Buddy Ryan

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Buddy Ryan
Buddy Ryan in 2011.jpg
Buddy Ryan 2011
Position(en):
Head Coach
geboren am 17. Februar 1931 in Frederick, Oklahoma
gestorben am 28. Juni 2016 in Shelbyville, Kentucky
Karriereinformationen
Aktiv: 19681995
College: Oklahoma A&M University
Teams

College

AFL/NFL

Karrierestatistiken
Coaching stats bei pro-football-reference.com
Karrierehöhepunkte und Auszeichnungen

James David „Buddy“ Ryan (* 17. Februar 1931 in Frederick, Oklahoma; † 28. Juni 2016 in Shelbyville, Kentucky) war ein US-amerikanischer American-Football-Trainer in der National Football League (NFL). Er war fünf Jahre Head Coach der Philadelphia Eagles und zwei Jahre der Arizona Cardinals. Als Defensive Coordinator der Chicago Bears erschuf Ryan die 46 Defense und gewann mit ihnen den Super Bowl XX. Zuvor gewann er bereits als Assistenztrainer mit den New York Jets den Super Bowl III.

Seine Zwillingssöhne Rex Ryan und Rob Ryan sind ebenfalls als Trainer in der NFL tätig.

Frühe Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buddy Ryan wurde 1931 in Oklahoma als Sohn eines Malers und Tapezierers geboren.[1] Er diente im Koreakrieg und spielte von 1952 bis 1955 College Football für die Oklahoma A&M University (die heutige Oklahoma State University), wo er als Guard in der Offensive Line eingesetzt wurde.

Seine erste Trainerstation hatte Buddy Ryan ab 1957 an der High School in Gainesville, Texas.[2] Nachdem er seinen Militärdienst 1961 beendet hatte, begann er seine Trainerkarriere im College.

Im Gegensatz zu seiner aktiven Spielzeit legte Ryan seinen Schwerpunkt auf die Defense. Von 1961 bis 1965 war er Defensive Coordinator an der University of Buffalo, 1966 an der Vanderbilt University und 1967 an der University of the Pacific.[3]

AFL/NFL[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buddy Ryan gewann in sieben Jahren als Head Coach der Philadelphia Eagles und der Arizona Cardinals nie ein Play-off-Spiel. Seinen Ruf und Einfluss auf die Liga begründete er mit seinen Erfolgen als Defensive Coordinator. Speziell mit der von ihm erschaffenen 46 Defense (benannt nach der Rückennummer des Safeties Doug Plank),[4] auf Grund deren Dominanz er mit den Bears den Super Bowl (XX) gewann.[5]

Ron Jaworski (ehemaliger Quarterback und Kommentator für ESPN) nannte die Philosophie der 46 Defense den einflussreichsten Faktor beim Entstehen der modernen NFL-Blitz-Spielzüge (englisch The philosophy behind the 46 has, in my opinion, been the single most influential factor in shaping modern NFL blitz pressure packages).[6]

New York Jets[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Karriere im Profi-Football begann für Buddy Ryan 1968 mit einem Angebot die Defensive Line der New York Jets zu trainieren. Bereits in der ersten gemeinsamen Saison gewannen Head Coach Weeb Ewbank und Ryan mit einer Offense um Quarterback Joe Namath den Super Bowl. Im Super Bowl III ließ die Defense der Jets nur sieben Punkte zu. In seinen ersten beiden Jahren bei den Jets, stellten sie die jeweils beste Defense gegen das Laufspiel, in seiner dritten Saison die Zweitbeste.[7] Die Philosophie seiner späteren 46 Defense basiert zum Teil auf den Ideen von Ewbanks Passspiel und dem besonderen Schutz, den sein Quarterback darin genoss.[8]

Minnesota Vikings[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Saison 1976 wechselte Ryan zu den Minnesota Vikings, wo er ebenfalls die Defensive Line trainierte. Die Purple People Eaters (lila Menschenfresser) genannte Defensive Line war eine der Stärken im Team von Head Coach Bud Grant – so ließ die Defense in der Saison nur 176 Punkte zu (bei 305 erzielten). Die Vikings gewannen in Ryans erster Saison das NFC Championship Game mit 24:13 gegen die Los Angeles Rams und zogen in den Super Bowl XI ein, wo sie den Oakland Raiders mit 14:32 unterlagen. In Ryans zweiten und letzten Jahr bei den Vikings, gewannen sie zum fünften Mal in Folge die NFC Central, scheiterten dann aber im NFC Championship Game.[9]

Chicago Bears[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Saison 1978 wechselte Buddy Ryan als Defensive Coordinator zu den Chicago Bears. Hier führte er die 46 Defense (mit dem Grundprinzip des permanenten Drucks aus unvorhersehbaren Richtungen)[10] ein und perfektionierte es bis zur Saison 1985. Als 1982 Head Coach Neill Armstrong von den Bears entlassen wurde, setzten sich die Spieler der Defense, per Brief bei Teambesitzer George Halas, dafür ein, dass Ryan als Defensive Coordinator bleiben könne. Halas verpflichtete Mike Ditka als neuen Head Coach, mit der Auflage, dass Ryan und seine Assistenztrainer in der Defense beim Team blieben.[11] In der Saison 1984 erzielten die Bears 72 Sacks[12] – ein NFL-Rekord, der bis heute (2016) besteht.[13] Im NFC Championship Game scheiterten sie mit 0:23 an den San Francisco 49ers. In der darauffolgenden Saison erzielte die Defense noch 64 Sacks, die Mannschaft verbesserte sich jedoch und verlor in der Regular Season nur ein Spiel. Bei der 24:38-Niederlage gegen die Miami Dolphins kam es in der Halbzeit zu einem heftigen Streit zwischen Ryan und Ditka.[14][15] Nachdem sie die restlichen Spiele der Saison gewonnen hatten, besiegten die Bears in den Play-offs erst die New York Giants mit 21:0 (bei nur 181 zugelassenen Yards) und dann die Los Angeles Rams mit 24:0 (bei nur 130 Yards), bevor sie im Super Bowl XX gegen die New England Patriots mit 46:10 gewannen.[16] Drei Spieler aus dieser Defense wurden später in die Pro Football Hall of Fame gewählt: Richard Dent, Mike Singletary und Dan Hampton. Während Ditka hoffte das Team der 80er Jahre zu werden, wurde die Fehde zwischen Ditka und Ryan zunehmend öffentlich ausgetragen, und Ryan verließ in der Off-Season das Team.[17]

Philadelphia Eagles[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Saison 1986 wurde Ryan von den Philadelphia Eagles als Head Coach engagiert. In seiner Zeit als Head Coach gewannen die Eagles 43 Spiele, verloren 35 und spielten einmal Unentschieden. Ab der dritten Saison gewannen die Eagles mindestens zehn Spiele pro Jahr und erreichten in jeder Saison die Play-offs, wo sie jedoch jeweils in der ersten Runde ausschieden.[18]

In der Saison 1989 beschuldigten die Dallas Cowboys Ryan, „Kopfgelder“ auf zwei Spieler der Cowboys ausgesetzt zu haben (Bounty Bowl).[19] Ryan bestritt die Vorwürfe und eine Untersuchung der Liga konnte die Vorwürfe nicht bestätigen.[20] Nach der Saison 1990 wurde er von den Eagles entlassen.

Houston Oilers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeit nach den Eagles arbeite Ryan als Kommentator für CNN, bevor er zur Saison 1993 bei den Houston Oilers als Defensive Coordinator einen Vertrag unterschrieb. Die Oilers gewannen dank einer guten Defense elf Spiele in Folge. Im letzten Saisonspiel kritisierte Buddy Ryan den Offensive Coordinator der Oilers, Kevin Gilbride, während eines landesweit übertragenen Spiels erst heftig und schlug sogar nach ihm.[21] Im nächsten Spiel – dem ersten Play-off-Spiel – verloren die Oilers gegen die Kansas City Chiefs.

Arizona Cardinals[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Arizona Cardinals verpflichteten Buddy Ryan zur Saison 1994 als ihren neuen Head Coach. In seinen Trainerstab bei den Cardinals nahm er seine beiden Söhne, Rex Ryan und Rob Ryan auf. Nach 8 Siegen, bei 8 Niederlagen in seiner ersten Saison, erzielten die Cardinals in seiner zweiten Saison nur 4 Siege bei 12 Niederlagen und Ryan wurde wieder entlassen und beendete seine Trainerkarriere.[22]

Privat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusammen mit seiner ersten Frau, Doris, die er bereits am College kennenlernte, hatte Buddy Ryan drei Söhne. Der älteste, Jim, ist Anwalt und war unter anderem 1994 als Buddys Agent tätig, als er Head Coach bei den Cardinals wurde.[23] Die beiden Zwillinge, Rex und Rob Ryan wurden ebenfalls Trainer in der NFL. Buddys zweite Frau Joanie, mit der er seit 1970 verheiratet war und keine Kinder hatte, starb 2013 an Alzheimer.[24] In Shelbyville, Kentucky besaß Ryan eine Ranch, auf der er seit 1995 lebte und Pferde züchtete. Er litt seit Jahren an einer Krebserkrankung und starb am 28. Juni 2016 in Shelbyville.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Richard Goldstein: Buddy Ryan, Combative Defensive Genius in the N.F.L., Dies at 85. The New York Times, 28. Juni 2016, abgerufen am 29. Juni 2016 (englisch): „James David Ryan was born on Feb. 17, 1931, in Frederick, Okla., where his father was a house painter. (His birth year was often listed as 1934; as Rex Ryan said in his memoir, his father had subtracted a few years from his true age to come off as more youthful when first looking for an N.F.L. job.)“
  2. Malcolm Moran: Ryan finds old style still fits in new job. The New Yorl Times, 28. Juli 1986, abgerufen am 29. Juni 2016 (englisch): „Twenty-nine years after his coaching career began at Gainesville (Tex.) High School, James David Ryan, son of a painter and paper hanger - Interior decorator, I guess they call it now - has reached a position that has driven too many others to overwork themselves, alter their personalities, bully players and break rules.“
  3. Malcolm Moran: Ryan finds old style still fits in new job. The New Yorl Times, 28. Juli 1986, abgerufen am 29. Juni 2016 (englisch): „RYAN'S COACHING CAREER 1961-65: Defensive Coordinator, University of Buffalo 1966: Defensive Coordinator, Vanderbilt 1967: Defensive Coordinator, University of Pacific“
  4. Jens Plassmann: NFL American Football. Rowohlt, Reinbek 1995, ISBN 3-499-19445-7, S. 99.
  5. Richard Goldstein: Buddy Ryan, Combative Defensive Genius in the N.F.L., Dies at 85. The New York Times, 28. Juni 2016, abgerufen am 29. Juni 2016 (englisch): „In his seven years as a head coach, with the Philadelphia Eagles and the Arizona Cardinals, Ryan never won a playoff game. But he had already solidified his legacy as an assistant coach with his shifting and blitzing defensive alignments, which confused and clobbered opposing quarterbacks. His bruising “46” defense, in particular, took the Bears to their 1986 Super Bowl victory.“
  6. Ron Jaworski: The Games That Changed the Game. Random House, New York 2010, ISBN 978-0-345-51795-1, S. 156.
  7. Eric Allen: Buddy Ryan, Iconic Former Jets' Assistant, Dies. Defensive Mastermind Spent His First 8 Pro Coaching Seasons with the Green & White. New York Jets, 28. August 2016, abgerufen am 29. Juni 2016 (englisch): „In his six seasons as the Green & White’s defensive line coach, Ryan helped the Jets finish No.1 against the rush in both 1968 and 1969 along with a No. 2 ranking in 1970.“
  8. Rich Hofmann: Role Reversal Ryan Calls On Former Mentor Ewbank To Spend Some Time With The Eagles. Daily News, 12. August 1986, abgerufen am 29. Juni 2016 (englisch): „"My whole philosophy is built on his philosophy of the passing game," Ryan said. "He believed in protecting his quarterback, even if you had to run a one-man pattern. If you counter that with what was tough on him, it must be tough on everybody."“
  9. Craig Peters: Vikings Send Condolences to Buddy Ryan's Family. Minnesota Vikings, 28. Juni 2016, abgerufen am 29. Juni 2016 (englisch): „The 1976 Vikings won the NFC Championship with a 24-13 victory over the Los Angeles Rams in the final playoff game at Metropolitan Stadium to earn a trip to Super Bowl XI. That team outscored opponents 305 to 176. The 1977 squad won the NFC Central for a fifth-straight year and made it to the NFC Championship game.“
  10. Jens Plassmann: NFL American Football. Rowohlt, Reinbek 1995, ISBN 3-499-19445-7, S. 99.
  11. Larry Mayer: Players urged Halas to keep Ryan. Chicago Bears, 28. Juni 2016, abgerufen am 29. Juni 2016 (englisch): „When the Bears were in the process of replacing head coach Neill Armstrong in 1982, veteran players Gary Fencik and Alan Page wrote a letter that was signed by several of their teammates imploring owner George Halas to retain defensive coordinator Buddy Ryan.“
  12. 1984 Chicago Bears Statistics & Players. Pro-Football-Reference, abgerufen am 29. Juni 2016 (englisch).
  13. Brad Biggs: Buddy Ryan a beloved teacher to Dan Hampton, Mike Singletary, others. Chicago Tribune, 28. Juni 2016, abgerufen am 29. Juni 2016 (englisch): „The Bears set records when Ryan, who died Tuesday at 85, was running the defense. Their 72 sacks in 1984 remains an NFL standard.“
  14. Richard Goldstein: Buddy Ryan, Combative Defensive Genius in the N.F.L., Dies at 85. The New York Times, 28. Juni 2016, abgerufen am 29. Juni 2016 (englisch): „In 1985 they almost came to blows in the locker room during halftime of the Bears’ loss to the Miami Dolphins, the team’s only defeat that season.“
  15. Malcolm Moran: Ryan finds old style still fits in new job. The New Yorl Times, 28. Juli 1986, abgerufen am 29. Juni 2016 (englisch): „I had only one real blow-up with Buddy Ryan, read one passage. That was at halftime of the Miami game, our only 1985 loss. It was a big one, no question about it.
  16. Buddy Ryan, Chicago Bears defense in 1985. Just how crazy good was the 1985 Chicago Bears defense? ESPN, 29. Juni 2016, abgerufen am 29. Juni 2016 (englisch): „Ryan’s ’85 Bears defense is the only one in NFL history to record two shutouts in a single postseason. They held the New York Giants to 181 total yards in a divisional round shutout before an even more dominant shutout performance against the Los Angeles Rams in the NFC Championship game in which they let up just 130 total yards. The Bears allowed 10 points to the New England Patriots in Super Bowl XX.“
  17. Don Pierson: The Chicago Bears win the 1986 Super Bowl. Chicago Tribune, abgerufen am 29. Juni 2016 (englisch): „Ditka talked about the Bears becoming the team of the 1980s, but Ryan, who feuded openly with Ditka, left the following season.“
  18. Buddy Ryan Record, Statistics, and Category Ranks. Pro-Football-Reference, abgerufen am 29. Juni 2016 (englisch): „1988 54 Philadelphia Eagles NFL 16 10 6 0 .625 1 0 1 .000 1 1989 55 Philadelphia Eagles NFL 16 11 5 0 .688 1 0 1 .000 2 1990 56 Philadelphia Eagles NFL 16 10 6 0 .625 1 0 1 .000 2“
  19. Dave Anderson: Sports of The Times - The Backfire From Buddy Ryan's 'Bounties'. The New York Times, 26. November 1989, abgerufen am 29. Juni 2016 (englisch): „As if the National Football League weren't violent enough and its players weren't solvent enough, Buddy Ryan, the coach of the Philadelphia Eagles, has been accused by Jimmy Johnson, the Dallas Cowboys' coach, of putting a bounty on the helmets of a quarterback and a kicker.“
  20. Richard Goldstein: Buddy Ryan, Combative Defensive Genius in the N.F.L., Dies at 85. The New York Times, 28. Juni 2016, abgerufen am 29. Juni 2016 (englisch): „Ryan, a bit paunchy and bespectacled, denied offering bounties, and a league investigation could not substantiate the accusations.“
  21. Frank Litsky: PRO FOOTBALL - Trying To Keep A Lid On Ryan. The New York Times, 11. Januar 1994, abgerufen am 29. Juni 2016 (englisch): „Ryan's seasonlong outbursts against Gilbride seemed to culminate Jan. 2 when he took a punch at Gilbride during a nationally-televised game against the Jets.“
  22. Richard Goldstein: Buddy Ryan, Combative Defensive Genius in the N.F.L., Dies at 85. The New York Times, 28. Juni 2016, abgerufen am 29. Juni 2016 (englisch): „Ryan was named the Cardinals’ head coach in 1994, and he chose his sons Rex and Rob as assistants. He was 12-20 over two seasons, was fired once more, and then retired.“
  23. Tim Graham: The wild early years and the football family that shaped Bills coach Rex Ryan. The Buffalo News, 20. Juni 2015, abgerufen am 29. Juni 2016 (englisch, Aktualisiert am 28. Juni 2016): „Jim got his MBA from Notre Dame and his law degree from St. Louis University. He was an NHL corporate sponsorship executive in 1991-92 and was Buddy’s agent when the Arizona Cardinals hired him in 1994.“
  24. Richard Goldstein: Buddy Ryan, Combative Defensive Genius in the N.F.L., Dies at 85. The New York Times, 28. Juni 2016, abgerufen am 29. Juni 2016 (englisch): „Besides Rex and Rob, Ryan’s survivors include another son, Jim, all from his marriage to his first wife, Doris, which ended in divorce, and six grandchildren. His second wife, Joanie, died in 2013.“