Enrico Dandolo

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„Dandolo-Grosso“, Silbermünze Venedigs aus der Regierungszeit Enrico Dandolos. Der Doge trägt einen Mantel und hält die Prommissio ducale, deren Machtbeschränkungen und Aufgaben er zu beschwören hatte, in der linken Hand, während der Evangelist Markus, der Schutzpatron Venedigs, ihn mit dem gonfalone, dem Banner, in der rechten präsentiert. Der Evangelist selbst hält das Evangelium.[1]

Enrico Dandolo (* um 1107 in Venedig; † 1. Juni 1205[2] in Konstantinopel) ist nach der venezianischen Tradition der 41. der insgesamt 120 Dogen. Dandolo füllte dieses durch zunehmende Machtbeschränkungen gekennzeichnete höchste Staatsamt vom 1. Juni 1192 bis zu seinem Tod aus. Er ist wohl der bekannteste und umstrittenste Doge Venedigs.

Enrico Dandolo, der mit 85 Jahren zum Dogen gewählt wurde, entstammte einer der einflussreichsten Familien der Stadt, die mit den Tiepolo in Konkurrenz um die Führung stand.[3] Er war wohl bis 1172 in Konstantinopel und im östlichen Mittelmeerraum als Händler tätig. Nach der Vertreibung der Venezianer aus der byzantinischen Hauptstadt im Jahr 1171 kehrte er nach Venedig zurück, war aber weiterhin als Händler, darüber hinaus nun auch in diplomatischen Diensten tätig. Umstritten ist seine Rolle bei der Umlenkung des Vierten Kreuzzugs, der sich ursprünglich auf Ägypten und das Heilige Land richtete, nach Zara und Konstantinopel. Denn damit richtete sich ein Kreuzzug erstmals gegen christliche Städte. Gegen päpstlichen Widerstand und nach Tumulten innerhalb des Heeres zogen die verbliebenen Kreuzfahrer nach Konstantinopel, um einen von dort geflohenen Thronprätendenten einzusetzen, doch kam es 1204 zur Plünderung der Stadt und zur Errichtung eines neuen Staates, des Lateinischen Kaiserreichs. Von diesem wurden den Venezianern drei Achtel übertragen. Dandolo ist der einzige Doge, dessen sterbliche Überreste nicht nach Venedig zurückgeholt wurden, sondern in Konstantinopels Hagia Sophia verblieben.

Gemälde von Domenico Tintoretto (um 1600), das Enrico Dandolo darstellt, obwohl es vom Aussehen der Dogen bis zur Renaissance keine Vorstellung gab. Das Textband bezeichnet seine hier allein im Vordergrund stehende Rolle, nämlich die eines Beherrschers eines Viertels und der Hälfte „Imperii Romaniæ“, des als ‚Römerreich‘ benannten, von späteren Historikern hingegen als Byzantinisches Reich bezeichneten Staates, sowie eines genauso großen Teiles seiner Hauptstadt Konstantinopel.

Moderne Geschichtsschreibung überhöhte lange seine Rolle als Flotten- und Heerführer, vereinnahmte ihn als Idealbild für Patriotismus, kriegerischen Expansionsgeist und zugleich der Selbstbescheidung, oder verdammte ihn als rachsüchtigen oder zynischen, in jedem Falle überaus berechnenden und heuchlerischen Verräter an der christlichen Sache,[4] der die Umlenkung gegen Konstantinopel von Anfang an als Racheakt ersonnen hatte, obwohl der Papst die Kreuzfahrer exkommunizierte. Dabei wurden im Laufe der Jahrhunderte immer neue Details hinzugefügt, die vielfach jeder Quellengrundlage entbehren, oder die eine willkürliche Auswahl aus den widersprüchlichen Quellenaussagen darstellen. Die Interpretationen reichen von der Gelegenheit sich für seine in Konstantinopel erlittene Blendung, die nicht belegt ist, zu rächen - dabei traute manch Historiker ihm zu, alle Schritte bis zur Plünderung Konstantinopels über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte geplant zu haben -, bis zu einer Verkettung von Einzelentscheidungen, bei denen der Doge sich nur im Rahmen der venezianischen Verfassungswirklichkeit verhielt und erst im Verlauf des Kreuzzugs zunehmend die Interessen seiner zahlreichen in der byzantinischen Hauptstadt tätigen Landsleute und der sich selbstständig machenden Eroberer verteidigte - wenn es opportun schien, auch gegen die Mutterstadt Venedig (Giorgio Cracco).

Während Deutungsmuster, die eher den Denkgewohnheiten der modernen Historiker und ihrer Epoche entsprachen, und die nur allzu häufig mit den Aussagen der Quellen in Konflikt geraten, in wissenschaftlichen wie populären Werken immer noch kolportiert werden, hat die Quellenkritik ein differenzierteres Bild der Vorgänge zu Tage gebracht. Dandolo wurde dabei stärker in den Rahmen der seinerzeitigen Handlungsmöglichkeiten innerhalb seiner Gesellschaft gestellt. Aber auch die Erzähltraditionen der drei Hauptquellen wurden einbezogen, die stark von französischen und byzantinischen Traditionen beeinflusst sind. Diese sind die französischen Chroniken des Geoffroi de Villehardouin und des Robert de Clari sowie die byzantinische Chronik des Niketas Choniates. Eine Reihe von Einzeldokumenten gestattet es zudem, die außerhalb der erzählenden Hauptquellen äußerst schlecht belegten Taten Dandolos, zu schweigen von seinen Motiven, besser einzuordnen. Dennoch ist die Integration bedeutender und zeitlich näher an den Ereignissen entstandener Dokumente, vor allem von Briefen, die auf scharfe Konflikte innerhalb des Kreuzfahrerheeres, aber auch auf solche zwischen den adligen Führern des Kreuzzugs und den einfachen „Pilgern“ hinweisen, bisher nur partiell gelungen. Diese Konflikte wurden durch die vier Hauptstränge der Überlieferung, die sich aus der politischen Konfliktsituation ableiten lassen - also des byzantinischen, des venezianischen, des päpstlichen und desjenigen der Kreuzfahrer aus dem mittleren und gehobenen Adel -, weitgehend überdeckt. Die legitimierende Geschichtsschreibung der seinerzeitigen Hauptmächte wurde entsprechend den Bedürfnissen und Fragestellungen moderner Historiker vor dem Hintergrund ihrer eigenen Zeitläufte immer wieder umgedeutet, zudem mitunter phantasievoll ergänzt.

Herkunft, Familienzusammenhang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die ersten sechs Lebensjahrzehnte Enrico Dandolos ist kaum etwas bekannt. Sein errechnetes Geburtsjahr geht darauf zurück, dass Marino Sanudo der Jüngere (1466–1536), ein Chronist, der rund drei Jahrhunderte nach Dandolo schrieb, er sei zum Zeitpunkt seiner Wahl zum Dogen, also im Jahr 1192, bereits 85 Jahre alt gewesen.[5] Die zeitlich näheren Quellen bezeichnen den Dogen nur als „senex“ (‚alt‘).

Dieser frappierende Quellenmangel bei einer derartig zentralen Person hängt damit zusammen, dass Enrico Dandolo in einer Epoche lebte, in der die Schrift in Italien zwar bereits in wachsendem Umfang in Gebrauch war, doch die pragmatische Schriftlichkeit war noch im frühesten Stadium ihrer Entwicklung und erst Recht die Techniken der Aufbewahrung und Erschließung, wie generell des Verfügbarmachens von schriftlicher Erinnerung in den Bereichen von Verwaltung, Recht und Wirtschaft noch wenig entwickelt war. Zwar bewahrten zahlreiche kirchliche Einrichtungen, insbesondere Klöster, ihre Bestände auf, doch andere Einrichtungen von geringerer Kontinuität waren hierin weniger erfahren, und ihre Bestände, vor allem Urkunden, wurden vielfach verstreut und vernichtet. Die Kommune befand sich erst am Beginn einer geregelten Schriftlichkeit der staatlichen Organe, die ihrerseits erst im Entstehen waren. Eine solche Schriftlichkeit aus Protokollen und Abstimmungsergebnissen, Berichten und Korrespondenzen, war zwischen und innerhalb der noch geringen Zahl an Instanzen und Gremien auch kaum vonnöten. Erst die enorme gesellschaftliche und politische Reichweite des Vierten Kreuzzugs mit seiner chronikalischen Überlieferung wirft, neben den wenigen älteren Urkunden verschiedener Provenienz, ein wenig Licht auf einen der zentralen Protagonisten des Kreuzzugs, über dessen Motive und Haltungen äußerst wenig als gesichert gelten kann.[6] Dies wiederum hat die historische Phantasie bis in die Gegenwart stark angeregt.

Von der Ca’ Farsetti, seit 1826 das Rathaus Venedigs, auch Palazzo Dandolo Farsetti genannt, wurde lange angenommen sie sei die „Domus magna“ Enrico Dandolos gewesen. Die „kurz vor 1208/09“ entstandene Casa Renier Dandolos[7] wurde nach einem Brand im Jahr 1524 wieder aufgebaut, 1664 von der toskanischen, gerade in den Großen Rat aufgenommenen Familie Farsetti erworben.

Enrico Dandolo entstammte der Familie der Dandolo von San Luca, einer Insel und Pfarrgemeinde, die nach 1172 zum Sestiere San Marco gehörte. Damit war er ein Angehöriger der zwölf angesehensten, einflussreichsten und ältesten Familien Venedigs, der sogenannten „apostolischen“ Familien, zu denen neben den Dandolo die Badoer, Barozzi, Contarini, Falier, Gradenigo, Memmo, Michiel, Morosini, Polani, Sanudo und Tiepolo zählten. Sie erschienen bereits um 727 bei der Wahl des dritten (legendären) Dogen, allerdings zu dieser Zeit noch als Ipato, auf die sich mehrere der ältesten Familien zurückführten.

Weder der Name von Enricos Vater kann als gesichert gelten, noch sind Name und Herkunftsfamilie seiner Mutter bekannt. Vielfach wird als Vater Vitale Dandolo genannt. Bekannt ist nur, dass Enrico Dandolo vor allem im östlichen Mittelmeer lebte, vorrangig in Konstantinopel, der Hauptstadt des byzantinischen Kaiserreiches. Dort besaßen die Venezianer ein großes Händlerquartier am Goldenen Horn. Als die Venezianer dieses Quartier 1171 auf kaiserlichen Befehl schlagartig räumen mussten, wurde Enrico Dandolo, sicherlich aufgrund seiner hervorragenden politischen und sprachlichen Kenntnisse, kurz darauf als Unterhändler an den kaiserlichen Hof geschickt.

Doch sein weiterer Aufstieg hing nicht vorrangig mit seinen persönlichen Fähigkeiten zusammen, sondern vor allem mit der Bedeutung der Dandolo als einer der herausragenden Familien Venedigs. Dabei dürfte sein eigenes Wirken für die Familie höchst förderlich gewesen sein, denn sie stellte allein drei weitere Dogen. Diese waren, nach Enrico, die Dogen Giovanni (1280–1289) - dieser entstammte allerdings nicht dem Zweig von San Luca, sondern dem von San Moisè -, Francesco (1329–1339) und Andrea Dandolo (1343–1354). Letzterer beeinflusste mit einer eigenen Chronik wiederum das Bild seines Vorfahren in stärkstem Maße. Zwei Frauen der Familie waren zudem mit Dogen verheiratet, was gleichfalls immer wieder für persönlichen Einfluss und öffentliche Wahrnehmung sorgte. Diese beiden Frauen waren Giovanna Dandolo, von der das einzige Porträt einer Dogaressa des Mittelalters und der Renaissance überliefert ist,[8] und die Dogaressa von 1457 bis 1462 war, da sie mit Pasquale Malipiero verheiratet war, und Zilia Dandolo Priuli (1556–1559, † 1566), die Lorenzo Priuli ehelichte. 1557 hat die ungemein vermögende Arte dei Beccai, die Metzgerzunft, einen Triumphbogen auf der Piazzetta bei San Marco für ihren Einzug errichtet.[9] Doch in diesen höchsten Staatsämtern spiegelte sich nur die Spitze des Aufstiegs, der durch Enricos Dogenamt weiter gefördert wurde. Sein Sohn war Ranieri Dandolo, der den Dogen von 1202 bis 1205 als Vizedoge in Venedig vertrat († 1209), seine Enkelin Anna Dandolo war mit dem serbischen König Stefan Nemanjić verheiratet. Ihr Sohn Stefan Uroš I. wiederum war von 1243 bis 1276 König von Ungarn.

Auch unterhalb dieser Ebene war die Familie bereits zu Enricos Zeiten von weit reichendem Einfluss. Sein Onkel, der ebenfalls Enrico hieß, war Patriarch von Grado († 1182). Schon vor Enrico erschienen auf der oberen, aber auch auf der mittleren Machtebene Angehörige der Dandolo. So war ein Domenico Dandolo 1131 iudex; ein Vitale nahm diesen Rang 1144, 1156, 1161–1162 und 1164–1166 ein, ein Andrea in den Jahren 1173, 1175, 1181 und 1187, ein Gratone 1170. Andere Angehörige der weitverzweigten Familie gehörten zum engen Kreis der Ratgeber des Dogen, den consiliarii. Sehr häufig erscheint in Urkunden des Dogen ein Giovanni, dann ein Marco, ein Leonardo usw. Dabei ist es in einigen Fällen nicht möglich zu entscheiden, ob es sich um ein und dieselbe Person handelte, da viele der Dandolo den gleichen Namen trugen, was selbst Historiker gelegentlich zu falschen Schlussfolgerungen verleitet hat.

Als „weltlicher Patriarch“ der Dandolo di San Luca galt Vitale (neben dem besagten älteren Enrico als „kirchlicher Patriarch“), der gleichfalls als Gesandter in Konstantinopel tätig war. Doch verschwindet er 1175 aus den Quellen, ohne dass klar ist, wer seinen Großklan nun weiterführte. Möglicherweise übernahm diese Rolle Andrea Dandolo, der ab 1173 mehrfach als iudex erscheint. Dies mag ein Grund sein, warum es zur nicht näher belegbaren Annahme kam, Vitale sei Enricos Vater gewesen.[10] Ein Giovanni, der sich als „filius quondam Vitalis“ bezeichnete, erscheint wiederum nie als iudex. Dies gilt auch für Enrico Dandolo selbst, der diese Stellung nie einnahm. unter Sebastiano Ziani vielleicht ab 1173 einnahm.[11]

Als gesichert gilt bezüglich der Verwandtschaftsverhältnisse Folgendes: Der ältere Enrico, Vitale, Pietro, sehr wahrscheinlich auch ein Bono, waren Brüder, vielleicht Söhne von Domenico; Marco und Giovanni waren Neffen des Patriarchen Enrico; Andrea und Enrico Dandolo waren wiederum Brüder. Vielleicht waren diese Brüder ihrerseits Söhne von Pietro, Bono oder Vitale.

Der Doge Enrico und sein Bruder Andrea erscheinen mehrfach gemeinsam. Enrico nennt seinen Bruder, dem er Vollmacht verleiht, sogar „dilectus frater meus“ (‚mein geliebter Bruder‘).[12] Andrea blieb in seiner Umgebung, auch nachdem Enrico 1192 Doge geworden war.

In Konstantinopel lebten wiederum andere Angehörige des großen Dandolo-Klans, wie ein Gratone oder ein Marco, der dort ein Haus besaß. In dieser Metropole, der größten Stadt des Mittelmeerraums, Afrikas und Europas, hielt sich Enrico Dandolo vielleicht über Jahrzehnte auf, was erklären könnte, warum er in Venedig erst sehr spät in den Quellen erscheint. Zwar nennen ihn auch byzantinische Quellen nicht, doch befassten sich die dortigen Chronisten sowieso nur wenig mit den Verhältnissen in den italienischen Händlerkolonien ihrer Hauptstadt, die sich am Goldenen Horn ballten. Die wichtigsten Quartiere waren dabei diejenigen der Venezianer, der Genuesen und der Pisaner.

Selbst der engste Familienkreis gibt Rätsel auf, wie schon die Frage nach dem Vater gezeigt hat. Doch gilt dies ebenso für die Frage seines Familienstandes und die nach seinen Kindern. Antonio Carile schrieb im 1986 erschienenen 3. Band des Lexikons des Mittelalters lapidar, Dandolo sei in erster Ehe mit „Felicita“, einer Tochter des Prokuratoren von San Marco Pietro Bembo verheiratet gewesen, in zweiter mit Contessa, die möglicherweise zur Familie der Minotto gehörte. Aus diesen Ehen seien vier Söhne hervorgegangen, nämlich Marino, Ranieri, Vitale und Fantino.[13] Auch Alvise Loredan war fünf Jahre vor Carile in seinem Werk I Dandolo von denselben vier Söhnen und den besagten zwei Ehen ausgegangen.[14]

Eine Reihe von Annahmen über diese Verwandtschaftsverhältnisse, wie etwa die, Enrico Dandolo habe zwei Mal geheiratet, gilt als dubios. So ließ Antonino Lombardo 1982 Zweifel an einer ersten Ehe mit besagter „Felicita“ anklingen.[15] Als gesichert kann nur gelten, wie Andrea Da Mosto 1983 schrieb, dass Enrico Dandolo spätestens 1183 mit Contessa verheiratet war, wie ein Dokument aus dem Konvent San Zaccaria belegt.[16]

Auch die Ansicht, die zuerst Karl Hopf vertreten hat, Marino sei ein Sohn Enricos gewesen, geht, wie Raymond-Joseph Loenertz konstatierte, auf eine Verwechslung mit einem Träger des gleichen Namens zurück.[17] Gesichert ist die Existenz der übrigen Söhne, wenn auch bei einem von ihnen unklar ist, ob er ein Sohn Enricos war. Ranieri vertrat seinen Vater Enrico während des Kreuzzuges in Venedig als Vizedoge. Fantino soll lateinischer Patriarch im von den Kreuzfahrern 1204 neu geschaffenen Lateinischen Kaiserreich geworden sein, was Heinrich Kretschmayr wiederum bestreitet.[18] Doch Vitale, der die venezianische Flotte vor Konstantinopel kommandierte, war „womöglich ein Sohn seines Bruders Andrea“, also Enricos Neffe, wie Karl-Hartmann Necker annimmt.[19] Vitale war zudem einer der zwölf Wähler, die 1204 den Kaiser des Lateinerreiches bestimmen sollten.[20]

Es bleiben also zwei gesicherte Söhne, nämlich Ranieri und Fantino, ein Sohn oder Neffe, nämlich Vitale, und nur eine gesicherte Ehe, wohingegen Marcello Brusegan noch 2006 die besagten beiden Ehen und vier Söhne anführt, darüber hinaus eine Tochter, deren Namen er nicht nennt, die aber Bonifaz von Montferrat geheiratet haben soll,[21] eine der Hauptfiguren des Vierten Kreuzzuges. Diesen Irrtum, der auf Sanudo zurückgeht, hatte Kretschmayr bereits 1905 mit den Worten abgetan, dass die Ansicht, es habe „eine Tochter [...], deren Gemahl Bonifacio von Montferrat gewesen sei“ gegeben „gewiß auch nicht richtig“ sei.[22]

Gesandter, Rechtszeuge, Dogenwähler, Händler (1172–1183/84)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kaiser Manuel Komnenos mit seiner zweiten Frau Maria von Antiochia

Erstmals erscheint Enrico Dandolo 1172 in den Quellen. In diesem Jahr ging er zusammen mit einem Filippo Greco († 1175) als Gesandter nach Konstantinopel.[23] Die beiden Männer sollten mit Kaiser Manuel Komnenos (1143–1180) verhandeln, der am 12. März 1171 alle Venezianer Konstantinopels hatte verhaften lassen. Sie waren darüber hinaus aus dem Reich verwiesen worden, aller Handelsprivilegien beraubt, ihr Besitz konfisziert. Venedig hatte daraufhin eine Flotte in die Ägäis entsandt, der es jedoch nicht gelungen war, Manuel zum Einlenken zu zwingen. Dies war für Venedig, das vor allem seit 1082 eine privilegierte Stellung in Byzanz eingenommen hatte, die so weit ging, dass sie die wirtschaftliche und politische Selbstständigkeit des Kaiserreichs zu unterhöhlen drohte, eine ökonomische Katastrophe. Das Händlerquartier am Goldenen Horn war aufgehoben worden. Bei schweren Unruhen in Venedig kam schließlich sogar der Doge Vitale II. Michiel ums Leben.

Kurz nach seiner offenbar erfolglosen diplomatischen Mission in Konstantinopel erschien Dandolo bei König Wilhelm II. von Sizilien, einem der einflussreichsten Gegner Kaiser Manuels. Am 1. Dezember 1172 befand sich Enrico Dandolo in Verona, zu einem Zeitpunkt, als der Doge Vitale Michiel II., der ihn ausgesandt hatte, bereits ermordet worden war. Dort erschien Dandolo als Zeuge in einer Urkunde für Leonardo Michiel, den Sohn des Ermordeten.

Dandolo war jedoch nicht nur als Gesandter tätig, sondern er verfolgte weiterhin die Geschäfte seiner Familie. So hielt er sich im September 1174 im ägyptischen Alexandria auf, wo er für seinen Bruder Andrea die Rückzahlung eines sogenannten prestito marittimo betrieb, eines Handelskredits für Seehandelsunternehmen, den dieser vier Jahre zuvor an den Fernhändler Romano Mairano vergeben hatte.[24] Im April 1178 befand er sich wieder in Venedig. Dort erscheint er unter den vierzig Wählern des neuen Dogen Orio Mastropiero (Doge bis zu seiner Abdankung im Juni 1192). 1184 hielt sich Dandolo erneut in Konstantinopel als Gesandter auf, zusammen mit Domenico Sanuto.

Doch irgendwann zwischen 1178 und 1183 muss er sich aus allen Handelsgeschäften zurückgezogen haben. So gab er im September 1183 seinem Bruder Andrea zusammen mit seiner Frau Contessa (deren Herkunft nicht bekannt ist, sie stammte vielleicht aus der Familie Minotto[25]) sowie Filippo Falier von San Tomà Generalvollmacht, sich um alle seine Geschäfte zu kümmern, „sicut egomet facere deberem“.[26] Warum er dies ‚tun musste‘, wie es heißt, entzieht sich unserer Kenntnis, aber vielleicht konnte er zu diesem Zeitpunkt bereits keine der im Handelsbereich kaum mehr zu umgehenden Papiere mehr verfassen und lesen.

Erblindung (wohl zwischen 1178 und 1183), Verhältnis zu Byzanz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Tatsache, dass Enrico Dandolo bei der Wahl zum Dogen bereits sehr betagt war, kreiste die historische Phantasie vor allem um die Frage der Erblindung. Der Legende zufolge soll Kaiser Manuel 1172 befohlen haben, den venezianischen Unterhändler Enrico Dandolo zu blenden, eine Methode, mit der man ja seit langem kaiserliche Thronprätendenten amtsunfähig machte. Zu den Opfern zählten in dieser Zeit etwa Kaiser Alexios V. und Isaak II. im Jahr 1204. Wie Geoffrey de Villehardouin[27] berichtet, habe er, obwohl Dondolos Augen normal gewirkt hätten, nicht die Hand vor Augen sehen können, weil er seine Sehkraft nach einer Kopfwunde verloren habe. Dandolo selbst habe seine Blindheit durch einen Schlag gegen den Kopf erklärt. Bereits nach der Eroberung Konstantinopels waren erstmals Gerüchte umgelaufen, Kaiser Manuel habe Enrico Dandolo während der Gesandtschaftsreise von 1172 blenden lassen. Deswegen habe Dandolo Rache geschworen, und die Gelegenheit, diese zu verwirklichen kam nach dieser Darstellung nach vier Jahrzehnten geduldigen Wartens mit dem Vierten Kreuzzug.

Doch noch im Jahr 1176 konnte er sehen, wie Donald E. Queller und Thomas F. Madden 1999 konstatierten, so dass diese Legende eher als willkommener Anlass zu deuten sei, den finsteren Charakter des Dogen und damit Venedigs zu untermauern, und so eine Art persönliche Vendetta zu imaginieren.[28] Heinrich Kretschmayr wies diese Auffassung 1905 ab: „Daſs in dieser Gesandtschaft Enrico Dandolo durch heimtückische Vorkehrungen Kaiser Manuels ganz oder nahezu des Augenlichts beraubt worden sei, ist doch recht zweifelhaft; ebensogut mag er die Sehkraft durch Krankheit oder Verwundung eingebüßt haben.“[29] Schon Henry Simonsfeld schrieb drei Jahrzehnte zuvor von einem „bekannten, vielfach angezweifelten Vorgang“.[30]

Das Nuovo Dizionario istorico von 1796 weiß hingegen, dass der Unterhändler „50 Jahre zuvor“ (demnach im Jahr 1154) mit einer erhitzten Bronzeklinge oder -platte, die der „perfide“ Kaiser Manuel vor seinen Augen habe entlangziehen lassen, geblendet worden sei, was keinerlei äußere Spuren einer Verletzung hinterlassen habe.[31] Auch Friedrich von Hurter schrieb 1833, Dandolo sei 1172 oder 1173 nach Konstantinopel entsandt worden, wo der Kaiser „ihn nemlich, seiner unbeugsamen Beharrlichkeit wegen, durch eine glühende Platte, die er ihm vor die Augen zu halten befahl blenden“ ließ.[32]

Sicher ist nur, dass Dandolo blind war. Diese Tatsache bezeugt Niketas Choniates, ein zeitgenössischer byzantinischer Chronist, ebenso, wie besagter Gottfried von Villehardouin, der ihn bereits in Venedig traf. Bei dieser Gelegenheit sagte Dandolo (in den Worten Gottfrieds) bei einer Ansprache vor dem Markusdom nur von sich: „Et je sui vialz hom et febles, et avroie mestier de repos“ („ich bin ein alter Mann und schwach und ich bräuchte Ruhe“).

Es bleibt also weiterhin unklar, seit wann Dandolo blind und ob er vollständig blind war. Die Dandolo selbst pflegten später die Legende von der Blendung durch den feindseligen byzantinischen Kaiser, und ließen sie im Rahmen der Staatsgeschichtsschreibung immer wieder erzählen. Der Chronist und Doge Andrea Dandolo[33] meint, er sei „aliqualiter obtenebratus“ während der Gesandtschaft nach Konstantinopel von 1172, da er es gewagt habe „pro salute patriae“, den Kaiser zu erzürnen. Während seine Vorlage, die in den 1320er Jahren entstandene, in Tabellenform gestaltete Chronologia Magna[34] des Paulinus Minorita, auch Paolino Veneto genannt († 1344), festhält, Enrico Dandolo sei „corpore debilis“, änderte Andrea Dandolo, der ansonsten Paulinus wortwörtlich übernimmt, dies in „visu debilis“.[35] Daran hängten sich spätere Anekdoten, etwa von Sanuto, er habe bei einer Gesandtschaft des Jahres 1191 in Ferrara vorgetäuscht, sehr wohl noch sehen zu können.

Dem Erblindungsdatum 1172 widerspricht, dass er noch zwei Jahre später in Geschäften in Alexandria war, wo er eine Unterschrift leistete, die überhaupt das älteste erhaltene Autograph Dandolos darstellte. Dabei betonte er, eigenhändig geschrieben zu haben: „ego Henricus Dandolo manu mea subscripsi“. Seine Signatur ist dabei klar und leserlich,[36] während sie in einem Dokument vom Oktober 1176, in dem sein „Ego Henricus Dand[ul]o iudex manu mea subscripsi“ unmittelbar der des Dogen folgt, bereits starke Unsicherheit aufweist, wie sie für Blinde typisch ist. So konnte er wohl beim Anfügen der Buchstabenreihe die Zeile immer weniger halten, so dass die Hand Buchstabe für Buchstabe bogenförmig abwärts fiel. Thomas F. Madden glaubt darin die Bestätigung zu finden, dass Dandolo durch einen Schlag gegen den Kopf eine Form der Rindenblindheit erlitt.[37] Wahrscheinlich war er auch bei der Dogenwahl von 1178 noch nicht erblindet. Doch im September 1183 leistete er keine eigenhändige „firma“ mehr, sondern es heißt dort nur noch „Signum suprascripti Henrici Dandolo qui hoc rogavit fieri“ - er hatte also schon jemanden bitten müssen, an seiner Stelle zu signieren. Später ließ er auch als Doge in dieser Art und Weise abzeichnen, so am 16. August 1192 mit „Signum suprascripti Domini Henrici Danduli, Dei gratia ducis, qui hoc fieri rogavit“ oder im September 1198 mit „Signum manus suprascripti domini ducis, qui hoc fieri rogavit“. Wahrscheinlich verlor er sein Augenlicht, entweder durch Krankheit oder Gewalt, zwischen 1178 und 1183.

Die Frage, ob Dandolo vollständig erblindet war, beschäftigte schon Friedrich von Hurter, wenn auch nur in einer Anmerkung: „Daß er ganz erblindet gewesen seye, sagen zwar Villehardouin und Günther; hingegen die venetianischen Chronisten [...], er habe ein sehr schwaches Gesicht gehabt. Visu debilis und wieder visu aliqualiter obtenebratus, sagt Dandulo; Sanutus III, IX f.: a Graecis abacinatus, quasi visum amisit“.[38] Zu dem Schluss, Dandolo sei womöglich gar nicht vollständig blind gewesen, kam bereits Friedrich Buchholz in der von Karl Ludwig von Woltmann herausgegebenen Zeitschrift Geschichte und Politik von 1805[39]; allerdings meint er, dass die Blendung durch eine „Eisenplatte“ geschehen sei[40].

Der Frage der Erblindung wäre nicht so viel Aufmerksamkeit gewidmet worden, wenn sie nicht immer wieder zum Ausgangspunkt für Dandolos Haltung zu den Byzantinern gemacht worden wäre, ja, zum eigentlichen Antrieb für seine so späte politische Betätigung im höchsten Amt Venedigs. Vielfach wurde nämlich behauptet, Dandolo habe die Byzantiner gehasst,[41] doch lässt sich dies in den Quellen gleichfalls nicht belegen.

In jedem Falle schienen sich die Folgen der Katastrophe von 1171 nach und nach zu relativieren. So gab Kaiser Manuel I. 1179 Gefangene und Güter frei. Nach dem Massaker von 1182 in Konstantinopel, bei dem Tausende von Lateinern ums Leben kamen, unter denen diesmal aber kaum Venezianer waren, weil diese gar nicht in der Stadt waren, entließ Kaiser Andronikos drei Jahre später alle verbliebenen Gefangenen, stellte das venezianische Quartier wieder her und versprach Wiedergutmachung. Doch wurde er noch im selben Jahr gestürzt. Venedig, das mit größtem Misstrauen den Versuch der Normannen Süditaliens, Byzanz zu erobern verfolgte, was seine Handelsfreiheit über die Adria bedroht hätte, versuchte eine Wiederannäherung an Konstantinopel. Im Februar 1187 kam es zu einem regulären Vertragsabschluss zwischen dem Kaiserreich und Venedig, der erste Vertrag, der jeder Fiktion eines Privilegs entbehrte und als erstes Abkommen zwischen Konstantinopel und Venedig gilt, das unter Gleichen abgeschlossen wurde. Sowohl Venedig als auch Byzanz hatten bis dahin die Fiktion aufrechterhalten, Venedig sei immer noch ein Teil des Kaiserreiches. Isaak II. weitete 1192 sogar die Vorrechte der Venezianer auf das gesamte Reich aus. Als dieser Kaiser 1195 ebenfalls gestürzt wurde, war dies für Venedig eine Hiobsbotschaft, denn der neue Kaiser Alexios III. entzog der Lagunenstadt erneut ihre Privilegien und spielte Pisa gegen Venedig aus.

Der von Enrico Dandolo ausgehandelte Kompromiss, mit dem man in Venedig unzufrieden war, wurde schließlich doch akzeptiert, da sich durch die Ehe Heinrichs VI. mit der Erbin des Normannenreiches Konstanze von Sizilien eine völlig veränderte, für die Adriapolitik Venedigs bedrohliche Situation abzeichnete. Der Staufer und Erbe des Normannenreiches Heinrich VI. bereitete einen Kreuzzug nach Osten vor, an dem die Normannen Süditaliens im Rahmen des staufisch-normannischen Reiches teilnehmen sollten, dieselben Normannen, die 1185 vergeblich versucht hatten, Byzanz zu erobern. Durch die neue Machtkonstellation schien es den Venezianern dringend angeraten, mit Byzanz zu einer Friedensvereinbarung zu kommen. Enrico Dandolo erhielt, obwohl Heinrich im Vorjahr gestorben war und damit der Kreuzzug nie stattfand, 1198 ein neues Chrysobullon, in dem der Kaiser Venedigs Vorrechte abermals zusicherte. Als das Kreuzfahrerheer sich 1203 entschloss, den Thronprätendenten zu unterstützen, dachte vermutlich immer noch niemand an eine gewaltsame Eroberung der Metropole, am wenigsten die Venezianer, für die zu viel auf dem Spiel stand. Der angebliche Hass Dandolos auf die Byzantiner, der immer wieder hinter dem ebenso imaginierten frühen Eroberungsplan steckt, glauben Donald Queller und Thomas Madden, passt in keiner Weise zu seinem Lebenslauf.[42]

Ansiedlung in Venedig, Wahl zum Dogen (1192)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tatsache, dass Enrico Dandolo als etwa 85 Jahre alter Mann und schon seit geraumer Zeit erblindet, zur Dogenwahl antrat und diese gewann, obwohl er zwar als iudex am Hof des Dogen Sebastiano Ziani, jedoch nie als consiliarius oder sapiens genannt wird, und, sieht man von privaten Dokumenten ab, außerhalb seiner drei Gesandtschaften auf dem öffentlichen Parkett nur kurze Zeit existierte, erregt seit jeher größtes Erstaunen. Er war aber physisch und intellektuell immer noch außergewöhnlich leistungsfähig. Er war äußerst gut vernetzt und besaß überaus gute Kenntnisse in Bezug auf den östlichen Mittelmeerraum und wohl auch Süditalien. Dies war zur Zeit seiner Wahl von erheblicher Bedeutung, denn auf beiden Seiten der Adria befanden sich Staaten, die den Handelsinteressen Venedigs durch Sperrung dieser Haupthandelsstraße gefährlich werden konnten.

Nach Venedig zurückgekehrt, übernahm Dandolo 1185 in S. Cipriano die zuvor von Vitale ausgefüllte Rechtsvertretung, was dafür sprechen könnte, dass Enrico die Führung des Dandolo-Klans übernommen hatte. Als die Kommune 1187 Anleihen auflegte, um sich bei den Vermögenden Geld zu beschaffen, war Enrico Dandolo der einzige, der darauf aus dem Dandolo-Klan reagierte. Er legte die beachtliche Summe von 150 libra (grossorum) ein, was 36.000 denari grossi entsprach, „dicken Denaren“. Diese standen zu den tatsächlich umlaufenden denari piccoli, den „kleinen Denaren“ des alltäglichen Warenverkehrs, in einem Wertverhältnis von etwa 1:26. Dennoch hielt ihn die (fortschreitende) Erblindung davon ab, einen regulären cursus honorum nachzuholen. So erschien er nie im Kleinen oder Großen Rat. Er betätigte sich aber weiterhin als Gesandter und ging in dieser Funktion 1191 nach Ferrara.

Als am 14. Juni 1192 der Doge Orio Mastropiero abdankte, wurde Enrico Dandolo zu seinem Nachfolger gewählt. Über die Gründe seiner Wahl ist seit jeher spekuliert worden. Venedig war keineswegs von einer homogenen Gruppe von Fernhändlerfammilien dominiert, sondern es bestanden seit Jahrhunderten Rivalitäten zwischen den großen Klans und ihrer Klientel, Adligen, die bei Abstimmungen ausschlaggebend sein konnten. So gab es die pro-byzantinischen Familien und diejenigen, die sich stärker auf das fränkische, später das römisch-deutsche Reich stützten. Es bekämpften sich Interessengruppen, die über die noch wenigen Ämter, vor allem aber über die wachsenden Ratsgremien versuchten, Einfluss auszuüben. Dabei war das Dogenamt mit seinem enormen Prestige und seiner außenpolitischen Wirkmacht von zentraler Bedeutung, aber auch dadurch, dass der Doge im Kleinen wie im Großen Rat einige Vorrechte besaß und darüber hinaus stets gut informiert war. Dabei versuchten diejenigen Familien, die den Staat kontrollierten, dem Dogen, der ja einer anderen Familie entstammte, möglichst wenig inneren Einfluss zu belassen und jede Art von Autokratie fernzuhalten. Die Einschränkungen seiner Macht flossen in die beeidete und öffentliche Promissio ein, die jeder Doge zu leisten hatte, und die mit jeder Neuwahl umfangreicher wurde. Diese wenig autokratische Stellung in der Verfassungswirklichkeit Venedigs steht in krassem Gegensatz zur späteren Historiographie, in der der Anschein erweckt wird, der Doge herrsche unumschränkt.

Mit Blick auf das Ansehen und das Vermögen wäre 1192 Pietro Ziani, Sohn des ehemaligen Dogen Sebastiano (1172–1178), der machtvollste Kandidat gewesen, doch war er durch Anleihen und deren Verzinsung, durch Vorfinanzierung und Beteiligung an Fernhandelsunternehmungen - mithin durch anderer Leute Arbeit und Risiken - zu seinem exorbitanten Reichtum gelangt, was ihm zahlreiche Feinde schuf, und was Misstrauen und Furcht weckte. Andererseits waren die Händlerfamilien, die in Byzanz von Schikanen und Misshandlungen, von Enteignungen und Verbannung aus dem Handel insgesamt schwer getroffen worden waren, an einem starken Regiment interessiert.

So konnte der inzwischen überaus alte Enrico Dandolo als geeigneter Kandidat auftreten, denn er kannte sich im Osten aus, sprach sicherlich Griechisch, war selbst zwar Finanzier, aber auch aktiver Fernhändler. Zudem war er nicht so übermächtig wie Pietro Ziani. So wurde er zum Kandidaten der Händler. Für die mächtigsten Familien war er gleichfalls ein geeigneter Kandidat, denn ein alter und blinder Doge würde sich wohl kaum königsgleiche Rechte anmaßen können - zudem war er angesichts seines hohen Alters sowieso nur eine kurzfristige Lösung.

In der ältesten überlieferten Promissio musste Dandolo denn beschwören, die Gesetze und Beschlüsse der obersten Ratsgremien zu befolgen, ohne sie eigenwillig zu interpretieren, und zwar nur mit Einverständnis des Kleinen Rates und der Mehrheit des Großen Rates. Er sollte nur für die Ehre und im Interesse der Vaterstadt handeln und sich weder in die Angelegenheiten des Patriarchen von Grado noch der Bischöfe in der Lagune von Venedig einmischen. Auch durfte er keinen direkten Kontakt mit fremden Herren aufnehmen. Schließlich musste er auf eigene Kosten zehn „bewaffnete“ Schiffe ausstatten (der Begriff „navis armata“ bezog sich dabei auf eine Mindestbesatzung, die später bei 60 Mann lag).

Vierter Kreuzzug, Separatismus und Tod (1202–1205)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angriff der Kreuzfahrer auf Konstantinopel, dargestellt in einer Handschrift der Chronik Villehardouins, Anonymus, um 1330, Bodleian MS. Laud Misc. 587 fol. 1r. In Kleidern und mit Waffen des 14. Jahrhunderts greifen links Soldaten in Schiffen, rechts Berittene die als Dreieck stark vereinfacht dargestellte Stadt an.

Aus den ersten zehn Jahren von Dandolos Regentschaft ist kaum etwas bekannt. Dies änderte sich, als die Führer eines Kreuzzuges beschlossen, nicht die schwierige Route durch den Balkan und Anatolien ins heilige Land zu nehmen, sondern per Schiff dorthin zu fahren. Für das Jahr 1202 planten Kreuzfahrer vor allem aus Frankreich, eine Streitmacht aufzustellen, die aus 4.500 Reitern mit ihren Pferden, 9.000 Schildträgern und 20.000 Infanteristen bestehen sollte. Venedigs Arsenal sollte eine Flotte auflegen, um die über 33.000 Mann starke Armee nach Ägypten zu bringen, wo der muslimische Herrscher über das Heilige Land sein Kerngebiet hatte.

Für jeden Reiter und jedes Pferd verlangte Venedig 4 Silbermark, pro Schildträger und Infanteristen 2 Mark. Insgesamt handelte es sich um die Summe von 94.000 Mark Silber.[43] Gegen eine Zusage über 85.000 Silbermark verpflichtete sich Venedig, etwa 200 Transportschiffe zur Verfügung zu stellen, dazu Lebensmittel für ein Jahr, darüber hinaus eine Flotte von 50 bewaffneten Begleitschiffen mit einer Besatzung von 6.000 Mann für die Dauer eines Jahres. Dafür sollte Venedig die Hälfte aller zukünftigen Eroberungen zustehen. Am Ende einigte man sich auf 84.000 Kölner Mark, was etwas über dem ansonsten bei ähnlichen Unternehmen um 1200 Üblichen lag, aber die venezianische Flotte von 50 Schiffen einschloss. Außergewöhnlich war nur der Anspruch auf die Hälfte der Beute, nicht der Landeroberungen.[44] Die Summe sollte bis April 1202 in vier Raten aufgebracht werden, die Flotte am 29. Juni zum Auslaufen bereitstehen.

Doch 1202 strandeten die Kreuzfahrer, die die Attraktivität des Unternehmens deutlich überschätzt und nur 10.000 Mann zusammengebracht hatten, in Venedig. Sie waren nicht in der Lage, die von der Kommune angemieteten und dort gebauten, technisch neuartigen Schiffe zu bezahlen, da sich weit weniger Truppen als erwartet hatten anwerben lassen. Die Kreuzfahrer erwarteten nun vom Dogen, dass er für den nächsten Tag den Kleinen Rat einberufe, doch musste er sie auf drei Tage vertrösten, denn er konnte das Gremium nicht einfach herbeizitieren. Offenbar schätzten die Kreuzfahrer die Machtstellung Dandolos in Venedig falsch ein. Als das Gremium sich schließlich versammelte, forderten die Boten Schiffe und Männer für einen neuen Kreuzzug. Nachdem weitere acht Tage verstrichen waren, diktierte Dandolo die Bedingungen, die im Kleinen Rat ausgehandelt worden waren. Nur dann, wenn ein entsprechender Vertrag zustande komme, könne er dem Großen Rat und dem Concio, den die Venezianer Arengo nannten, eine Art Versammlung des Volkes, vorgelegt werden. Nach einer weiteren Beratungsfrist konnte Dandolo dem zu dieser Zeit noch vierzigköpfigen Großen Rat einen Entwurf vorlegen und dessen Zustimmung erlangen. Daraufhin erst kamen im Markusdom 10.000 Männer, der besagte Arengo, zusammen, die gleichfalls ihre Zustimmung kundtaten. Enrico Dandolo war bis dahin keineswegs die treibende Kraft, wie vielfach behauptet wurde, sondern er waltete nur seines Amtes als Überbringer und als Bearbeiter einer Abstimmungsvorlage. Das entscheidende Machtgremium war zunächst der Kleine, dann der Große Rat, schließlich der Arengo.

In der Frage, ob Enrico Dandolo seine theatralische Kreuznahme inszeniert habe, um den Arengo zur Zustimmung zu bewegen, oder ob dies ein vergleichsweise gewöhnlicher Akt individueller religiöser Inbrunst in einer zutiefst religiösen Epoche war, kam es zu widersprüchlichen Deutungen. Während die meisten Historiker annahmen, Dandolos Macht sei zu dieser Zeit so unumschränkt gewesen, dass er einen solch manipulativen Akt nicht nötig gehabt haben könne, glaubt Giorgio Cracco, es sei gerade die noch immer bestehende Dominanz der Ratsgremien und vor allem der Volksversammlung in fundamentalen Fragen gewesen, die Dandolo dazu gezwungen habe, die Venezianer insgesamt zu überzeugen. Zeitweise nahm er sogar an, die gesamte Szene sei eine Erfindung des Chronisten Villehardouin gewesen. Donald Queller und Thomas Madden glauben hingegen, dass der Arengo längst seine Bedeutung verloren habe und daher dessen Zustimmung eher von symbolischer Bedeutung gewesen sei. Dandolo brauchte demnach keine Zustimmung des „Volkes“.[45]

Eine ausführliche Beschreibung des Vorgangs bieten die Geschichtsschreiber des Kreuzzuges, wie Geoffroy de Villehardouin. Wie die Arbeiten von Peter M. Schon[46] sowie Jeanette M. A. Beer[47] oder Gérard Jacquin[48] zeigten, ist bei der Art der oratio recta, die Villehardouin bietet, vor allem aber bei ihrer Deutung unter dem Aspekt historischer Rekonstruktion, Vorsicht geboten. Zu stark ist der Einfluss der Chansons de gestes mit ihrer Personalisierung aller historischen Vorgänge, der Konzentration von Motiven in Redeform, der pathetischen Konzentration in Form von die Phantasie beflügelnden Inszenierungen. Auch liefert der häufig präzise Villehardouin lakonische Verkürzungen und vorrangig die essentiellen Botschaften, die er einzelne Personen sagen lässt. Dabei verzichtet Villehardouin allerdings im fortschreitenden Werk rapide auf die besagte oratio, womit Dandolo, der ja für die Anfangsphase des Kreuzzugs eine zentrale Rolle wahrnimmt, ein Gewicht im Drama erhält, das überaus hoch war. Seine Bedeutung wurde dadurch gerade im Anfang des Werkes besonders aufgeladen und er wirkte dadurch geradezu allzuständig.

Zu Zeiten Tintorettos zählte die Eroberung Zaras im Jahr 1202 zu denjenigen Taten, die eine Verewigung im Dogenpalast verdient hatten. Sie diente nicht der Darstellung eines historischen Vorgangs, sondern der Staatspropaganda mit ihrer streng kontrollierten Geschichtsschreibung an einem zentralen Ort der Machtausübung.

Nachdem jedenfalls die Anwesenden, Venezianer wie Kreuzfahrer, Dandolo enthusiastisch als Führer akzeptiert hätten, habe er 1202 das Kreuz genommen. Auch dies eine Szene, die sich vor dem Hintergrund des Markusdoms in historischen Darstellungen späterer Epochen wiederfindet, wie sich überhaupt die Historienmalerei später äußerst pathetisch einiger zentraler Szenen der beiden französischen Chronisten Robert de Clari und Geoffroy de Villehardouin angenommen hat.

Im Sommer 1202 drohte das Unternehmen also daran zu scheitern, dass es den Kreuzfahrern nicht gelang, die geforderte Summe aufzubringen. Dem Chronisten und Kreuzzugsteilnehmer Gottfried von Villehardouin zufolge griff Enrico Dandolo hier zum ersten Mal ein, indem er vorschlug, die Rückeroberung des aufständischen Zara als Kompensation für einen Teil der ausstehenden Summen zu fordern, obwohl sich Zara dem ungarischen König unterstellt hatte, der selbst das Kreuz genommen hatte. Bei der Stundung, die Dandolo vorschlug, handelte es sich um 34.000 Silbermark. Zugleich beanspruchte er, der einzige zu sein, der in der Lage war, die Armee zu führen. Auch der Angriff auf Zara liegt in der historischen Tradition Venedigs, das versuchte, die Adria zu sichern - in diesem Falle gegen den König von Ungarn, der Dalmatien besetzt hatte.

Doch ist es fraglich, ob die Forderung Dandolos nach Führung des Kreuzfahrerheeres den Vorgang wahrheitsgetreu widerspiegelt. Denn nur die Ratsgremien, die Consilia, waren befugt, derlei Entscheidungen über Verträge und militärische Aufgaben zu treffen, wie Cracco einwendet. Der Doge durfte laut Promissio keineswegs unmittelbar Verhandlungen führen oder gar eigenmächtig aufnehmen - jedenfalls nicht in Venedig. Villehardouin wollte mit der Entschlossenheit des alten und blinden Mannes vielleicht nur ein Gegenbild zur Unentschlossenheit eines Kreuzfahrerheeres liefern, das bereits im Kampf gegen die schleichende Auflösung stand, denn viele suchten inzwischen andere Wege ins Heilige Land. Dies korrespondiert gut mit der Tatsache, dass Dandolo, den Villehardouin persönlich schätzte, später zwar als kluger Berater in der französischen Chronik auftritt, jedoch niemals als eine Art Condottiere, wie es vielfach später dargestellt wurde. Bezeichnend ist hier Umberto Gozzano, der 1941 sein Werk mit „Enrico Dandolo. Geschichte eines neunzigjährigen Condottiere“ betitelte.[49] Dandolo glänzte eher durch Weitblick. Klug riet ihnen der Doge davon ab, sich Nahrungsmittel vom nahen Festland zu beschaffen, um stattdessen einige Inseln aufzusuchen, so dass sich das große Heer nicht sukzessive verstricken und verlieren oder gar in die Hände von Feinden geraten konnte. Villehardouin zeichnete jedoch nicht nur ein tatendurstiges Gegenbild, sondern er war es darüber hinaus gewohnt, die Taten einer Gruppe ihrem Anführer zuzuschreiben, so dass der Eindruck entstand, Dandolo stecke hinter allem.

Historiengemälde von Gustave Doré (1832–1883), das Kaiser Alexios V. (5. Februar bis 13. April 1204) und Enrico Dandolo darstellt. Stark romantisierende Darstellungen dieser Art erfreuten sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit, sind aber nur Indikatoren derjenigen Vorstellungen, die sich Dorés Zeitgenossen vom Mittelalter machten.

Ganz anders präsentierte der zweite bedeutende Chronist des Kreuzzuges, Robert de Clari, den Dogen, dessen Tod der Autor nicht einmal erwähnt, während er in den Augen Villehardouins ein großes Unglück darstellte. Robert betrachtet das Geschehen, das Gottfried aus dem Blickwinkel des hohen Adels schildert, aus dem des einfachen Kreuzfahrers. Auch für ihn war der Doge „molt preudons“: So ließ er Wasser und Nahrung für die Kreuzfahrer herbeischaffen, während die Regierung sie hatte darben lassen, um sie unter Druck zu setzen. Doch für den Chronisten waren weder Dandolo noch die Gremien die wahren Unterstützer, sondern die Venezianer insgesamt. Für ihn war das Abkommen ein solches zwischen „tout li pelerin e li Venicien“, also zwischen „allen Pilgern und den Venezianern“, ebenso wie der Angriff auf Zara. Für Robert de Clari war Dandolo zwar ein großer Redner, doch als der von den Kreuzfahrern eingesetzte Kaiser in Konstantinopel nicht parierte, ermahnte Dandolo ihn zunächst in friedlichem Ton, um ihn, als er seine Forderungen ablehnte, in wachsender Wut anzuschreien: „nous t'avons gete de le merde et en le merde te remeterons“ („Wir haben dich aus der Scheiße geholt, und wir werden dich wieder in die Scheiße zurückbringen“).[50] Dies schrie er allerdings von seiner Galeere aus, zwischen Soldaten und Räten stehend, und drei weitere Galeeren schützten ihn. Das Vorkämpfertum, das Dandolo spätere Geschichtsschreibung zuwies, ist bei Robert de Clari nicht zu erkennen - genauso wenig wie Altersweisheit.

Der dritte Chronist des Kreuzzugs, Niketas Choniates, stand Venedig insgesamt misstrauisch gegenüber. Er stammte aus gehobenem Milieu in Phrygien, dem die Masse immer zerstörerisch, barbarisch und gesichtslos erschien. Ab 1182 war er Steuerbeamter in Paphlagonien, er stieg sogar bis zum Statthalter auf. 1197 bis 1204 hatte er mit dem Logothetes ton Sekreton den höchsten zivilen Posten im Reich inne.[51] 1207 schloss er sich dem Hof von Theodor Laskaris in Nikaia an, einem der Reiche, die aus der Zerschlagung des Kaiserreichs durch die Kreuzfahrer 1204 hervorgegangen war, und dem 1261 die Rückgewinnung der Hauptstadt gelingen sollte. Dort starb Choniates zehn Jahre später verbittert, und ohne seine gesellschaftliche Stellung zurückgewonnen zu haben. In 21 Büchern beschreibt er die Zeit von 1118 bis 1206. Niketas beschreibt die Persönlichkeiten der Kreuzfahrer recht nuanciert. Er glaubte, der gesamte Vierte Kreuzzug sei eine bösartige Intrige der Lateiner, allen voran des Dogen. Für ihn war Dandolo äußerst hinterlistig und voller Neid auf die „Römer“, die seine Nation schon seit Kaiser Manuel so schlecht behandelt hätten.[52]

Zara wurde tatsächlich nach kurzer Belagerung am 15. November 1202 erobert, nachdem die Flotte am 10. Oktober ausgelaufen war. Der Papst exkommunizierte daraufhin die Kreuzzügler. Kurz danach traf Alexios Angelos, Sohn des gestürzten byzantinischen Kaisers Isaak II., in der Stadt ein, in der das Heer überwintert hatte. Dandolo persönlich entschuldigte diese Anweisung zur Überwinterung in einem Brief an Papst Innozenz III., in dem er auf die Winterstürme verwies, die den Kreuzzug insgesamt gefährdet hätten. Alexios überzeugte die Anführer der Kreuzfahrer, Konstantinopel zu belagern, um so auf den Thron zu gelangen. Dafür versprach er gewaltige Kompensationen. Zwar kam es unter den Kreuzfahrern zu Auseinandersetzungen, und einige verließen den Kreuzzug, doch die Mehrheit ließ sich durch die Kompensationen und die in ihren Augen legitimen Ansprüche des Thronprätendenten dazu bewegen, Richtung Konstantinopel zu ziehen. Die Hauptstadt fiel zwar zunächst im Juli 1203 an die Kreuzfahrer und den Thronprätendenten, doch dieser war nicht in der Lage, die versprochenen Summen aufzubringen. Für Carile und für viele andere war Enrico Dandolo „geistiger Urheber“ des Planes, die Stadt nun zu erobern und ein eigenes Reich zu errichten, das später das Lateinische Kaiserreich genannt wurde. Die Stadt fiel am 12. April 1204 ein zweites Mal in die Hand der Kreuzfahrer, die die immer noch reiche Stadt nun ausplünderten.

Die Unmöglichkeit, jeden Winkelzug vorauszuberechnen, wie es in der späteren Geschichtsschreibung immer wieder angenommen wurde, erwies sich bei der Präsentation des jungen Alexios vor den Seemauern Konstantinopels. Offenbar glaubte nicht nur Alexios, das Volk werde sich auf seine Seite stellen, sondern auch Dandolo war dieser Überzeugung. Auch er glaubte, dies würde genügen, um die Byzantiner zum Sturz des Usurpators zu bewegen. Doch es geschah das Gegenteil: Die Bevölkerung, die sich auf den Mauern versammelt hatte, erging sich in Pfeifen, Johlen und Lachen. Als sich die Galeeren den Mauern näherten, wurden sie mit einem Regen von Geschossen empfangen.[53]

Karte mit den Nachfolgereichen des Byzantinerreiches nach dem Vierten Kreuzzug

Im Verlauf des Kreuzzugs zeigte sich mit Blick auf die Venezianer an beiden Enden ihres langgestreckten Seereiches eine für Venedig bisher unbekannte, äußerst bedrohliche Entwicklung. Der Kontakt zwischen denjenigen Venezianern, die am Ende Konstantinopel eroberten, und der Heimatstadt wurde immer dünner. Es scheint fast so, als hätten von 1202 bis 1205 zwei Venedigs existiert (Giorgio Cracco), die am Ende völlig unabhängig voneinander agierten. Das eine hatte seinen Kern um Rialto, das andere um das Goldene Horn, wo zeitweise vielleicht 50.000 italienische Händler gelebt hatten. So konnte sich auf den alten Dandolo die Begeisterung für die Eroberung eines Imperiums projizieren, als die Stoßrichtung sich auf Konstantinopel geändert hatte, was selbst die Exkommunikation durch den Papst nicht zu verhindern mochte, die schon Zara nicht hatte retten können. Gleichzeitig operierten die späteren Herren über drei Achtel („eines Viertels und der Hälfte“) des eroberten Byzantinerreiches so, als existierte das ferne Venedig nicht mehr. Die Venezianer des 1204 errichteten Lateinischen Kaiserreiches agierten zudem auch gegen die Interessen der Heimatstadt.

