Jerzens

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Jerzens
Wappen Österreichkarte
Wappen von Jerzens
Jerzens (Österreich)
Jerzens
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Tirol
Politischer Bezirk: Imst
Kfz-Kennzeichen: IM
Fläche: 30,43 km²
Koordinaten: 47° 9′ N, 10° 45′ OKoordinaten: 47° 8′ 59″ N, 10° 44′ 48″ O
Höhe: 1107 m ü. A.
Einwohner: 944 (1. Jän. 2021)
Postleitzahl: 6474
Vorwahl: 05414
Gemeindekennziffer: 7 02 05
Adresse der
Gemeinde­verwaltung:
Jerzens 220
6474 Jerzens
Website: www.jerzens.tirol.gv.at
Politik
Bürgermeister: Karl Raich[1] (Gemeinsam für Jerzens)
Gemeinderat: (Wahljahr: 2016)
(11 Mitglieder)

11 Miteinander - Füreinander

Lage von Jerzens im Bezirk Imst
Arzl im PitztalHaimingImstImsterbergJerzensKarresKarröstenLängenfeldMiemingMils bei ImstMötzNassereithObsteigOetzRietzRoppenSt. Leonhard im PitztalSautensSilzSöldenStamsTarrenzUmhausenWennsTirol (Bundesland)Lage der Gemeinde Jerzens im Bezirk Imst (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Jerzens, von Wenns aus gesehen
Jerzens, von Wenns aus gesehen
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Jerzens ist eine Gemeinde und eine Ortschaft[2] mit 944 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2021) im Bezirk Imst (Gerichtsbezirk Imst), Tirol (Österreich).

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jerzens liegt im vorderen Pitztal. Der tiefste Punkt an der Pitze liegt rund 1000 Meter über dem Meer. Auf beiden Seiten steigt das Tal größtenteils bewaldet bis auf fast 3000 Meter an. Die Gemeindefläche beträgt dreißig Quadratkilometer. Davon ist die Hälfte bewaldet, sieben Prozent werden landwirtschaftlich genutzt, doppelt so viel sind Almen und mehr als ein Viertel ist alpines Gebiet.[3]

Unterhalb des Haufendorfs Jerzens erstreckt sich in sonniger und windgeschützter Lage das höchstgelegene Maisanbaugebiet in Nordtirol.

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jerzens besteht aus einer einzigen Ortschaft bzw. Katastralgemeinde. Zur Gemeinde gehören noch Weiler beiderseits der Pitze in Tallage, wie Ritzenried und Wiesle.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arzl im Pitztal
Wenns

Fließ (LA)

Nachbargemeinden Roppen
Kaunerberg (LA) St. Leonhard im Pitztal Umhausen

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den Funden eines Lappenbeils und einer Lanzenspitze kann geschlossen werden, dass das Gebiet bereits in der Bronzezeit durchwandert wurde. Es wurden jedoch keine Spuren einer Siedlung aus dieser Zeit gefunden. Da sich einige Ortsteile typische Walser Siedlungen sind, geht man davon aus, dass die Besiedlung vom Engadin aus erfolgte.

Der Ortsname findet sich in einer Urkunde von 1299 als Irss erstmals verschriftlicht. Als Bedeutung bietet sich rätoromanisch iert (‚steil‘) an. Ausgangswort war demnach *Iertes/Iertenes o. ä.

In einem Register aus dem Jahr 1313 werden Irtzens und Ritzenried als steuerliche Ortsverbände des Gerichts (=Verwaltungsgebiets) Imst genannt. Um 1650 war Jerzens eine selbständige Steuergemeinde, aus der 1811 während der bayrischen Herrschaft die politische Gemeinde hervorging.

Die Kirche zum hl. Gotthard wurde 1736 bis 1737 erbaut und gehörte ursprünglich zur Pfarre Wenns. Im Jahr 1752 erhielt Jerzens einen Kaplan, wurde 1849 eine Kuratie und 1891 selbständige Pfarre.[4]

Im Jahre 1923 wurde ein gemeindeeigenes Kraftwerk oberhalb der Mühle gebaut. Seit 1955 die Gemeinde den Strom von der TIWAG. 1954 wurde die Wasserleitung errichtet. 1951 riss eine Staublawine auf der Alm und den Wiesen 30 Heustädel mit. 1966 verwüstete eine Mure die Ortsteile Mühlloch und Niederhof.

Seit 1986 sind die Schulräume im Gemeindehaus untergebracht. 1995 wurde das alte Schulhaus abgetragen und an dessen Stelle der zweite Teil des Gemeindehauses errichtet.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Pfarrkirche hl. Gotthard
Herz-Jesu-Kapelle in Ritzenried
Lourdeskapelle

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Jerzens

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts waren die Landwirtschaft und das Handwerk die Haupteinnahmequelle der Bewohner, wobei viele Bewohner gezwungen waren, auszuwandern oder sich im Ausland als Saisonarbeiter zu verdingen. Dies änderte sich mit dem Einsetzen des Tourismus, als 1964 am Hochzeigerhaus ein Schilift in Betrieb ging.

Wirtschaftssektoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2010 gab es sechzig landwirtschaftliche Betriebe, wovon 55 im Nebenerwerb und fünf von juristischen Personen geführt wurden. Diese fünf bewirtschafteten fast neunzig Prozent der Flächen.[5] Neben elf Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft wurden 28 im Produktionssektor und über 200 im Dienstleistungssektor angeboten, größtenteils im Sektor Beherbergung und Gastronomie.[6]

Berufspendler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den 427 Erwerbstätigen, die 2011 in Jerzens wohnten, arbeiteten 137 in der Gemeinde und 290 pendelten aus. Aus der Umgebung kamen 119 Menschen zur Arbeit nach Jerzens.[7]

Fremdenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute hat das Schigebiet Hochzeiger eine 8er-Gondelbahn, zwei 6er-Sesselbahnen, eine Vierersesselbahn und fünf weitere Liftanlagen[8] mit insgesamt 52 Pistenkilometer. Jerzens hat etwa 2000 Gästebetten aufzuweisen, mitunter in Ferienwohnungen, Pensionen und Gasthöfen und auch einigen Top-Wellnesshotels. Touristisch stark geprägt ist vor allem der Weiler Liß/Kaitanger.

Die Anzahl der Übernachtungen liegt im Jahresschnitt bei 230.000. Diese verteilen sich auf zwei Saisonen, wobei der Winter stärker als der Sommer ist.[9]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Gemeinderat werden 11 Mandatare gewählt:

Partei 2016[10] 2010[11]
Prozent Mandate % Mandate
Miteinander - Füreinander 100 11 53,45
Unser Jerzens - Team Markus Schöpf 46,55

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister ist Karl Raich.[12]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen zeigt einen Bischofsstab, der auf den für Tirol einmaligen Pfarrpatron, den heiligen Gotthard, hinweist. Das grüne Feld symbolisiert die Bedeutung der Landwirtschaft und der rot-silbern karierte Balken erinnert an den wichtigen Grundeigentümer im Mittelalter, das Stift Stams.[13]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Gemeinde verbundene Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Jerzens – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. RiS-Kommunal
  2. Ein Blick auf die Gemeinde 70205 - Jerzens > Registerzählung vom 31.10.2011 > Bevölkerung nach Ortschaften. (PDF) Statistik Austria, abgerufen am 13. September 2021: „Ortschaft Jerzens“
  3. Ein Blick auf die Gemeinde Jerzens, Fläche und Flächennutzung. (PDF) Statistik Austria, abgerufen am 9. Februar 2021.
  4. Michael Fritz: Geschichte Tirol, Jerzens. Verein "fontes historiae - Quellen der Geschichte", abgerufen am 9. Februar 2021.
  5. Ein Blick auf die Gemeinde Jerzens, Land- und forstwirtschaftliche Betriebe. (PDF) Statistik Austria, abgerufen am 9. Februar 2021.
  6. Ein Blick auf die Gemeinde Jerzens, Erwerbstätige am Arbeitsort. (PDF) Statistik Austria, abgerufen am 9. Februar 2021.
  7. Ein Blick auf die Gemeinde Jerzens, Berufspendler. (PDF) Statistik Austria, abgerufen am 9. Februar 2021.
  8. Lifte und Bahnen Hochzeiger. Tourismusverbands Pitztal, abgerufen am 13. September 2021.
  9. Ein Blick auf die Gemeinde Jerzens, Übernachtungen. (PDF) Statistik Austria, abgerufen am 9. Februar 2021.
  10. Land Tirol - Wahlen 2016. Abgerufen am 9. Februar 2021.
  11. Land Tirol - Wahlen 2010. Abgerufen am 9. Februar 2021.
  12. Jerzens, Bürgermeister. Gemeinde Jerzens, abgerufen am 9. Februar 2021 (österreichisches Deutsch).
  13. Wappen von Tirol, Bezirk Imst. Tirol Atlas, abgerufen am 9. Februar 2021.