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Hochschule für Kirchenmusik der Evangelischen Kirche von Westfalen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Hochschule für Kirchenmusik der Evangelischen Kirche von Westfalen
Gründung 1948[1]
Trägerschaft konfessionell
Ort Witten
Bundesland Nordrhein-Westfalen Nordrhein-Westfalen
Land Deutschland Deutschland
Rektor Jochen Kaiser[2]
Studierende 39 (WiSe 2024)[3]
Mitarbeiter 75 (2022)[4]
davon Professoren 11 (2022)[4]
Website www.hochschule-kirchenmusik.de

Die Hochschule für Kirchenmusik der Evangelischen Kirche von Westfalen in Witten ist eine Einrichtung der Evangelischen Kirche von Westfalen.

Sie ist die einzige evangelische kirchliche Musikhochschule in Nordwestdeutschland sowie die zweitgrößte der sechs evangelischen Musikhochschulen in Deutschland und der fast 30 deutschen Ausbildungsstätten für evangelische Kirchenmusik. 10 Prozent der Studierenden des Fachs Evangelische Kirchenmusik werden hier ausgebildet.

Die Hochschule bietet Bachelor- und Masterstudiengänge in den Fächern Klassisch und Popular (Rock, Pop, Jazz, Gospel) an. Die Aufbaustudiengänge Künstlerische Reifeprüfung und Konzertexamen in den Fächern Orgel, Orgelimprovisation, Chorleitung, Klavier und Historische Tasteninstrumente sowie berufsbegleitende Lehrgänge runden das Angebot ab.

Standort Witten

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Neuer Standort der Hochschule in Witten

Im Jahr 2016 wurde in Witten die Evangelische Popakademie gegründet. Seither kann dort „Evangelische Kirchenmusik Popular“ mit Bachelor- und Master-Abschlüssen studiert werden. Für die Leitung und den Aufbau des Hochschulbereiches der Akademie wurde Hartmut Naumann zum Prorektor und Professor für Popularmusik berufen. Er führte das Leitungsamt bis 2023 aus. Seit 2016 heißt die Hochschule Hochschule für Kirchenmusik Herford-Witten. Mit dem Umzug der klassischen Studiengänge nach Witten wurde der Name 2025 in Hochschule für Kirchenmusik der Evangelischen Kirche von Westfalen geändert.[5]

Ehemaliger Standort Herford

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Ehemaliger Hochschulstandort Herford, Parkstraße 6

Ihre erste Satzung erhielt die Hochschule für Kirchenmusik Herford am 22. April 1949 als Kirchenmusikschule für die Evangelische Kirche von Westfalen in Herford, nachdem sie bereits im Januar 1948 den Unterrichtsbetrieb aufgenommen hatte. Die Ausbildungsstätte ging aus dem am 1. November 1925 eröffneten Institut für Kirchenmusik des Städtischen Konservatoriums Dortmund hervor, das noch vor dem allgemein als älteste Kirchenmusikschule Deutschlands bezeichneten in Aschersleben entstand. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Herforder Superintendent Hermann Kunst von der Evangelischen Kirche von Westfalen mit der Neugründung der Schule beauftragt. Da er wegen der Kriegsschäden weder im Ruhrgebiet noch in Münster, Bielefeld oder Minden ein geeignetes Gebäude fand, entschloss er sich, die Schule in Herford anzusiedeln. Hermann Kunst beauftragte als Gründungsrektor den heute wegen seiner Nähe zum Nationalsozialismus umstrittenen Wilhelm Ehmann. Die ersten Kirchenmusikkurse wurden 1948 im Gemeindehaus der Münsterkirchengemeinde an der Mönchstraße durchgeführt. 1949 zog die damalige Westfälische Landeskirchenmusikschule in eine ehemalige Zigarrenfabrik an der Bielefelder Straße, wo ein Internat angeschlossen war und 1951 wurde das Gebäude an der Parkstraße bezogen.

Der Unterricht fand zunächst in Form von Kursen für nebenberufliche Kirchenmusiker statt; die ersten B-Examina für Hauptberufliche wurden 1951, das erste (auf der B-Prüfung aufbauende) A-Examen 1971 abgenommen.

Unter Ehmanns Nachfolger Kirchenmusikdirektor Uwe Karsten Groß (ab 1976) wurde das Institut, das sich den Namen „Westfälische Landeskirchenmusikschule“ gegeben hatte, 1991 in die staatlich anerkannte „Hochschule für Kirchenmusik der Evangelischen Kirche von Westfalen“ umgewandelt. 1993 wurde eine zweite Professur für gottesdienstliches Orgelspiel und Improvisation eingerichtet, deren erste Lehrstuhlinhaberin Christiane Michel-Ostertun wurde.

Mitte Oktober 2024 entschied die Landeskirche, dass ab dem Semester 2025/26 der gesamte Hochschulbetrieb am Standort Witten weitergeführt wird. Grund ist die kritische wirtschaftliche Gesamtlage. Der Standort Herford wird damit aufgegeben. Für die weitere Nutzung der Gebäude in Herford gibt es noch keine konkreten Pläne.[6]

Das Studium dauert 8 Semester bis zum Bachelor, weitere 4 Semester bis zum Master.

Schwerpunkte der klassischen Ausbildung liegen neben den Hauptfächern Orgel und Chorleitung auf einer praxisbezogenen Gemeindearbeit mit einer umfangreichen Bläserarbeit sowie den Fächern Gemeindesingen und Kinderchorleitung. Ziel ist die Ausbildung zum hauptberuflichen Musiker in einem der Fächer Orgelliteraturspiel, Orgelimprovisation, Chorleitung, Klavierspiel und Spiel auf historischen Tasteninstrumenten (Cembalo, Clavichord etc.).

Im Studiengang Popular liegt der Instrumentenschwerpunkt bei Gitarre, Klavier und weiteren stilprägenden Instrumenten der Popmusik. Darüber hinaus gehören Songwriting, moderne Produktionsmethoden und Kulturmanagement zum Lehrangebot.[7]

Obligatorisch für die Studierenden ist die Teilnahme an der Arbeit des Hochschulchores. Konzertreisen führten den Hochschulchor in den letzten Jahren nach Frankreich, Island, Ungarn und Rumänien.

Praxiserfahrungen in der Orchesterarbeit sammeln die Studierenden durch die enge Zusammenarbeit mit Wittener Kirchengemeinden.

  • Walter Blankenburg: Die Idee der evangelischen Kirchenmusikschule 1928–1948. In: Musik und Kirche, Jg. 38 (1968), S. 270ff.
  • Helmut Fleinghaus: 63 Jahre Kirchenmusikerausbildung in Westfalen. Ein Beitrag zum vierzigjährigen Bestehen der Westfälischen Landeskirchenmusikschule. In: Helmut Fleinghaus, Uwe Karsten Groß, Lebrecht Schilling (Hg.): 40 Jahre Westfälische Landeskirchenmusikschule Herford. Westfälische Landeskirchenmusikschule, Herford 1988.

Einzelnachweise

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  1. https://www.hochschule-kirchenmusik.de/hochschule/geschichte/@1@2Vorlage:Toter Link/www.hochschule-kirchenmusik.de (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Juni 2025. Suche in Webarchiven)  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  2. Evangelische Kirche von Westfalen MedienInfo 04/2023: Kirchenleitung beruft Kirchenmusiker aus Zürich. Neuer Rektor der Hochschule für Kirchenmusik, abgerufen am 21. Januar 2023
  3. Statistischer Bericht – Statistik. Statistik der Studenten (EVAS-Nr. 21311). (XLSX; 1,1 MB) Statistisches Bundesamt, abgerufen am 15. Oktober 2025.
  4. a b Statistischer Bericht – Statistik des Hochschulpersonals 2022. (XLSX; 1,5 MB) Statistisches Bundesamt, abgerufen am 13. April 2024.
  5. Der Umzug ist abgeschlossen, aber das Zusammenwachsen beginnt heute. Abgerufen am 15. Oktober 2025.
  6. Jobst Lüdeking: Umzug der Kirchenmusik-Hochschule: Was wird aus Herfords historischer Villa? Abgerufen am 2. November 2024.
  7. Studienangebot Popular. Abgerufen am 5. November 2025.

Koordinaten: 52° 6′ 42″ N, 8° 41′ 2″ O