Ausschlusskriterien bei der Blutspende

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Als Ausschlusskriterien bei der Blutspende bezeichnet man die Kriterien, bei denen eine Blutspende nicht möglich ist. Es wird zwischen dauerhaften und zeitweiligen Ausschlusskriterien unterschieden. In jedem Land gelten unterschiedliche Gesetzliche Bestimmungen.

Zusätzlich kann jeder Träger eines Blutspendedienstes im Detail andere Kriterien ansetzen, daher stellt diese Liste nur die üblichsten Kriterien dar und muss nicht in allen Fällen und bei allen Trägern zutreffen.

Diese Ausschlusskriterien dienen zum einen dem Schutz der Blutspender. So wird häufig ein bestimmtes Mindestgewicht gefordert, damit der Spender nicht zu sehr durch eine Blutspende geschwächt wird. Zum anderen können viele Infektionskrankheiten durch Blut übertragen werden. So kam es z. B. in den 1980er Jahren zu Infektionen durch HIV-kontaminierte Blutprodukte. Um dies zu vermeiden, werden bestimmte Risikogruppen von der Blutspende ausgeschlossen.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altersangaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mindestalter 18 Jahre
  • eine Zulassung über 68 Jahren oder Erstspendern über 60 Jahren ist nach individueller ärztlicher Entscheidung möglich

Dauerhafte Ausschlusskriterien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den derzeit gültigen Richtlinien der Bundesärztekammer und weiteren Anordnungen sind Personen als Blutspender dauerhaft auszuschließen laut Blutspendedienst Hamburg:[1]

  • bei denen eine Hepatitis B-, Hepatitis C- oder HIV-Infektion nachgewiesen wurde, unabhängig davon, ob Krankheitserscheinungen aufgetreten sind
  • die an einer infektiösen Hepatitis (Gelbsucht) unklarer Ursache erkrankt sind oder waren
  • bei denen eine HTLV-1-/HTLV-2-Infektion nachgewiesen wurde, unabhängig davon, ob Krankheitserscheinungen aufgetreten sind
  • die in einem Malariagebiet geboren oder aufgewachsen sind (erste fünf Lebensjahre)
  • die an einer Protozoonose: Babesiose, Trypanosomiasis (Chagas- oder Schlafkrankheit), Leishmaniose oder an Malaria erkrankt sind oder waren
  • die an Syphilis, Brucellose, Rickettsiose, Lepra, Rückfallfieber oder Tularämie erkrankt sind oder waren
  • die bekannte Dauerausscheider von Salmonellen (Typhus- und Paratyphus-Erreger) sind
  • die jemals mit Hypophysenhormonen (z. B. Wachstumshormon) menschlichen Ursprungs behandelt worden sind
  • die an der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit oder an der Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit leiden oder bei denen der Verdacht auf diese Erkrankungen besteht
  • die Dura-mater- (Hirnhaut-) bzw. Kornea- (Hornhaut-)Transplantate erhalten haben
  • die Xenotransplantate erhalten haben (Transplantation von tierischem Gewebe)
  • die an bösartigen Neoplasien (Krebs) leiden oder litten (Ausnahmen: ausgeheilte Plattenepithelkarzinome der Haut und Basaliome)
  • die an anderen chronischen Krankheiten leiden oder litten, bei denen die Blutspende eine Gefährdung des Spenders oder des Empfängers nach sich ziehen kann (z. B. schweres Asthma, schwere Herzerkrankung, Blutungsneigung, nach Herzinfarkt, Schlaganfall, mehrfachen Thrombosen)
  • die ständig mit Arzneimitteln behandelt werden, nach individueller Entscheidung durch den Arzt, insbesondere bei Behandlung mit teratogenen (missbildungserzeugenden) Arzneimitteln wie Retinoiden
  • die einer Personengruppe angehören, die ein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit aufweist, darunter
    • Personen, die sich in der Zeit von 1. Januar 1980 bis 31. Dezember 1996 insgesamt länger als sechs Monate im Vereinigten Königreich Großbritannien und/oder Nordirland aufgehalten haben (BSE)
    • Personen, die zwischen dem 1. Januar 1980 und Ende 2003 in Großbritannien operiert wurden oder Bluttransfusionen erhielten
    • Personen, in deren Familie bei einem oder mehreren Blutsverwandten die Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung aufgetreten ist
  • die einer Personengruppe angehören oder jemals angehörten, die statistisch ein erhöhtes Risiko für HBV-, HCV- oder HIV-Infektionen aufweist, unabhängig davon, ob tatsächlich Risikoverhalten vorlag, darunter

Für den Fall, dass eine solche Kontraindikation vorliegt, der Spender aber aufgrund gesellschaftlichen Drucks dies nicht frei zugeben kann, wird die Möglichkeit des anonymen Selbstausschlusses bereitgestellt, siehe auch Informationen über Blutspender.

