Gadernheim

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49.7163418.741689365Koordinaten: 49° 42′ 59″ N, 8° 44′ 30″ O

Gadernheim
Wappen von Gadernheim
Höhe: 365 m ü. NN
Fläche: 4,59 km²
Einwohner: 1462 (30. Jun. 2013)[1][2]
Bevölkerungsdichte: 319 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 64686
Vorwahl: 06254
Die Kirche in Gadernheim

Die Kirche in Gadernheim

Der Kaiserturm

Gadernheim ist ein Ortsteil der Gemeinde Lautertal (Odenwald) im Kreis Bergstraße in Hessen.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Gadernheim liegt im Vorderen Odenwald an der oberen Lauter und östlich der Kerngemeinde Reichenbach. Zur Gemarkung gehört im Nordosten das Quelltal der Lauter und die höchste Erhebung im hessischen Odenwald, die 605 Meter hohe bewaldete Neunkircher Höhe mit dem Kaiserturm.

Die nächstgelegenen Ortschaften sind im Westen Lautern, im Norden Brandau, im Nordosten Neunkirchen, im Südosten Kolmbach und im Süden Raidelbach.

Geschichte[Bearbeiten]

Die früheste erhalten gebliebene urkundliche Erwähnung als Geydenheym weist in das Jahr 1367. Die Änderung zur Schreibweise Gadernheim nach 1560 ist bemerkenswert. Es steht zu vermuten, dass der Ort im 16. Jahrhundert zeitweilig ausgestorben war und es dadurch keine genaue Erinnerung an den früheren Namen gab.[3] In den Jahren 1617 bis 1619 wurde das Rathaus für die Oberdörfer Gadernheim, Lautern und Raidelbach gebaut, in dem das Haingericht tagte.[4]

Ab 1839 wurde die Nibelungenstraße von Bensheim ins Lautertal bis Lindenfels ausgebaut und damit ein wichtiger Betrag zur Verbesserung der Infrastruktur des vorderen Odenwaldes geschaffen. Eine weitere Verbesserung wurde durch die Eröffnung der Main-Neckar-Bahn 1846 erreicht, die Bensheim zunächst mit Langen, Darmstadt und Heppenheim verband und wenig später bis Frankfurt und Mannheim reichte.[5]

1913 erhielt Gadenheim eine eigene evangelische Kirche und vollendete damit die Bestrebungen zur Eigenständigkeit. Schon früh hatte es im Lautertal Anstrengungen gegeben sich von dem Kirchspiel Bensheim unabhängig zu machen und so wurde 1450 das Kirchspiel Reichenbach mit den Filialorten Elmshausen, Lautern, Knoden, Breitenwiesen, Raidelbach und Gadernheim gebildet. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts stieg die Bevölkerungszahl schnell an und somit auch die Zahl der evangelischen Christen, sodass es nahe lag, dass auch Gadernheim sich selbständig machte. 1909 beauftrage der Kirchenvorstand den Bensheimer Architekten Professor Heinrich Metzendorf mit der Planung der Kirche. Erst 1912 konnte sich der Kirchenvorstand mit dem Architekten über einen endgültigen Entwurf einigen, was die Baukosten von ursprünglich 34.000 auf 37.000 Reichsmark in die Höhe trieb. Am 1. September 1912 erfolgte dann die Grundsteinlegung und am 21. September 1913 wurde die Einweihung gefeiert. Beide Ereignisse wurden von Festumzügen begleitet und zur Einweihung wurden zwei Postkarten und eine Festschrift gedruckt.[6]

Vom Ende des Zweiten Weltkrieges in Gadernheim, berichtete der Bergsträßer Anzeiger in seiner Artikelserie über das Kriegsende an der Bergstraße: In der Endphase des Zweiten Weltkrieges in Europa erreichen die amerikanischen Verbände Mitte März 1945 den Rhein zwischen Mainz und Mannheim. Die Brückenköpfe auf der linken Rheinseite konnten durch die schwachen deutschen Kräfte nicht gehalten werden, was zur Sprengung der Rheinbrücken bei Worms, Nordheim und Gernsheim am 20. März führte. Die sich auf die rechte Rheinseite zurückgezogenen Reste der deutschen 7. Armee mussten fast die gesamte schwere Ausrüstung wie Panzer und Artillerie zurücklassen, was eine Fortsetzung der Kämpfe bei der absoluten Luftherrschaft der Amerikaner und dem Fehlen jeglicher deutscher Reserven eigentlich völlig sinnlos machte. Am 22. März überquerte die 3. US-Armee bei Oppenheim den Rhein und besetze am 25. März Darmstadt. Das machte aus amerikanischer Sicht ein schnelles Nachrücken der benachbarten 7. US-Armee zur Flankensicherung notwendig. Zur Vorbereitung für deren Rheinüberquerung wurden die meisten Riedgemeinden am 25. und in der Nacht zum 26. März von der amerikanischen Artillerie beschossen. In den ersten Stunden des 26. März 1945 überquerten amerikanische Truppen bei Hamm, südlich von Worms und bei Sandhofen den Rhein und rücken auf breiter Front gegen die Bergstraße vor. Am 27. März standen die amerikanischen Einheiten in Viernheim, Lorsch, Bensheim und Heppenheim und einen Tag später waren Aschaffenburg am Main sowie der westliche und nördlichen Teil des Odenwaldes besetzt. Bereits am 26. März wurden amerikanische Panzer die aus Seeheim kamen bei der Kuralpe gesichtet. Der Ortskommandant von Gadernheim hatte im Ort Straßensperren errichten und Kellerfenster für ein besseres Schussfeld ausbrechen lassen. Außerdem hatte sich eine aus etwa 25 Mann bestehender Panzerabwehrtrupp im Ort einquartiert. Am 27. März wurden in Gadernheim zwei Verpflegungslager der deutschen Wehrmacht mit Lebensmitteln, Kaffee, Zigaretten und alkoholischen Getränken für die Zivilbevölkerung freigegeben, die versuche sich damit für die kommende Zeit einzudecken. Während dieser Aktion setzte amerikanisches Artilleriefeuer auf Gadernheim ein. Auslöser dafür war der Abschuss eines amerikanischen gepanzerten Fahrzeugs durch deutsche Soldaten auf der Straße von Lautern nach Gadernheim. Daraufhin brachten amerikanischen Einheiten am Sportplatz in Reichenbach Geschütze in Stellung und feuerten auf Gadernheim. Bei dem Beschuss wurden neun Zivilisten und drei deutsche Soldaten getötet und etliche Häuser zerstört. Gegen ein Uhr nachts zog sich der Panzerabwehrtrupp zurück, sodass der Einmarsch der Amerikaner an nächsten Morgen ohne weiteres Blutvergießen ablief.[7][8] Der Krieg in Europa endete mit der bedingungslosen Kapitulation aller deutschen Truppen, die am 8. Mai 1945 um 23:01 Uhr mitteleuropäischer Zeit in Kraft trat.

Im Vorfeld der Gebietsreform in Hessen wurden am 31. Dezember 1970 die Gemeinden Raidelbach und Kolmbach nach Gadernheim eingegliedert.[9] Genau ein Jahr später wurde der Verbund dieser drei Orte wieder aufgelöst. Gadernheim wurde mit Raidelbach zur Gründungsgemeinde der Gemeinde Lautertal, in der sie am 31. Dezember 1971 aufgegangen ist, während Kolmbach zu Lindenfels kam.[10]

Verkehr[Bearbeiten]

Durch das Tal der Lauter und damit durch Gadernheim verläuft die als Nibelungenstraße bekannte Bundesstraße 47. Sie führt von Worms und Bensheim im Westen nach Lindenfels und Michelstadt im Osten. In der Ortslage zweigt nach Brandau die Landesstraße L 3099 von der B 47 ab und nach Raidelbach die Kreisstraße K 210. Südlich von Gadernheim zweigt die K 55 ab und führt über Breitenwiesen und Knoden nach Schannenbach nach Süden. Nach Neunkirchen führt eine Forststraße, die als Weinweg bekannt ist.

Kultur[Bearbeiten]

Gadernheim war Finalist bei der Endausscheidung Dolles Dorf 2011.[11]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Gemeinde Lautertal und ihre Ortsteile
  2. Statistikblatt der Gemeinde Lautertal. Einwohner HW
  3. Sprachecke in den Echo-Zeitungen: Irreführende Namen
  4. Verschönerungsverein Reichenbach: Das Rathaus in Gadernheim wird bald 400 Jahre
  5. Schlagzeilen aus Bensheim zum 175-jährigen Bestehen des „Bergsträßer Anzeigers“ 2007. Ein furchtbarer Weg durchs Tal. S. 38, archiviert vom Original, abgerufen am 28. Dezember 2014 (pdf 8,61 MB).
  6. Schlagzeilen aus Bensheim zum 175-jährigen Bestehen des „Bergsträßer Anzeigers“ 2007: Postkarten zur Kirchen-Einweihung. S. 55
  7. Artikelserie des Bergsträßer Anzeigers aus dem Jahr 2005 über das Kriegsende an der Bergstraße. Bergstraße und Gaderneheim. Bergsträßer Anzeiger, archiviert vom Original, abgerufen am 20. Dezember 2014.
  8. Schlagzeilen aus Bensheim zum 175-jährigen Bestehen des „Bergsträßer Anzeigers“ 2007: „Unser Dörfchen steht noch“, S. 71
  9. Erlass des Hessischen Ministers des Innern vom 5. Januar 1971 — IV A 11 — 3 k 08/05 (92/112) — 12/70 — Betrifft: Eingliederung der Gemeinden Kolmbach und Raidelbach in die Gemeinde Gadernheim im Landkreis Bergstraße (StAnz. 3/1971 S. 110)
  10.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 349.
  11. hr Hessenschau vom 21. August 2010: Dolles Dorf Gadernheim

Weblinks[Bearbeiten]