Bruntál

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Bruntál
Wappen von Bruntál
Bruntál (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Moravskoslezský kraj
Bezirk: Bruntál
Fläche: 3016 ha
Geographische Lage: 49° 59′ N, 17° 28′ OKoordinaten: 49° 59′ 15″ N, 17° 27′ 44″ O
Höhe: 409 m n.m.
Einwohner: 16.583 (1. Jan. 2017)[1]
Postleitzahl: 792 01
Verkehr
Straße: I/11
I/45
Bahnanschluss: Olomouc–Opava východ
Bruntál–Malá Morávka
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 3
Verwaltung
Bürgermeister: František Struška (Stand: 2010)
Adresse: Nádražní 20
792 01 Bruntál
Gemeindenummer: 597180
Website: www.mubruntal.cz

Bruntál (deutsch Freudenthal , lateinisch Vallis Gaudiorum, polnisch Bruntal) ist die Bezirksstadt des tschechischen Verwaltungsbezirks Bruntál (Freudenthal) im Mährisch-Schlesischen Kreis. Sie hat 17.631 Einwohnern (2005).

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt in den Sudeten östlich des Altvatergebirges im Niederen Gesenke (Nízký Jeseník) im Tal des zur Mohra fließenden Schwarzbaches (Černý potok) umgeben von den Gipfeln des Köhlerbergs (672 m), dem basaltische Kegelrest eines erloschenen Vulkans, im Südwesten, Vodárenský vrch 599 m, Zadní Zelený vrch 563 m und dem Ziegenberg (Kozinec, 639 m). Weitere Erhebungen in der Umgebung sind Venušina sopka (655 m), Velký Roudný (780 m) und Malý Roudný (770 m). Die Bergbäche Bukový potok, Kobylí potok und der Mühlbach (Vodárenský potok) verlaufen durch das Stadtgebiet.

Freudenthal südwestlich von Leobschütz und nordwestlich von Troppau auf einer Landkarte von 1909
Marktplatz
Rathaus
Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt
Schloss Freudenthal
Stausee Schlesisch Hartau

Vegetation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ursprüngliche Bewaldung des Altvatergebirges bestand aus Buchenwäldern; in höheren Lagen gab es Nadelwälder. Im Gebirgswald gibt es Fichten, Tannen, Lärchen, Birken, Eschen, Buchen, Salweiden, Ebereschen, Bergahorn. Oberhalb der oberen Waldgrenze wachsen gepflanzte Krummholzkiefern. Das Kernstück des qualitativ besten Waldbestandes bilden die wertvollsten Partien des Altvatergebirges (Jeseníky) und der anliegenden Gebiete des Niederen Gesenkes (Nízký Jeseník). Es wird im Rahmen des Naturschutzgebietes Jeseníký auf einer Fläche von 740 km² geschützt.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bruntál (Freudenthal)
  • Karlovec (Karlsberg)
  • Kunov (Kunau)

Katastralgemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bruntál-město (Freudenthal-Stadt)
  • Karlovec (Karlsberg)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freudenthal wurde im Jahre 1213 gegründet und ist eine der ältesten böhmischen Königsstädte.

Bis zur Teilung von 1377 gehörte Freudenthal zum Herzogtum Troppau. Danach war die Stadt zeitweise im Besitz der Herzöge von Jägerndorf und der Herzöge von Ratibor und schließlich ab 1473 der Herren von Würben auf Freudenthal. Die Herrschaft wurde aus dem Herzogtum Jägerndorf ausgegliedert, wieder dem Herzogtum Troppau zugeschlagen und zu einer Minderherrschaft erhoben.

1474 wurde die Burg von König Matthias von Ungarn belagert, eingenommen und zerstört.

Nach der Schlacht am Weißen Berg 1620 wurde die Herrschaft vom Kaiser konfisziert und an den Deutschen Orden verkauft. Von 1682 bis 1684 bestand das Herzogtum Freudenthal mit dem Hochmeister des Deutschen Ordens Johann Caspar von Ampringen als Landeshauptmann von Schlesien.

Über Jahrhunderte war der Bergbau, vor allem der Abbau von Edelmetallen, sehr bedeutend für Stadt und Region – der Bergmann im Stadtwappen weist auf diese Zeit hin.

Im 19. Jahrhundert kam es zur Industrialisierung. Wobei hauptsächlich die Textilindustrie mit Lederfabriken, Bleichereien, Spinnereien und Webereien von Bedeutung war. Bekannt war der Ort für die Produktion der begehrten schlesischen Hausleinwanden. Ebenfalls entstanden in dieser Zeit die Olmützer Vorstadt, die Jägerndorfer Vorstadt und die Neusser Vorstadt.

Bis 1918 war die Stadt der Sitz der Bezirkshauptmannschaft Freudenthal des Kronlandes Schlesien.

Nach dem Ersten Weltkrieg kam Freudenthal aufgrund der Bestimmungen des am 10. September 1919 unterfertigten Vertrags von Saint-Germain zur neu geschaffenen Tschechoslowakei. Durch das Münchner Abkommen wurde Freudenthal 1938 zusammen mit dem Sudetenland dem Deutschen Reich zugesprochen.

Bis 1945 gehörte Freudenthal zum Landkreis Freudenthal im Regierungsbezirk Troppau im Reichsgau Sudetenland des Deutschen Reichs. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam Freudenthal zusammen mit dem Sudetenland wieder an die Tschechoslowakei zurück. Die überwiegende deutsche Bevölkerungsgruppe wurde vertrieben. Ihr Vermögen wurde konfisziert; auch die katholische Kirche wurde enteignet.

Von 1960 bis 2002 war die Stadt der Sitz des Okres Bruntál.

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • tschechisch Bruntál, deutsch Freudenthal (1325 Vreudenthal, 1397 Frewdenthal, 1405 Fraydintal, 1560–1945 Freudenthal, 1771 Freydenthal), polnisch Bruntal, schlesisch Brůntal, latein Vallis Gaudiorum, Vrudental (1220 Freudenthal, 1238–1263 Vreudendal, 1263 Vrudental, 1290 Wreudenthal, Freudentala, Vreudenthal, Vrudenthal).
  • tschechisch Karlovec, deutsch Karlsberg, polnisch Karłowiec.
  • tschechisch Kunov, deutsch Kunau, polnisch Kunów.

Ursprünglich wurde die deutsche Schreibweise Freudenthal verwendet, welche bereits in alten Schriften als Vreudendal (1238), Vrudental (1263), Wrowdintal (1306) belegt ist. Die böhmische Schreibweise Bruntál taucht erstmals im Jahr 1456 auf.

In anderen Sprachen existieren daher oft zwei unterschiedliche Schreibweisen:

  • Russisch: Брунталь, Фройденталь
  • Jiddisch: פרויידנטל (Frojdental, Froydental)
  • Griechisch: Μπρουντάλ (Bruntal)
  • Litauisch: Bruntalis
  • Arabisch: برونتال (Brūntāl), hebräisch: ברונטאל (Bruntal)

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1834 3.608 deutsche Einwohner[2]
1854 3.700
1861 4.034 Stadtgemeinde 5.519[3]
1880 7.595
1900 7.759 deutsche Einwohner,[4] Stadtgemeinde 8.060
1910 8.066 davon 7.725 Katholiken, 229 Evangelische und 97 Israeliten (16 Tschechen/Slowaken, zehn Polen)[5]
1921 8.077 Stadtgemeinde 8.597
1930 9.547 davon 396 Tschechen und Slowaken, 8.904 Deutsche, 10 Juden, elf Polen; Stadtgemeinde 9.905
1939 9.569 davon 535 Evangelische, 8.876 Katholiken, 34 sonstige Christen und 14 Juden[6]
Einwohnerzahlen seit 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1947 0 6.348
1961 08.239
1970 09.686
1980 14.029
1991 16.800
2001 17.627 davon 14.881 Tschechen, 1.278 Mährer, 100 Schlesier, 604 Slowaken, 46 Deutsche, 43 Polen, 22 Ukrainer

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der historische Stadtkern einschließlich des Schlosses Freudenthal (Zámek Bruntál) wurde zur Denkmalzone erklärt. Zu den bekannten Denkmälern gehören die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt, das Gabrielhaus, die Piaristenkirche der Maria Trösterin mit Kloster, das Gesellschaftshaus, die Kapelle St. Michael, die Mildner-Villa und die Evangelische Kirche.