Ausschluss von Männern, die Sex mit Männern haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Blutspendeausschluss von Männern, die Sex mit Männern haben, (sog. MSM) wird auf nationaler und internationaler Ebene kontrovers diskutiert:

Männer, die Sex mit Männern haben, sind grundsätzlich von der Blutspende ausgeschlossen. Die Richtlinie ist in Deutschland durch das Transfusionsgesetz[2] geregelt. Es formuliert die Ausschlusskriterien für Spender nicht selbst, sondern bestimmt in § 5 Abs. 1 Satz 2 TFG: „Die Zulassung zur Spendeentnahme soll nicht erfolgen, soweit und solange die spendewillige Person nach Richtlinien der Bundesärztekammer von der Spendeentnahme auszuschließen oder zurückzustellen ist.“ Die verbindlichen Regelungen zum Ausschluss von der Blutspende wird von der Bundesärztekammer gemeinsam mit dem Paul-Ehrlich-Institut in Form der Hämotherapie-Richtlinien[3] vorgegeben.

Begründet wird der Ausschluss von MSM von der Blutspende mit der Zugehörigkeit zu einer Personengruppe, deren sexuelles Verhalten gegenüber der Allgemeinbevölkerung ein erhöhtes Risiko von HIV-Infektionen mit sich bringt. Alle Blutspenden werden zwar auf HIV getestet, aber mit den Tests können frische Infektionen nicht nachgewiesen werden. Der Nachweis ist erst einige Zeit nach der Infektion möglich. Dieser Zeitraum wird als „diagnostisches Fenster“ bezeichnet. Die aus der Vollblutspende gewonnenen Blutprodukte haben teilweise sehr beschränkte Haltbarkeiten, sodass das Spenderblut nicht aufbewahrt werden kann, bis ein zuverlässiges Testergebnis in Bezug auf eine HIV-Infektion vorliegt. Das Paul-Ehrlich-Institut hat hierzu eine umfassende Stellungnahme [4] veröffentlicht.

Gegen diese Regelung wird angeführt, dass sie nicht nach sachgerechten Kriterien differenziert. Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) e.V. beispielsweise stellt in einer Auseinandersetzung mit der aktuell geltenden Richtlinie fest:

„[…] ist der Risikoausschluss von heterosexuellen Personen in den Richtlinien falsch formuliert worden. Dort wird der Begriff 'sexuelles Risikoverhalten' durch den Zusatz erläutert 'z.B. Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern'. Tatsächlich kommt es aber nicht darauf an, ob der Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern häufig oder selten stattgefunden hat, sondern allein darauf, ob er ungeschützt war oder nicht. Der Risikoausschluss bei heterosexuellen Personen muss deshalb richtig lauten: 'heterosexuelle Personen mit sexuellem Risikoverhalten, z.B. ungeschützter Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern.' Genauso kann der Risikoausschluss bei MSM formuliert werden mit der Folge, dass Heterosexuelle und MSM zusammengefasst werden können, also: 'Personen mit sexuellem Risikoverhalten, z.B. ungeschützter Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern'.“[5]

Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg hat am 29. April 2015 zu der Frage, ob der generelle Ausschluss von MSM mit dem Verbot der Diskriminierung wegen der sexuellen Orientierung in Art. 21 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union vereinbar ist, ein Urteil gefällt, wonach der generelle Ausschluss unzulässig ist und ein berechtigter Ausschluss erst nach individueller Befragung des Blutspenders erfolgen kann. Die Mitgliedsstaaten sind dazu aufgefordert, die nationalen Regelungen zu überprüfen.[6] Das Paul-Ehrlich-Institut hat eine solche Überprüfung bislang nicht vorgenommen.

International ist ein solcher Ausschluss in vielen Staaten gar nicht (z.B. Italien, Spanien, Portugal, Polen) oder nur zeitweise (z.B. Niederlande, Großbritannien, USA) vorgesehen.

Zeitweilige Ausschlusskriterien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Spender sind für einen bestimmten Zeitraum ausgeschlossen (Rückstellungsfristen):

