Böddenstedt (Suderburg)

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Koordinaten: 52° 55′ 51″ N, 10° 26′ 33″ O

Böddenstedt
Gemeinde Suderburg
Höhe: 61 m ü. NN
Fläche: 9,58 km²
Einwohner: 508 (2014)
Bevölkerungsdichte: 53 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 29556
Vorwahl: 05826
Böddenstedt (Niedersachsen)
Böddenstedt

Lage von Böddenstedt in Niedersachsen

Wappen der bis 1972 selbständigen Gemeinde Böddenstedt
„Schönstes Dorf im Kreis Uelzen“ (1988 und 1990)

Böddenstedt ist ein Ortsteil der Gemeinde Suderburg in der Samtgemeinde Suderburg und liegt im südwestlichen Landkreis Uelzen, Niedersachsen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bauern- und Handwerkerdorf Böddenstedt liegt zwischen Hamburg und Hannover inmitten der Lüneburger Heide. Der Stahlbach – bis ins 19. Jahrhundert Böddenstedter Aue genannt[1]  – durchfließt den Ort am südlichen Rand von West nach Ost und wird dabei von Fischteichen und eher flacheren Wiesen- und Weidegebieten begleitet. Böddenstedt besitzt die Struktur eines Haufendorfes.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urkundlich wird Böddenstedt im Jahre 1197 n. Chr. als villa budenstide erstmals erwähnt.[2] Etwa seit dieser Zeit (13. und 14. Jahrhundert) blühte hier das Adelsgeschlecht der Ritter von Böddenstedt. Eccehardus de Bodenstide wird beispielsweise 1226 im Lehnregister des Edlen Herrn Luthard von Meinersen genannt. 1322 erwerben darüber hinaus die späteren Grafen Grote von Heinrich von Böddenstedt einen Hof nebst Lehnrecht in Böddenstedt.[3]

Als 1550 die Pest in der Hansestadt Uelzen grassierte und ein Viertel der Stadtbevölkerung verstarb, wurden in Böddenstedt und Suderburg amtliche Waagen angelegt (eigentlich ein Stadtprivilegium), wodurch der Schwerpunkt des regionalen Handels fast zwanzig Jahre lang in diesen beiden Orten lag.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs kamen am 4. April 1945 beim Abwurf britischer Sprengbomben sieben Dorfbewohner ums Leben, die am südlichen Ortsrand von Böddenstedt auf dem Acker gearbeitet haben. Das britische Luftgeschwader hielt die Landmaschinen irrtümlich für feindliche Geschütze.[4] Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Einwohnerzahl Böddenstedts aufgrund der Flüchtlingsströme auf 843 (davon 357 Einheimische) an.[5]

In den 1960er Jahren entstand in einem Wäldchen nördlich von Böddenstedt die Wochenendhaussiedlung Ortheide, nachdem das Vorhaben Dr. Oetkers zur Errichtung einer Puddingfabrik auf Widerstand der Bevölkerung stieß. In unmittelbarer Nähe befindet sich heute ein Sportplatz mit Fußballfeldern, Vereinsheim, Gymnastikhalle, Tennisfeldern und Spielplatz sowie der Waldfriedhof mit Kapelle und angrenzenden urgeschichtlichen Hügelgräbern aus der Älteren Bronzezeit (um 1600 v. Chr.). Seitdem die Schule in den 1970er Jahren geschlossen wurde, wird das Gebäude als Dorfgemeinschaftshaus genutzt. Böddenstedts Ortskern weist einen recht hohen Bestand alter Bausubstanz auf. Eine Reihe von Hofanlagen bzw. Einzelobjekten steht unter Denkmalschutz. Zu den ältesten Gebäuden zählen u.a. ein Speicher aus dem Jahre 1625, das alte Schulhaus von 1809 oder die am Mühlenteich gelegene Wassermühle.

Am 1. Juli 1972 wurde Böddenstedt in die Gemeinde Suderburg eingegliedert.[6]

Golddorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach jahrelangem Engagement der Bürger im Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden ist Böddenstedt 1991 auf Bundesebene mit einer Goldmedaille ausgezeichnet worden und darf sich seitdem Golddorf nennen. Gleiches gilt für das Nachbardorf Bohlsen (Bundessieger 1993 und 2013). Beide Dörfer können über den neu gestalteten und informativen „Golddörfer Wanderweg“ erkundet werden.[7][8] Im September 2015 hat sich Böddenstedt erneut für den 2016 stattfindenden Bundeswettbewerb Unser Dorf hat Zukunft qualifiziert.[9]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen der Ritter von Böddenstedt

Ab 1937 führte die Gemeinde Böddenstedt mit Genehmigung der Provinz-Regierung von Hannover das Einhorn der Ritter von Böddenstedt in ihrem Siegel,[10] welches der Chronist von dem Knesebeck wie folgt beschreibt: „Im silbernen Felde ein springendes, halbes, rotes Einhorn.“ Offiziell geführt wurde dieses Wappen von der Gemeinde Böddenstedt, bis sie im Zuge der Gebietsreform 1972 aufgelöst und der Gemeinde Suderburg einverleibt wurde.[11]

Vereine und Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Böddenstedt gibt es ein aktives Vereinsleben. Exemplarisch sind der Sportverein VfL Sportfreunde Böddenstedt e. V.[12], der Posaunenchor (gegründet 1880) und die Freiwillige Feuerwehr zu nennen.[13] Regelmäßig treffen sich außerdem eine Bastelgruppe, ein Seniorenkreis sowie ein Arbeitskreis, der sich die Pflege des Dorfes zur Aufgabe gemacht hat.

