Die Bandbreite

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Die Bandbreite
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Allgemeine Informationen
Genre(s) Pop, Hip-Hop
Gründung 1999
Website www.diebandbreite.de
Aktuelle Besetzung
Marcel Wojnarowicz (Wojna)
Co-Produktion
Torben Eckhoff
Die Bandbreite in Shirts mit dem Songtitel selbst gemacht und Bezug zum 11. September 2001

Die Bandbreite ist ein Hip-Hop-Duo aus Duisburg, das in deutscher Sprache singt. Es besteht aus Torben Eckhoff alias DJ Torben und dem Sänger und Songwriter Marcel Wojnarowicz, der unter dem Künstlernamen Wojna auftritt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Deutsch-Hip-Hop-Duo Die Bandbreite entwickelte sich aus den Solo-Aktivitäten der beiden Akteure Marcel Wojnarowicz (Wojna) und DJ Torben. Wojna begann nach eigenen Aussagen 1992 damit, eigene Texte zu schreiben. Die erste Veröffentlichung hatte er 1998 auf dem 1. Duisburger Rap-Sampler, in den Folgejahren erschienen weitere Songs auf verschiedenen Samplern. Die erste Gemeinschaftsproduktion Wojna und Turbo mit Torben erschien 2000 auf dem Sampler Kommt in die Pötte.

2001 erschien unter dem Namen wojna und die komplette bandbreite die EP HipHop, im darauffolgenden Jahr erschienen Songs unter die komplette bandbreite, unter anderem die Single warum nur einmal. die welt ist schön wurde 2003 als erstes Album des Duos die komplette bandbreite veröffentlicht, 2006 folgte komplett durch unter dem Namen die bandbreite. Selbst gemacht erschien 2007 als EP unter dem heutigen Namen Die Bandbreite und 2008 wurden das Album Hexenjagd und die Single Dat is Duisburg veröffentlicht. 2009 erschien die EP Zwangsimpfung, 2010 die EP Weltmeister. 2011 wurde die LP Reflexion veröffentlicht.

Lieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Titel Dat is Duisburg entwickelte sich im Raum Duisburg zu einer inoffiziellen Hymne der Stadt.[1][2] Dieser Song wurde samt Noten und Akkorden in dem Liederbuch Glück auf von Frank Baier und Jochen Wiegandt veröffentlicht.[3]

In der Liederbestenliste vom August 2010 erklomm die Bandbreite mit ihrem Song Was ist los in diesem Land den dritten Platz.[4] Dieser Song schaffte mit dem siebten Platz einen Wiedereinstieg in die Liederbestenliste vom Januar 2012.[5]

Im November 2012 distanzierte sich die Band nach Kritik von ihren frühen Songs Eingelocht und Miesmuschel.[6]

Politische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Live Show des Duo Die Bandbreite mit dem Song Kein Sex mit Nazis

Das Duo bezeichnet sich selbst als Polit-Pop-Band. Viele Songs haben sozial- oder zeitkritische Inhalte und beinhalten politische Aufrufe. Die Texte knüpfen dabei teilweise an Verschwörungstheorien an. Unter anderem werden in dem Stück Selbst gemacht Verschwörungstheorien zum 11. September 2001 propagiert.[7] In dem Song Demokratie wird die Mondlandung bezweifelt.[8] Jürgen Elsässer, auf den sich der Sänger Wojnarowicz positiv bezieht,[9] bezeichnete die Bandbreite als „die erfolgreichste Band der ‚Wahrheitsbewegung‘“.[8]

Wojnarowicz führte in einem Interview mit der Islamischen Zeitung zum politischen Profil der Band aus, dass er bereits als Kind an Ostermärschen teilgenommen habe und Mitglied der IG Metall sowie der Falken gewesen sei.[9] Aus letzteren wurde er schließlich wegen der verschwörungstheoretischen Texte der Band ausgeschlossen.[8] Unter anderem der nordrhein-westfälische Landesvorstand der Partei Die Linke beschloss im November 2012, dass der Landesverband „sich an Veranstaltungen von Parteigliederungen, auf denen die Duisburger Band ‚Die Bandbreite‘ auftritt, weder finanziell noch inhaltlich oder organisatorisch beteiligen“ werde, und riet davon ab, mit der Band zusammenzuarbeiten.[10]

Das politische Spektrum der Organisationen, bei denen die Band auftritt, reicht von der marxistisch-leninistischen DKP bis hin zur rechtspopulistischen SVP.[11] 2010 wurde die Band von der NPD als „eine volkssozialistische Musikgruppe“ gelobt.[12] 2011 rief das Duo zu einer Truther-Demonstration in Karlsruhe auf, die von Eva Herman über den Internetauftritt des Kopp-Verlages beworben worden war.[13] Anfang 2013 komponierte und sang die Band den Parteisong für die Kleinstpartei Neue Mitte von Christoph Hörstel. Dies nahm die Rosa Luxemburg Stiftung Rheinland-Pfalz mit der Begründung, dass „das Programm dieser Partei [...] mit linken Positionen nicht vereinbar“ sei, zum Anlass, sich als Veranstalter des Linken Liedersommers, bei dem die Band trotz Ausladung auftreten sollte, zurückzuziehen.[8] Im September 2014 trat die Band beim verschwörungstheoretischen und in „offenkundige[r] Nähe zu rechtsextremem Gedankengut“ stehenden Quer-Denken-Kongress von Michael Vogt in Neu-Isenburg auf.[14]

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2003: die komplette bandbreite: die welt ist schön (Album)
  • 2006: die bandbreite: komplett durch (Album)
  • 2008: Die Bandbreite: Hexenjagd (Album)
  • 2011: Die Bandbreite: Reflexion (Album)
  • 2013: Die Bandbreite: Art aber Fair (Album)
  • 2016: Die Bandbreite: Die letzten Linken (Album)

EPs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2001: wojna und die komplette bandbreite: HipHop (EP)
  • 2007: Die Bandbreite: Selbst gemacht (EP)
  • 2009: Die Bandbreite: Zwangsimpfung (EP)
  • 2010: Die Bandbreite: Weltmeister (EP)
  • 2015: Die Bandbreite: Schmetterlinge im Glas (EP)

Singles[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2002: die komplette bandbreite: warum nur einmal (Single)
  • 2008: Die Bandbreite: Dat is Duisburg (Single)
  • 2013: Die Bandbreite: Mafia (Single)

Außerdem finden sich einzelne Lieder auf verschiedenen Samplern, unter anderem auf Gemeinsam Gegen Rechts – Die Rote Schulhof CD.[15]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegen ihrer Anschlussfähigkeit an die rechte bis rechtsextreme Szene und ihrer verschwörungstheoretischen Positionen wird Die Bandbreite in den Medien und von linken politischen Gruppen regelmäßig kritisiert[8] und „ein mehr als unappetitliches Gebräu aus Verschwörungstheorien, Anti-Amerikanismus, Sexismus und Frauenfeindlichkeit“ ausgemacht.[16] Mehrere Organisationen, wie Gewerkschaften und Landesverbände der Linkspartei, fassten Beschlüsse, die Band für Veranstaltungen nicht zu buchen.

In einem Artikel auf Spiegel Online warf Alexandra Sillgitt der Band vor, sie verbreite „wüste Verschwörungspolemik“. Matthias Jena von der IG Metall Bayern stellte im selben Beitrag klar, dass die IG Metall Bayern die „abstrusen“ Theorien der Band nicht teile und kündigte an, dass die Band nicht mehr bei Veranstaltungen der IG Metall Bayern und der DGB-Jugend auftreten werde.[17]

Eine Veranstaltung im Club Voltaire am 9. Oktober 2009 in Frankfurt am Main, bei der unter anderem auch Die Bandbreite auftrat, führte zu heftigen Reaktionen. Kritisiert wurde eine „verschwörungstheoretische Ausrichtung“ der Veranstaltung. Dabei kam es zu angeblich gewaltsamen Protesten einer antideutschen Gruppe.[18][19] Eine Stellungnahme des Club Voltaire erschien auf deren Homepage.[20] Eine Stellungnahme des ehemaligen Vorsitzenden des Club Voltaire, der im Vorfeld der Veranstaltung zurückgetreten war und den Protest mitorganisierte,[21] beschreibt den Protest hingegen als friedlich.[22]

Zlatan Alihodzic kritisierte am 31. Juli 2008 in der WAZ, dass die Bandbreite trotz verschwörungstheoretischer und auch bei Neonazis großen Anklang findender Texte von der SPD, Der Linken und dem DGB in Duisburg für Veranstaltungen gebucht wurde.[23]

Wegen der Verbreitung der Behauptung in der Berliner Regionalausgabe der taz, die Band sei für ihre antisemitischen Texte bekannt, erhob Wojnarowic eine erfolgreiche Unterlassungsklage gegen die taz.[24] Die taz legte daraufhin beim Kammergericht Berlin Berufung gegen das Urteil der Pressekammer des Landgerichts Berlin ein und verlor erneut. Eine geforderte finanzielle Entschädigung konnte die Band jedoch nicht durchsetzen.[25] Auch nachdem der Journalist Stefan Laurin der Band Antisemitismus in ihren Texten vorgeworfen hatte, wurde ihm die Wiederholung dieser Aussage durch Urteil des Landgerichts Bochum vom 21. September 2011 unter Strafandrohung verboten.[26]

Die Band trat am 21. Februar 2009 bei der 3. Konferenz der Anti-Zensur-Koalition von Ivo Sasek auf.[27]

Martin Wassermann nahm den WM-Song Weltmeister zum Anlass, um sich in der linken Wochenzeitung Jungle World kritisch mit der Band auseinanderzusetzen, bei der er einen „Spagat zwischen reaktionärer Verschwörungsideologie, vermeintlich linken Standpunkten und Deutschland-Huldigung“ ausmacht.[28]

Der Landesausschuss der NRW-Jusos stimmte am 29. Januar 2012 einem Antrag zu, in dem alle Gliederungen der Jusos und der SPD aufgefordert wurden, die Band nicht zu Veranstaltungen für Musikdarbietungen einzuladen. Jegliche Form von Antisemitismus, Sexismus oder antiamerikanischen Verschwörungstheorien lehne man entschieden ab.[29]

Die Neue Westfälische Zeitung schrieb am 3. Oktober 2012: „Anders als die Alt-68er-Generation wie Wecker, Wader oder Mey schafft es das Duo, mit großer musikalischer Vielfalt [...] gesellschaftliche und geopolitische Fehlentwicklungen zu analysieren.“[30]

Das Neue Deutschland warf der Band 2012 vor, sie wirke als „Appetitanreger für hochgradig reaktionäre Ideologien“ wie die „krude antisemitische Propaganda des Buchautoren Wolfgang Eggert“, da die Band sich in ihrer Schilderung der Entstehung des Textes zum Lied AIDS explizit auf Eggert berufen habe. Eggert hatte in seinem Buch Die geplanten Seuchen mit „offen antisemitischen Formulierungen“ die Behauptung aufgestellt, jüdische Institutionen bzw. Personen wären beteiligt gewesen, die Immunseuche AIDS vorsätzlich in die Welt zu setzen. Die Band bewarb Eggerts Buch auf ihrer Webseite und verlinkte den Internetauftritt von dessen Verlag Chronos-Medien, der dort z. B. Bücher wie Messianisten-Netzwerke treiben zum Weltenende, Israels Geheimvatikan als Vollstrecker biblischer Prophetie oder über die verschwiegene Rolle von Mossad und CIA bei den Anschlägen vom 11. September anbietet.[31]

Anlässlich des Auftritts der Band am 12. Mai 2010 beim Linken Liedersommer auf Burg Waldeck, der unter dem Motto „Linke Lieder gegen Ausbeutung und Krieg“ stattfand, berichtete die junge Welt noch positiv über die Band und bezeichnete angesichts der Eindrücke antideutsche Vorwürfe als „lächerlich“.[32] Auch 2012 schrieb das Blatt: „»Bandbreites« Texte sind provokant, sie bilden keine Realität ab, sondern die Sicht vieler Leute auf diese Realität. Dies hat nicht nur Berechtigung, sondern ist notwendig als ein Gradmesser, der die steigende Fieberkurve unserer Gesellschaft anzeigt – eine wichtige Funktion von Liedern mit politischem Anspruch, die über ein schlichtes Agitprop-Schema hinausgehen wollen.“[33] Im Zusammenhang mit einem Auftritt bei den umstrittenen sogenannten Mahnwachen für den Frieden warf dann das Blatt der Band im April 2014 vor, sich nie gescheut zu haben, bei Verschwörungstheoretikern und Rechtsesoterikern aufzutreten.[34]

2013 wurde ein Auftritt der Band auf dem Occupy-Camp in Hamburg von Seiten der Aktivisten abgesagt, nachdem mehrere Bands sich geweigert hatten, aufzutreten, wenn Die Bandbreite teilnehmen sollte. Erneut wurde der Vorwurf der Rechtslastigkeit erhoben.[35] Im selben Jahr wurde Wojna aus der "Sozialistischen Jugend Deutschlands – Die Falken” ausgeschlossen.[36]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nikolaus Gatter: Die Bandbreite: Liedermacher oder Hip-Hopper? Duisburger Duo zwischen Zensur und Ground Zero. In: Folker! Das Magazin für Folk, Lied und Weltmusik 3/2009, S. 18 f.
  • Die Bandbreite: Die Wahrheit sitzt im Backstage. Culex-Verlag, Duisburg 2009, ISBN 978-3-942003-02-5
  • Frank Baier: Glück auf. Klartext-Verlag, 12. November 2012, S. 73, ISBN 978-3-8375-0645-7