  • solange wie zutreffend
    • unter 50 kg Körpergewicht
    • Seit der letzten Blutspende sind noch nicht 56 Tage (8 Wochen) vergangen (bei Männern und Frauen). Bei Frauen wird zusätzlich ein Mindestabstand von 12 Wochen zwischen zwei Blutspenden empfohlen.[7]
    • Es wurde bereits 6 Mal (bei Männern) bzw. 4 Mal (bei Frauen) innerhalb eines Jahres Blut gespendet.
    • gesundheitliche Probleme
    • zeitweiliger Eisenmangel - zu niedriger Hämoglobin-Wert
    • Bei der Untersuchung des Blutes auf Erreger sind falsche Anzeigen aufgetreten, sogenannte Falsch positive.
  • einen Tag
    • nach zahnärztlicher Behandlung
  • eine Woche
    • nach einem kleinen operativen Eingriff oder Zahnextraktion
    • nach einem unkomplizierten Infekt
  • 2 Wochen
    • Nach Rückkehr aus einem Chikungunya-Endemiegebiet (Südliches Afrika, Südostasien)
  • 4 Wochen
    • eitrige Wunden
    • Impfung gegen Cholera, Gelbfieber, Masern, Mumps, Röteln, Typhus (Lebendimpfstoffe)
    • Nach einem Aufenthalt in Nordamerika vom 1. Juni bis zum 30. November jedes Jahres (West-Nil-Virus-Endemiegebiet)
    • Nach Abklingen einer fieberhaften Infektion oder Durchfallerkrankung unklarer Ursache
    • Nach Erkrankung an Herpes zoster (Gürtelrose), Masern, Mumps, Röteln, Scharlach, Windpocken
  • 4 Monate
    • Nach Ausheilung einer Hepatitis A
    • Nach dem letzten kontinuierlichen Aufenthalt (länger als 6 Monate) in einem Gebiet mit hoher Infektionsrate für z. B. Hepatitis B, C, HIV (AIDS), HTLV-1, HTLV-2
    • Nach Nadelakupunktur (ausgenommen Einmalnadeln unter aseptischen Bedingungen), nach Durchbohrungen der Haut und Schleimhaut (Piercing und Tätowierung, Ohrlochstechen)
    • Nach Empfang von Blutkomponenten u. ä. (außer Humanalbumin), Invasive oder Schleimhautkontamination mit Blut
    • Nach größeren Operationen
    • Nach endoskopischen Untersuchungen, Biopsien, Katheteranwendungen (ausgenommen Einmalkatheter)
  • 12 Monate
    • Impfung gegen Tollwut nach Kontakt (z. B. Biss)
    • Nach Verabreichung von Sera tierischen Ursprungs
  • 2 Jahre
    • Nach Ausheilung von Osteomyelitis, Q-Fieber, rheumatischem Fieber (Gelenkrheumatismus), Typhus, Paratyphus und Tuberkulose
  • 5 Jahre
    • Nach medizinisch dokumentierter Heilung von Hepatitis-B

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dauerhafte Ausschlusskriterien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Positiver Test für HIV, Syphilis, Hepatitis B und Hepatitis C
  • Geschützte oder nicht geschützte sexuelle Kontakte seit 1977: gewerbsmäßige sexuelle Kontakte oder sexuelle Kontakte unter Männern
  • Injektion von Drogen in der Vergangenheit oder gegenwärtig
  • Blutgerinnungsstörungen, die durch aus Blut hergestellte Medikamente behandelt werden müssen
  • Aufenthalt in GB zwischen 1980 und 1996 während mindestens 6 Monaten, wegen erhöhtem BSE-Risiko[8]

Zeitweilige Ausschlusskriterien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 5 Jahre
    • Aufenthalt während mindestens sechs Monaten in Ländern mit erhöhter Aidsrate
  • 12 Monate
    • Erkrankung an Gonorrhoe oder anderen Geschlechtskrankheiten
    • Sexuelle Kontakte mit wechselnden Partnern
    • Sexuelle Kontakte mit Partnern, für die zeitweilige oder definitive Ausschlusskriterien zutreffen
    • Sexuelle Kontakte mit Partnern, die in den letzten fünf Jahren in Ländern mit erhöhter Aidsrate Blut oder Blutprodukte erhalten haben
  • 6 Monate
    • Sexuelle Kontakte mit neuem Partner
    • Aufenthalt in einem Malariagebiet im letzten halben Jahr ohne Erkrankung (bei fiebriger Erkrankung längere Sperrfrist)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ian M. Franklin: Is there a right to donate blood? Patient rights; donor responsibilities. In: Transfusion Medicine. Vol. 17, Nr. 3, 2007, S. 161–168, doi:10.1111/j.1365-3148.2007.00754.x.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. blutspendehamburg.de: Dauerhafte Ausschluss-Kriterien. Zugriff am 5. Mai 2011
  2. http://www.gesetze-im-internet.de/tfg/
  3. http://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/downloads/Blutspende_24052013.pdf
  4. http://www.pei.de/DE/infos/patienten/sicherheit-blutprodukte/spenderausschluss-msm.html
  5. http://www.lsvd.de/recht/ratgeber/blutspende.html#c9056
  6. http://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf?text=&docid=164021&pageIndex=0&doclang=DE&mode=req&dir=&occ=first&part=1&cid=320515
  7. drk-blutspende.de: Arten der Blutspende - Die Vollblutspende, Zugriff am 5. September 2012
  8. knochenmark.ch
Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!