Engelsbrand

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Engelsbrand
Engelsbrand
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Engelsbrand hervorgehoben
Koordinaten: 48° 50′ N, 8° 39′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Enzkreis
Höhe: 587 m ü. NHN
Fläche: 15,19 km²
Einwohner: 4319 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 284 Einwohner je km²
Postleitzahl: 75331
Vorwahlen: 07235, 07082
Kfz-Kennzeichen: PF
Gemeindeschlüssel: 08 2 36 013
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Eichbergstraße 1
75331 Engelsbrand
Webpräsenz: www.engelsbrand.de
Bürgermeister: Bastian Rosenau
Lage der Gemeinde Engelsbrand im Enzkreis
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Über dieses Bild

Engelsbrand ist eine Gemeinde im Enzkreis in Baden-Württemberg, etwa 10 km von Pforzheim entfernt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Engelsbrand bildet den nordöstlichen Rand des württembergischen Schwarzwaldes.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Engelsbrand liegt auf der Enz-Nagold-Platte und ist durch tonig-sandige Böden geprägt.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Gemeinde Engelsbrand gehören die ehemaligen Gemeinden Grunbach und Salmbach. Zu allen früheren Gemeinden gehörten jeweils nur die gleichnamigen Dörfer.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinden Engelsbrand, Grunbach und Salmbach wurden als Waldhufendörfer im 11. bis 12. Jahrhundert im Rahmen der Besiedelung durch Gaugrafen des Klosters Hirsau angelegt. Die erste gesicherte urkundlich Erwähnung datiert vom 24. Juli 1404, als die Kastvögte der Brötzinger Kirche die Trennung dieser und weiterer Dörfer (Langenbrand, Kapfenhardt und Waldrennach) von der Kirche in Brötzingen und die Bildung eines neuen Kirchspiels in Langenbrand beantragten. Dieser Antrag wurde am 10. September 1404 genehmigt. Mit der Gründung der Kirche wurde der Ort, der zuvor den Herren von Calw unterstand, württembergisch.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Gemeindegebiet häufig von durchziehenden Heeren geplündert. Auch rafften Epidemien (Pest, Ruhr etc.) große Teile der Bevölkerung hin. Ende des 17. Jahrhunderts wurde das Gebiet erneut durch die Truppen des französischen Königs Ludwig XIV. belagert und durchzogen, was weiteres Leid nach sich zog. Auch infolge der französischen Revolutionskriege wurde 1796 Engelsbrand wieder von französischen Truppen besetzt.

Im Jahr 1807 wurden Engelsbrand, Grunbach und Salmbach dem Oberamt Calw innerhalb des Königreiches Württemberg zugeordnet. Bereits 1810 erfolgte jedoch die Umgliederung in das Oberamt Neuenbürg. Seit 1817 war dieses dem Schwarzwaldkreis unterstellt, später dem Landkreis Leonberg. Seit den 1860er Jahren arbeiteten viele Bewohner der Gemeinde im nahen Pforzheim in der Schmuckindustrie. Im Jahr 1900 wurde an der Bahnlinie Pforzheim – Calw eine Bahnstation Grunbach/Salmbach eingerichtet, die den Arbeitsweg der Pendler deutlich verkürzte.

Die heutige Gemeinde wurde durch Vereinigung der Gemeinden Engelsbrand, Grunbach und Salmbach zum 1. Januar 1975 neu gebildet. Die Eingemeindung von Büchenbronn wurde 1973 in einer Bürgerbefragung insbesondere durch die Bewohner von Salmbach und Engelsbrand abgelehnt. Büchenbronn entschied sich daraufhin für eine Eingemeindung nach Pforzheim. Die Gemeinde Engelsbrand gehört heute zum Enzkreis.

Wappen der ehemaligen Gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Engelsbrand
Engelsbrand
Grundach
Grunbach
Salmbach
Salmbach

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich zum Kirchspiel Brötzingen gehörig, kam das Gebiet der heutigen Gemeinde 1404 zum Kirchspiel Langenbrand. 1442 wurde in Engelsbrand eine Kaplanei gestiftet, die auch für Grunbach zuständig war. 1535 wurde in der Region die Reformation eingeführt, was zur Auflösung der Kaplanei führte. Engelsbrand wurde wieder von Langenbrand aus kirchlich versorgt. Nach dem Schmalkaldischen Krieg war die Region von 1548 bis 1552 vorübergehend wieder römisch-katholisch, ist seither aber durchgängig evangelisch geprägt. Erst seit 1892 besitzt Engelsbrand wieder eine eigene Kirchengemeinde. Außer den beiden Landeskirchen gibt es noch eine freie evangelische Gemeinde (Schwarzwald-Volksmission).

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Datum Einwohner
1871 1396
1900 1577
1925 1879
17. Mai 1939 1609
13. September 1950 1808
1961 2073
27. Mai 1970 3049
1987 3785
31. Dezember 2000 4285
31. Dezember 2005 4353
31. Dezember 2010 4260

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in Engelsbrand führte zu folgendem amtlichen Endergebnis[3]. Die Wahlbeteiligung lag bei 58,9 % (2009: 53,8 %). Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Partei Stimmen Sitze Ergebnis 2009
Lebenswertes Engelsbrand 29,75 % 6 0,0 %, 0 Sitze
CDU 29,62 % 4 45,07 %, 7 Sitze
SPD/Bürgerliste Engelsbrand 28,14 % 4 37,98 %, 7 Sitze
Grüne Liste 12,49 % 2 16,95 %, 3 Sitze

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: In Silber eine schräglinke blaue Wellenleiste, darüber ein schräglinkes grünes Stechpalmenblatt mit zwei roten Beeren, darunter ein schräglinker Baumstamm mit drei roten Flammen. Das heutige Wappen ist eine Mischung der ursprünglichen Wappen von Engelsbrand, Grunbach und Salmbach, von denen nach dem Zusammenschluss im Rahmen der Gemeindereform 1974 je ein Symbol übernommen wurde: Der brennende Baumstamm, der auf die Besiedelung durch Brandrodung hinweist, aus dem ursprünglichen Engelsbrander Wappen, die in der Gegend stark verbreitete Stechpalme aus dem Grunbacher Wappen und der geschlängelte Bach, der in allen drei Wappen vertreten war und den Wasserreichtum der Gegend symbolisieren soll, grafisch aus dem ursprünglichen Salmbacher Wappen, allerdings mit der Farbe des ursprünglichen Engelsbrander Wappens, von dem auch die Hintergrundfarbe weiß übernommen wurde.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1945 vom Fuhrunternehmen Eberhardt eingerichtete Buslinie wird heute noch betrieben. Eberhardt Reisen gilt heute als eines der größten Omnibusunternehmen Süddeutschlands.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weiterhin haben auch die Uhrenmanufaktur Stowa und der Auto-Zubehörhandel Uni-Fit ihren Standort in Engelsbrand.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Albrecht Hackmayr (* 12. März 1714 in Grunbach, † am 10. Februar 1756 in Wien), Erfinder der hackmayrischen Badetherapie
  • Herbert C. Schlierz, (* 14. Dezember 1836 in Grunbach, † 23. März 1889 in Breslau), Erfinder des schmierungsfreien Orbital-Zahnstangengetriebes
  • Norbert Haug (* 24. November 1952 in Grunbach), Journalist, ehemaliger Motorsportchef von Mercedes-Benz

Kontroverse um die Verleihung der Ehrenmedaille[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 2015 erhielt der damals 93jährige Engelsbrander Wilhelm Ernst Kusterer die Ehrenmedaille des Ortes für sein langjähriges Engagement für die Gemeinde. Anfang März 2016 wurde bekannt, dass der Geehrte im Zweiten Weltkrieg ein SS-Unterführer der 16. SS-Panzergrenadier-Division „Reichsführer SS“ war und 2008 in Italien wegen Beteiligung am Massaker von Marzabotto rechtskräftig zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.[4][5] Die Gemeinde erklärte, von der Verurteilung in Italien und der Beteiligung Kusterers an den Kriegsverbrechen nichts gewusst zu haben. In einer für Freitag, den 18. März 2016, anberaumten Sondersitzung des Gemeinderates sollte diese Angelegenheit geprüft und beraten werden, diese Sondersitzung wurde jedoch abgesagt, da Kusterer sich nach Rücksprache mit seinem Rechtsanwalt entschied, die Auszeichnung freiwillig zurückzugeben.[6] Die Bundesregierung distanzierte sich durch die deutsche Botschafterin in Rom bereits im Vorfeld ihrer Rückgabe von der Ehrung. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt seit Juli 2013 wegen Mordverdachts gegen Kusterer.[7]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Waldhufenmuseum befindet sich im ehemaligen Schul- und Rathaus von Salmbach

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Engelsbrand liegt an der Fernwanderstrecke Mittelweg des Schwarzwaldvereins, die von Pforzheim nach Waldshut an zahlreichen Naturdenkmälern vorbeiführt.

Nördlich von Engelsbrand, aber auf Pforzheimer Boden liegt der Büchenbronner Aussichtsturm.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Baden-Württembergs 2014 (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe. Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 568–569.
  3. Kommunalwahldaten 2014 des Statistischen Landesamtes
  4. Hans-Jürgen Schlamp: SS-Massaker von Marzabotto: Ein Ehrenbürger und sein dunkles Geheimnis. SPIEGEL, 9. März 2016, abgerufen am 10. März 2016 (deutsch).
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatPaul Kreiner: Die Gemeinde Engelsbrand ehrt einen Kriegsverbrecher; Denn sie wissen nicht, was sie tun. Der Tagesspiegel, 8. März 2016, abgerufen am 9. März 2016.
  6. Entscheidung in Engelsbrand: Ex-SS-Soldat gibt Ehrenmedaille zurück. In: SWR. 15. März 2016, abgerufen am 15. März 2016 (deutsch).
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatHans-Jürgen Schlamp: Kriegsverbrecher als Ehrenbürger: Skandal von Engelsbrand belegt Versagen der Justiz. Spiegel Online, 10. März 2016, abgerufen am 10. März 2016.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carlo Burkhardt: Grunbach – Ein Waldhufendorf auf der Enz-Nagold-Platte.
  • Carlo Burkhardt: Engelsbrand – Wechselvolle Geschichte einer Verwaltungsgemeinschaft.
  • Carlo Burkhardt: Engelsbrand in alten Ansichtskarten. (Bildband)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Engelsbrand – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien