Hochschule für Kirchenmusik der Evangelischen Kirche von Westfalen

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Hochschule für Kirchenmusik der Evangelischen Kirche von Westfalen
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Gründung 1948
Trägerschaft konfessionell
Ort Herford
Bundesland Nordrhein-Westfalen
Land Deutschland
Rektor Helmut Fleinghaus
Studenten 39 WS 2015/16[1]
Website www.hochschule-herford.de

Die Hochschule für Kirchenmusik der Evangelischen Kirche von Westfalen in Herford ist eine Einrichtung der Evangelischen Kirche von Westfalen. Sie ist die einzige protestantische kirchliche Musikhochschule in Nordwestdeutschland sowie die zweitgrößte der sieben evangelischen Musikhochschulen in Deutschland und der fast 30 deutschen Ausbildungsstätten für evangelische Kirchenmusik. 10 Prozent der Studierenden des Fachs Evangelische Kirchenmusik werden in Herford ausgebildet.

Die Hochschule bietet Studiengänge mit den Abschlüssen „Kirchenmusik B“, „Kirchenmusik A“ an und bereitet zudem auf die Künstlerische Reifeprüfung in den Fächern Orgel, Orgelimprovisation, Chorleitung, Klavier und Historische Tasteninstrumente vor.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Standort Herford
Standort Witten

Ihre erste Satzung erhielt die Hochschule für Kirchenmusik Herford am 22. April 1949 als Kirchenmusikschule für die Evangelische Kirche von Westfalen in Herford, nachdem sie bereits im Januar 1948 den Unterrichtsbetrieb aufgenommen hatte. Die Ausbildungsstätte ging aus dem am 1. November 1925 eröffneten Institut für Kirchenmusik des Städtischen Konservatoriums Dortmund hervor, das noch vor dem allgemein als älteste Kirchenmusikschule Deutschlands bezeichneten in Aschersleben entstand. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Herforder Superintendent Hermann Kunst von der Evangelischen Kirche von Westfalen mit der Neugründung der Schule beauftragt. Da er wegen der Kriegsschäden weder im Ruhrgebiet noch in Münster, Bielefeld oder Minden ein geeignetes Gebäude fand, entschloss er sich, die Schule in Herford anzusiedeln. Hermann Kunst beauftragte als Gründungsrektor den heute wegen seiner Nähe zum Nationalsozialismus umstrittenen Wilhelm Ehmann.

Der Unterricht fand zunächst in Form von Kursen für nebenberufliche Kirchenmusiker statt; die ersten B-Examina für Hauptberufliche wurden 1951, das erste (auf der B-Prüfung aufbauende) A-Examen 1971 abgenommen. Heute bildet die Ausbildungsstätte B- und A-Kirchenmusiker aus und bietet zudem besonders Qualifizierten die Möglichkeit, in einigen ausgewählten Fächern die Künstlerische Reifeprüfung abzulegen. Unter Ehmanns Nachfolger Kirchenmusikdirektor Uwe Karsten Groß (ab 1976) wurde das Institut, das sich den Namen „Westfälische Landeskirchenmusikschule“ gegeben hatte, 1991 in die staatlich anerkannte „Hochschule für Kirchenmusik der Evangelischen Kirche von Westfalen“ umgewandelt. 1993 wurde eine zweite Professur für gottesdienstliches Orgelspiel und Improvisation eingerichtet, deren erste Lehrstuhlinhaberin Christiane Michel-Ostertun wurde. Der Kirchenmusikdirektor Rolf Schönstedt (seit 1994 als Nachfolger von Uwe Karsten Groß) ging Mitte 2007 in den Ruhestand. Sein Nachfolger wurde Helmut Fleinghaus.

Seit 2016 kann am Standort Witten an der Evangelischen Popakademie „Evangelische Kirchenmusik Popular“ studiert werden.

Rektoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwerpunkte der Ausbildung liegen neben den Hauptfächern Orgel und Chorleitung auf einer praxisbezogenen Gemeindearbeit mit einer umfangreichen Bläserarbeit sowie den Fächern Gemeindesingen und Kinderchorleitung. Obligatorisch für die Studierenden ist die Teilnahme an der Arbeit des Hochschulchores. Konzertreisen führten den Hochschulchor in den letzten Jahren nach Frankreich, Island, Ungarn und Rumänien. Als Studiengänge bietet die Hochschule die folgenden an: die Ausbildung zum hauptberuflichen B- und A-Musiker (bei entsprechender Qualifikation im Rahmen des B-Examens) und das Studium mit dem Ziel der Künstlerischen Reifeprüfung (bei entsprechender Qualifikation im B- oder A-Examen) in einem der Fächer Orgelliteraturspiel, Orgelimprovisation, Chorleitung, Klavierspiel und Spiel auf historischen Tasteninstrumenten (Cembalo, Clavichord etc.). Das Studium dauert 8 Semester bis zum B-Examen weitere 4 Semester bis zum A-Examen.

Studenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Lehrbetrieb der Hochschule ist bis zu einer Kapazität von 50 Studenten ausgelegt. Im Wintersemester 2015/16 waren 39 Studenten eingeschrieben.

Westfälische Kantorei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angeschlossen an die Herforder Hochschule für Kirchenmusik ist die Westfälische Kantorei. Dieser gemischte Chor wurde 1948 (zunächst als "Ravensberger Kantorei") von Wilhelm Ehmann gegründet. Gastspiele in ganz Europa, in den USA, Japan und Südafrika bezeugen die Bedeutung des Chores während der Fünfziger bis Siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Nachfolger in der Arbeit mit dem Chor waren die Herforder Chorleitungsprofessoren Klaus-Martin Ziegler und Hannelotte Pardall. Seit 1986 liegt die Leitung in den Händen von Hildebrand Haake. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Ensemble zu einem Kammerchor mit den Literaturschwerpunkten Alte Musik und 20. Jahrhundert; es entstanden Einspielungen für den SFB und den WDR. 2006 gewann der Chor den ersten Preis beim Deutsch-Niederländischen Chorwettbewerb.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Blankenburg: Die Idee der evangelischen Kirchenmusikschule 1928–1948. In: Musik und Kirche, Jg. 38 (1968), S. 270ff.
  • Helmut Fleinghaus: 63 Jahre Kirchenmusikerausbildung in Westfalen. Ein Beitrag zum vierzigjährigen Bestehen der Westfälischen Landeskirchenmusikschule. In: Helmut Fleinghaus, Uwe Karsten Groß, Lebrecht Schilling (Hg.): 40 Jahre Westfälische Landeskirchenmusikschule Herford. Westfälische Landeskirchenmusikschule, Herford 1988.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt: Studierende an Hochschulen. Wintersemester 2015/2016 (= Fachserie 11, Reihe 4.1 – endgültige Ergebnisse), 2. September 2016, S. 78.

Koordinaten: 52° 6′ 42″ N, 8° 41′ 2″ O