Gerhard Hoehme

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Gerhard Hoehme (* 5. Februar 1920 in Greppin bei Dessau; † 29. Juni 1989 in Neuss) war ein deutscher Maler und Grafiker, der als wichtiger Vertreter der Abstrakten Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg und des deutschen Informel gilt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1936 bis 1938 machte er eine Lehre zum Bankkaufmann und anschließend von 1939 bis 1945 eine Ausbildung zum Flugzeugführer. Gerhard Hoehme hatte als Jagdflieger zahlreiche Flugeinsätze u.a. in Afrika, Russland und Griechenland. Dabei wurde er zweimal verwundet. In der Rekonvaleszenzzeit belegte Gerhard Hoehme Kurse in Malerei und Graphik. 1945 bis 1946 war Hoehme in amerikanischer Kriegsgefangenschaft. Er begann 1948 ein kurzes Studium bei dem Schriftgestalter Herbert Post an der Kunstschule Burg Giebichenstein bei Halle an der Saale. 1948 heiratete er Margarete Schulze. 1951 ging er mit Hilfe des Übersetzers und Hoehmes späterem Galeristen Jean-Pierre Wilhelm nach Düsseldorf und bezog ein Haus in Düsseldorf-Kaiserswerth. Von 1951 bis 1953 studierte er an der Kunstakademie in Düsseldorf bei Otto Coester. In seiner Studienzeit richtete er seine Kunst am französischen Tachismus aus. Im gleichen Jahr begegnete er erneut Jean-Pierre Wilhelm, der ihm wiederum Jean Fautrier und Jean Dubuffet vorstellte. Zudem hatte er Kontakte zu dem französischen informellen Künstlern aus Paris sowie Literaten, Kunstkritikern und Musikern wie Juilen Alvard, Pierre Restany, Paul Celan, und Pierre Boulez. Seither beschäftigte sich Gerhard Hoehmes verstärkter mit der informellen Malerei. 1954 wurde sein Sohn Pitt Simon geboren. 1954 bis 1957 war Gerhard Hoehme Vorsitzender der Künstlervereinigung Gruppe 53. 1960 erhielt er ein Stipendium an der Deutschen Akademie Villa Massimo in Rom. Er traf in Rom Alberto Burri, Cy Twombly, Robert Motherwell, Mark Rothko, Enrico Crispolti und Giulio Carlo Argan und schließt Freundschaft mit den Künstlern Piero Dorazio, Pino Pascali und dem Schriftsteller Paul Nizon. 1959 war Hoehme Teilnehmer der documenta II in Kassel in der Abteilung Malerei. 1960 erhält er eine Berufung an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf als Lehrer der Vor- und Grundkurs-Klassen und wurde 1965 zum Professor für Freie Malerei an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf ernannt. 1960 wurde er mit dem Villa Massimo-Preis in Rom ausgezeichnet. Im Jahr 1962 erfolgte die Veröffentlichung seiner Texte: Wegzeichen im Unbekannten. Seit 1963 unterhielt Gerhard Hoehme einen zweiten Wohnsitz in Nemi bei Rom. 1967 veröffentlichte er sein Manifest Relationen. Zur Zeit der Studentenunruhen 1968 und der revolutionären Lehransätze von Joseph Beuys an der Kunstakademie Düsseldorf überdenkt Gerhard Hoehme in zahlreiche Texten die Situation der Akademie und entwickelte Gedanken zu Reformen. 1974 siedelt er von Düsseldorf nach Neuss-Selikum um. 1984 wird er in die Akademie in Berlin gewählt. Seine Lehrtätigkeit beendete er 1984. Gerhard Hoehme erhielt 1984 die Paul-Klee-Professur für Bildende Kunst an der Universität Gießen.

Zu seinen Schülern gehörten unter anderem Sigmar Polke, Michael Bette und Chris Reinecke.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1957 erhielt Hoehme den in diesem Jahr erstmals vergebenen Förderpreis des Landes NRW. Noch im selben Jahr gründete er zusammen mit Jean-Pierre Wilhelm die Galerie 22, die bis 1960 existierte und ein Zentrum des Informel für Künstler, Musiker und Schriftsteller war. Hoehme wurde Mitglied der Düsseldorfer Künstlervereinigung Gruppe 53. Nach 1955 malte er auch im Stil der Lyrischen Abstraktion.

Hoehme eigener, spezieller Malstil knüpfte an die Tradition der shaped canvas an. Er vermischte das Farbmaterial und schaffte mit seinen Gemälden räumliche Strukturen und kombinierte Raumelemente mit bemalten Flächen. Er beschäftigte sich mit dem Combine Painting, schuf kalligrafische Schriftbilder, Strukturbilder und Objektbilder. Ab den 1970er Jahren entstanden seine sogenannten „Damastbilder“. Er wollte damit „offene Bilder“ schaffen, die nicht mehr nur auf der Leinwand wirkten, sondern im Betrachter präsent sein sollten.

1959 war Hoehme Teilnehmer der documenta II in Kassel in der Abteilung Malerei. 1960 wurde er mit dem Villa Massimo-Preis in Rom ausgezeichnet. Im Jahr 1962 erfolgte die Veröffentlichung seiner Texte: Wegzeichen im Unbekannten. 1967 schrieb er sein Manifest Relationen.

Gerhard Hoehme war Mitglied im Deutschen Künstlerbund, er gehörte dessen Vorstand von 1961 bis 1963 an.[1]

Kunstmappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Merke und andere Texte aus "Spuren" von Ernst Bloch mit sieben Originalradierungen von Gerhard Hoehme. Heidelberg 1985

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1959: documenta II, Kassel
  • 1977: Galerie Georg Nothelfer, Berlin
  • 1980: Museum am Ostwall, Dortmund
  • 1982: Galerie Georg Nothelfer, Berlin
  • 1986: Galerie Georg Nothelfer, Berlin
  • 1990: Galerie Georg Nothelfer, Berlin
  • 1997: Affinites Electives Casino Luxembourg, Luxemburg
  • 1980: Kunsthalle Bielefeld / Museum am Ostwall, Dortmund
  • 1985: Kunst Stoff Kunst, Städtische Galerie Nordhorn / Kunsthalle Mannheim / Sprengel Museum Hannover / Frankfurter Kunstverein
  • 1998: Gerhard Hoehme, Galerie Marianne Hennemann, Bonn / Material und Collage Galerie Boisserée, Köln / 1998 Kunstmuseum Bonn / Galerie Zimmer, Düsseldorf
  • 2001: Gruppenausstellung Galerie Rothe, Frankfurt / Saarland Museum, Saarbrücken / Galerie Neher, Essen / Galerie Stefan Röpke, Köln / Galerie Marianne Hennemann, Bonn / Galerie Zimmer, Düsseldorf
  • 2002: Tan cerca, tan lejos, Artium, Vitoria-Gasteiz / Galerie Georg Nothelfer, Berlin
  • 2003: So nah, so fern, Wilhelm-Lehmbruck-Museum, Duisburg / Gruppe 53, Freunde und Förderer im Museum der Stadt Ratingen / Informel Galerie Peter Zimmermann, Mannheim
  • 2003/2004: Berlin-Moskau / Moskau-Berlin, Martin-Gropius-Bau, Berlin
  • 2004: SOMMERLUST – KUNST-STÜCKE, Galerie Rothe, Frankfurt / Auf Papier Galerie Neher, Essen / Berlin-Moskau / Moskau-Berlin 1950-2000 Tretjakov Gallery, Moskau / Über das Bild hinaus, Kunst aus Nordrhein-Westfalen
  • 2005: Informelle Tendenzen Galerie Maulberger, München / Schrift. Zeichen. Geste. Kunstsammlungen Chemnitz / Gerhard Hoehme, Kunstverein „Talstrasse“, Halle / glocal/01, Artforum Palma de Mallorca / FARBE FLÄCHE FORM, Galerie Neher, Essen / EXIT_AUSSTIEG AUS DEM BILD ZKM, Karlsruhe
  • 2006: 9. Art Summer, Galerie Maulberger, München / Impulse – Informel und Zero, Museum der Stadt Ratingen / Full House, Kunsthalle Mannheim / Gerhard Hoehme – Yoshihisa Sankawa, Galerie Peter Zimmermann, Mannheim / Gerhard Hoehme, Galerie Georg Nothelfer, Berlin
  • 2006/2007: Informel – eine Weltsprache, Galerie Schlichtenmaier – Grafenau / Was ist Plastik? 100 Jahre – 100 Köpfe, Wilhelm Lehmbruck Museum, Duisburg

Werke in Museen und Sammlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. kuenstlerbund.de: Vorstände des Deutschen Künstlerbundes seit 1951 (abgerufen am 27. August 2015)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Peter Thun: Gerhard Hoehme 1948-1983. Notizen zu Werk, Zeit und Person. Mit einem Vorwort von Giulio Carlo Argan, Stuttgart 1983, ISBN 3-7630-1722-4.
  • Karl Ruhrberg (Hrsg.): Zeitzeichen. Stationen Bildender Kunst in Nordrhein-Westfalen. DuMont, Köln 1989, ISBN 3-7701-2314-X
  • Begegnung mit Gerhard Hoehme, Ausstellung Düsseldorf, 2. April bis 5. Mai 1992, Katalog mit Beiträgen von Gerhard-W. Költzsch, Ingrid Bachér, Gabriele Lueg, Willi Kemp, Leverkusen 1992, ISBN 3-927448-07-9
  • Ingo Bartsch, Tayfun Belgin (Hrsg.): Gerhard Hoehme. Wir haben den Kosmos in uns, Ausstellung Museum am Ostwall Dortmund, Katalog mit Beiträgen von Dieter Ronte und Tayfun Belgin, Köln 1992, ISBN 3-87909-316-4
  • Margarethe Hoehme, Kunstmuseum Bonn, Dieter Ronte, Christoph Schreier (Hrsg.): Gerhard Hoehme. Catalogue Raisonné, Ostfildern-Ruit 1998, ISBN 3-7757-0690-9.
  • Susanne Rennert, Gerhard und Margarete Hoehme Stiftung (Hrsg.): Gerhard Hoehme. Die Unruhe wächst. Werke 1955-1989, Ausstellung MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kust, Stiftung Wilhelm Lehmbruch Museum, museum kunst palast, Katalog mit Beiträgen von Susanne Rennert, Thomas Wagner, Barbara John, Gottlieb Leinz, Beat Wismer, Köln 2009, ISBN 978-3-8321-9250-1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]