Kip Thorne

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Kip S. Thorne (2007)

Kip Stephen Thorne (* 1. Juni 1940 in Logan, Utah, USA) ist ein US-amerikanischer Wissenschaftler der theoretischen Physik.

Thorne ist Schüler von John Archibald Wheeler und ist bekannt für seine umfassenden Beiträge über die Gravitation und relativistische Astrophysik. Er war bis 2009 Professor der theoretischen Physik am California Institute of Technology (Caltech).

2017 wurde ihm gemeinsam mit Rainer Weiss und Barry Barish der Nobelpreis für Physik für entscheidende Beiträge zum LIGO-Detektor und die Beobachtung von Gravitationswellen zuerkannt.[1]

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thornes Forschungen befassen sich mit den Grundlagen und astrophysikalischen Anwendungen der allgemeinen Relativitätstheorie. Auf ihn geht das Ringkriterium zurück, an dem sich entscheiden soll, ob sich aus einem kompakten Körper ein Schwarzes Loch bildet. Thorne war maßgeblich am Aufbau des LIGO-Projektes beteiligt, im Rahmen dessen Gravitationswellen nachgewiesen werden konnten, und ist weiterhin ein aktiver Teilnehmer an den LIGO-Forschungen.

Kip Thorne wurde einer breiteren Öffentlichkeit durch sein populärwissenschaftliches Werk „Gekrümmter Raum und verbogene Zeit. Einsteins Vermächtnis“ bekannt (im engl. Original: Black Holes and Time Warps: Einstein’s Outrageous Legacy). In seiner kontrovers diskutierten Theorie untersuchte Thorne unter anderem die Möglichkeit von Zeitreisen mit Hilfe von Wurmlöchern. Als Experte beriet er Christopher Nolan bei dessen Film Interstellar und agierte als ausführender Produzent.

Bekannt wurde Thorne auch für eine Wette, die er und John Preskill mit Stephen Hawking 1991 abschlossen (erneuert 1997) und die die Frage der Existenz nackter Singularitäten in der allgemeinen Relativitätstheorie betrifft. Hawking war wie Roger Penrose ein Vertreter der Cosmic-Censorship-Hypothese, die das verneint, Thorne hatte schon Anfang der 1970er Jahre Modellsysteme mit nicht-sphärischem Kollaps untersucht und vertrat mit Preskill die Ansicht, dass sie möglich sind. Eine weitere Wette betraf das Problem des Informationsverlusts Schwarzer Löcher (Informationsparadoxon schwarzer Löcher), bei dem er zunächst mit Hawking auf derselben Seite stand in der Annahme, dass auch in der Quantenversion der Gravitation Information bei Schwarzen Löchern verloren geht (Preskill wettete dagegen und nahm an, es gebe in der Quantengravitation einen Weg, die Information zu erhalten).

Nach ihm wurde das Thorne-Żytkow-Objekt benannt.

1972 wurde er zum Mitglied der American Academy of Arts and Sciences, 1973 zum Mitglied der National Academy of Sciences und 1999 zum Mitglied der American Philosophical Society gewählt. Der Russischen Akademie der Wissenschaften gehört er seit 1999 als auswärtiges Mitglied an.[2]

Seit 2016 zählte ihn Thomson Reuters aufgrund der Zahl seiner Zitierungen zu den Favoriten auf einen Nobelpreis (Thomson Reuters Citation Laureates), den er 2017 dann auch erhielt.[3]

Von links: Yuval Neeman, Bryce S. DeWitt, Kip Thorne, Les Houches Summer School 1972

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Charles W. Misner, Kip S. Thorne und John A. Wheeler: Gravitation. Freeman, San Francisco 1973, ISBN 0-7167-0334-3.
  • Kip S. Thorne: Gekrümmter Raum und verbogene Zeit. Einsteins Vermächtnis. 4. Auflage. Droemer Knaur, München 1994, ISBN 3-426-26718-7.
    • englisches Original: Black holes and time warps. Norton 1994
  • K. S. Thorne: Gravitational Radiation. in: Hawking, Israel (Hrsg.): 300 Years of Gravitation. Cambridge University Press 1987, S. 330–458
  • K. S. Thorne, R. H. Price, D. M. Macdonald: Black Holes, The Membrane Paradigm. Yale University Press, 1986
  • Kip Thorne: The Science of Interstellar. Norton 2014

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nobelpreis für Physik 2017
  2. Ausländische Mitglieder der Russischen Akademie der Wissenschaften seit 1724. Kip Thorne. Russische Akademie der Wissenschaften; abgerufen am 27. Oktober 2015 (russisch).
  3. Web of Science Predicts 2016 Nobel Prize Winners. In: ipscience.thomsonreuters.com. 21. September 2016; abgerufen am 21. September 2016 (englisch).
  4. Einsteinhaus Bern: Einstein-Medaille
  5. Special Breakthrough Prize In Fundamental Physics Awarded For Detection Of Gravitational Waves 100 Years After Albert Einstein Predicted Their Existence
  6. 2016 Gruber Cosmology Prize