Jakowlew Jak-40

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Jakowlew Jak-40
Jak-40 der polnischen Luftwaffe beim Anflug auf die Luftwaffenbasis in Geilenkirchen
Typ: Kurzstreckenverkehrsflugzeug
Entwurfsland: Sowjetunion 1955Sowjetunion Sowjetunion
Hersteller: OKB Jakowlew
Erstflug: 21. Oktober 1966
Indienststellung: September 1968
Produktionszeit: 1967 bis 1981
Stückzahl: 1011[1]

Die Jakowlew Jak-40 (russisch Яковлев Як-40, NATO-Codename Codling) ist ein Kurzstreckenverkehrsflugzeug aus sowjetischer Produktion. Sie wurde Anfang der 1960er-Jahre entworfen, um die Zubringerdienste insbesondere von der Iljuschin Il-14 zu übernehmen.

Die Jak-40 ist ein freitragender Tiefdecker mit einziehbarem Bugfahrwerk und heckmontierten Triebwerken. Sie kann eine zwei- bis dreiköpfige Besatzung und bis zu 32 Passagiere transportieren.

Um von unbefestigten Flugplätzen wie etwa Graslandeplätzen und Behelfspisten aus starten zu können, erhielt der neue Typ niedrig belastete Tragflächen und zur Sicherheit drei statt nur zwei Triebwerke.

Die ausfahrbare Fluggasttreppe im Heck und das bordeigene Hilfstriebwerk zur Klimatisierung der Kabine und zum Anlassen der drei Triebwerke machen die Jak-40 unabhängig von Bodengeräten an Flugplätzen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jak-40 auf dem kirgisischen Flughafen Osch (Aufnahme von 1974)

Etwa ein Jahr nach Beginn der Entwicklung fand am 21. Oktober 1966 durch Arseni Kolossow der Erstflug des ersten der insgesamt fünf Prototypen statt. Die erste öffentliche Präsentation fand am 8. Juli 1967 in Domodedowo statt.[2] Am 30. September 1968 wurde die Jak-40 in den Liniendienst der Aeroflot eingeführt.

Die Jak-40 wurde zu einem der meistgebauten Passagierflugzeuge der Sowjetunion. Sie wurde vielfach exportiert, es gelangen sogar Verkäufe in den Westen. Der größte „West-Kunde“ war die deutsche General Air.[3] Drei weitere wurden an die italienische Aertirrena vermietet.

Bis zum Auslaufen der Produktion im Jahre 1976 wurden über 1000 Jak-40 gebaut.[4] Sie wird noch bei einigen mittelasiatischen Fluggesellschaften der ehemaligen Sowjetunion sowie bei einigen Luftwaffen des ehemaligen Ostblocks eingesetzt.

Obwohl die Produktion schon ausgelaufen ist, bietet Jakowlew zusammen mit Skorost die Umrüstung zur Jak-40TL an. Dabei werden die drei Iwtschenko-Triebwerke durch zwei Mantelstromtriebwerke vom Hersteller Textron-Lycoming (LF 507-1N je 31,14 kN Schub) ersetzt, die eine höhere Reisefluggeschwindigkeit zulassen und zudem ein besseres Leistungsvermögen sowie deutlich niedrigere Betriebskosten aufweisen.

Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dreiseitenriss
Cockpit
  • Am 19. Februar 1975 wurde eine Jak-40 der General Air (Kennzeichen D-BOBD) bei der Landung in Saarbrücken seitlich von der Landebahn weggesteuert, um ein Überrollen des Landebahnendes in einen steilen Abhang zu verhindern. Die mit 16 Passagieren und 2 Piloten besetzte Maschine durchbrach einen Zaun und kollidierte mit Bäumen. Außer dem schwerverletzten Flugkapitän kamen keine Personen zu Schaden. Das Flugzeug wurde als Totalschaden abgeschrieben.[7]
  • Am 19. Juli 2005 setzte eine Jak-40 der Interisland Airlines (RP-C2803) auf dem Flughafen Caticlan (Philippinen) vor der 950 m langen Landebahn auf. Beim Bergungsversuch brachte man das Fahrwerk zum Zusammenbrechen, woraufhin die Maschine zum Totalschaden wurde; sie konnte mit den vor Ort zur Verfügung stehenden Mitteln nicht wieder flugfähig gemacht werden. Von den 23 Personen an Bord kam niemand ums Leben. Im Jahr 2012 wurde das Wrack aufgekauft und vor der nahegelegenen Urlaubsinsel Boracay als Attraktion für Taucher versenkt.[8][9]

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jak-40 der General Air im Jahr 1973
Länder, in denen die Jak-40 genutzt wird (blau nur zivil)
Kenngröße Daten
Baujahre 1966–1981
Typ Kurzstreckenverkehrsflugzeug
Länge 20,36 m
Spannweite 25 m
Flügelfläche 70 m²
Höhe 6,50 m
Reisegeschwindigkeit 510 km/h in 6.000 m Höhe[10]
Reichweite mit max. Nutzlast 1.450 km
Dienstgipfelhöhe 6.000 m[3]
Leergewicht 9.400 kg
Startgewicht max. 17.200 kg[10]
Triebwerke drei Mantelstromtriebwerke Iwtschenko AI-25
Leistung je 14,7 kN

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jakowlew Jak-40 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Manfred Jurleit: Jakowlew Jak-40. In Flieger Revue 3/1993. S. 43
  2. Karl-Heinz Eyermann, Wolfgang Sellenthin: Die Luftparaden der UdSSR. Zentralvorstand der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft, 1967. S. 40
  3. a b Helmut Kreuzer: JETTLINER, VON DER COMET ZUM AIRBUS A 321, Air Gallery Verlag, Ratingen (1991) ISBN 3-9802101-4-6
  4. Achim Figgen u.a. : Verkehrsflugzeuge, Bechtermünz Verlag, Augsburg (2000) ISBN 3-8289-5351-4
  5. http://www.airdisaster.ru/database.php?id=104
  6. Unfallbericht Jak-40 CCCP-87602, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 20. Dezember 2016.
  7. Unfallbericht Jak-40FG D-BOBD, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 20. Dezember 2016.
  8. Unfallbericht Jak-40 RP-C2803, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 20. Dezember 2016.
  9. Tauchvideo aus Boracay auf dem der Flugzeugtyp gut zu erkennen ist
  10. a b Flugzeughandbuch Jak-40, Verlag Luftverkehr, Moskau (1995)