Folgerichtig wählten die Venezianer Konstantinopels nach dem Tod Dandolos kurzerhand einen der ihren, nämlich Marino Zeno, zum potestas, despotis et dominator Romanie, ohne auch nur den Rat Venedigs einzuholen. Die Mitstreiter Enrico Dandolos, allen voran seine Verwandten Marco Sanudo, Marino Dandolo oder die Navigaioso beeilten sich, eigene Territorien zu erobern. Sie neigten deutlich zur Sezession und dachten nicht daran, ihre Territorien Venedig zu unterstellen.

Die Kommune ihrerseits verfolgte wie eh und je vornehmlich Handelsinteressen, nahm Eroberungen nur punktuell vor. Gegenüber Papst Innozenz III. hatte eine Delegation noch 1198 erklärt, Venedig „non agricolturis inservit, sed navigiis potius et mercimoniis est intenta“, interessiere sich also nicht für Landbau, sondern für Schiffe und Waren. Infolge des weit reichenden Interessengegensatzes zwischen angehenden Feudalherren und der Heimatstadt wurde die Stadt Venedig in keinem der Verträge auch nur erwähnt. Erst später erfolgten Interpolationen, die nun auch von einem „pars domini Ducis et Communis Venetie“ berichteten. Tatsächlich wollten die Venezianer „feuda et honorificentias“ „de heredem in heredem“, also ihr frei vererbliches lehnsrechtliches Erbe, und dies ausschließlich unter Leistung des Homagiums gegenüber dem Lateinischen Kaiser.[54]

Grabstein für Enrico Dandolo auf der Südgalerie der Hagia Sophia. Dandolos Gebeine sollen 1453 verstreut worden sein, als aus der Kirche eine Moschee wurde.[55] Die Platte könnte ein Werk des 19. Jahrhunderts sein.[56]

Dandolo trug den Titel eines separaten Herrn, weit weg von Venedig, und so passt es ins Bild, dass er nach seinem Tod in der Hagia Sophia beigesetzt wurde, nachdem er noch 1205 an einer erfolglosen Expedition gegen die Bulgaren teilgenommen hatte. Nach Venedig gelangte alles Erdenkliche: Marmor und Porphyr, exotische Tiere, Kunstwerke und vor allem zahllose Reliquien. Aber die Urne Dandolos blieb in Konstantinopel. Seine Asche soll von Mehmet II., der Konstantinopel 1453 eroberte, verstreut worden sein, die Inschrift ließ er möglicherweise bestehen.[57]

Venedig sah sich gezwungen, viele der Gebiete, die die Separatisten bereits erobert hatten, zurückzuverlangen. Ranieri Dandolo, der Vizedoge, schickte Boten nach Konstantinopel, um die dortigen Venezianer dazu zu bewegen, ihren Anteil am Kaiserreich zurückzugeben. Die Wahl Pietro Zianis zum Dogen signalisierte, dass Venedig erneut in einer Krise steckte, und nun eine starke, auf die Mutterstadt Venedig ausgerichtete Führung brauchte. Ranieri Dandolo wurde ausgeschickt, um für die Kommune Inseln zu erobern, die von Venezianern beherrscht wurden. Er starb während eines Feldzugs auf Kreta im Jahr 1209.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Büste Dandolos im Panteon Veneto des Istituto Veneto di Scienze, Lettere ed Arti am Campo Santo Stefano, Palazzo Loredan; 57 x 40 x 28 cm. Das Werk entstand vor 1847 durch Antonio Bianchi (1812–1898)[58]

Das Bild, das selbst Villehardouin nur kurz aufscheinen lässt, nämlich das eines alle Prozesse steuernden und beherrschenden Condottiere, hat sich vor allem in Italien, aber auch in der angelsächsischen, französischen und deutschsprachigen Geschichtsschreibung[59] lange Zeit, vielfach bis heute etabliert. So wurde er zum Ideal eines unerschrockenen und heldenhaften Eroberertypus', wie bei Camillo Manfroni, bei dem er höchstpersönlich eine Pisaner Flotte vor Pula vertrieb und sie in einer Schlacht in der Adria besiegte. 1204 eroberte er nach kurzer Belagerung Konstantinopels einen Abschnitt der Mauer, was für einen Umsturz in der Stadt, die Flucht Alexios' III. und die Wiedereinsetzung des vertriebenen Kaisers Isaak sorgte. Noch 1205 unternahm er mit beinahe 100 Jahren eine Expedition gegen die Bulgaren, und sorgte nach der Niederlage dafür, dass die Lateiner durch seine „Energie“, seine „Besonnenheit“ und seine „Fähigkeit“ gerettet wurden. Ähnliches gilt für das 365 Seiten starke Werk des Ettore Bravetta (1862–1932), das 1929 erschien und 1950 noch einmal aufgelegt wurde.[60] Bravetta, ab 1923 Admiral, befasste sich ansonsten mit Artillerietechnik, aber auch mit der Mittelmeerpolitik.

Im guten wie im schlechten traute man Dandolo alles zu, und suchte dennoch nach rationalen Motiven und Zielen. Schon Karl Hopf (1832–1873) glaubte, Enrico Dandolo habe den Kreuzzug von Anfang an von Ägypten ablenken und gegen Konstantinopel führen wollen, denn in Alexandria hätte Venedig gerade erst einen Handelsvertrag abgeschlossen, und von daher kein Interesse an einer Eroberung Ägyptens gehabt. Allerdings wurde seine These verworfen, als sich herausstellte, dass der Vertrag mit Ägypten nicht von 1202 stammte, wie Hopf angenommen hatte, sondern erst in den Jahren zwischen 1208 und 1212 ausgehandelt worden war.[61] Dennoch war spätestens seit der Enciclopedia italiana e dizionario della conversazione von 1841 Enrico Dandolo die „anima della crociata latina“, die „Seele des lateinischen Kreuzzugs“.[62]

Im deutschen Sprachraum trug vor allem die Prägnanz Heinrich Kretschmayrs, des seinerzeit besten Kenners der venezianischen Quellen, der sich aber auch immer wieder von seinem eigenen Redeschwung davontragen ließ, zur Anerkennung eines negativen Charakterbildes bei: „Hochmütig und voll heiſser Ruhmbegierde, galt ihm kein würdigeres Ziel seiner Taten als Abrechnung mit den Romäern und Rache für die schmachvollen Gewaltakte der Kaiser Manuel und Andronikos. Vergeltung an Griechenland wurde ihm ein Leitwort und sollte auch das von Venedig werden. In der Verfolgung seiner Ziele ohne Rücksicht und Gewissen; wortkarg und verschlossen, ein ‚vir decretus‘, kein geschwätziger Alter; ohne Maſs im Zorn.“ Aber er war nach Kretschmayr auch „Wunderbar scharfblickend, ein Meister der großen und kleinen politischen Manövrierkkunst“.[63]

Auch der gleichsam allgegenwärtige Doge, der auf allen Gebieten alles selbst regelte, war lange ein gängiges Muster. So wurde ihm die Entscheidung zur Prägung des Dandolo-Grosso im Wertverhältnis von 1:26 zum Denar persönlich zugeschrieben,[64] wo er sie nur in der Chronik des Andrea Dandolo „decrevit“.[65] Was man sich genau darunter vorzustellen hat, geht aus diesem Begriff nicht hervor, zumal die Chronik die Neigung hat, jede politische Aktivität der Kommune dem Dogen zuzuschreiben. Da wo die Chronik explizit die persönliche Initiative des Dogen meint, wie im Fall der Übernahme der Führung des Kreuzfahrerheeres, heißt es präzise: „Dux, licet senex corpore, animo tamen magnanimus, ad exequendum hoc, personaliter se obtulit, et eius pia disposicio a concione laudatur“.[66] Der Doge verlangte also persönlich das Kommando und er wurde dafür von der Volksversammlung gelobt.

Analog zur Münzprägung hatte Dandolo auch auf dem Gebiet der Gesetzgebung eine Art Allgegenwart, wenn er etwa die Promissio de maleficiis des Orio Mastropietro revidierte, oder einen Normenkorpus herausgeben ließ, das sogenannte Parvum Statutum.[67] Obwohl er dies in seiner eigenen, von ihm beeideten Promissio verneinte, schloss er nach dieser Vorstellung persönlich Verträge mit Verona und Treviso (1192), mit Pisa (1196), mit dem Patriarchen von Aquileia (1200) und sogar mit dem König von Armenien und dem römisch-deutschen Kaiser (beide 1201).

Hätte Dandolo nur gewollt, so wäre er Kaiser des Lateinischen Kaiserreiches geworden, doch „begnügte“ er sich mit dem, was er bereits für das Vaterland geleistet hatte. Manche gingen so weit zu behaupten, Dandolo habe von Anfang geplant, die Kreuzfahrer in die Schuldenfalle zu locken, um sie dann zwingen zu können, für ihn Zara und dann Konstantinopel zu erobern.[68] John H. Pryor widersprach dieser Behauptung mit dem Argument, die 50 Kriegsgaleeren, die den Kreuzzug begleiten sollten, wären nur dann sinnvoll gewesen, wenn man es mit einer gegnerischen Flotte zu tun habe, wie etwa der ägyptischen, nicht jedoch mit einem Staat wie Byzanz, das praktisch keine Flotte mehr besaß.[69]

Dandolo agierte im Rahmen der Welt, in der er lebte. Er war als Doge blind und alt, wahrscheinlich gebrechlich. Aber er hat unter diesen Vorgaben seine Möglichkeiten sicherlich genutzt, wie Cracco konstatiert.

Dabei sind in der Deutung des Kreuzzugs und der Beurteilung der Hauptakteure, zu denen Dandolo und die anderen Führer des Kreuzzugs schon zu Lebzeiten gemacht wurden, mehrere Überlieferungstraditionen zu unterscheiden. Die venezianische Überlieferung mit ihrem apologetischen Charakter, ihrer starken Betonung der Leistungen des Adels, ihrer Negierung einer mächtigen Volksversammlung, setzt in diesem Prozess sehr spät ein. Dabei schweigt die älteste venezianische Quelle, die Historia Ducum weitgehend über Enrico Dandolo, nur seine „probitas“ wird hervorgehoben. Ansonsten war er, wie alle Dogen, zu loben. Der Verfasser der Historia Ducum, der Dandolo vielleicht noch persönlich kannte und aus dem Gedächtnis die politischen Vorgänge niederschreiben konnte, zeichnet ein recht farbloses Bild. Nach ihm war er „senex discretissimus, generosus, largus et benivolus“. Dabei können alle diese Charakterisierungsansätze als Topoi gelten, mit denen man üblicherweise Dogen beschrieb, bis auf „senex“ (alt). Nur im Moment seines Todes nennt der Verfasser seine „maxima probitas“. Im Gegensatz zu Dandolos Nachfolger Pietro Ziani, von dem er ein äußerst tätiges Bild zeichnet, bleibt Dandolo seltsam inaktiv, wie Cracco vermerkt. Als schwerwiegender erwies sich, dass der erste Herausgeber der Chronik, Henry Simonsfeld, den fehlenden Teil der Jahre 1177 bis 1203 mit Hilfe eines Auszugs aus der Venetiarum Historia auffüllte, die erst im 14. Jahrhundert entstanden ist. Zwar übernahm sie viele Passagen aus der Historia ducum, wie Guillaume Saint-Guillain herausarbeitete, aber es stammten auch Passagen aus anderen Chroniken, und einiges wurde wohl vom Verfasser ergänzt.[70] Dazu zählen die verhältnismäßig genauen Angaben zur Zahl der Kreuzzügler und der der Schiffe. Martino da Canale, die nächste venezianische Chronik (Les esoires de Venise), entstand wohl zwischen 1267 und 1275. Sie stilisiert Enrico Dandolo zum treuen Helfer des Papstes, zum Streiter für die Sache des Christentums. So wie der Doge sich gegenüber Innozenz III. dargestellt hatte, so tat dies der Chronist. Auch verschwiegen beide mögliche materielle Interessen.

Als eine Art Fortsetzung der Chronik Villehardouins, allerdings möglicherweise nach einer Überarbeitung aus venezianischer Hand, kann das Chronicon Moreae verstanden werden, das um die Mitte der 1320er Jahre entstand. Der Verfasser schildert Enrico Dandolo überaus positiv und überbietet darin noch Villehardouin, mit dem das Chronicon gemeinsam hat, dass es in den Deserteuren des Kreuzzugs die Hauptschuldigen für die Notlage der Kreuzfahrer und der daraus folgenden Ereignisse sieht. Dies verdeutlicht noch einmal die Bedeutung der Tatsache, dass es keine zeitgenössische venezianische Schilderung der Ereignisse um Enrico Dandolo gibt. Allein dieses Schweigen wurde später als Vertuschung gedeutet, erst Recht die einseitigen Positionierungen späterer Chroniken aus dem Umkreis Venedigs, deren Rechtfertigungsstrategie sich jedoch änderte. Dandolo selbst rechtfertigte sein Tun gegenüber dem Papst nur lapidar mit den Worten: „quicquid fecimus, ad honorem Dei et sanctae Romanae Ecclesiae et vestrum laboravimus“. Er habe also alle seine Taten im Interesse Gottes und der Kirche unternommen.

Spätere Historiker zeichneten häufig das Bild eines Enrico Dandolo, der loyal gegenüber Venedig blieb und auf den ihm angetragenen Kaisertitel „verzichtete“, oder der von einer Verlegung der Hauptstadt von Venedig an den Bosporus träumte. Hingegen schreibt Villehardouin, dass sich viele erhofften Kaiser zu werden, doch vor allem waren dies Balduin von Flandern und Hennegau sowie Bonifatius von Montferrat. Dandolo wird hier gar nicht erwähnt. Robert de Clari meint, Dandolo habe die Barone nur eingeladen, ihn zu wählen („se on m'eslit a empereur“). Danach forderte er sie auf, ihre Wahlmänner zu bestimmen, er werde seine bestimmen. Er bestimmte demnach „des plus preusdomes que il cuidoit en se tere“, die nach venezianischer Art wiederum weitere zehn Elektoren bestimmten. Die schließlich verbleibenden zehn venezianischen und zehn lateinischen Elektoren wählten am Ende dieses Prozesses einstimmig Balduin von Flandern. Dandolo wurde also nicht einmal in Erwägung gezogen, auch nicht von den Venezianern, die immerhin die Hälfte der Elektoren stellten. Niketas, der behauptet, Dandolo habe, nachdem ihm deutlich geworden war, dass er als Kandidat wegen seines Alters und seiner Blindheit nicht in Frage komme, die Stimmen auf den schwachen Balduin gelenkt. Dieser Interpretation wurde wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Alle drei Chroniken lassen also einen Verzicht Dandolos nicht erkennen.

Historiengemälde von Jean Le Clerc aus dem Jahr 1621, das Dandolo beim Werben für den Kreuzzug darstellt

Dass die venezianische Staatspropaganda ihn später gegenüber der Öffentlichkeit, also insbesondere in Aufführungen und Gemälden, als Heroen im Kampf gegen ein, je nach Wahl, chaotischen, zerfallenden, „krankenden“ (Simonsfeld), doppelzüngigen oder hinterlistigen Staat darstellte, lässt sich vielfach belegen. Schon die Chronik Andrea Dandolos aus dem 14. Jahrhundert tut dies.

1573 versuchte der Senat vergeblich, eine Handschrift herauszugeben, die Francesco Contarini in Konstantinopel erstanden hatte, und die von einem „Joffroi de Villehardouin“ stammte.[71] Auch feierte Palma il Giovane den Sieg vor Konstantinopel um 1587, ein Gemälde, das heute in der Sala del Maggior Consiglio, dem Saal des Großen Rates, im Dogenpalast hängt. Während diese Haltung jedoch ihre Ursache im Kampf um die Dominanz im Mittelmeer hatte - Venedig und Spanien hatten 1571 bei Lepanto die osmanische Flotte besiegt, jedoch Zypern an die Osmanen verloren -, kamen später andere Interessen hinzu. Paolo Rannusio (1532–1600), der präzise der „Wiedereinsetzung der Komnenen“ durch Venezianer und Franken, nicht dem Vierten Kreuzzug, sein 1604 gedrucktes Werk Della guerra di Costantinopoli per la restitutione de gl'imperatori Comneni fatta da' sig. Venetiani et Francesi, l'anno 1204 widmete, zeichnet bereits ein geschlossenes, heldenhaftes, geradliniges Bild Dandolos, dessen Rechtfertigung in der Wiedereinsetzung des legitimen Thronerben lag.[72] Deutlich sachlicher und lakonischer schreibt bereits 1581 Francesco Sansovino (1512–1586): Dandolo „fece il notabile acquisto della città di Costantinopoli, occupato poco prima di Marzuflo, che lo tolse ad Alessio suo legitimo signore“, habe also die bemerkenswerte Erwerbung der Stadt Konstantinopel gemacht, die von ‚Murtzuphlos‘, also Alexios V., okkupiert worden war, der sie seinen legitimen Herrn Alexios IV. genommen habe.[73] Auch in der Dichtung des 17. Jahrhunderts avancierte Dandolo zu einem übermenschlichen Helden, wie etwa bei Lucretia Marinella (1571–1653) in ihrem 1635 bei Gherardo Imberti in Venedig erschienenen, dem Dogen Francesco Erizzo und der Republik Venedig gewidmeten und 1844 erneut aufgelegten L’Enrico ovvero Bisanzio acquistato.[74]

In der Zeit nach dem Ende der Republik Venedig im Jahr 1797 veränderte sich der Blick auf Enrico Dandolo. Henry Simonsfeld meint 1876 zu Enrico Dandolo: „Wer hätte nicht von diesem Manne gehört, der - eine der denkwürdigsten Gestalten des ganzen Mittelalters - hochbetagt, aber wunderbar frischen, feurigen Geistes, an der Spitze der Kreuzfahrer hinzieht über das Meer und die Hauptstadt des krankenden Ostreiches im Sturme nimmt? Ist auch das Dunkel, das über den Motiven dieses Zuges schwebt, noch nicht völlig gelichtet: unbestritten ist, dass gerade von ihm recht eigentlich die Grösse, die Weltstellung Venedigs datirt.“[75] Pietro Orsi, der erste faschistische Bürgermeister von Venedig, ließ 1927 eine Tafel mit der Inschrift „Venetiarum inclito Duci Henrico Dandolo in hoc mirifico templo sepulto MCCV eius patriae haud immemores cives“ anbringen.[76]

Bei den meisten jüngeren Darstellungen dominiert ein Fragenkatalog, der sich bei Enrico Dandolo um Macht und Moral dreht, um die weltpolitischen Folgen, die für die Zeitgenossen gar nicht absehbar waren, und die Vorstellungen, die sich die Zeitgenossen von den komplexen politischen Verhältnissen in Venedig und Byzanz machen, in populären und romanhaften Darstellungen.[77]

Versuche, die Motive der Handelnden zu ermitteln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Raimbaut de Vaqueiras in einer Abschrift des 13. Jahrhunderts aus Italien,[78] Pergament, Bibliothèque nationale de France, ms. 854, f. 75v

Unter den spezifischen Bedingungen der Quellenproduktion und -überlieferung ist es ungemein problematisch, Motive der Akteure, in diesem Falle Enrico Dandolos ergründen zu wollen: „Bestimmend für die spezifische Wahl der unterstellten Handlungsgründe scheint [...] vor allem die persönliche Intuition und das empathische Einfühlungsvermögen des jeweiligen Historikers zu sein“ (Timo Gimbel).[79] Um den Beweggründen näher zu kommen, nahm Gimbel in seiner 2014 vorgelegten Dissertation eine Quellengewichtung vor, d. h. es wurde den zeitnahen Aussagen sehr viel höheres Gewicht beigemessen, als denjenigen, die den Ausgang des Kreuzzuges bereits kannten und einen Teil ihrer Folgen ermessen konnten, oder aber zeitlich zu weit von den Ereignissen entfernt lagen. Andere Quellen kommen deshalb kaum in Frage, weil sie allzu offenkundig parteiisch vor allem die Diffamierung des jeweiligen Gegners, oder aber die Rechtfertigung des Näherstehenden zum Ziel hatten. Dabei standen neben den genannten Chronisten die möglicherweise neutraleren Regesten Innozenz' III., sowie ein Brief von Hugo von St. Pol im Mittelpunkt, ähnlich wie das Enkomion des Nikephoros Chrysoberges, schließlich die Werke des Minnesängers Raimbaut de Vaqueiras und die Gesta Innocentii[80].

Bei den Regesten des Papstes Innozenz handelt es sich um offiziöse briefliche Korrespondenzen, in unserem Falle sind dabei die Reg. VII/202, 352.11-354 für Dandolo von Bedeutung.[81] Allerdings führt ihr offiziöser Charakter dazu, dass eher Erklärungen oder Rechtfertigungen des eigenen Verhaltens vor dem Hintergrund des zunehmenden Kontrollverlustes des Papstes über den Kreuzzug erscheinen. Der anonyme Verfasser der Gesta Innocentii, einer Art päpstlichen Biographie, die zwischen 1204 und 1209 entstand, überliefert auch Briefe, die in den Regesten nicht enthalten sind, doch liefert auch dieses Werk im Wesentlichen die offizielle Sichtweise der Kurie auf die Ereignisse zwischen 1198 und 1209. Der Verfasser folgt der Linie des Papstes, der hinter der Ablenkung des Kreuzzugs eine Intrige der Venezianer sah, die schon vielfach der päpstlichen Autorität zuwidergehandelt hätten.[82]

Der Brief des Hugo von St. Pol, der von Konstantinopel in drei Versionen in den Westen ging, wurde nach dem 18. Juli 1203 abgeschickt, also nach der ersten Einnahme Konstantinopels. Dabei ging eine Version an den Erzbischof von Köln, und ist in den Annales maximi Colonienses überliefert. Eine zweite, widersprüchliche Fassung ist nur in einer Edition des 18. Jahrhunderts erhalten geblieben, und kann kaum zur Rekonstruktion der Vorgänge um 1200 verwendet werden. Die dritte Fassung ging an einen Vasallen Hugos mit Namen „R. de Balues“. Rudolf Pokorny glaubt das Namenskürzel „R“ mit Robin und damit mit Robin de Bailleul auflösen zu können.[83] Sie ist von großem Detailreichtum und persönlichen Charakters. In dieser Fassung sind die Aussagen über die Motive der Hauptakteure des Kreuzzuges für die Zeit zwischen der Landung auf Korfu und der ersten Besetzung Konstantinopels von größter Bedeutung. Robert de Clari diente unter Pierre d' Amiens, der wiederum dem Gefolge Hugos de St. Pol zuzurechnen ist. Hugo berichtet, dass nach der Ankunft des Thronprätendenten auf Korfu nur wenig mehr als 20 Männer auf Durchführung des Planes drängten, nach Konstantinopel zu ziehen, darunter die Führer des Kreuzzugs. Hugo berichtet, dass „super hoc autem fuit inter nos maxima dissensio et ingens tumultus“.[84] Doch das Drängen der Führer des Kreuzzugs und die Versprechen Alexios' für Nahrung und für 10.000 Männer zur Befreiung Jerusalems zu sorgen, dazu jährlich 500 Mann und 200.000 Silbermark des Dogen, stimmten die Männer nach der äußersten Meinungsverschiedenheit und dem sich anschließenden Tumult um, die schließlich kaum andere Möglichkeiten sahen, ins Heilige Land zu kommen.

Aus ähnlichem Blickwinkel wie Robert de Clari und der Verfasser des Briefes an R[obin] de Balues berichtet der gleichfalls unbekannte Verfasser der recht zeitnah verfassten Devastatio Constantinopolitana. Er verficht gleichfalls den Blickwinkel einfacher Leute, jedoch ist er sehr knapp. Der Verfasser stammt wahrscheinlich aus dem Rheinland und kritisiert vorrangig die Führer des Kreuzzugs. Dabei ist er den Venezianern gegenüber eher feindlich eingestellt, wie gegenüber allen Reichen, die die pauperes Christi (die Armen Christ) in seinen Augen verraten hatten. Nach ihm war der ganze Kreuzzug eine einzige Kette von Verrat. Dabei trieb die Raffgier der Venezianer die Lebensmittelpreise in die Höhe, sie waren es, die die Gelegenheit zur Unterwerfung ihrer adriatischen Nachbarn ausnutzten. Allein bei der Eroberung Zaras seien hundert Kreuzfahrer und Venezianer gestorben. Mehrere Tausend Kreuzfahrer hätten danach das Heer verlassen. Auch nach Alexios' Eintreffen schworen die Armen, niemals gegen Griechenland zu ziehen. Bei der Verteilung der Beute erhielt am Ende noch ungerechterweise jeder Ritter 20 Mark, jeder Kleriker 10, jeder Fußsoldat 5 Mark.[85]

Kaum beachtet wurden die beiden Gedichte des Minnesängers Raimbaut de Vaqueiras, geboren in der südfranzösischen Grafschaft Orange. Er stammte aus dem Niederadel und begegnete Anfang der 1180er Jahre Bonifaz von Montferrat in Oberitalien, mit dem er sich anfreundete. Von 1193 bis zu Bonifaz' Tod im Jahr 1207 begleitete ihn der Sänger ununterbrochen. Bonifaz erhob Raimbaut sogar zum Ritter, nachdem ihm dieser das Leben gerettet hatte. Im Juni oder Juli 1204 verfasste der Sänger sein Luyric Poem XX, das als einzige lateinische Quelle über Plünderung und Zerstörung von Kirchen und Palästen berichtet. Dadurch hätten die Kreuzfahrer nach Auffassung des Sängers Schuld auf sich geladen. In seinem zweiten Gedicht erhält man ungewöhnliche Einblicke in den Zwiespalt, in den der Kreuzzug den Verfasser und andere Kreuzzügler stürzte, die durch die Zerstörungen zu großen Sündern geworden seien: „Q'el e nos em tuig pecchador / Dels mostiers ars e dels palais“.[86]

Diese wenig beachteten Quellen erweisen, dass die frühe Überlieferung vor allem von der Frage dominiert war, ob es zu rechtfertigen sei, einen Kreuzzug gegen christliche Städte umzulenken. Dies beeinflusste, in Verbindung mit der hierin eindeutigen Auffassung des Papstes, die spätere Darstellung auf das stärkste, so dass Schuldzuweisungen und Legitimationsbedürfnisse in den Vordergrund traten, die zugleich die enormen sozialen Spannungen in den Hintergrund drängten, die schon vor Zara den Kreuzzug zu sprengen drohten. Dabei wurden entsprechend den wechselnden Zeitläuften und politischen Ausrichtungen verschiedene Rechtfertigungen gesucht. Im Augenblick des Geschehens dominierten gesellschaftliche Gegensätze mit ihrer Sprengkraft, die sich nach Auffassung der zeitgenössischen Autoren in völlig gegensätzlichen Vorstellungen von den Zielen des Krieges und der Rolle der Kreuzfahrer niederschlugen.

