Bogenjagd

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Compoundbogen PSE Firestorm Lite
Bogenfischen am Gard/Frankreich

Die Jagd mit Pfeil und Bogen (Bogenjagd[1]) ist eine Waffenjagdmethode zum Töten von Wildtieren als Freizeitsport oder zum Zwecke des Nahrungserwerbes oder der Kadaververwertung (z.B. Fell, Horn, Sehnen).

Die Bogenjagd zum Nahrungserwerb wurde über viele Jahrtausende von Menschen verschiedenster Kulturen betrieben, einige indigene Völker jagen bis heute mit dem Bogen.[2]

Die Bogenjagd als Freizeitvergnügen ist heute ein Wirtschaftszweig des Jagdtourismus und des Naturtourismus. Zu den Angeboten zählen die Trophäenjagd[3], das Small Game Hunting, d.h. die Jagd auf Kleinwild, wie beispielsweise Hasen, Füchse oder bodenlebende Vögel[4][5], sowie das Bogenfischen.[6][7]

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Entwicklung der Armbrust und sehr viel leistungsfähigeren und leichter im Umgang und Treffsicherheit zu beherrschenden Gewehren wurde die Bogenjagd ungebräuchlich.

Sie kam zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten von Amerika wieder in Mode. Besonders aktiv waren dabei der Arzt Saxton Pope und der Journalist Art Young, die sich auf Anregung des letzten lebenden Yahi Indianers Ishi intensiv mit den indianischen Methoden der Jagd und dem Bau von Jagdbögen befassten.

Heute wird die Bogenjagd mit den unterschiedlichsten Bögen durchgeführt, in der Mehrzahl kommen jedoch moderne Compound-Bögen zum Einsatz.

Rechtliche Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland ist die Jagd mit dem Bogen auf Schalenwild und Seehunde verboten.[8]

In Österreich, der Schweiz, dem Vereinigten Königreich, Irland, Island, Griechenland und Rumänien ist die Jagd mit dem Bogen generell verboten, in den meisten anderen europäischen Ländern erlaubt.[9]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegner der Bogenjagd argumentieren mit dem Tierschutz.

Das Erlegen eines Tieres mit dem Bogen füge dem Tier mehr Leiden zu als ein Gewehrschuss. Wegen des grundsätzlich anderen Jagd- und Gebrauchscharakters eines Bogens sei die Wahrscheinlichkeit von für das Tier nicht weidgerechten Pfeiltreffern mit Folge qualvoller Verletzungen immens höher als mit Gewehren und Treibladungsgeschossen.

Befürworter entgegnen, ein Pfeiltreffer verursache wesentlich weniger Gewebeschäden und gäbe im Gegensatz zur Kugel seine Energie nicht in das umliegende Gewebe ab, was theoretisch eine geringere Schmerzentwicklung nach sich ziehen solle. In der Jagd verwende man gerne Teilmantelgeschosse, welche im Gegensatz zu Vollmantelgeschossen aufpilzen und so schwerere Verletzungen verursachen, das getroffene Tier schocken und in der Regel schneller stoppen. Der Deutsche Bogenjagdverband weist darauf hin, dass nach einer durch einen Jagdpfeil verursachten Schnittverletzung am Herzen oder den herznahen Blutgefäßen bei einem ca. 70 kg schweren Tier mit ungefähr 5 l Blut bereits nach zehn Herzschlägen der Tod eintrete, man gehe allgemein davon aus, dass ein Blutverlust von 40 % sofortige Bewusstlosigkeit und Tod zur Folge habe.

Gegner kontern, der sichere Umgang und die Treffsicherheit mit dem Bogen erfordere aufgrund des mechanischen Charakters des Bogens und dem notwendigen körperlichem Kraftaufwand beim Schießvorgang im Gegensatz zum Gewehr eine umfassendere Schulung und langjähriges Training zum Erlangen der erforderlichen weidgerechten Fähigkeiten des Schützen. Der Pfeil als Geschoss habe im Schnitt weniger Energie als ein Kugelgeschoss, die Schußdistanzen seien entsprechend beim Bogen niedriger, um die notwendige Durchschlagskraft und Treffsicherheit zu gewährleisten. Die Jagd auf die sehr kurzen Distanzen erhöhe die Gefahr das Tier beim Zielvorgang aufzuscheuchen und damit die Häufigkeit nicht weidgerechter Wundtreffer.

Im Unterschied zur Schußwaffe unterliegt der als Sportgerät klassifizierte Bogen nicht dem Waffengesetz. Es gibt keine Kontrollinstanzen und keine Nachweispflichten über das Vorliegen der grundlegend notwendigen Fertigkeiten eines Bogenschützen zur erfolgreichen Durchführung einer weidgerechten Jagd als Mindestanforderung für den Tierschutz. Sofern in einem Gebiet die Bogenjagd nicht gesetzlich verboten ist, könne jeder ungeachtet seiner Qualifikation mit dem Bogen losziehen.

Insgesamt sei deshalb bei der Jagd mit dem Bogen die Häufigkeit von Wundtreffern im Körper abseits der tödlichen Zone mit Folge eines qualvollen und teils langwierigen Verendens des Tieres oder schwerer Behinderungen, sollte das Tier die Verwundung überleben, höher.

Tierschützer lehnen generell das Töten von Tieren als Sport oder zum Spaß als Freizeitvergnügen ab.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Haseder S. 116
  2. Bogenjagende Hadzabe in Tansania. In: youtube.com, Video (6:51 Min). Abgerufen am 14. August 2016.
  3. Jagdreisen Weltweit: Bogenjagd in Namibia. In: youtube.com, Video (3:26 Min.). Abgerufen am 14. August 2016.
  4. Beispiel: Bow Hunting, Small Game Hunting. In: hunting-greenland.com. Abgerufen am 14. August 2016.
  5. Beispiel: Bowhunting Small Game. In: youtube.com, Video (4:32 Min.). Abgerufen am 14. August 2016.
  6. Daniel Yononindo: Bogenfischen – Karpfen Angeln mit einem Recurvebogen. In: youtube.com, Video (3:48 Min.). Abgerufen am 14. August 2016.
  7. Bow Fishing Recurve. In: youtube.com, Video (15:37 Min.). Abgerufen am 14. August 2016.
  8. Bundesjagdgesetz § 19 Sachliche Verbote (1) Verboten ist 1. mit Schrot, Posten, gehacktem Blei, Bolzen oder Pfeilen, auch als Fangschuß, auf Schalenwild und Seehunde zu schießen;
  9. Bogenjagd in Europa. Abgerufen am 1. Februar 2010.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bogenjagd – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien