Currywurst

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Dieser Artikel beschreibt das Fast-Food-Gericht. Zum gleichnamigen Lied von Herbert Grönemeyer siehe Currywurst (Lied), zum Schnellimbiss in Herne siehe Die Currywurst.
Currywurst in Pappschale und mit „Pommesgabel

Die Currywurst ist eine Bratwurst bzw. eine Brühwurst, die je nach Zubereitungsart frittiert oder gebraten und meist geschnitten mit einer Sauce auf Basis von Ketchup oder Tomatenmark und Currypulver serviert wird. Die üblichen Beilagen sind Brötchen oder Pommes frites.

Geschichte[Bearbeiten]

Berliner Herkunft[Bearbeiten]

Gedenktafel für Herta Heuwer
Currywurst auf einer deutschen Briefmarke von 2011 aus der Serie „In Deutschland zu Hause: Einfallsreichtum – Deutsche Erfindungen“

Nach weit verbreiteter Auffassung ist die Currywurst in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in Berlin entstanden. Die Gastronomin Herta Heuwer, die seit dem Sommer 1949 einen Imbissstand an der Ecke Kant-/Kaiser-Friedrich-Straße in Berlin-Charlottenburg betrieb, nahm für sich in Anspruch, die typische Currywurstsauce im September 1949 erfunden, zur gebratenen Wurst serviert und damit effektiv die Currywurst erfunden zu haben. Sie versah ihr Geschäft später mit Anschriften wie: „1. Currywurst-Braterei der Welt“ und „Eine von uns erdachte Berliner Spezialität“ und ließ sich 1959 die Wort-Bild-Marke „Chillup“ für ihre Sauce eintragen – eine Zusammenziehung von Chili und Ketchup, verzeichnet am 21. Januar 1959 auf Anmeldung vom 21. Februar 1958 unter der Nummer 721319 als Warenzeichen für „Spezial-Sosse“ in der Zeichenrolle des Deutschen Patentamts[1] – Heuwer bezeichnete das dann unzutreffend als „Patent“. Die Firma Kraft (heute: Mondelēz) soll sich nach Darstellung Heuwers erfolglos bei ihr um das Rezept und das Markenrecht bemüht haben. Sie bestand zeitlebens darauf, weder Ketchup noch eine fertige Würzmischung verwendet, sondern die Sauce mit Tomatenmark angerührt und mit einzelnen Gewürzen sorgfältig abgeschmeckt zu haben. Im hohen Alter hatte sie etliche Fernsehauftritte und ließ sich als Erfinderin der Currywurst feiern; auch das 2009 in Berlin eröffnete Deutsche Currywurstmuseum folgt dieser Sichtweise.[2][3] Seit 2003 befindet sich am ehemaligen Standort ihres Imbisses (heute: Kantstraße 101) eine Gedenktafel zu Ehren Herta Heuwers.

Heuwer kann die Entwicklung der Currywurst aber offenbar nicht ganz für sich alleine beanspruchen. Zum einen erscheinen gewisse Details ihrer Darstellung etwas unplausibel: Sie wollte sich beispielsweise genau erinnern, dass es am 4. September 1949, als sie ihre Sauce zum ersten Mal anrührte, ausgiebig regnete, wogegen es nach den Wetteraufzeichnungen ein trockener Tag gewesen sein soll.[3] Zum anderen ist aber vor allem die Rolle des Schlachters Max Brückner aus Johanngeorgenstadt im Erzgebirge zu berücksichtigen. Dieser war nach Kriegsende nach West-Berlin gekommen, hatte mit einigen Mitarbeitern aus der Heimat einen Betrieb in Berlin-Spandau gegründet und verfügte über ein selbstentwickeltes Verfahren zur Herstellung von Wurst ohne Darm, die als „Spandauer ohne Pelle“ zu Bekanntheit gelangte. Er tat sich Anfang der 1950er Jahre mit dem ebenfalls aus dem Erzgebirge stammenden Frank Friedrich zusammen; das von ihnen aufgebaute Unternehmen Maximilian besteht heute noch.[2][4] Auf älteren Versionen der Website befanden sich ausführliche Darstellungen der Unternehmensgeschichte und der Zusammenarbeit mit Herta Heuwer. Demnach führten Heuwers „erste Saucenkreationen“ 1949 noch zu keinem großen Erfolg. Erst zusammen mit Frank Friedrich hätte sie dann das endgültige Rezept entwickelt, das sie von da an in ihrem Imbiss verkauft habe. Allerdings wird auch in dieser Darstellung ausdrücklich betont, dass die Currywurst als Gericht Heuwers Erfindung war, denn die Idee zur Saucenzugabe, wenn auch noch verbesserungsbedürftig, sei ihre gewesen:

Hat Herta Heuwer die Currywurst erfunden? Da bestehen heute keine Zweifel mehr, dass dem so war. Die Verbindung darmlose „Spandauer ohne Pelle“ und ihr Gedanke diese mit einer eigenen Würzsauce, einem Ketchup zu verbinden ist eindeutig ihre Idee. Für den geschmacklichen Erfolg hingegen ist in Abstimmung mit Herta Heuwer Frank Friedrich, der heutige Senior und damalige Juniorpartner des Firmengründers Max Brückner verantwortlich, der die finale geschmackliche Abstimmung der Wurst und der Sauce verantwortete.[4]

Der Erfolg von Brückners pellenloser Wurst war der Notlage der Nachkriegszeit zuzuschreiben. Naturdarm war nach dem Zweiten Weltkrieg Mangelware. Zur Wurstherstellung wird das Brät (Fleisch-/Fettmasse) in einen Darm gepresst und steift dort aus. So erhält die Wurst ihre Form. Mit der neuen Herstellungsmethode von Brückner erhielt die Wurst auch ohne Darm ihre Form. Erster Kunde war die Familie Jankowitz aus Spandau. Die „Spandauer ohne Pelle“ kam zusammen mit der beliebten Tomatensoße (nach Herta Heuwers Vorbild) sehr gut an. Später, als auch andere Imbissverkäufer diese Wurst verkauften, setzte sich der Name „Currywurst ohne Darm“ durch.[5]

Hamburger Legende[Bearbeiten]

Eine alternative Darstellung, nach welcher die Currywurst – ebenfalls in den ersten Nachkriegsjahren – in Hamburg erfunden sein soll, steht im Raum, seit 1993 Uwe Timms Novelle Die Entdeckung der Currywurst veröffentlicht wurde, in der er die Erfindung seiner (fiktiven) Lena Brücker zuschreibt, die in der Geschichte einen Imbiss am Großneumarkt in der Neustadt betreibt und die erste Currywurst bereits 1947 serviert. Die Figur und die konkret geschilderten Vorgänge sind aber unstrittig völlig frei ausgedacht; Timm selbst beschreibt Lena Brücker als fiktive Stellvertreterin „dieser wunderbaren Frauen, von denen es viele gab. Die haben den Großteil des Wiederaufbaus gestemmt, die waren sehr präsent damals.“ Er erinnere sich aber daran, bereits 1947 am Imbissstand einer Frau auf dem Großneumarkt eine Currywurst gegessen zu haben. Konkretere Anhaltspunkte als diese Kindheitserinnerung (Timm ist Jahrgang 1940) bringt er nicht bei.

Als bekannt wurde, dass in Berlin die Gedenktafel für Herta Heuwer angebracht werden sollte, ereiferten sich einige Hamburger darüber unter medialer Begleitung unter anderem durch die Hamburger Morgenpost, die in einer offenbar als Scherz zu verstehenden Artikelserie die Berliner Ehrung als Anmaßung kritisierte. Dies gipfelte darin, dass der Innensenator Ronald Schill eine Gedenktafel an einem Haus am Großneumarkt (Nr. 10, Ecke Wexstraße) enthüllte.[6] Die Gedenktafel ist inzwischen nicht mehr vorhanden.

Varianten[Bearbeiten]

Currywurst wird regional unterschiedlich zubereitet. Die Angebotsbreite zeigt ein Vergleich zwischen der Berliner Currywurst und der Currywurst aus dem Ruhrgebiet.

Berliner Currywurst[Bearbeiten]

Bei der Berliner Currywurst gibt es zwei grundlegende Varianten: mit und ohne Darm. Die Würste ohne Darm sind walzenförmig und von weißlicher Farbe, vergleichbar den bayrischen Wollwürsten. Anforderungen zur Beschaffenheit der Berliner Currywurst wurden bereits 1951 zwischen den Berliner Behörden und der Fleischerinnung abgesprochen; daraus ergab sich eine sogenannte Berliner Verkehrsauffassung, die später von der zuständigen Landesbehörde festgeschrieben und am 20. August 1967 in der Allgemeinen Fleischer-Zeitung veröffentlicht wurde. Dieser Auffassung zufolge, die auch Jahrzehnte später noch in Berlin anerkannt war, muss als Wurst eine feine, nicht gepökelte und nicht geräucherte Bratwurst mittlerer Qualität mit einem maximalen Fremdwasserzusatz von fünf Prozent verwendet werden. Einfache Qualitäten oder andere Würste dürfen daher nicht als „Currywurst“ angeboten werden, sondern beispielsweise als „Bratwurst mit Curry“, „Dampfwurst mit Curry“ usw.[7]

Beide Varianten werden zuerst im Ganzen gebraten, wobei sie meist in einer Fettwanne etwa zur Hälfte mit heißem Fett bedeckt sind. Bei der Abgabe wird die Wurst von Hand in mundgerechte Stücke geschnitten – einige traditionelle Imbissstände wie Krasselt's Imbiß in Berlin-Steglitz servieren Currywurst aber nur mit einem schrägen Schnitt, wobei beide Wursthälften jeweils mit einem Holzpieker versehen werden. Abschließend wird die Wurst mit der Sauce übergossen und reichlich mit Currypulver bestreut (oder umgekehrt). Auf Wunsch werden noch Cayennepfeffer (Bestellung: „scharf“ oder „extra scharf“) oder zerstoßene getrocknete Chilischoten (Bestellung: „mit Körnern“) hinzugefügt. Auch die Zugabe von Worcestersauce oder „scharfen Zwiebeln“ (gehackten rohen Zwiebeln mit Chili) kann gewünscht sein. Ein spezielles Ketchup auf Basis von Tomatenmark und Gewürzen wird oft vom Stand selbst hergestellt und dann oft warm über die Wurststücke gegeben.

Currywurst mit Pommes frites

In den 1960er Jahren wurde die Currywurst in Ost-Berlin bekannt – unter anderem durch Konnopke’s Imbiß. Angeboten wurde zu DDR-Zeiten nur Currywurst ohne Darm, anfangs wohl aus Mangel an Därmen – auch Bratwürste wurden schon vorher ohne sie hergestellt. Serviert wurde die Wurst ungeschnitten am Stück mit Currypulver und kaltem dünnflüssigen Ketchup (oder kalter dickflüssiger Tomatensauce). Für den Verzehr mit den Fingern wurde ein Wurstende ohne Sauce belassen.

Die typische Beilage ist ein kleines weiches Brötchen, mit dem sich die Sauce besonders gut tunken lässt. In Ost-Berlin war es eine normale Schrippe oder eine Scheibe ungetoastetes Toastbrot. Eine andere typische Beilage sind Pommes frites, oftmals mit Mayonnaise.

Currywurst aus dem Ruhrgebiet[Bearbeiten]

Im Ruhrgebiet und seiner Umgebung wird Currywurst aus Bratwurst hergestellt, ist also nicht gepökelt und geräuchert, aber kräftiger gewürzt. Zum Zerschneiden dient häufig ein Currywurst-Schneider mit mehreren Klingen, der sie mit einer Handbewegung zerkleinert, oder eine an einen Fleischwolf erinnernde Maschine, die mit rotierenden Messern arbeitet. Dieser elektrische Currywurst-Schneider wurde 1963 in Radevormwald entwickelt, mit der der Erfinder den Grundstock für seine Friedhelm Selbach GmbH legte.

Die Zugabe von zerstoßenen Chilischoten ist unüblich, für die gewünschte Schärfe sorgt gegebenenfalls Cayennepfeffer. Auf Wunsch wird Schaschliksauce dazugegeben, ein dunkler Bratensaft, der beim Schmoren der meist ebenfalls angebotenen Fleischspieße entsteht.

Volkswagen-Currywurst[Bearbeiten]

Volkswagen-Currybockwurst und
-ketchup
Wurstherstellung in der Metzgerei des Volkswagenwerks in Wolfsburg, 1973

Über die Werksgrenzen hinaus ist die Currywurst der Volkswagen-Kantinen in Wolfsburg bekannt. Die Currybockwurst wird seit 1973 zum Verzehr angeboten.[8] Pro Jahr werden Millionen Currywürste verkauft,[9] 6,5 Millionen Currywürste wurden im Jahr 2012 von der VW-Fleischerei hergestellt und waren damit auch in jenem Jahr das meistproduzierte Konzernprodukt.[10] Der Erfolg der Wurst beruht nicht darauf, dass es für sie eine besondere Gewürzmischung und einen speziellen Gewürzketchup gibt, sondern dass sie mit rund 20 Prozent einen deutlich niedrigeren Fettanteil als andere Currywürste hat, normal ist mindestens das Doppelte. Sie enthält keine Phosphate, Milcheiweiß oder Glutamate.[11] Inzwischen ist sie im Berliner Currywurstmuseum zu sehen.[12] Das VW-Gewürzketchup kann über Vertragshändler von Volkswagen bezogen werden. In Wolfsburg und weiten Teilen Niedersachsens sind die VW-Currywurst und das VW-Gewürzketchup in einigen Supermärkten erhältlich.[9]

Diverses[Bearbeiten]

  • Die Kombination von Currywurst und Pommes frites mit Mayonnaise wird vielerorts als Mantateller oder Mantaplatte bezeichnet, in Anspielung auf die Fahrer des Opel Manta, über die Anfang der 1990er Jahre zahlreiche Witze im Umlauf waren und ihnen damit auch diese Zusammenstellung als Leibgericht zugeschrieben wurde.
  • Im Zusammenhang mit der Kritik an der Vergabe von Patenten auf Leben meldete Greenpeace 2002 auf Grundlage der Richtlinie 98/44/EG über den rechtlichen Schutz biotechnologischer Erfindungen ein Patent auf „Richtig leckere Currywurst“ an. Sinn der Aktion war es, auf die Problematik dieser Art von Patenten hinzuweisen. Im Fall einer Patenterteilung hätte Greenpeace das Recht, die Herstellung und den Verkauf von Currywurst allgemein zu kontrollieren oder zu verbieten.[13]
  • In Neuwied wird jährlich ein Wochenende lang das „Festival der Currywurst“ gefeiert.[14]
  • Der Hamburger Imbiss Curry Queen wurde 2009 als erster Currywurst-Imbiss vom Gault-Millau ausgezeichnet.[15]

Daten und Fakten rund um die Currywurst[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Currywurst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Currywurst – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Warenzeichenblatt Nr. 4 vom 28. Februar 1959, Teil II (eingetragene Zeichen) S. 327 (online); Wiedergabe der Veröffentlichung im Warenzeichenblatt. Die Schutzdauer betrug 20 Jahre ab dem Tag der Anmeldung, endete also am 21. Februar 1978.
  2. a b  Gerd Rüdiger: Currywurst. Ein anderer Führer durch Berlin. be.bra, Berlin 1995, ISBN 3-930863-03-0.
  3. a b Petra Foede: Wie der Earl das Sandwich entdeckte. Kindle eBook 2012
  4. a b Archivierte Texte von der Website der Maximilian Fleischwaren GmbH von 2012:
  5. Currywurst – die Erfindung: Nur ohne ist sie das Original
  6. Artikel in der Hamburger Morgenpost:
  7. Jahresbericht des Landeslabors Berlin-Brandenburg 2012. Landeslabor Berlin-Brandenburg, 2012, S. 27, abgerufen am 21. Februar 2015 (PDF; 5,8 MB).
  8. Die Meister der Currywurst (PDF-Datei; 631 kB). In: Metallzeitung 2/2009
  9. a b Garantiert ohne Motoröl: Currywurst von Volkswagen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. Januar 2008
  10. „Originalteile“ werden zum Renner, In: Braunschweiger Zeitung, 5. April 2013
  11. Weltrekord: 4,8 Millionen Currywürste im Jahr
  12. VW-Currywurst in Berliner Currywurstmuseum
  13. Greenpeace: Keine Patente auf Leben
  14. Bericht auf der Homepage der Stadt Neuwied
  15. Hohe Ehrung für clevere Wurstbrater
  16. Das Lied erschien 1982 auf dem Grönemeyer-Album Total Egal. Es wurde als Single ausgekoppelt, erreichte aber nicht die deutschen Musikcharts. Der Text stammt von Diether Krebs und Horst-Herbert Krause, die Musik von Jürgen Triebel. Inspiriert wurden die Künstler nach eigener Aussage durch regelmäßige Besuche der Bochumer Imbissbude Bratwursthaus.