Dass die Sprengkraft, vor allem wenn sie durch die ablehnende Haltung des Papstes noch gesteigert wurde, den Kreuzzug nach Zara auch noch gegen Konstantinopel umzulenken, enorm war, erweist eine gleichfalls wenig beachtete Quelle. Sie geht auf den sogenannten Anonymus von Soissons zurück, dem wiederum unmittelbare Berichte eines der frühesten Kreuzzugsteilnehmer zur Verfügung standen, nämlich von Nivelon de Chérisy (* um 1176; † 13. September 1207), dem Bischof von Soissons. Bis 1992 lag der Bericht nur in einer schwer aufzufindenden Edition vor.[87] Nivelon de Chérisy, der bereits an der Jahreswende 1199 auf 1200 das Kreuz genommen hatte, kehrte am 27. Juni 1205 mit bedeutenden Reliquien, wie dem Haupt des Täufers und Teilen des Kreuzes, an dem Jesus hingerichtet worden war, vom Kreuzzug zurück, um Verstärkung an den Bosporus zu bringen und danach mit diesen Männern Richtung Osten aufzubrechen. Doch er erreichte sein Ziel nicht, denn er kam in Apulien ums Leben. Die Quelle muss zwischen seiner Rückkehr und seinem erneuten Aufbruch 1207 abgefasst worden sein. Nivelon war dabei eine der zentralen Figuren des Kreuzzuges. Er heftete das Kreuz auf die Schulter von Bonifaz von Montferrat, er verband als Emissär das Kreuzfahrerheer vor Zara mit der Kurie. In Rom erhielt er mündliche Anweisung, den Kreuzzug auf keinen Fall erneut, eben gegen Konstantinopel umzuleiten. Doch Nivelon konspirierte mit den Kreuzzugsführern und verhinderte so, dass die übrigen Kreuzfahrer von der päpstlichen Ablehnung erfuhren. Am 11. April, als die Armee vor Konstantinopel stand, predigten er und andere Kleriker, es sei rechtmäßig, gegen die schismatischen und verräterischen Griechen zu kämpfen. Sein Schiff, die Paradis, war eines der beiden Schiffe, die als erste die Seemauern der Stadt erreichten. Nivelon zählte auch zu den zwölf lateinischen Kaiserwählern; er war der Verkünder des Wahlergebnisses. 1205 wurde er lateinischer Erzbischof von Thessaloniki.

Neben der Tatsache, dass der Anonymus das Verschweigen des päpstlichen Verbotes durch Dandolo und die anderen Kreuzzugsführer aufführt, weist der Titel des Werkes darauf hin, worum es dem Verfasser wirklich ging: Über das Land von Jerusalem und auf welche Weise aus der Stadt Konstantinopel in diese Kirche die Reliquien herbeigebracht wurden.[88] In den Augen des Verfassers handelten die Pilger im Auftrag Gottes, taten Buße und errangen einen wenn auch unvollständigen Sieg für das Christentum. Dabei brachten sie nach Soissons, was Pilger suchten, nämlich Reliquien und die unmittelbare Verbindung zu den Heiligen.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wesentlichen, bis vor wenigen Jahren beinahe ausschließlich zur historischen Rekonstruktion genutzten Archivalien liegen im Staatsarchiv Venedig, von denen wiederum die meisten in verstreuten Editionen zugänglich sind, etwa in den von Roberto Cessi edierten Beschlüssen des Großen Rates, den Deliberazioni del Maggior Consiglio, Bd. 1, Bologna 1931. Auch die von Tafel und Thomas herausgegebenen Urkunden zur älteren Handels- und Staatsgeschichte der Republik Venedig als Teil der Fontes rerum Austriacarum, Bd. XII, ein Band, der bereits 1856 in Wien erschienen ist, bieten einzelne Dokumente, ebenso wie sie Raimondo Morozzo della Rocca, Antonino Lombardo: Documenti del commercio veneziano nei secoli XI–XIII, Turin 1940 (n. 257, Alexandria, September 1174, 342, Rialto, September 1183) sowie die Nuovi documenti del commercio veneziano dei sec. XI–XIII, Venedig 1953 (n. 33, 35, 45 ff) zur Verfügung stellen.

Französische Übersetzung als L'histoire de Geoffroy de Villehardovyn Marechal de Champagne von Blaise de Vigenère, Paris 1585
Joffroi de Villehardouin: De la conqueste de Constantinoble, Jules Renoir, Paris 1838, Titelblatt

Von zentraler Bedeutung ist jedoch aus venezianischem Blickwinkel die chronikalische Überlieferung, darunter die Historia Ducum Veneticorum der Monumenta Germaniae Historica, Scriptores, XIV, die Henry Simonsfeld 1883 in Hannover veröffentlichte,[89] sowie die Andrea Danduli Ducis Chronica per extensum descripta aa. 46–1280 d.C., Rerum Italicarum Scriptores, XII,1, hgg. von Ester Pastorello, Nicola Zanichelli, Bologna 1939. Deutlich ausführlicher, aber vor dem Hintergrund der Schreibtraditionen Frankreichs in Bezug auf Führungspersönlichkeiten und Topoi, dann aber auch mit Blick auf die politischen Gebräuche Venedigs und des Byzantinischen Reiches nicht immer einfach zu deuten sind: Geoffroy de Villehardouin: La conquête de Constantinople, hgg. von Edmond Faral, Paris 1938; dann Robert de Clari: La conquête de Constantinople, hgg. von Philippe Lauer, Paris 1956; die Venetiarum Historia vulgo Petro Iustiniano Iustiniani filio adiudicata, hgg. von Roberto Cessi und Fanny Bennato, Venedig 1964, S. 131–144 sowie die byzantische Nicetae Choniatae Historia, hgg. von Jan Louis van Dieten im Corpus fontium historiae Byzantinae, XI, 1–2, Berlin u.a. 1975. Hinzu kommt Melchiore Roberti: Dei giudici veneziani prima del 1200, in: Nuovo Archivio Veneto, n. s. 8 (1904) 230–245.

In jüngster Zeit erlangen Quellen größeres Gewicht, die im Verlauf des Vierten Kreuzzuges oder kurz danach entstanden. Dazu zählen einzelne Briefe an den Papst, vor allem der von Enrico Dandolo, der wiederum seit langem das Bild des Dogen prägt. Die bisher weniger in die Betrachtung eingeflossenen Quellen sind von besonderem Wert für die historische Rekonstruktion, da sie unmittelbar aus dem zeitgenössischen Geschehen entstanden sind. Sie lassen erkennen, dass es unterhalb der führenden Gruppen, deren Auffassungen und Streitigkeiten später die Überlieferung dominierten, völlig andere Vorstellungen gab, deren Sprengkraft auf grundlegend anderen Auffassungen von den Aufgaben und Haltungen eines Kreuzfahrers basiert, die aber auch zeigen, dass diese von den sozialen Spannungen zwischen den wenigen führenden Männern, allen voran Enrico Dandolo, sowie des gehobenen Adels insgesamt, und den einfachen Kreuzfahrern nicht zu trennen sind. Raimbaut de Vaqueiras, der Anonymus von Soissons oder Hugo von St. Pol erlangen damit als Augenzeugen erheblich höheres Gewicht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Beitrag beruht vor allem, wo nicht anders angegeben, auf Giorgio CraccoDandolo, Enrico. In: Massimiliano Pavan (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 32 (Dall'Anconata–Da Ronco), Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 1986, S. 450–458. Bei der Bewertung derjenigen Quellen, die bisher wenig in die Biographie Dandolos eingeflossen sind, folge ich Timo Gimbel: Die Debatte über die Ziele des Vierten Kreuzzugs: Ein Beitrag zur Lösung geschichtswissenschaftlich umstrittener Fragen mit Hilfe sozialwissenschaftlicher Instrumente, Diss., Mainz 2014. Als weiterführende Literatur wurden benutzt:

  • Thomas F. Madden: Venice and Constantinople in 1171 and 1172: Enrico Dandolo's attitudes towards Byzantium, in: Mediterranean Historical Review 8,2 (1993) 166–185.
  • Thomas F. Madden: Enrico Dandolo and the Rise of Venice, Johns Hopkins University Press, Baltimore 2003.
  • Antonino Lombardo: Enrico Dandolo. Doge of Venice, in: Encyclopædia Britannica
  • Antonino Lombardo: Il doge di Venezia. Enrico Dandolo e la prima promissione ducale, in Archivi e cultura 10 (1976) 25–35.
  • Andrea Da Mosto: I dogi di Venezia nella vita pubblica e privata, Florenz 1977, S. 72–78.
  • Roberto Cessi: Politica, economia, religione, in: Storia di Venezia, Bd. II: Dalle origini del ducato alla IV crociata, Venedig 1958, S. 438–467.
  • Freddy Thiriet: La Romanie vénitienne au Moyen Âge, Paris 1959, S. 63–88.
  • Charles M. Brand: Byzantium Confronts the West, 1180–1204, Cambridge, Massachusetts 1968.
  • Antonio Carile: La cronachistica veneziana (secc. XIII–XVI) di fronte alla spartizione della Romania nel 1204, Florenz 1969.
  • I. Calliari, C. Canovaro, M. Asolati, A. Saccocci, F. Grazzi, A. Scherillo: Orio Malipiero's and Enrico Dandolo's denarii: surface and bulk characterization, in: Applied Physics A. Materials Science & Processing 113 (2013) 1081–1087 (Untersuchung von 30 Münzen des Dogen Orio Malipiero und 20 des Enrico Dandolo) (online, PDF)
  • Juergen Schulz: The Houses of the Dandolo: A Family Compound in Medieval Venice, in: Journal of the Society of Architectural Historians 52 (1993) 391–415.

Mit Blick auf Enrico Dandolo veraltet und als nicht (mehr) zitierfähig gelten:

  • Friedrich Buchholz: Heinrich Dandolo, Doge von Venedig, in: Geschichte und Politik (1805), Bd. 1, S. 273–327 (Digitalisat).
  • Henry Simonsfeld: Andreas Dandolo und seine Geschichtswerke, Theodor Ackermann, München 1876 (dort heißt er noch „Heinrich Dandolo“).
  • Heinrich Kretschmayr: Geschichte von Venedig, Bd. 1, Gotha 1905, Achtes Kapitel: Enrico Dandolo, S. 269/275–322, 471–480 (Anmerkungen).
  • Ettore Bravetta: Enrico Dandolo, Alpes, Mailand 1929, Neuauflage Mailand 1950.
  • Camillo Manfroni: Dandolo Enrico, in: Enciclopedia Italiana, Bd. XII, Rom 1931, S. 288 f. (online)
  • Umberto Gozzano: Enrico Dandolo. Storia di un condottiero novantenne, Turin 1941.
  • Alvise Loredan: I Dandolo, Dall'Oglio, Mailand 1970.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Doge ist mit „H. DANDOL DUX“ bezeichnet, der Evangelist ist am Nimbus zu erkennen. „S. Marco a destra ritto in piedi, cinto il capo di aureola, col libro dei Vangeli nella mano sinistra, consegna colla destra al Doge un vessillo con asta lunghissima, che divide la moneta in due parti pressoché uguali. A sinistra il Doge, vestito di ricco manto ornato di gemme, tiene colla sinistra un volume, rotolo, che rappresenta la promissione ducale, e colla destra regge il vessillo, la cui banderuola colla croce è volta a sinistra. Entrambe le figure sono di faccia, le teste colla barba sono scoperte; quella del Doge ha i capelli lunghi che si arricciano al basso“ (Nicolò Papadopoli: Enrico Dandolo e le sue monete, in: Rivista Italiana di Numismatica e Scienze Affini 3 (1890) 507–519, hier: S. 515.)
  2. In der von Ester Pastorello herausgegebenen Andrea Danduli Ducis Chronica per extensum descripta aa. 46-1280 d.C., Rerum Italicarum Scriptores, XII,1, Nicola Zanichelli, Bologna 1939, S. 281 heißt es: „die primo iunii idem Constantinopolim feliciter obiit“. Thomas F. Madden: Enrico Dandolo and the Rise of Venice, S. 194 meint, er sei bereits im Mai gestorben, Georgio Cracco schreibt maggio-giugno 1205.
  3. Louise Buenger Robbert: Art. Dandolo Family, in: Christopher Kleinhenz (Hrsg.): Medieval Italy. An Encyclopedia, Routledge 2004, S. 277–278, hier: S. 277.
  4. So Ernle Bradford: Verrat am Bosporus. Die Eroberung Konstantinopels 1204, Tübingen 1970, passim.
  5. Donald E. Queller, Thomas F. Madden: The Fourth Crusade, 2. Aufl., University of Pennsylvania Press, 1999, S. 9.
  6. Thomas F. Madden: Venice and Constantinople in 1171 and 1172: Enrico Dandolo's attitudes towards Byzantium, in: Mediterranean Historical Review 8,2 (1993) 166–185.
  7. Andrea Lermer: Der gotische «Dogenpalast» in Venedig, Deutscher Kunstverlag, 2005, S. 67.
  8. Peter Humfrey: The Portrait in Fifteenth-Century Venice, in: Dale Tucker, Margret Aspinwall (Hrsg.): The Renaissance Portrait. From Donatello to Bellini, Metropolitan Museum of Art, New York 2011, S. 48–63, hier: S. 61 (Abb.).
  9. Evelyn Korsch: Bilder der Macht. Venezianische Repräsentationsstrategien beim Staatsbesuch Heinrichs III. (1574), Walter de Gruyter, 2013, S. 51.
  10. Dies nimmt etwa Thomas Madden: Enrico Dandolo and the Rise of Venice, The Johns Hopkins University Press, 2003, S. 62, 92 an.
  11. Thomas F. Madden: Enrico Dandolo and the Rise of Venice, The Johns Hopkins University Press, 2003, S. 63.
  12. Genauer gesagt heißt es „Andree Dandulo, dilecto fratri meo et Contesse dilecti uxori mee et Philippo Faletro de confinie Sancti Thome ... plenissimam potestatem de omni meo negocio et affare cum cartulis quam sine cartulis“, also Generalvollmacht (Raimondo Morozzo della Rocca, Antonino Lombardo: Documenti del commercio veneziano nei secoli XI-XIII, Turin 1940, n. 342, S. 338 f., Rialto, September 1183, hier: S. 338).
  13. Antonio Carile: Dandolo, Enrico. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 3, Artemis & Winkler, München/Zürich 1986, ISBN 3-7608-8903-4, Sp. 491 f.. In diesem Artikel wird gleich doppelt Manuel I., Kaiser von 1143 bis 1180 und Komnene, mit Manuel II., Kaiser von 1391 bis 1425 und Palaiologe, verwechselt.
  14. Alvise Loredan: I Dandolo, Dall'Oglio, 1981, S. 95.
  15. Antonino Lombardo: Studi e ricerche dalle fonti medievali veneziane, Venedig 1982, S. 83.
  16. Andrea Da Mosto: I dogi di Venezia nella vita pubblica e privata, Martello, 1983, S. 72.
  17. Raymond-Joseph Loenertz: Marino Dandolo, seigneur d'Andros, et son conflit avec l'évêque Jean 1225-1238, in: Ders. (Hrsg.): Byzantina et Franco-Graeca. Articles parus de 1935 à 1966 réédités avec la collaboration de Peter Schreiner, Band 1, Rom 1970, S. 399–420, hier: S. 402 f.
  18. Heinrich Kretschmayr: Geschichte von Venedig, Bd. 1, Gotha 1905, S. 471.
  19. Karl-Hartmann Necker: Dandolo. Venedigs kühnster Doge, Böhlau, 1999, S. 299.
  20. Thomas Madden: Enrico Dandolo and the Rise of Venice, The Johns Hopkins University Press, 2003, S. 238.
  21. Marcello Brusegan: I personaggi che hanno fatto grande Venezia, Newton Compton, 2006, S. 138.
  22. Heinrich Kretschmayr: Geschichte von Venedig, Bd. 1, Gotha 1905, S. 471.
  23. Giorgio Ravegnani: Bisanzio e Venezia, Il mulino, 2006, S. 92.
  24. Raimondo Morozzo della Rocca, Antonino Lombardo: Documenti del commercio veneziano nei secoli XI–XIII, Turin 1940, n. 257, S. 252 f.; abgebildet bei Thomas F. Madden: Enrico Dandolo and the Rise of Venice, Johns Hopkins University Press, Baltimore 2003, S. 66.
  25. Thomas F. Madden: Enrico Dandolo and the Rise of Venice, Johns Hopkins University Press, Baltimore 2003, S. 82.
  26. Raimondo Morozzo della Rocca, Antonino Lombardo: Documenti del commercio veneziano nei secoli XI–XIII, Turin 1940, n. 342, S. 338 f., Rialto, September 1183.
  27. Roman Reisinger: „Etwas bewegen“ – Logistik der Kreuzzüge am Beispiel des Organisators Enrico Dandolo, Ringvorlesung.
  28. Donald E. Queller, Thomas F. Madden: The Fourth Crusade, 2. Aufl., University of Pennsylvania Press, 1999, S. 9 f.
  29. Heinrich Kretschmayr: Geschichte von Venedig, 3 Bde, Bd. 1, Gotha 1905, S. 258.
  30. Henry Simonsfeld: Andreas Dandolo und seine Geschichtswerke, Theodor Ackermann, München 1876, S. 118.
  31. „gli fu quasi tolta la vista da una lamina di bronzo infuocato, che il perfido Imperador Manuele gli avea fatto passare avanti gli occhi, che al di fuori non mostravano alcuna offesa“ (Nuovo Dizionario istorico ovvero compendio storicao, Bd. 5, Bassano 1796, S. 20 (Digitalisat)).
  32. Friedrich von Hurter: Geschichte Papst Innocenz des Dritten und seiner Zeitgenossen, Bd. 1, 3. Aufl., Friedrich Perthes, Hamburg 1841, S. 454.
  33. Ester Pastorello (Hrsg.): Andreae Danduli Ducis Venetiarum Chronica per extensum descripta aa. 46–1280, Bologna 1938.
  34. Eine der Handschriften liegt in der Biblioteca Marciana, Ms. lat. Z. 399 (1610), weitere in London, Paris und Rom.
  35. Henry Simonsfeld: Andreas Dandolo und seine Geschichtswerke, Theodor Ackermann, München 1876, S. 118.
  36. Thomas F. Madden: Enrico Dandolo and the Rise of Venice, Johns Hopkins University Press, Baltimore 2003, S. 64.
  37. Thomas F. Madden: Enrico Dandolo and the Rise of Venice, Johns Hopkins University Press, Baltimore 2003, S. 67; dort auch die Abbildung von Dandolos Signatur.
  38. Friedrich von Hurter: Geschichte Papst Innocenz des Dritten und seiner Zeitgenossen, Bd. 1, 3. Aufl., Friedrich Perthes, Hamburg 1841, S. 454, Anm. 201.
  39. Friedrich Buchholz: Heinrich Dandolo, Doge von Venedig, in: Geschichte und Politik (1805), Bd. 1, S. 273–327, hier: S. 275 (Digitalisat).
  40. Friedrich Buchholz: Heinrich Dandolo, Doge von Venedig, in: Geschichte und Politik (1805), Bd. 1, S. 273–327, hier: S. 277.
  41. So Donald M[cGillivray] Nicol: Byzantium and Venice. A Study in Diplomatic and Cultural Relations, Cambridge 1988, S. 119.
  42. Donald E. Queller, Thomas F. Madden: The Fourth Crusade, 2. Aufl., University of Pennsylvania Press, 1999, S. 84 f.
  43. Donald E. Queller, Thomas F. Madden: The Fourth Crusade, 2. Aufl., University of Pennsylvania Press, 1999, S. 11.
  44. Donald E. Queller, Thomas F. Madden: The Fourth Crusade, 2. Aufl., University of Pennsylvania Press, 1999, S. 13.
  45. Donald E. Queller, Thomas F. Madden: The Fourth Crusade, 2. Aufl., University of Pennsylvania Press, 1999, S. 61.
  46. Peter M. Schon: Studien zum Stil der frühen französischen Prosa (Robert de Clari, Geoffroy de Villehardouin, Henri de Valenciennes), Klostermann, Frankfurt 1960, S. 185–203.
  47. Jeanette M. A. Beer: Villehardouin, Epic Historian, Droz, Genf 1968, S. 82–97.
  48. Gérard Jacquin: Le style historique dans les récits français et latins de la quatrième croisade, Paris/Genf 1986, S. 401–485.
  49. Umberto Gozzano: Enrico Dandolo. Storia di un condottiero novantenne, Turin 1941.
  50. Zitiert nach Heinrich Kretschmayr: Geschichte von Venedig, Bd. 1, Gotha 1905, S. 487.
  51. Alicia Simpsonf: Niketas Choniates. A Historiographical Study, Oxford University Press, 2013, S. 19.
  52. Timo Gimbel: Die Debatte über die Ziele des Vierten Kreuzzugs: Ein Beitrag zur Lösung geschichtswissenschaftlich umstrittener Fragen mit Hilfe sozialwissenschaftlicher Instrumente, Diss., Mainz 2014, S. 30 f.; dort die Übers. ins Englische.
  53. Donald E. Queller, Thomas F. Madden: The Fourth Crusade, 2. Aufl., University of Pennsylvania Press, 1999, S. 113.
  54. Gottlieb Lukas Friedrich Tafel, Georg Martin Thomas (Hg.): Urkunden zur älteren Handels- und Staatsgeschichte der Republik Venedig, Wien 1856, in: Fontes Rerum Austriacarum, Abt. II. Diplomataria et Acta, 3 Bde, Bd. 1: 814–1205, Wien 1856, n. CXIX und CXX: Pacta inita inter dominum Henricum Ducem Venetie, et Bonifacium marchionem Montisferrati, et Balduinum comitem Flandriensem, et Ludovicum comitem Blesensem, in captione urbis Constantinopolitane, S. 451, März 1204.
  55. Karl Ipser: Venedig und die Deutschen, Markus-Verlag, 1976, S. 151.
  56. Thomas Dale: The Enigma of Enrico Dandolo's Tomb in Hagia Sophia, in: Byzantine Studies Conference, 1994, S. 17ff.
  57. Raccolta degli storici italiani dal cinquencento al millecinquecento (= RIS, 12), Nicola Zanichelli, 1728, S. 281, Anm. 1.
  58. Gloria Tranquilli: Restauri a Venezia 1987–1998, Electa, 2000, S. 110.
  59. Titel wie Karl-Hartmann Necker: Dandolo. Venedigs kühnster Doge, Böhlau, 1999, sind symptomatisch.
  60. Ettore Bravetta: Enrico Dandolo, Alpes, Mailand 1929.
  61. Jonathan Harris: Byzantium and the Crusades, Bloomsbury, 2. Aufl., 2014, S. 2.
  62. Enciclopedia italiana e dizionario della conversazione, Band 4, Girolamo Tasso, Venedig 1841, S. 203 (Digitalisat).
  63. Beide Zitate nach Heinrich Kretschmayr: Geschichte von Venedig, 3 Bde, Bd. 1, Gotha 1905, S. 276.
  64. Titel wie Louise Buenger Robbert: Reorganization of the Venetian Coinage by Doge Enrico Dandolo, in: Speculum 49 (1974) 48–60 liegen auf dieser Linie.
  65. In der von Ester Pastorello herausgegebenen Andrea Danduli Ducis Chronica per extensum descripta aa. 46–1280 d.C., Rerum Italicarum Scriptores, XII,1, Nicola Zanichelli, Bologna 1939, S. 273 heißt es: „Subsequenter dux, argenteam monetam vulgariter dictam grosi veneciani, vel matapani, cum ymagine Iesu Christi in trono ab uno latere, et ab alium cum figura sancti Marci et ducis, valoris XXVI parvulorum, primo fieri decrevit“.
  66. In der von Ester Pastorello herausgegebenen Andrea Danduli Ducis Chronica per extensum descripta aa. 46–1280 d.C., Rerum Italicarum Scriptores, XII,1, Nicola Zanichelli, Bologna 1939, S. 276.
  67. Roberto Cessi: Il "Parvum statutum" di Enrico Dandolo, in: Archivio veneto, s. 5, 62 (1958) 1–7.
  68. Vgl. die distanzierenden Bemerkungen bei Donald E. Queller, Thomas F. Madden: The Fourth Crusade, 2. Aufl., University of Pennsylvania Press, 1999, S. 55.
  69. John H. Pryor: The Venetian Fleet for the Fourth Cursade and the Diversion of the Crusade to Constantinople, in: Marcus Bull, Norman Housley (Hrsg.): The Experience of Crusading, Bd. 1: Western Approaches, Cambridge University Press, 2003, S. 103–123, hier: S. 121 f.
  70. Guillaume Saint-Guillain: Tales of San Marco: Venetian Historography and Thirteenth-Century Byzantine Prosopography, in: J. Herrin, G. Saint-Guillain (Hrsg.): Identities and Allegiances in the Eastern Mediterranean after 1204, Ashgate, 2011, S. 265–290, hier: S. 269.
  71. Henri de Valenciennes: De la conqueste de Constantinoble, J. Renouard, 1838, S. viii.
  72. Paolo Rannusio: Della guerra di Costantinopoli per la restitutione de gl'imperatori Comneni fatta da' sig. Venetiani et Francesi, l'anno 1204, Domenico Nicolini, Venedig 1604 (Digitalisat; Digitalisat).
  73. Francesco Sansovino: Venetia, città nobilissima et singolare, Descritta già in XIV libri, Altobello Salicato, Venedig 1604, Lib. XIII, S. 374; zuerst erschienen 1581 (Digitalisat).
  74. Lucrezia Marinella: L’Enrico ovvero Bisanzio acquistato Giuseppe Antonelli, Venedig 1844; Enrico; or, Byzantium conquered. A Heroic Poem, Übers. Maria Galli Stampino, The University of Chicago Press, 2009 (online, PDF).
  75. Henry Simonsfeld: Andreas Dandolo und seine Geschichtswerke, Theodor Ackermann, München 1876, S. 4.
  76. Andrea Da Mosto: I dogi di Venezia nella vita pubblica e privata, G. Martello, 1983, S. 77.
  77. Als ein Beispiel von vielen der Roman von Gerhard Ellert: Der blinde Löwe von San Marco, Speidel, Wien 1966.
  78. Martín de Riquer: Los trovadores, Ariel, Barcelona 2012, S. 13.
  79. Timo Gimbel: Die Debatte über die Ziele des Vierten Kreuzzugs: Ein Beitrag zur Lösung geschichtswissenschaftlich umstrittener Fragen mit Hilfe sozialwissenschaftlicher Instrumente, Diss., Mainz 2014, S. 2.
  80. Eine kritische Edition wird vorbereitet (Forschungsprojekt Prof. Dr. Jochen Johrendt und ist auch bei den Editionsvorhaben der MGH gelistet). Bisher basieren Arbeiten auf The Gesta Innocentii III. Text, introduction and commentary by David Gress-Wright, Ann Arbor 2000 (= Diss., Bryn Mawr College, 1981) bzw. den älteren Gesta Innocentii papae III, in: Migne PL 214, Sp. XVIII–CCXXVIII. Vgl. Gesta Innocentii III papae im Repertorium „Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters“.
  81. Timo Gimbel: Die Debatte über die Ziele des Vierten Kreuzzugs: Ein Beitrag zur Lösung geschichtswissenschaftlich umstrittener Fragen mit Hilfe sozialwissenschaftlicher Instrumente, Diss., Mainz 2014, S. 12 f. Ich folge dieser Dissertation bezüglich der Eindordnung der Quellen, die neben den drei Hauptchroniken eine Rolle für die spätere Rezeption spielten.
  82. Michael Angold: The Fourth Crusade: Event and Context, Longman, 2003, S. 16.
  83. Rudolf Pokorny (Hrsg.): Hugo von St. Pol. Epistola. Zwei Unedierte Briefe aus der Frühzeit des lateinischen Kaiserreichs von Konstantinopel, in: Byzantion 55 (1985) 203–209.
  84. Hugonis, Comitis Sancti Pauli, epistula de expugnata per Latinos urbe Constantinopoli, Fontes rerum Austriacarum: Diplomataria et acta, Zweite Abtheilung, Bd. 12, Wien 1856, S. 304.
  85. Alfred Andrea: Contemporary Sources for the Fourth Crusade, überarbeitete 2. Aufl., Brill, 2008, S. 205–212.
  86. Zitiert nach Raimbaut de Vaqueiras: Complete Works.
  87. Alfred Andrea: Contemporary Sources for the Fourth Crusade, überarbeitete 2. Aufl., Brill, 2008, S. 223–236.
  88. De terra Hierosolomitana et quomodo ab urbe Constantinopolitana ad hanc ecclesiam allato sund reliquie.
  89. Historia ducum Veneticorum. In: Monumenta Germaniae Historica. Scriptores in Folio, Bd. 14 (1883), S. 72–89 (Digitalisat der Edition).
Vorgänger Amt Nachfolger
Orio Mastropiero Doge von Venedig
1192–1205
Pietro Ziani