Bromskirchen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Bromskirchen
Bromskirchen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Bromskirchen hervorgehoben
Koordinaten: 51° 6′ N, 8° 38′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Kassel
Landkreis: Waldeck-Frankenberg
Höhe: 414 m ü. NHN
Fläche: 35,23 km²
Einwohner: 1830 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 52 Einwohner je km²
Postleitzahl: 59969
Vorwahl: 02984
Kfz-Kennzeichen: KB, FKB, WA
Gemeindeschlüssel: 06 6 35 005
Gemeindegliederung: 5 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Unterm Stein 2
59969 Bromskirchen
Webpräsenz: www.bromskirchen.de
Bürgermeister: Karl-Friedrich Frese (CDU[2])
Lage der Gemeinde Bromskirchen im Landkreis Waldeck-Frankenberg
Hatzfeld (Eder) Battenberg (Eder) Bromskirchen Allendorf (Eder) Burgwald (Gemeinde) Rosenthal (Hessen) Gemünden (Wohra) Haina (Kloster) Frankenberg (Eder) Frankenau Bad Wildungen Lichtenfels (Hessen) Korbach Willingen (Upland) Diemelsee (Gemeinde) Diemelstadt Vöhl Volkmarsen Bad Arolsen Twistetal Waldeck (Stadt) Edertal Nordrhein-Westfalen Landkreis Kassel Schwalm-Eder-Kreis Landkreis Marburg-BiedenkopfKarte
Über dieses Bild
Luftaufnahme von Bromskirchen

Bromskirchen ist eine Gemeinde im Landkreis Waldeck-Frankenberg in Hessen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bromskirchen liegt am Rand des Rothaargebirges im Südwesten des Landkreises Waldeck-Frankenberg, dicht an der Grenze zum nordrhein-westfälischen Hochsauerlandkreis.

Mehr als 70 % der Gemarkungsfläche besteht aus Wald.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bromskirchen grenzt im Norden an die Stadt Hallenberg (Hochsauerlandkreis in Nordrhein-Westfalen), im Osten an die Stadt Frankenberg, im Süden an die Gemeinde Allendorf und die Stadt Battenberg (alle drei im Landkreis Waldeck-Frankenberg), sowie im Westen an die Stadt Bad Berleburg (Kreis Siegen-Wittgenstein in Nordrhein-Westfalen).

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flecken Fromoldeskirchen mit verstümmelter Martins-Basilika, 1238 Vorort einer Battenberger Kleinzent, war ursprünglich wohl eine karolingische Höhenwegs-Siedlung von Königsleuten.[3] Im Jahre 1238 wurde die Gemeinde erstmals in einer Note des Erzbistums Mainz urkundlich erwähnt. Historisch dokumentierte Namensformen des Ortes waren: Fromolskirke (1238), Fromoldeskirchen (1291), Frumboldeskirchen (1359), Fromißkirchen (1394), Brommelskirchen (1473).[4] Nach dem Dreißigjährigen Krieg kam das Dorf zu Hessen-Darmstadt und 1866 zu Preußen. Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde Somplar am 1. Februar 1971 nach Bromskirchen eingemeindet.[5]

Über Jahrhunderte war der Ort von der Landwirtschaft auf kargen Böden und dem Wald geprägt.

Raketenzug mit V2 in Bromskirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1945 wurde Bromskirchen kurzfristig weltweit bekannt, als ein kompletter Zug mit V2-Raketen in Bromskirchen erbeutet werden konnte. Dieser Zug war am frühen Morgen des 22. März von Driedorf (Westerwald) kommend als überlanger Militärzug über Herborn in die Aar-Salzböde-Bahn eingebogen. Er war über einen Kilometer lang und wurde von zwei schweren Lokomotiven (Typ G 8) gezogen, eine weitere befand sich in der Mitte, eine vierte schob von hinten. Bei Bicken wurde er gegen acht Uhr und später bei Bischoffen von amerikanischen Jagdbombern angegriffen und eine Lok beschädigt (Kesseldurchschuss), bei heftiger Gegenwehr durch die mitgeführten Vierlingsflaks. Der Zug wurde danach in Bischoffen in zwei Teile geteilt und erreichte gegen Abend den 700 m langen Tunnel bei Hartenrod, wo er jedoch vorne heraus ragte. Zwei Tage später wurde er Richtung Marburg abgefahren. Nach einer Irrfahrt über Marburg, Wetter, Frankenberg und Allendorf erreichte der Raketenzug auf dem Weg nach Winterberg am 29. März den Bahnhof Bromskirchen. Dort stoppten ihn gegen neun Uhr amerikanische Panzer, als die Loks im Bahnhof Bromskirchen Wasser tanken wollten. Den Amerikanern fielen mit diesem V2-Eisenbahnbatteriezug der Gruppe Süd-Art.Rgt.(mot.)z.V.901, Abt.Ia[6] [7] unter Planen getarnt, zehn komplette V2-Raketen einschließlich Treibstoff, Eisenbahnabschussrampen, gepanzerten Mannschafts- und Flakwaggons sowie die Bedienungsanleitungen in die Hände. Drei Tage später ließen die Amerikaner den wertvollen Beutezug nach Antwerpen bringen. Von dort wurde die Ladung nach Amerika verschifft und trug damit ganz wesentlich dazu bei, die amerikanische Raketentechnik aufzubauen. Bis dahin war den Amerikanern die V2 nur aus ihren Bruchstücken nach dem Einschlag bekannt.[8] Die Erbeutung dieses Zuges wurde auch ausführlich in alliierten Wochenschauen thematisiert.[9]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1961 1970 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2012
Einwohner 1032 1135 1852 1868 1896 1895 1858 1879 1895 1920 1913 1952 1961 1958 1940 1916 1766

