Eduard Lintner

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Eduard Lintner (2013)

Eduard Lintner (* 4. November 1944 in Marktlangendorf, Sudetenland) ist ein deutscher Politiker (CSU).

Er war von 1991 bis 1998 Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern und von 1992 bis 1998 Drogenbeauftragter der Bundesregierung.

Leben und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lintner wurde als Kleinkind 1945 mit seiner Mutter und seiner Großmutter aus dem Sudetenland vertrieben. Sein Vater kehrte erst 1955 als Spätheimkehrer aus der Kriegsgefangenschaft zurück und starb noch im selben Jahr an deren Folgen. Nach dem Abitur 1966 an der Oberrealschule in Cham absolvierte Lintner ein Studium der Rechtswissenschaft an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, welches er mit dem ersten juristischen Staatsexamen beendete. Nach dem Referendariat legte er 1973 auch das zweite Staatsexamen ab und war bis 1976 in der Verwaltung des Landes Bayern tätig, zuletzt als Regierungsrat im Landratsamt Kitzingen. Seit 1981 ist er als Rechtsanwalt in Bad Neustadt an der Saale zugelassen.

Nachdem er bei den Wahlen 2009 nicht mehr für den Bundestag kandidierte, übernahm Lintner die Leitung als Geschäftsführer der "Gesellschaft zur Förderung der deutsch - aserbaidschanischen Beziehungen mbH".

Eduard Lintner ist seit 1966 verheiratet und hat vier Kinder.

Partei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lintner trat schon als Schüler 1962 in die CSU und die Junge Union (JU) ein. Von 1970 bis 1972 war er Vorsitzender des JU-Kreisverbandes Würzburg-Land und von 1972 bis 1978 Vorsitzender des JU-Bezirksverbandes Unterfranken. Zu dieser Zeit gehörte er auch dem CSU-Landesvorstand an. Seit 1978 ist Lintner Mitglied des CSU-Kreisvorstandes Bad Kissingen und stellvertretender Vorsitzender des CSU-Bezirksverbandes Unterfranken. Seit 2008 ist Lintner als Nachfolger von Karl-Theodor zu Guttenberg Leiter des Fachausschusses Außenpolitik des CSU-Arbeitskreises Außen- und Sicherheitspolitik (ASP).

Abgeordneter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1972 bis 1974 gehörte Lintner dem Gemeinderat seines damaligen Wohnortes Erlabrunn an.

Von 1976 bis 2009 war Lintner Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier war er von 1982 bis 1990 Vorsitzender der Arbeitsgruppe Deutschlandpolitik und Berlinfragen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Seit 1999 gehörte Lintner der Parlamentarischen Versammlung des Europarates und der Westeuropäischen Union an. Von 2002 bis 2005 war er hier Vorsitzender des Rechts- und Menschenrechtsausschusses.

Eduard Lintner ist 1976 über die Landesliste Bayern und danach stets als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Bad Kissingen in den Bundestag eingezogen. Zuletzt erreichte er hier bei der Bundestagswahl 2005 57,5 Prozent der Erststimmen. Mit der konstituierenden Sitzung des 17. Bundestags endete die politische Laufbahn Lintners nach 33 Jahren. Er war einer der dienstältesten Politiker des 16. Bundestags. Als Nachfolgerin in seinem Wahlkreis wurde Dorothee Bär gewählt.

In seiner politischen Arbeit hat sich Eduard Lintner in den vergangenen Jahren als zuständiger Berichterstatter im Auswärtigen Ausschuss vor allem auf die Pflege der Beziehungen zu den Staaten Lateinamerikas und des Südkaukasus konzentriert. Im Rahmen dieser Tätigkeit war er auch Initiator des Bundestagsbeschlusses zur Gestaltung der Beziehungen Deutschlands zu den Staaten des Südkaukasus.[1]

Öffentliche Ämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Bundestagswahl 1990 wurde Lintner am 24. Januar 1991 als Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern in die von Bundeskanzler Helmut Kohl geführte Bundesregierung berufen. Ab dem 27. August 1992 war er außerdem erster Drogenbeauftragter der Bundesregierung. Nach der Bundestagswahl 1998 schied er am 26. Oktober 1998 aus dem Amt.

Eduard Lintner ist Vorsitzender des Bezirksverbands Unterfranken des Bayerischen Roten Kreuzes.[2]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 2007 geriet Eduard Lintner als deutscher Europarat-Abgeordneter in die Schlagzeilen,[3] als er gegen die Resolution 1580 (2007) stimmte.[4] Die Resolution ruft die Mitgliedsstaaten dazu auf, den von Kreationisten oder Anhängern des „Intelligent Design“ vertretenen Ansichten aktiv entgegenzutreten und diese als Gefährdung für Freiheit und Demokratie in Europa einzustufen. Die Resolution soll weiterhin dazu dienen, die Evolutionstheorie nach Darwin im Biologieunterricht an öffentlichen Schulen in Europa zu verankern. Dem Vorwurf, kreationistische Theorien zu unterstützen, hat Lintner allerdings widersprochen. Sein Abstimmungsverhalten erklärte er damit, dass die Gefahren des Kreationismus im Text der Resolution stark übertrieben würden und dass der Europarat mit dieser Resolution unzulässigerweise versuche, in die Bildungshoheit der deutschen Bundesländer einzugreifen.[5]

Eduard Lintner wird weiterhin dafür kritisiert, dass er sich als Lobbyist für die Regierung von Aserbaidschan einsetzt, die seit längerem auf Grund schwerer Menschenrechtsverletzungen und Unterdrückung der Opposition aufgefallen ist. Die European Stability Initiative hat in einem Bericht beispielsweise darauf hingewiesen, dass Lintner im Jahr 2013 eine Wahlbeobachtungsdelegation zu den Präsidentschaftswahlen in Aserbaidschan organisiert hat. Die Delegation veröffentlichte, laut diesem Bericht, eine positive Beurteilung der Wahl, obwohl unabhängige Wahlbeobachter auf umfassende Wahlfälschungen hingewiesen hatten. [6]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kabinette[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Eduard Lintner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sicherheit, Stabilität und Demokratie im Südkaukasus fördern (PDF) Deutscher Bundestag. 4. März 2009. Abgerufen am 11. April 2017.
  2. Der Vorstand des BRK-Bezirksverbandes Unterfranken. Bayerisches Rotes Kreuz. Abgerufen am 11. April 2017.
  3. Darwins Gegner holen zum Gegenschlag aus. Spiegel Online. 23. Februar 2009. Abgerufen am 11. April 2017.
  4. Antwort von Eduard Lintner. Parlamentwatch. 20. März 2009. Abgerufen am 11. April 2017.
  5. Eduard Lintner (CSU). Parlamentwatch. Abgerufen am 11. April 2017.
  6. European Stability Initiative: Disgraced: Azerbaijan and the End of Election Monitoring As We Know It.. ESI, Berlin/Brussels/Istanbul 5 November 2013, S. 18 (Zugriff am 12. September 2014).