Grüner Bund

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Vihreä liitto
Gröna förbundet
Grüner Bund
Logo des VIHR
Parteivorsitzender Touko_Aalto
Partei­vorsitzender Touko Aalto
General­sekretär Lasse Miettinen
Stell­vertretende Vorsitzende Maria Ohisalo
Hanna Halmeenpää
Touko Aalto
Gründung 1987
Haupt­sitz Fredrikinkatu 33 A
FIN - 00120 Helsinki
Aus­richtung Grüne Politik, Linksliberalismus
Farbe(n) Grün
Parlamentssitze
15/200
Mitglieder­zahl 8.034 (2013)[1]
Internationale Verbindungen Global Greens
Europaabgeordnete
1/13
Europapartei Europäische Grüne Partei (EGP)
EP-Fraktion Die Grünen/Europäische Freie Allianz (Grüne/EFA)
Website www.vihreat.fi
Wahlkampfstand der Grünen 2011 in Helsinki, Iso Roobertinkatu.

Der Grüne Bund (finn. Vihreä liitto, auch Vihreät, „Die Grünen“, kurz Vihr.; schwed. Gröna förbundet) ist der Name der grünen Partei in Finnland. Im Jahr 1987 zunächst nur als eingetragener Verein gegründet, wandelte sie sich 1988 in eine politische Partei um und fasste mehrere soziale Bewegungen zusammen: Neben Anhängern der Umweltbewegung und "alternativer Gegenkulturen" sammelte sie Menschen, die sich für Frieden, Menschenrechte, Gleichstellung von Frauen und Kindern, Behinderten und LGBTQ einsetzen. Neben Fragen des Umweltschutzes spielen deshalb auch der Minderheitenschutz sowie die Stärkung demokratischer Strukturen eine wichtige Rolle in den Parteiaktivitäten. Neue Formen der Mitbestimmung und ein enger Kontakt zur Zivilgesellschaft werden angestrebt.

In den großen Städten und deren Umland ist die Unterstützung für die Grünen am stärksten. In Helsinki sind sie mit einem Wähleranteil von ca. 20 % zweitstärkste Kraft. Im finnischen Parlament ist das Bündnis seit 1983 vertreten. Ins Europäische Parlament konnten 2009 zwei Abgeordnete und 2014 eine Abgeordnete entsendet werden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ursprünge der Grünen reichen zu den Protesten in Koijärvi und der Helsinki-Bewegung in den 1970er und 80er Jahren zurück. Zahlreiche Gründungsmitglieder waren bereits bei diesen Protesten aktiv, und von den heutigen Parteipersönlichkeiten haben Osmo Soininvaara, Pekka Sauri und Heidi Hautala dort ihre politische Sozialisation erfahren. An den Parlamentswahlen von 1983 nahm die Umweltbewegung ohne feste Organisation teil und erzielte zwei Mandate mit Kalle Könkkölä und Ville Komsi.

Mitte der 1980er Jahre wuchs der Wunsch und die Notwendigkeit, eine festere Organisationsstruktur zu finden. 1987 wurde der Grüne Bund als Dachorganisation noch ohne Parteiambitionen gegründet. Nachdem eine fundamentalistische Abspaltung eine eigene Partei gebildet hatte, führte dies 1988 zur Umwandlung des Grünen Bundes in eine politische Partei. Obwohl viele Fundis schließlich zum Grünen Bund zurückkehrten, führte der Streit zu einer Wahlniederlage bei der Kommunalwahl 1988.

Die Partei stabilisierte sich Anfang der 1990er Jahre und erzielte Erfolge bei der Parlamentswahl 1991 und den Kommunalwahlen 1992. Infolge der wirtschaftlichen Depression rückten wirtschaftliche und soziale Fragen stärker in den Mittelpunkt. Das grüne Parteiprogramm erfuhr daraufhin thematische Erweiterungen.

Obwohl die Grünen bei der Parlamentswahl 1995 leichte Verluste hinnehmen mussten, traten sie der sogenannten Regenbogenkoalition unter Führung des Sozialdemokraten Paavo Lipponen bei. Pekka Haavisto wurde Umweltminister und somit der erste grüne Minister in Westeuropa und der zweite in der Welt.[2][3] Nach der Wahl 1999 erhielten die Grünen einen weiteren Ministerposten. Aus Protest gegen die Einleitung des Genehmigungsverfahrens für ein fünftes Atomkraftwerk verließen die Grünen jedoch bald darauf die Regierung. Die Parlamentswahl von 2003 war für die Grünen erfolgreich, sie blieben jedoch in der Opposition. Nach der Wahl 2007 besetzten sie die Ministerposten für Justiz (Tuija Brax) und Arbeit (2007–09 Tarja Cronberg, 2009–11 Anni Sinnemäki). Im Kabinett Katainen stellten die Grünen seit der Wahl 2011 zwei Minister: Heidi Hautala (im Oktober 2013 von Pekka Haavisto abgelöst) übernahm das Ressort Internationale Entwicklung im Außenministerium, der damalige Parteichef Ville Niinistö wurde Umweltminister. Unter Katainens Nachfolger Alexander Stubb verließen die Grünen Ende September 2014 die Regierung, nachdem sich das Kabinett Stubb mehrheitlich für den Bau eines neuen Kernkraftwerkes ausgesprochen hatte.

Atomkraftgegnerschaft und Klimadebatte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfangs forderten die Grünen als Teil der Anti-Atomkraft-Bewegung die Abschaffung der Kernenergie in Finnland. Das Grundsatzprogramm von 2012 enthält die Forderung, die finnischen Atomkraftwerke „so schnell wie möglich“ abzuschalten. Angesichts des Klimawandels und der Folgen der globalen Erwärmung nahm der Parteitag im Juni 2018 mit großer Mehrheit einen Antrag an, der es ermöglichen soll, „gute Kraftwerksprojekte“ mitzutragen. Damit soll die CO2-Bilanz in Ordnung gehalten werden, um die ehrgeizigen Klimaziele erreichen zu können. Langfristig hält die Partei jedoch am Atomausstieg fest.[4]

Parteivorsitzende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahlergebnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Parlamentswahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahlergebnisse bei Parlamentswahlen
1,47 %
4,03 %
6,82 %
6,52 %
7,27 %
8,01 %
8,46 %
7,25 %
8,53 %
1983 1987 1991 1995 1999 2003 2007 2011 2015
Jahr Abgeordnete Stimmen Prozent
1983 2 43 754 1,47 %
1987 4 115 988 4,03 %
1991 10 185 894 6,82 %
1995 9 181 198 6,52 %
1999 11 194 846 7,27 %
2003 14 223 564 8,01 %
2007 15 234 429 8,46 %
2011 10 213 172 7,25 %
2015 15 253 102 8,53 %

Kommunalwahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Kommunalwahl 2017 konnte die Partei ihren Stimmenanteil auf 12,5 Prozent erhöhen. Dies wurde euphorisch als ein Spitzenergebnis im weltweiten Vergleich gefeiert.[5][6][7] Der Anteil der grünen Mitglieder in den Gemeinderäten steigerte sich landesweit von 3,3 % auf 5,9 %.

Wahlergebnisse bei Kommunalwahlen
2,83 %
2,34 %
6,94 %
6,28 %
7,72 %
7,37 %
8,94 %
8,54 %
12,5 %
1984 1988 1992 1996 2000 2004 2008 2012 2017
Jahr Ratsmitglieder Stimmen Prozent
1984 101 76.441 2,83 %
1988 94 61.581 2,34 %
1992 343 184.787 6,94 %
1996 291 149.334 6,28 %
2000 338 171.707 7,72 %
2004 314 175.933 7,37 %
2008 370 227.999 8,94 %
2012 323 213.100 8,54 %
2017 534 320.235 12,5 %

Europawahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Abgeordnete Stimmen Prozent
1996 1 170 670 7,59 %
1999 2 166 786 13,43 %
2004 1 172 844 10,43 %
2009 2 206 439 12,40 %
2014 1 161 263 9,33 %

Präsidentschaftswahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Kandidat Stimmen Prozent Platzierung
2000 Heidi Hautala 100.740 3,3 % 5.
2006 Heidi Hautala 105.248 3,5 % 4.
2012 Pekka Haavisto 574.275
1.077.425
18,76 %
37,41 %
2.
2.
2018 Pekka Haavisto 370.823 12,4 % 2.

Abgeordnete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Grüne Bund ist seit 2015 mit fünfzehn Abgeordneten im finnischen Parlament vertreten: Touko Aalto, Outi Alanko-Kahiluoto, Pekka Haavisto, Hanna Halmeenpää, Satu Hassi, Heli Järvinen, Emma Kari, Johanna Karimäki, Jyrki Kasvi, Krista Mikkonen, Ville Niinistö, Olli-Poika Parviainen, Jani Toivola, Antero Vartia und Ozan Yanar. Es herrscht kein Fraktionszwang.

Im Europaparlament sitzt seit der Wahl 2014 Heidi Hautala.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [1] Turun Sanomat, abgerufen am 15. Mai 2015
  2. [2]
  3. [3]
  4. Freddi Wahlström: Analys: De gröna vill gärna ha ett enigt parti yle.fi (schwedisch), 6. September 2018, abgerufen am 21. Oktober 2018.
  5. Niinistö zum Wahlergebnis der Grünen: "Eins der stärksten Ergebnisse der Weltgeschichte!" (auf Finnisch): Tämä on yksi maailmanhistorian kovimpia tuloksia, mitä vihreät ovat koskaan tehneet missään päin maailmaa. ("Dies ist eins der stärksten Ergebnisse, die Grüne je irgendwo in der Welt erreicht haben.")
  6. Offizielle Wahlergebnisse (auf Englisch)
  7. Schlappe für Rechtspopulisten taz.de, 10. April 2017.