Neuhausen (Enzkreis)

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Wappen Deutschlandkarte
Neuhausen (Enzkreis)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Neuhausen hervorgehoben

Koordinaten: 48° 48′ N, 8° 47′ O

Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Enzkreis
Höhe: 482 m ü. NHN
Fläche: 29,75 km2
Einwohner: 5237 (31. Dez. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 176 Einwohner je km2
Postleitzahl: 75242
Vorwahl: 07234
Kfz-Kennzeichen: PF
Gemeindeschlüssel: 08 2 36 044
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Pforzheimer Straße 20
75242 Neuhausen
Website: www.neuhausen-enzkreis.de
Bürgermeisterin: Sabine Wagner
Lage der Gemeinde Neuhausen im Enzkreis
BirkenfeldEisingenEngelsbrandFriolzheimHeimsheimIllingenIspringenKieselbronnKnittlingenKnittlingenKnittlingenKnittlingenMaulbronnMönsheimMühlackerNeuenbürgNeuhausenNiefern-ÖschelbronnÖtisheimSternenfelsTiefenbronnWiernsheimWimsheimWurmbergWurmbergKelternRemchingenStraubenhardtNeulingenKämpfelbachÖlbronn-DürrnÖlbronn-DürrnÖlbronn-DürrnKönigsbach-SteinKarte
Über dieses Bild
Rathaus Neuhausen (links) und die katholische Kirche (Mitte) im Dezember 2011
Landschaft östlich Neuhausens

Neuhausen ist eine Gemeinde im Enzkreis in Baden-Württemberg, etwa zwölf Kilometer südöstlich der externen Kreisstadt Pforzheim gelegen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neuhausen liegt auf der Hochfläche im Nordschwarzwald zwischen den Flüssen Nagold und Würm, dem so genannten Biet, zwischen 430 und 570 Meter N.N.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeindefläche ist in Triasschichten gelegen. Den Hauptteil machen Formationen des roten Buntsandsteins aus. Die anderen Anteile liegen auf dem unteren bzw. mittleren Muschelkalk.

Ausdehnung des Gemeindegebiets[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neuhausen und seine Ortsteile erstrecken sich auf einer Fläche von 2976 ha, davon sind 1647 ha, also 55 % Waldflächen.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbargemeinden sind Bad Liebenzell, Pforzheim, Tiefenbronn, Unterreichenbach und Weil der Stadt.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Neuhausen besteht aus den ehemaligen Gemeinden Hamberg, Neuhausen, Schellbronn und Steinegg. Zu den ehemaligen Gemeinden Hamberg, Schellbronn und Steinegg gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer. Zur ehemaligen Gemeinde Neuhausen in den Grenzen von 1972 gehören das Dorf Neuhausen und die Orte „Monbachtal, Jugenderholungsheim“, teilweise auch zu Bad Liebenzell im Landkreis Calw, „Monbachtal, Kurhotel“ ebenfalls teilweise zu Bad Liebenzell, Bahnstation Neuhausen und St. Wendel (ehem. Wehrmachtsbaracken). Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Hamberg liegt das 1568 erstmals erwähnte und abgegangene Jagdschloss Taulbronnen.[2]

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den meisten Beschreibungen der Bietdörfer findet man die Wendung, dass es sich um eine Landschaft mit rauem Klima handele. Die Hochflächenlage mag dabei eine gewisse Rolle spielen, wobei auch die jeweilige Lage des Dorfes von Bedeutung ist. Wer am Anblaser wohnt, wird es rauer haben als der, dessen Dorf in der Mulde liegt.

Die mittlere Jahrestemperatur beträgt ungefähr 10 °C–10,5 °C. In den 1930er Jahren wurde noch eine Jahresmitteltemperatur von 7,5 °C erreicht.

Panorama der Gemeinde Neuhausen (ohne Schellbronn)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühe Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die sogenannten Bietdörfer, zu denen auch Neuhausen und seine Ortsteile gehören, sind wahrscheinlich zwischen 800 und 1000 als Waldhufendörfer gegründet worden. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte später: 1073 Schellbronn, 1150 Neuhausen und 1157 Steinegg. Hamberg wurde erst 1453 das erste Mal urkundlich erwähnt, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass Hamberg im 11. Jahrhundert auf Veranlassung eines Stain von Rechtenstein entstanden ist. Ab 1407 unterstanden sie Diether V. von Gemmingen, der mit dem dort erworbenen Besitz die Linie Hagenschieß (auch Gemmingen-Steinegg genannt) der Freiherren von Gemmingen begründete.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da die Linie Hagenschieß der Freiherren von Gemmingen – im Unterschied zu den anderen Familienlinien – nach der Reformation katholisch blieb, bildete das Biet, zu dem Neuhausen gehört, eine katholische Enklave in evangelischer Umgebung.

Badische Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Mediatisierung fielen die Ortschaften auf der heutigen Gemarkung Neuhausens 1806 an das Großherzogtum Baden und waren seit 1819 Bestandteil des Oberamts Pforzheim, seit 1864 des Bezirksamts Pforzheim und seit dem 25. Juni 1939 des Landkreises Pforzheim.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, vom 15. bis 19. April 1945, wurden die Dörfer der Gemeinde mehrmals von der Royal Air Force angegriffen. Dabei starben auch 20 Menschen, sowohl Zivilisten (6 Neuhausener und 4 Flüchtlinge) als auch Soldaten (6 deutsche und 4 französisch-marokkanische). Ein weiterer Dorfbewohner erlag Wochen später seinen Verletzungen. Zur Erinnerung an die Opfer und die Zerstörung befindet sich seit dem 5. April 2014 am Parkplatz vor dem Rathaus eine Skulptur mit Gedenktafel.

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1945 wurden die Ortschaften Teil der amerikanischen Besatzungszone und gehörten somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Land Baden-Württemberg aufging. 1973 erfolgte die Kreisreform in Baden-Württemberg, bei der die Gemeinden zum Enzkreis kamen.

Räumliche Entwicklung des Gemeindegebiets[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. März 1973 wurden die Gemeinden Hamberg, Neuhausen und Steinegg zur Gemeinde Neuhausen zusammenschlossen. Am 1. Januar 1975 wurde die heutige Gemeinde Neuhausen durch die Vereinigung der bisherigen Gemeinde mit der Gemeinde Schellbronn neu gebildet.[3]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Günter Güller (1973–1981)
  • Gerhard Gindele (1981–1997)
  • Oliver Korz (1997–2021)
  • Sabine Wagner (seit 2021)

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Neuhausen wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Seit 2017 werden regulär 17 Mitglieder gewählt. Die Wahlbeteiligung betrug 2019 67,7 % (2014: 55,9 %, 2009: 55,3 %). Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Die amtlichen Endergebnisse der vergangenen vier Wahlen sind hier zu finden:

CDU FWG SPD Bürger für das Biet
% Sitze % Sitze % Sitze % Sitze
13. Juni 2004 48,5 8 40,2 7 11,3 1
7. Juni 2009 28,9 6 31,8 7 13,4 2 25,9 5
25. Mai 2014 29,8 5 33,6 6 10,6 2 26,0 5
26. Mai 2019 25,2 5 28,6 5 8,9 2 37,3 7

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Neuhausen
Blasonierung: „In Silber auf einem von Blau und Gold geteilten Schildfuß ein rotes Haus mit zwei Schornsteinen, zwei von den Giebeln linkshin flatternden roten Fähnlein, sechs (3:3) roten Fenstern, an der Front geschlossenem Tor und einem roten Fenster an der linken Giebelseite.“
Wappenbegründung: Das Wappen wurde 1980 nach der Eingemeindung von Schellbronn, Hamberg und Steinegg verliehen. Es lehnt sich an das frühere Wappen von Neuhausen an, trägt allerdings mit Blau und Gold auch Farben der Wappen von Hamberg und Steinegg und damit der Freiherren von Gemmingen, der einstigen Gebietsherren. Durch das Haus handelt es sich um ein redendes Wappen.[4]

Frühere Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum Zusammenschluss der Gemeinden Neuhausen, Hamberg, Schellbronn und Steinegg 1973 und 1975 führte jede Gemeinde ein eigenes Wappen:

Neuhausen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Wappen von Neuhausen
Blasonierung: „In Silber auf grünem Boden ein rotes Haus, das Dach mit zwei Fähnchen besteckt.“
Wappenbegründung: Die ehemalige Gemeinde Neuhausen führte dieses Wappen seit 1902, gestaltet nach einem Siegel aus dem 19. Jahrhundert. Redendes Wappen.[5]
Hamberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Wappen von Neuhausen
Blasonierung: „In von Blau und Gold viermal geteiltem Schild eine gestürzte silberne Pflugschar.“
Wappenbegründung: Die Farben Blau und Gold erinnern an die einstigen Gebietsherren, die Freiherren von Gemmingen.[4]
Schellbronn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Wappen von Neuhausen
Blasonierung: „In Gold ein roter Brunnen, aus dessen drei Röhren silbernes Wasser fließt.“
Wappenbegründung: Redendes Wappen.[4]
Steinegg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Wappen von Neuhausen
Blasonierung: „In gespaltenem Schild vorn in Gold drei schwarze Wolfsangeln, hinten in Blau zwei goldene Balken.“
Wappenbegründung: Die Farben Blau und Gold erinnern an die einstigen Gebietsherren, die Freiherren von Gemmingen.[4]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Waldkapelle Hamberg
St.-Wendelin-Kapelle Neuhausen

Bühne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kleinbühne „Theaterschachtel“ bietet seit 2015 regelmäßig eigene Veranstaltungen und Gastauftritte.[6][7]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bahnhof Monbach-Neuhausen (1912)
  • Burg Steinegg
  • Germania Neuhausen (Kriegerdenkmal) (1876)
  • Kapelle St. Wendelin Neuhausen (1683), neu errichtet 1723, Erneuerung des Dachstuhls 2009
  • Kirche Maria-Königin Steinegg (1968)
  • Kirche St. Nikolaus Schellbronn (1752)
  • Kirche St. Sebastian (Neuhausen) (1475)
  • Kirche St. Wolfgang Hamberg alt (Bau unbekannt, Restaurierung 1749, Denkmalschutz 1936)
  • Kirche St. Wolfgang Hamberg neu (1941)
  • Kriegerdenkmal Hamberg (1928)
  • Kriegerdenkmal Schellbronn (1924)
  • Kriegerdenkmal Steinegg (1927)
  • Kerker-Christi-Kapelle (1748); Denkmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege
  • Pfarrkirche St. Urban & Vitus Neuhausen (1523)
  • Waldkapelle Hamberg (1739)

Auf dem Gemeindegebiet gibt es zahlreiche alte Wegkreuze und Bildstöcke.[8] Einige sind auch Teil des Kapellenrundwegs Biet.

Schellbronn verfügt über einen Campingplatz und ein Ferienpark. Das nebenan liegende Freibad wurde 1935 angelegt, um gleichzeitig einen Löschweiher zu schaffen. 1981 erfolgte eine umfangreiche Renovierung.[9]

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Ortsrand vom Teilort Neuhausen, in der Nähe des Friedhofs, liegt der Galgenberg. Das letzte Todesurteil wurde hier lt. Ortschronik Neuhausen 1793 an einer Frau vollzogen, die ihren Mann vergiftet hatte. Im Winter ist der Galgenberg ein gut besuchter Rodelhang für Kinder.

An der Kreisgrenze zum Landkreis Böblingen befindet sich das Naturschutzgebiet Büchelberg, ein beliebtes Naherholungsgebiet.

Die Fernwanderstrecke Ostweg (PforzheimSchaffhausen), die den Ort berührt, führt an vielen Naturdenkmälern vorbei.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nachtumzug Schellbronn (Narrenbund Schellau)
  • Faschingsumzug Neuhausen (Fastnachtsverein Hau-Hu)
  • Bietpokal (SV Neuhausen)
  • Himmelfahrt-Sternwallfahrt zur Kapelle St. Wendelin
  • Sonnwendfeuer (Musikverein Neuhausen)
  • Leistungsschau Neuhausen (GSL Neuhausen)
  • Erntedankfest Neuhausen
  • Most- und Schlachtfest am Roßberg (Musikverein Hamberg)
  • Theatertage (Mundart-Theatergruppe Steinegg)
  • Lichterfest (TTC Hamberg)
  • Weihnachtsmarkt Neuhausen

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hugo Dörle (1859–1926), badischer Oberamtmann
  • Armin Kolb (* 1958), im Ortsteil Hamberg geborener Kunsthandwerker und Künstler

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Bevölkerung nach Nationalität und Geschlecht am 31. Dezember 2020 (CSV-Datei) (Hilfe dazu).
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 582–584
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 490 f.
  4. a b c d Schmidl, Erich: Von Pflugscharen, Wolfsangeln, Brunnen und flatterneden Fähnlein in Gemeindewappen früher und heute, in: Gemeinde Neuhausen: Auf Spurensuche. Band 2, Horb am Neckar 2003, S. 353–355, hier 353.
  5. Schmidl, S. 353 und 355.
  6. Theaterschachtel, Kulturregion Nordschwarzwald, abgerufen am 22. Dezember 2021.
  7. www.theaterschachtel.de, abgerufen am 22. Dezember 2021.
  8. Raible, Catharina/Hauser, Barbara: Kleindenkmale im Enzkreis. Verborgene Schätze entdecken, Ubstadt-Weiher u. a. 2013 (= Der Enzkreis 12), S. 108ff.
  9. Schmidl, Erich: Neuhausen heute, in: Gemeinde Neuhausen: Auf Spurensuche. Band 1, Horb am Neckar 2001, S. 25–28, hier 25f.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rund um St. Wendel – Bilder von früher und heute, Eugen Bogner und Erich Schmidl, Geiger-Verlag, Horb am Neckar, ISBN 3-89570-324-9
  • Auf Spurensuche – Gemeinde Neuhausen Band I, Eugen Bogner und Erich Schmidl, Geiger-Verlag, Horb am Neckar, ISBN 3-89570-759-7
  • Auf Spurensuche – Gemeinde Neuhausen Band II, Eugen Bogner und Erich Schmidl, Geiger-Verlag, Horb am Neckar, ISBN 3-89570-900-X
  • Schnell Kunstführer Nr. 2203: Kirchen der Pfarrei Schellbronn, München 1995, Seite 3–14
  • Kapellenweg – Wegbegleiter zu den Kapellen im Biet, Werner Engelbert, J. S. Klotz Verlagshaus, ISBN 978-3-948424-29-9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Neuhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien