Wewelsfleth

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Wewelsfleth
Wewelsfleth
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Wewelsfleth hervorgehoben
Koordinaten: 53° 51′ N, 9° 24′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Steinburg
Amt: Wilstermarsch
Höhe: 1 m ü. NHN
Fläche: 24,54 km2
Einwohner: 1374 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 56 Einwohner je km2
Postleitzahl: 25599
Vorwahl: 04829
Kfz-Kennzeichen: IZ
Gemeindeschlüssel: 01 0 61 110
Adresse der Amtsverwaltung: Kohlmarkt 25
25554 Wilster
Webpräsenz: www.wilster.de
Bürgermeister: Delf Bolten (CDU)
Lage der Gemeinde Wewelsfleth im Kreis Steinburg
Karte
Luftbild (Mai 2012)
„Wevelflete“ 1645 im Atlas Maior von Willem Blaeu

Wewelsfleth (niederdeutsch: Wewelsfleet) ist eine Gemeinde im Kreis Steinburg in Schleswig-Holstein.

Geografie und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wewelsfleth liegt an der Stör, die hier in die Elbe fließt. Auch das Störsperrwerk liegt in Wewelsfleth. Die Bundesstraße 431 verläuft durch die Gemeinde. Der Ort wird von der Humsterdorfer Wettern durchflossen.

Zur Gemeinde gehören die Ortsteile Wewelsflether Uhrendorf, Kleinwisch, Humsterdorf, Beesen, Roßkopp, Großwisch, Hollerwettern und Dammducht. In der Gemeinde lag auch die von vielen Künstlern bewohnte Siedlung Störort, die aber dem Bau des Störsperrwerks weichen musste.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste überlieferte Erwähnung des Ortes findet sich in einer Urkunde aus dem Jahre 1238, in der der Ortsname als Weuelesflethe vermerkt ist. Wie bei fast allen Wörtern aus dieser Zeit änderte sich die Schreibweise im Lauf der Jahrhunderte, wie aus nachfolgenden Urkunden ersichtlich wird.[2]

Ortsnamen mit der Endung -fleth sind in den Elbmarschen charakteristisch. Fleete bezeichneten die natürlichen Zuflüsse der Elbe und ihrer Nebenflüsse; allerdings sind diese Wasserläufe durch die Bedeichung im Mittelalter größtenteils verschwunden und nur noch in den Ortsnamen erhalten. An einem derartigen Wasserlauf lag auch das frühere Wewelsfleth.

Die Ortsnamen mit der Endung -fleth sind mit Personennamen oder anderen Hauptwörtern zusammengesetzt. Das Wort Wewel lässt sich wohl zurückführen auf den sächsischen Namen Wibil, sodass der damalige Fleth der „Fleth des Wibil“ war.[2] Aus Wibil ist dann im Laufe der Zeit Wevel und Wewel geworden.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde die Gemeinde aufgrund der ständigen Bedrohung durch Sturmfluten von ihrem Platz direkt an der Elbe unterhalb der Störmündung an die Stelle des Dorfes Humsterdorf verlegt.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche von Alt-Wewelsfleth war dem ersten Bremer Bischof Willehad geweiht, der um 780 zwischen Unterweser und Unterelbe und wohl auch in Nordalbingien missionierte. Eine erste Erwähnung fand sie 1337.

Die neue Kirche wurde dann um 1503 der Dreieinigkeit geweiht und Trinitatis-Kirche genannt.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Kommunalwahl 2013 hat die SPD vier, die CDU fünf und die Wählergemeinschaft UWG vier Sitze der Gemeindevertretung.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „Von Silber und Blau geteilt. Oben die rote Straßenfront eines Wilstermarscher Bauernhauses mit silbernem, in drei Stufen verbrettertem, oben mit einer Hinkklaue abschließendem Giebel. Unten ein einmastiger silberner Störewer unter vollen Segeln.“[3]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Peters Schiffbau GmbH ist mit 110 Angestellten der größte Betrieb der Gemeinde. In Wewelsfleth wurde im November 1989 von der UWW (Umschalten Windstrom Wedel) eine der frühen Windkraftanlagen Deutschlands mit 75 kW als Reaktion auf den Bau des Kernkraftwerks Brokdorf errichtet. Sie war 2012 noch in Betrieb.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein kulturträchtiges Gebäude Wewelsfleths ist das Alfred-Döblin-Haus. Das Haus wurde 1698 als Kirchspielvogtei von Kirchspielvogt Peter Hellmann erbaut. 1970 kaufte der Schriftsteller Günter Grass das Haus und rettete es damit vor dem Abriss. Hier entstanden u.a. seine Werke Der Butt und Kopfgeburten, außerdem viele seiner Zeichnungen und Radierungen. 1985 schenkte Günter Grass das Haus dem Land Berlin als Arbeitsstätte für Berliner Autoren (Aufenthalts-Stipendien). Seitdem besuchen regelmäßig junge Berliner Autoren für einige Monate Wewelsfleth im Rahmen eines von der Stadt Berlin mitfinanzierten Stipendiums.

Günter Grass und Björn Engholm gründeten 1983 die Wewelsflether Gespräche, zu denen sich seitdem einmal jährlich Persönlichkeiten aus Politik, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft zur Diskussion aktueller Themen treffen.[4]

Ein wichtiger Kulturträger ist das 1955 gegründete Blasorchester Wewelsfleth, Träger des Kulturpreises des Kreises Steinburg 2009.

Söhne und Töchter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heinrich Schmidt (1756−1846) war ein deutscher evangelisch−lutherischer Hauptpfarrer in der Marienkirche, später Propst in Süderdithmarschen und Kirchenlieddichter.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • H. A. Becker: Die Stör Der Stör, Verlag BoD, 1970/2002, S. 44–46 Wewelsfleth Leseprobe bei Google-Books
  • Andreas Rumler: Schleswig-Holstein - Kultur, Geschichte und Landschaft zwischen Nord- und Ostsee, Elbe und Flensburger Förde, DuMont Reiseverlag, Ostfildern, 1997, S. 286 Wewelsfleth Leseprobe bei Google-Books

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wewelsfleth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2015 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. a b Wolfgang Laur: Historisches Ortsnamenlexikon von Schleswig-Holstein, 2. Aufl., Neumünster 1992, S. 694.
  3. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
  4. SPD-Geschichtswerkstatt: Wewelsflether Gespräche.