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Volle Breitseite für die Geliebte, derwesten.de, WAZ, 16. Februar 2008.
  2. Bandbreite spielt beim Stadtfest – Inoffizielle Duisburg-Hymne am Samstag live in Rheinhausen, Neue Ruhr Zeitung, 18. Februar 2008.
  3. “Glück auf!” – Die Bandbreite im Liederbuch Ruhr
  4. Liederbestenliste August 2010, nmz.de, August 2010.
  5. Liederbestenliste Januar 2012, nmz.de, Januar 2012
  6. Distanzierung von den Songs „Eingelocht“ und „Miesmuschel“, Die Bandbreite, 16. November 2012.
  7. DGB-Party: Gewerkschafter lassen Verschwörungstheoretiker rappen, Spiegel Online, 28. November 2007.
  8. a b c d e Volle Bandbreite -Duisburger Band bietet Wahlkampfhilfe von Rechts nach Links, Neues Deutschland, 28. Juni 2013.
  9. a b „Eine Botschaft ist heute selten geworden“, Islamische Zeitung, 12. Februar 2009.
  10. „Gegen jeden Antisemitismus!“ AK Shalom vor Ort in Bamberg, bak-shalom.de, 26. Februar 2013.
  11. »Bandbreite« zu groß bemessen, Neues Deutschland, 27. Juni 2011.
  12. Bekennerschreiben aufgetaucht - Der Feind steht links, taz, 2. Mai 2013.
  13. Agentur der Bandbreite unterstellt Betrug bei Voting für The Dome (RTL II), WAZ, 11. August 2011.
  14. Danijel Majic: Verschwörungstheorien - Treffpunkt der Anti-Aufklärer, Frankfurter Rundschau vom 8. September 2014
  15. Gemeinsam Gegen Rechts – Die Rote Schulhof CD bei Discogs
  16. Niedersachsen: Linken-Spitzenkandidat macht sich für frauenverachtende Band stark, Spiegel Online, 28. Juni 2013.
  17. Gewerkschafter lassen Verschwörungstheoretiker rappen. SPIEGEL Online, 28. November 2007
  18. Christel Mertens: Antideutsche versuchten 9/11- und Israel-kritische Veranstaltung zu verhindern: Angriff auf Club Voltaire. Neue Rheinische Zeitung (online), 14. Oktober 2009, abgerufen am 19. November 2009.
  19. Linke Zeitung, 11. Oktober 2009
  20. Stellungnahme des Club Voltaires, Oktober 2009.
  21. Andreas Waibel, 25. September 2009
  22. Bernd Merling und Andreas Waibel: Friedliche Proteste am Club Voltaire. Der Freitag (online), 11. Oktober 2009, abgerufen am 15. August 2010.
  23. Von rinks nach lechts, WAZ, 31. Juli 2008.
  24. LG Berlin 27 O 545/09 – 8. Oktober 2009
  25. KG Berlin, Beschluss vom 14. Dezember 2010 – 9 U 203/09
  26. Anerkenntnisurteil Landgericht Bochum, 21. September 2011, Aktenzeichen I-8 O 376/11.
  27. Videoaufzeichnung von den Bandbreite bei einem Kongress der Anti-Zensur-Koalition., anti-zensur.info.
  28. Martin Wassermann: Urin statt Bier. Jungle World, 3. Juni 2010, abgerufen am 16. August 2010.
  29. Beschlussbuch 11. ordentliche Landeskonferenz des Juso-Landesverbandes NRW, 15.-16. September 2012 in Münster.
  30. Was gesagt werden muss Neue Westfälische, 3. Oktober 2012
  31. „Wie links ist Paranoia?-“ ND vom 2. Juni 2012
  32. Kein Sex mit Nazis - Junge Welt, 15. Juni 2010
  33. Am Feuer zwischen den Lagern – Junge Welt, 21. Juni 2012
  34. Daniel Bratanovic und Sebastian Carlens: Falsche Friedensfreunde, junge Welt vom 23. April 2014.
  35. Bekennerschreiben aufgetaucht – Der Feind steht links, taz, 2. Mai 2013
  36. Video Statement zum Ausschluss Wojnas aus dem Jugendverband SDJ die Falken, diekomplettebandbreite.de, 23. Februar 2013