 und der deutschen Drohne Luna. Das Flugzeug mit rund 100 Passagieren konnte unbeschadet auf dem Flughafen Kabul landen, die Drohne soll hingegen abgestürzt sein.[35]
  • Am 8. Mai 2014 schoss eine Boeing 737-400 am Flughafen Kabul über die Landebahn 29 hinaus. Dabei wurden die ILS-Antennen schwer beschädigt. Das Flugzeug kam erst außerhalb der Landebahn, am Rande einer Umgehungsstraße, zum Stillstand. Die 130 Passagiere des aus Neu Delhi kommenden Ariana-Afghan-Airlines-Flugs 312 wurden über die Notrutschen evakuiert. Es gab kein Anzeichen von Feuer.[36]
  • Durch einen Tailstrike erlitt am 20. Juni 2014 eine Boeing 767-300 am Flughafen Kabul erheblichen Schaden. Einige der 69 Passagiere erlitten leichte Verletzungen.[37]
  • Am 7. November 2014 trat bei einer Boeing 737-400 ein Fahrwerkschaden auf. Bei der Landung am Flughafen Kabul setzte die Maschine auf einem der Triebwerke auf. Alle Passagiere konnten unverletzt evakuiert werden.[38]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ariana Afghan Airlines – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. World airline directory - Ariana Afghan Airlines, Flight International, 30. März 1985
  2. USSR Forced Ariana DC-10 Sale, Flight International, 27. April 1985
  3. World airline directory - Ariana Afghan Airlines, Flight International, 26. März 1988
  4. Market Place, Flight International, 23. Mai 1987 (Memento vom 18. August 2012 auf WebCite)
  5. World airline directory - Ariana Afghan Airlines, Flight International, 26. März 1988
  6. World airline directory - Ariana Afghan Airlines, Flight International, 26. März 1988
  7. a b The New York Times - U.S. Presses Security Council for Sanctions Against the Taliban, 7. Oktober 1999 (englisch)
  8. Los Angeles Times - Long Before Sept. 11, Bin Laden Aircraft Flew Under the Radar, 18. November 2001
  9. Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network
  10. Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network
  11. Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network
  12. Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network
  13. Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network
  14. Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network
  15. Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network
  16. a b Alan Johnston: Afghan airline returns to the skies, BBC News, 4. Dezember 2001 (Memento vom 19. August 2012 auf WebCite)
  17. a b Marcus George: Afghan airline battles for the skies, BBC News, 12. Dezember 2001 (Memento vom 19. August 2012 auf WebCite)
  18. The Times of India - Ariana resumes operations with New Delhi flight, 24. Januar 2002 (englisch)
  19. Nicholas Ionides: Ariana set to take delivery of first Indian A300, Flight International, 23. Juli 2002
  20. The Times of India - India gifts third airbus to Afghanistan, 7. März 2003
  21. Ariana Afghan back on Western Europe route, Flight International, 1. Oktober 2002 (Memento vom 20. August 2012 auf WebCite)
  22. a b Europäische Kommission - - Liste der Luftfahrtunternehmen, denen der Betrieb in der EU untersagt ist abgerufen am 30. Oktober 2015
  23. flyariana.com - News (Memento vom 27. September 2011 im Internet Archive) (englisch), abgerufen am 20. September 2011
  24. flyariana.com - Destinations (englisch), abgerufen am 30. Oktober 2015
  25. Ariana Afghan Airlines fleet details (englisch), abgerufen am 20. Juli 2016
  26. flyariana.com - Fleet Information (englisch), abgerufen am 30. Oktober 2015
  27. http://www.airfleets.net/flottecie/Ariana%20Afghan%20Airlines-history-b747-0-ddasc.htm Boeing 747 in Ariana Afghan Airlines history, Airfleets.net
  28. Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network
  29. Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network
  30. Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network
  31. Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network
  32. Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network
  33. Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network
  34. Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network
  35. Tages-Anzeiger - Drohne kollidiert beinahe mit Passagierjet abgerufen am 13. September 2013
  36. Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network
  37. Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network
  38. Flugunfalldaten und -bericht im Aviation Safety Network