Neben vier Landwirten und dem Hotel Landgasthof Puck sind in Böddenstedt nach wie vor einige Handwerksbetriebe und Dienstleister ansässig, die zum Teil auf eine jahrhundertelange Tradition zurückblicken, darunter u.a. eine Zimmerei und Dachdeckerei, eine Tischlerei, ein Maler- und Parkettlegermeister und eine Gärtnerei.

Energie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nördlich von Böddenstedt befindet sich eine Biogasanlage und im Süden ein Windpark.[14]

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der vierten Staffel der mehrfach prämierten Comedy-Serie Stromberg (mit Christoph Maria Herbst) wird die gleichnamige Hauptfigur Bernd Stromberg in die Capitol-Niederlassung des fiktiven Ortes Finsdorf versetzt. Die Viralmarketing-Kampagne lief über die Website finsdorf.de. Dort begrüßte man Bernd Stromberg bereits als neuen Einwohner. GoYellow schaltete sich in diese Kampagne ein und stellte einen Ausschnitt der Originalkarte zur Verfügung, auf der Böddenstedt in Finsdorf umbenannt wurde.[15] Zusätzlich wurde im Süden des Ortes ein fiktives Atomkraftwerk errichtet.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thorben Albrecht (* 2. Februar 1970 in Lüneburg; aufgewachsen in Böddenstedt), deutscher Historiker, Politiker (SPD) und beamteter Staatssekretär im Kabinett Merkel III (Bundesministerium für Arbeit und Soziales).
  • Klaus Wiswe (* 30. Oktober 1955 in Böddenstedt), deutscher Politiker (CDU), hauptamtlicher Landrat im Landkreis Celle, Vorsitzender des Niedersächsischen Landkreistages.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Böddenstedt (Suderburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heinrich D. Sonne: Beschreibung des Königreichs Hannover. Band 4: Spezielle Chorographie. Cotta, München 1830.
  2. Jürgen Udolph: Zuflüsse zur unteren Elbe. (Von Seege und Stecknitz bis zur Mündung) (= Hydronymia Germaniae. Reihe A, Bd. 16). Steiner, Stuttgart 1990, ISBN 3-515-05741-2, S. 51.
  3. Thomas Vogtherr (1983): Wirtschaftlicher und sozialer Wandel im Lüneburger Landadel während des Spätmittelalters, in: Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen: XXIV Untersuchungen zur Standesgeschichte Niedersachsens, Hildesheim, S. 103
  4. Tilman Grottian: Geschichte der Gemeinde Suderburg. Festschrift zum 1000-jährigen Jubiläum im Jahr 2004. Edition Anderweit, Suderburg-Hösseringen 2004, ISBN 3-931824-33-0.
  5. Martin Schwind: Der Landkreis Uelzen (Regierungsbezirk Lüneburg). Landeskundlich-statistische Kreisbeschreibung als Grundlage für Verwaltung und Landesentwicklung (= Veröffentlichungen der Wirtschaftswissenschaftlichen Gesellschaft zum Studium Niedersachsens e.V. und des Niedersächsischen Amtes für Landesplanung und Statistik, Hannover-Göttingen. Reihe D: Die deutschen Landkreise. Handbuch für Verwaltung, Wirtschaft und Kultur. Die Landkreise in Niedersachsen. Bd. 2, ZDB-ID 253677-8). Walter Dorn, Bremen-Horn 1949.
  6.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 239.
  7. Golddörfer Wanderweg. (PDF; 2,4 MB) Website der Samtgemeinde Suderburg. Abgerufen am 11. Mai 2010.
  8. Liste der Sieger im Bundeswettbewerb Unser Dorf hat Zukunft. Abgerufen am 11. Mai 2010.
  9. http://www.ml.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=33491&article_id=117679&_psmand=7
  10. Friedrich Wilhelm Boldwin Ferdinand von dem Knesebeck (Hrsg.): Regesten und Urkunden des uradeligen Geschlechts der Herren von dem Knesebeck. Huth, Göttingen 1866.
  11. Informationen zur Gemeinde Suderburg. Abgerufen am 12. Mai 2010.
  12. VfL Sportfreunde Böddenstedt e. V.. Abgerufen am 21. Mai 2010.
  13. Freiwillige Feuerwehr Böddenstedt. Abgerufen am 21. Mai 2010.
  14. Windpark Suderburg. Website der Planet energy GmbH. Abgerufen am 12. Mai 2010.
  15. Finsdorf – Juwel der Heide. Website der GoYellow GmbH. Abgerufen am 11. Mai 2010.