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[10] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[11][12]

Sitzverteilung in der Gemeindevertretung 2016
   
Von 15 Sitzen entfallen auf:
  • BLB : 9
  • BLS : 4
  • UBL : 2
Parteien und Wählergemeinschaften %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
BLB Bürgerliste Bromskirchen 62,4 9 53,1 8 49,2 7
BLS Bürgerliste Somplar 23,1 4 24,0 4 27,6 4 18,0 3
UBL Unabhängige Bürgerliste 14,4 2 22,8 3 23,2 4
BWG Bürgerliche Wählergemeinschaft 43,0 6
ABL Alternative Bürgerliste 23,6 4
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 15,4 2
Gesamt 100,0 15 100,0 15 100,0 15 100,0 15
Wahlbeteiligung in % 50,6 48,5 52,2 56,5

Gemeindevorstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Bürgermeisterwahl am 22. August 2010 wurde der Amtsinhaber Karl-Friedrich Frese mit 82,6 % wiedergewählt.[13] Dem Gemeindevorstand gehören neben dem Bürgermeister drei Vertreter der BLB und je ein Vertreter von BLS und UBL an.

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bromskirchen unterhält seit 1978 partnerschaftliche Beziehungen zur französischen Gemeinde Arrou.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Rathaus Bromskirchen wurde in den Jahren 1619 bis 1621 erbaut. Es ist ein Fachwerkhaus mit ornamentalen Schnitzereien. Die denkmalgeschützte Evangelische Kirche Bromskirchen ist sehenswert

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fester Bestandteil des Bromskircher Terminkalenders ist das Schützenfest. Es findet jährlich am ersten Augustwochenende statt. Die Seefete des Jugendclubs findet auch jedes Jahr am letzten Wochenende im Juli statt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fa. Ante-Holz
Solarpark
J.D. Philipps (1846–1926)

Bromskirchen ist ein Wirtschaftsstandort und bietet mehr als 900 Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe. Größten Anteil daran hat die Firma Hoppe AG, führender Hersteller von Tür- und Fensterbeschlägen. Auch die Firma Ante-Holz ist dort von großer wirtschaftlicher Bedeutung.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Bromskirchen lag an der Bahnstrecke Nuttlar–Frankenberg. Der Personenverkehr zwischen Winterberg (Westf) und Allendorf (Eder) wurde am 14. November 1966 eingestellt. Der Abschnitt zwischen Hallenberg und Allendorf (Eder) ist seit dem 28. Mai 1967 stillgelegt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Dehio/Ernst Gall/Magnus Backes: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Hessen, 2. Auflage Sonderausgabe Darmstadt 1982. S. 109-110.
  • Georg Wilhelm Sante: Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 4: Hessen, 3. Auflage Stuttgart 1976, Nachdruck 1993. S. 63.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. [1] hna.de vom 28. November 2011
  3. Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, Hessen, 3. überarbeitete Aufl., S. 63
  4. „Bromskirchen, Landkreis Waldeck-Frankenberg“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), Stand: 17. April 2014, abgerufen am 20. Juni 2014.
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 389.
  6. Genaue Bezeichnung gem.: Schreiben der Gruppe Süd-Art.Rgt.(mot.)z.V.901 Abt.Ia vom 12.3.1945 an Heeres Art.Abt.(mot)705, 10.Batterie und Seite 80 des Kriegstagebuches vom 19. März 1945 der Gruppe Süd- Art.Rgt.(mot.) z.V.901.
  7. Karsten Porezag: Geheime Kommandosache, Geschichte der "V-Waffen" und geheimen Militäraktionen des Zweiten Weltkrieges an Lahn, Dill und im Westerwald, Dokumentation", 2. erweiterte und überarbeitete Auflage 1997. 7. Tausend: Juli 2003, Seiten 35 - 37und 326 - 344, Verlag Wetzlardruck, Wetzlar 2003, ISBN 3-926617-20-9
  8. Horst W. Müller, „Ein geheimnisvoller Zug durchquerte 1945 das Hinterland“, Hinterländer Geschichtsblätter Nr.1. März 2005, Seite 12
  9. Webseite mit einer Wochenschau und Filmaufnahmen als zweites Thema abgerufen am 27. September 2012
  10. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016
  11. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  12. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 26. März 2006
  13. Bürgermeisterwahl in Bromskirchen: Frese siegt mit 82,6 Prozent hna.de vom 22. August 2010, abgerufen am 22. August 2010

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bromskirchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien