Der Doppelmord in der Rue Morgue

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Illustration von Aubrey Beardsley, 1894

Der Doppelmord in der Rue Morgue (The Murders in the Rue Morgue [ry: mɔrg]) ist eine Kurzgeschichte des US-amerikanischen Schriftstellers Edgar Allan Poe. Sie ist die erste von drei Kurzgeschichten, die sich um den deduktiv analysierenden Krimihelden C. Auguste Dupin drehen.

Inhalt[Bearbeiten]

Zusammen mit seinem Partner untersucht C. Auguste Dupin unerklärliche Morde an zwei Pariser Frauen. Diese wurden im vierten Stockwerk ihres ansonsten leer stehenden Hauses auf bestialische Weise ermordet. Doch der Fall ist zunächst nicht aufklärbar: Alle Türen und Fenster sind von innen verriegelt, und daher ist es der Polizei ein Rätsel, wie der oder die Mörder vom Tatort flüchten konnten. Doch Dupin untersucht den Fall selbst und dank seines brillanten analytischen Verstandes kann er der Sache auf den Grund gehen und feststellen, wem die Morde zuzuschreiben sind. Der Mörder der Pariser Frauen ist ein Orang-Utan, der seinem Halter, einem Seemann, entkommen war. Das Tier hatte seinen Besitzer stets beim Rasieren beobachtet. Nachdem es aus seinem Käfig entflohen war, flüchtete es in das von den Frauen bewohnte Haus und tötete eine der Bewohnerinnen beim Nachahmen des Rasiervorgangs mit einem Rasiermesser. Die andere wird auf brutale Weise von ihm erwürgt und kopfüber in den Kamin geschoben. Anschließend flüchtete der Affe durch ein Schiebefenster, das nur scheinbar mit einem (inzwischen durchgebrochenen) Nagel am Fensterrahmen befestigt war.

Druckausgaben[Bearbeiten]

Die Erzählung wurde in verschiedenen Anthologien abgedruckt. Die DNB verzeichnet rund 90 Ausgaben in wechselnden Kombinationen mit anderen Erzählungen. Einige der Ausgaben enthalten ein Vorwort von Charles Baudelaire. Baudelaire war ein begeisterter Leser und ein Übersetzer Poes in das Französische. Inspiriert wurde der damals 32-jährige Literaturkritiker von einem ungelösten Mord, der in einer Pariser Zeitung geschildert wurde.

Nachwirkung[Bearbeiten]

Poes 1841 erschienene Kurzgeschichte gilt mit als die erste Detektivgeschichte und als eine der ersten Geschichten, die sich der Technik des „verschlossenen Raumes“ bediente. „Der Doppelmord in der Rue Morgue“ erschien erstmals im April 1841 in der Zeitschrift Graham’s Magazine. 1842 tritt Dupin nochmals als Hauptfigur in „Das Geheimnis der Marie Rogêt“ (The Mystery of Marie Rogêt) und 1844 in „Der entwendete Brief“ (The Purloined Letter) auf. Die Konstellation des Dupin assistierenden Ich-Erzählers, der zwischen dem genialen Detektiv und dem Leser vermittelt, und der Aufbau der Kurzgeschichte (Demonstration von Dupins detektivischen Fähigkeiten, Verbrechen und erfolglose Ermittlungen der Polizei, Besichtigung des Tatorts, Ermittlung und Auflösung) bieten die erfolgreiche Konzeption für nahezu jede folgende Detektivgeschichte, wie zum Beispiel für Arthur Conan Doyle, der 45 Jahre später mit seiner Figur des (Dupin sehr ähnlichen) Sherlock Holmes diese Komposition noch weiter ausreizte.

Unmittelbarere Wirkung hatte das Werk auch auf Israel Zangwill, dessen The Big Bow Mistery heute ebenfalls als Klassiker des Krimi-Genres bezeichnet wird. Das Motiv des Mordes hinter verschlossenen Türen tauchte zwar erstmals bei Poe auf, Zangwill beeinflusste aber direkt Gaston Leroux mit Das Geheimnis des gelben Zimmers (1904).[1]

Adaptionen[Bearbeiten]

  • 1932 wurde der Stoff unter der Regie von Robert Florey mit dem Titel Mord in der Rue Morgue verfilmt.
  • Im Rahmen der britischen TV-Serie Detective wurde die Erzählung 1968 als 35. Episode verfilmt.
  • 1986 gab es eine amerikanische TV-Verfilmung mit George C. Scott in der Rolle Dupins. In weiteren Rollen: Val Kilmer und Rebecca De Mornay.
  • Der britische Schriftsteller Clive Barker schrieb die Geschichte Neue Morde in der Rue Morgue, welche sich stark an Poes Original orientiert.

In Deutschland wurden fünf Hörspiele produziert:

  • Die britische Heavy-Metal-Band Iron Maiden verarbeitete einen Teil der Geschichten in dem Song Murders in the Rue Morgue auf ihrem 1981 erschienenen Album Killers.
  • Die deutsche „Kammer-Chore“-Band Coppelius spielte den Song auf ihrem 2007 erschienenen Album Time – Zeit in der ihnen eigenen Version neu ein.
  • 2013: Der deutsche Rapper Casper schrieb für sein Album Hinterland das Lied La Rue Morgue.

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul Gerhard Buchloh: Edgar Allan Poe · The Murders in the Rue Morgue. In: Karl Heinz Göller u. a. (Hrsg.): Die amerikanische Kurzgeschichte. August Bagel Verlag, Düsseldorf 1972, ISBN 3-513-02212-3, S. 94–102.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: The Murders in the Rue Morgue – Quellen und Volltexte (englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Klaus-Peter Walter (Hrsg.): Reclams Krimi-Lexikon. Autoren und Werke. Philipp Reclam Jun., Stuttgart 2002, ISBN 3-15-010509-9, S. 452 f.