Jugendwort des Jahres (Deutschland)

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Das Jugendwort des Jahres ist ein Wort, das seit 2008 jährlich von einer Jury unter der Leitung des Langenscheidt-Verlags ausgewählt wird.

Auswahlprozess[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Internet können Vorschläge für das Jugendwort des Jahres eingereicht werden, diese werden dann in einem mehrstufigen Verfahren eingegrenzt, letztlich stimmt eine Jury über das Jugendwort ab. Als Auswahlkriterien werden angegeben: „sprachliche Kreativität“, „Originalität“, „Verbreitungsgrad des Wortes“ sowie „gesellschaftliche und kulturelle Ereignisse“.[1]

Idee und Einschätzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wahl zum Jugendwort des Jahres soll die sich wandelnde Jugendsprache dokumentieren.

Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) bezeichnet die Wahl als schöne Idee. Der Leiter der GfdS-Sprachberatung, Lutz Kuntzsch, sagte aber auch: „Das Ganze ist ein Sprachspiel. Ich würde daraus nicht ableiten, dass die Jugend tatsächlich so spricht.“

Wolfgang Gaiser vom Deutschen Jugendinstitut kritisiert: „Das hat wohl eher was mit Verlagsmarketing zu tun als mit Sozialforschung über das, was Jugendliche sprechen, über das, was Jugendliche denken. Mit solchen Spielereien Aufmerksamkeit für Verlagsprodukte zu erzielen und Leserschaften zu binden, ist ein geschickter Marketing-Gag. […] Wenn Spaßformulierungen herausgehoben werden, als ob sie das Sprach- und Denkniveau der Jugend heute wären, verzerrt dies das Bild über die Jugend von heute.“[2]

Mit der Wahl zum Jugendwort des Jahres wirbt der Langenscheidt-Verlag jedes Jahr für sein Lexikon 100 Prozent Jugendsprache.[3]

Liste der Jugendwörter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Platzierung Jugendwort des Jahres Erklärung
2008 1. Platz Gammelfleischparty Party für Menschen über 30 Jahren, Ü30-Party
2. Platz Bildschirmbräune Blässe von Computerfreaks
3. Platz unterhopft sein Lust auf Bier zu haben
2009 1. Platz hartzen Arbeitslos sein, „rumhängen“
2. Platz bam Variante von „cool“
3. Platz Bankster Kombination aus Banker und Gangster
2010[4] 1. Platz Niveaulimbo Ständiges Absinken des Niveaus, aus dem Ruder laufende Partys und sinnlose Gespräche unter Jugendlichen
2. Platz Arschfax Unterhosenetikett, das hinten aus der Hose hängt
3. Platz Egosurfen Seinen eigenen Namen in Suchmaschinen im Internet eingeben
2011[5] 1. Platz Swag Beneidenswerte, lässig-coole Ausstrahlung
2. Platz (epic) Fail Grober Fehler, misslungenes Vorhaben, Versagen
3. Platz guttenbergen Abschreiben
2012[6][7] 1. Platz YOLO Abkürzung von „you only live once“; 1. Aufforderung, eine Chance zu nutzen, 2. Entschuldigung für falsches Verhalten
2. Platz FU! 1. Scheiße, 2. Fick dich!
3. Platz Yalla! Beeil dich!
2013[8] 1. Platz Babo Boss, Anführer, Chef
2. Platz fame Toll, super, berühmt
3. Platz gediegen Super, cool, lässig
2014[9] 1. Platz Läuft bei dir Du hast es drauf!, cool, krass
2. Platz Gönn dir! Viel Spaß dabei!
3. Platz Hayvan Tier, Vieh, Lümmel
2015[10] 1. Platz Smombie Ein Kofferwort aus den Begriffen „Smartphone“ und „Zombie“. Damit sind Menschen gemeint, die durch den ständigen Blick auf ihr Smartphone so stark abgelenkt seien, dass sie ihre Umgebung kaum noch wahrnehmen würden.
2. Platz merkeln abgeleitet von Angela Merkels Regierungsstil, nichts tun, keine Entscheidung treffen
3. Platz rumoxidieren Chillen, entspannen, abhängen
2016[11] 1. Platz fly sein Etwas oder jemand geht besonders ab
2. Platz bae before anyone/anything else, Bezeichnung für beste Freundin o. ä.
3. Platz isso „[es] ist so“, Zustimmung, Bekräftigung

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeine Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Aktion Jugendwort des Jahres wird kritisiert, dass diese vom Veranstalter Langenscheidt zu kommerziellen Werbezwecken genutzt werde. Darüber hinaus wird bezweifelt, dass Jugendliche tatsächlich den „Jugendwörtern“ entsprechend redeten – zumal an der Abstimmung zum jährlichen Jugendwort nicht nur Jugendliche, sondern Internetnutzer aller Altersgruppen teilnehmen können.[11] Die Jugendsprache hat bei jeder Jugend ihre eigenen "Regeln", das heißt, sie verändert sich ständig und kann deshalb nur schwer aufgezeichnet und beschrieben werden.

2009[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wort „hartzen“ wurde kritisiert, da es Arbeitslosen unterstelle, faul zu sein und freiwillig auf Kosten des Staates zu leben.[12]

2015[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff „Alpha-Kevin“, Synonym für „den Dümmsten von allen“, wurde aus der Abstimmung genommen, da Namensträger und somit reale Personen nicht diskriminiert werden sollten.[13] Die tatsächliche Existenz des Jugendwortes Smombie in der Jugendsprache wurde von Journalisten bezweifelt, da dieses Wort vor der Nominierung zur Wahl des Jugendwortes des Jahres noch nicht im Internet vorkam.[14] Es wurde spekuliert, dass es sich um eine Erfindung des Langenscheidt-Verlages handeln könnte.[15]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Siehe www.jugendwort.de: Gib uns dein Wort
  2. W. Gaiser im Gespräch mit Elena Zelle, in: Der Sonntag. 1. Dezember 2013, S. 9.
  3. www.welt.de: Nichts da „merkeln“ – „Smombie“ ist Jugendwort des Jahres
  4. „Niveaulimbo“ ist Jugendwort des Jahres. In: Spiegel Online vom 29. November 2010.
  5. Das Jugendwort des Jahres ist gewählt! jugendwort.de, abgerufen am 5. Dezember 2011.
  6. Das Jugendwort des Jahres 2012. jugendwort.de, abgerufen am 26. November 2012.
  7. Das Jugendwort des Jahres ist gewählt! jugendwort.de, abgerufen am 10. Dezember 2012.
  8. Das Jugendwort des Jahres 2013. jugendwort.de, abgerufen am 25. November 2013.
  9. Das Jugendwort des Jahres 2014. jugendwort.de, abgerufen am 25. November 2014.
  10. Das Jugendwort des Jahres 2015. jugendwort.de, abgerufen am 13. November 2015.
  11. a b Sprache: Jugendwort des Jahres 2016 ist „fly sein“. In: Spiegel Online. 18. November 2016, abgerufen am 18. November 2016.
  12. www.stern.de: Von „Babo“ bis „Läuft bei dir“ – Kennen Sie die Jugendwörter der vergangenen Jahre?
  13. Warum Alpha Kevin plötzlich nicht mehr zur Wahl steht. In: welt.de. 25. Juli 2015, abgerufen am 25. Juli 2015.
  14. Diesen Begriff kannte vorher nur die Jury: „Smombie“ statt „merkeln“ ist Jugendwort des Jahres, Meedia, 13. November 2015
  15. „Smombie“ gibt es nicht - es ist eine Erfindung, Der Tagesspiegel, 13. November 2015