Doppelspitze

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Mit Doppelspitze bezeichnet man die Fälle einer formal gleichrangigen Besetzung höchster Entscheidungsbefugnisse in Parteien, Unternehmen, Verbänden und Gremien. Ein Beispiel aus der Antike sind im Römischen Reich die zwei Konsuln.

Doppelspitzen haben Vor- und Nachteile. Die vorherige Festlegung einer genauen Aufgabenteilung gilt als günstig; Reibungsverluste und Richtungskämpfe sind möglich. Besteht beispielsweise ein Ungleichgewicht ähnlich einem Verhältnis zwischen „Junior“- und „Seniorpartner“, so kann sich der Jüngere genötigt sehen, zu gehen, um überhaupt angemessen zum Zuge zu kommen.[1] In anderen Fällen kann einer der beiden bestrebt sein, den anderen aus seinem Amt zu drängen, um alleine die Leitung zu haben.

Zur Konfliktlösung bei Konflikten innerhalb einer Doppelspitze wird teils Coaching eingesetzt, wobei bei einem bereits eskalierten Konflikt auch Ansätze aus dem Bereich der Mediation zum Tragen kommen.[2]

Beispiele in jüngerer Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Doppelspitzen in Parteien, z. B. bei Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen,
  2. Vorstandsvorsitzende von Airbus (die politisch-satzungshalber festgeschriebene Doppelspitze mit einem Franzosen und einem Deutschen war nicht frei von Reibungsverlusten und Machtkämpfen; im Juli 2007 verständigte sich der Konzern auf eine (deutsche) Führungsspitze),
  3. Zeitweilige Chefbesetzung im Thyssenkrupp-Konzern aus Ekkehard Schulz und Gerhard Cromme,
  4. Deutscher Fußballbund von 2004 bis 2006 mit Theo Zwanziger und Gerhard Mayer-Vorfelder an der Spitze,
  5. Deutsche Bank; hier folgte auf Josef Ackermann eine Doppelspitze aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen.

Kommunalpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Norddeutschen Ratsverfassung und der Dualistischen Bürgermeisterverfassung gibt es die Ämter des (Ober-)Bürgermeisters als ehrenamtlichen Repräsentanten der Gemeinde oder Stadt und des (Ober-)stadtdirektors als Verwaltungschef. Gleiches gilt bei Landkreisen für den Landrat und den Oberkreisdirektor. Die Norddeutsche Ratsverfassung mit Doppelspitze bestand in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen und wurde in Niedersachsen ab 1996 und in Nordrhein-Westfalen ab 1994 abgeschafft. Dabei gab es Übergangsfristen bis zum Ablauf der Wahlperioden bereits gewählter (Ober-)Stadtdirektoren und Oberkreisdirektoren.

Übertragene Bedeutungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dreifachspitzen (kommen seltener als Doppelspitzen vor): Historisch wird vom Triumvirat gesprochen, sonst eher von einer Troika.
  • Doppelspitze im Fußball bezeichnet zwei Stürmer, die eine ähnliche Position einnehmen.[3]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Astrid Schreyögg: Coaching von Doppelspitzen — Wann sind Formen von Mediation zu integrieren?. Organisationsberatung, Supervision, Coaching. September 2005, Band 12, Br. 3, S. 217–230 (S. 217).
  2. Astrid Schreyögg: Coaching von Doppelspitzen — Wann sind Formen von Mediation zu integrieren?. Organisationsberatung, Supervision, Coaching. September 2005, Band 12, Br. 3, S. 217–230 (Zusammenfassung).
  3. Doppelspitze, die. Duden, 2018, abgerufen am 27. Januar 2018.