Zu der auf dem Köhlerberg gelegenen, weithin sichtbaren Wallfahrtskirche „Maria Hilf“ (Kostel Panny Marie Pomocné) führt eine fast zweihundert Jahre alte vierreihige Lindenallee.

Die hussitische Kirche (Kostel církve československo husitské), die Gebäude der Berufsschule und die Kommerzbank wurden in den 1990er Jahren rekonstruiert.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fremdenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz einer Reihe ökologischer Probleme, die die Folgen unüberlegter Eingriffe in die Natur sind, gehört die Region Bruntál mit ihren Naturschönheiten zu den touristischen Attraktionen der Mährisch-Schlesischen Region.

Industrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Februar 1948 kam es zu einer schrittweisen Stilllegung oder Enteignung von Betrieben mit örtlicher Bedeutung – Mühlen, Sägewerke, Schlachthöfe, Bierbrauereien, kleine Wasserkraftwerke, Kleingewerbe und die traditionelle Textilindustrie.

In den 1970er und 1980er Jahren entstanden ein Hydrometallurgiebetrieb, eine Kunststoffpresserei, Zentralwerkstätten, ČSAO, ČSAD und andere. Im Bezirk wurde eines der größten Staatsgüter in der Republik geschaffen.

Nach 1989 kam es zur Schließung zahlreicher Großbetriebe und zu einer Verlagerung auf den Dienstleistungssektor und das Kleingewerbe.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Bruntál

Der Bahnhof befindet sich an der Bahnstrecke Olomouc–Opava východ (Krnov). An Wochenenden fahren auch Züge auf der hier abzweigenden Nebenbahn nach Malá Morávka.

Von Jägerndorf führt ebenfalls eine Chaussee die heutige I/45 nach Olmütz, welche in der Stadt die Straße I/11 (Königgrätz-Jablunkau) kreuzt.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1809–1814: Franz Josef Thiel
  • 1817–1833: Cyrill Riedel (1766–1839), Fabrikant
  • 1833–1834: Karl Kurzweil
  • 1834–1840: Josef Fenz
  • 1840–1847: Florian Schneider
  • 1847–1859: Franz Rudolf Wohlfarth
  • 1864–1876: Anton Luft (* 1748), Fabrikant im Maschinenbau
  • 1876–1887: Gustav Gabriel
  • 1887–1888: Friedrich Kurzweil (1840–1912), Fabrikant
  • 1901–1919: Wenzel Franz Olbrich (1846–1930), Fabrikant
  • 1919–1922: Alois Plischke (* 1868)
  • 1923–1938: Dr. Bayer
  • 1938–1945: Walter Kindermann (1894–1959), Baumeister

Bruntáls Bürgermeister seit Ende 2006 ist Ing. František Struška (ČSSD). Die Stellvertreter sind Ing. Václav Mores (SNK; Partei der freien Kandidaten) und Bc. Petr Rys (Bruntál 2006–2010).

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Memmingen befindet sich das Freudenthal-Altvater-Heimatmuseum.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Faustin Ens: Beschreibung des Oppalandes und seiner Bewohner im Allgemeinen. Wien 1836, S. 190–213.
  • Jan Šícha, Eva Habel, Peter Liebald, Gudrun Heissig: Odsun. Die Vertreibung der Sudetendeutschen. Dokumentation zu Ursachen, Planung und Realisierung einer „ethnischen Säuberung“ in der Mitte Europas 1945/46. Sudetendeutsches Archiv, München 1995, ISBN 3-930626-08-X.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bruntál – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2017 (PDF; 371 KiB)
  2. Faustin Ens: Beschreibung des Oppalandes und seiner Bewohner im Allgemeinen. Wien 1836, S. 210.
  3. Karel Frantisek Eduard Kor̆istka: Die Markgrafschaft Mähren und das Herzogthum Schlesien in ihren geographischen Verhältnissen. E. Hölzel, 1861, S. 267. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  4. Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 7, Leipzig/Wien 1907, S.95.
  5. Ludwig Patryn (Hrsg.): Die Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1910 in Schlesien, Troppau 1912, S. 36–37, Ziffer 8.
  6. http://www.verwaltungsgeschichte.de/sud_freudenthal.html