Neulobeda

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Lobeda-West (2014)
Stauffenbergstraße in Lobeda-West (2011)
Das Universitätsklinikum Jena im Vordergrund, dahinter Wohnblocks in Lobeda Ost
Luftaufnahme, im Vordergrund Lobeda-Ost, im Hintergrund links Lobeda-West (2008)

Neulobeda ist mit über 22.000 Einwohnern der größte Ortsteil der thüringischen Universitätsstadt Jena. Die Einwohner verteilen sich auf eine Fläche von 3,6 km². Das ergibt eine sehr hohe Bevölkerungsdichte von 6164 Einwohnern je km². Die etwa sieben Kilometer südlich des Stadtzentrums gelegene Plattenbau-Trabantenstadt wurde unter den Namen Neulobeda-West und Neulobeda-Ost zwischen 1966 und 1986 errichtet. Beide Teile des so genannten Neubaugebiets grenzen unmittelbar an die Flur des namensgebenden Ortsteils Lobeda-Altstadt.

Die Grenze zwischen Lobeda-West und Lobeda-Ost, so die geläufigen Bezeichnungen, bildet die 1968 angelegte und erst nach 1989 so benannte Stadtrodaer Straße.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste Spatenstich zur Erschließung erfolgte am 20. November 1964. Der Neubaustadtteil wurde zwischen 1966 und 1986 vorwiegend für die Beschäftigten des Carl-Zeiss-Kombinates errichtet. Das Ziel war, Mietwohnungen mit Fernheizung und Komfort für etwa 40.000 Menschen zu schaffen. Vor allem junge Familien mit Kindern zogen in das Neubaugebiet.

Neulobeda entstand in mehreren Abschnitten von West nach Ost: Die ersten fertigen Wohngebäude befanden sich in Neulobeda-West entlang der heutigen Stauffenbergstraße (damals Otto-Grotewohl-Straße) und den anliegenden Angerstraßen und wurden ab Dezember 1967 bezugsfertig. Die Erschließung erfolgte anfänglich über eine behelfsmäßige Bauabfahrt von der Stadtrodaer Straße aus. Im Frühjahr 1968 gab es eine erste provisorische Verkaufsstelle im Lebensmitteleinzelhandel, sowie ein Postamt und eine Arztpraxis. 1970 wurde eine erste Kaufhalle eröffnet. Erst um 1970 herum wurden die Verkehrsverhältnisse durchgreifend verbessert, in dem erste Abschnitte der Karl-Marx-Allee fertiggestellt wurden. Ab 1971 entstanden die Wohngebiete östlich der Stadtrodaer Straße bis etwa zur Ebereschenstraße, der damaligen Heinrich-Rau-Straße. Im Mai 1972 wurden die ersten Wohnungen in Neulobeda-Ost bezogen. Im August 1975 wurde die Straßenbrücke über die Stadtrodaer Straße hinweg fertiggestellt, so dass die Karl-Marx-Allee seither durchgehend befahrbar ist. Nun band man Neulobeda in der heutigen Form mit der "Spinne" als leistungsfähiges Straßenkreuz in die Stadtrodaer Straße ein. Als letzter Abschnitt entstand in den frühen 80er Jahren der östliche Siedlungsbereich, der bis über die Stadtgrenze hinaus auf das Gebiet der Gemeinde Drackendorf reicht. 1985 konnten als erstes die Wohnungen am Salvador-Allende-Platz bezogen werden. In der Folgezeit wurden die letzten Neubauten in Lobeda-Ost fertig, womit das Neubauprojekt Neulobeda um 1988 abgeschlossen werden konnte. Die Karl-Marx-Allee war so gestaltet, dass zu einem späteren Zeitpunkt eine Straßenbahn auf einem eigenen Gleiskörper eingerichtet werden könnte, was jedoch zu DDR-Zeiten nicht mehr erfolgte. Daher war die Einrichtung zahlreicher leistungsfähiger Buslinien nötig, die Neulobeda mit Winzerla und dem Stadtzentrum verbanden. Das heutige Gewerbegebiet Lobeda-Süd, welches sich jenseits der Autobahn befindet, entstand erst nach 1990.

In Folge der politischen Wende in der DDR 1989 bildeten sich auch in Jena soziale Schichten aus, deren Vertreter auf der Basis ihres materiellen Vermögen relativ gut zuordenbar sind. Damit änderten sich die Ansprüche der so genannten Mittelschicht an ihr Wohnumfeld (von moderner Plattenbauwohnung hin zum Eigenheim mit Garten) und das Wohngebiet durchlief eine eigendynamische Abwärtsspirale aus Imageverlust und sozialer Entmischung.[1]

Auch übergeordnete Nach-Wende-Phänomene wie steigender Sterbeüberschuss, Einwohnerverlust und Massenarbeitslosigkeit sowie die aus solcher folgende individuell erlebte Perspektivlosigkeit vereitelten lange Zeit die Wiederaufwertung Neulobedas und ebneten den Weg für Verfallssymptome[2], konkret für den Wegfall der gegenseitigen sozialen Kontrolle, steigende Kriminalität, offenen Extremismus und Vandalismus[3]. Ab Mitte der 1990er Jahre befand sich Neulobeda auf dem Weg zum Sozialen Brennpunkt, obwohl sich in diesen Jahren die Ausstattung der Wohnungen wie auch die kommerzielle Infrastruktur verbesserten.

1998 wurden die Stadtteile Lobeda-West und Lobeda-Ost zur Ortschaft Neulobeda zusammengefasst, womit erstmals die zuvor nur umgangssprachlich bestehende Bezeichnung amtlich verwendet wurde. Die Einwohner wählten am 27. November 1998 Ortschaftsrat und Ortsbürgermeister. Dieses Amt wird seitdem von Volker Blumentritt (SPD) bekleidet.

Unter den Namen Lobeda-West und Lobeda-Ost führt die Jenaer Stadtverwaltung beide Ortschaften als Statistische Bezirke, trennt allerdings noch die Plattenbauten im Bezirk Drackendorf/Lobeda-Ost von Lobeda-Ost ab, so dass sich folgende Einwohnerzahlen[4] ergeben: L-West 9.724, L-Ost 5.774, Drackendorf/L-Ost 6.367 sowie L-Altstadt 1.572 und Drackendorf 816. Die genannten Siedlungen grenzen ohne Bebauungslücken direkt aneinander.

Um die Wohnsituation im Stadtteil zu verbessern, wurden zahlreiche Wohnungen und Flächen aus dem Bund-Länder-Programm Die Soziale Stadt modernisiert. Die angrenzende Bundesautobahn 4 wurde bis 2010 im Bereich Lobeda abgesenkt und eingehaust. Die Absenkung wurde durch große Natursteinblöcke hangseitig stabilisiert, über der knapp 600 Meter langen Einhausung wurde eine ca. 7 Hektar große Grünfläche angelegt.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Lobeda-Ost gibt es eine Außenstelle der Missionarinnen Christi. Von 1981 bis 1983 wurde das evangelisch-lutherische Martin-Niemöller-Haus, ein Gemeindehaus mit Kirchsaal, erbaut[5], das in unmittelbarer Nähe zu Lobeda-Ost im Ortsteil Lobeda-Altstadt liegt.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Lobeda-West ist u. a. das Otto-Schott-Gymnasium[6] angesiedelt. Weiterhin existieren die Förderschule Janis-Schule, zwei Regelschulen (Lobeda-Ost, -West), verschiedene Grundschulen und die SBBS für Gesundheit und Soziales[7]. Seit dem Schuljahr 2015/16 ist das zuvor leerstehende Schulgebäude der ehemaligen POS Emil Wölk in Lobeda-West an die Freie Fachschule für Sozialwesen der Thüringer Sozialakademie vermietet.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lobeda ist Schauplatz einer wöchentlichen Seifenoper: In Lovely Lobeda berichtet der Mitarbeiter des Campusradio Jena Tobi Krone seit Mai 2009 wöchentlich das Neueste aus seiner Studierenden-WG.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kreuzung in Lobeda, im Hintergrund die Neubauten der Universitätsklinik

Neulobeda ist über die teilweise kreuzungsfreie Schnellstraße (B 88) gut erschlossen und verbindet die Trabantenstadt mit dem Stadtzentrum Jenas. In südlicher Richtung liegt eine der zwei Autobahnausfahrten Jenas an der A4. Diese früher namenlose Straße führt seit 1991 den Namen Stadtrodaer Straße. Innerhalb von Neulobeda befindet sich ein komplexes Kreuzungsbauwerk (genannt "Die Spinne"), mit dem die Stadtrodaer Straße mit einer Haupterschließungsachse innerhalb des Stadtteils verbunden ist. Diese Achse, die Neulobeda von Ost nach West komplett durchläuft, nennt sich heute Karl-Marx-Allee und Erlanger Allee. Der Teil in Lobeda-Ost, der heute Erlanger Allee heißt, nannte sich bis 1991 ebenfalls Karl-Marx-Allee. Weiterhin wurden zahlreiche, aber bei weitem nicht alle Straßen innerhalb des Wohngebiets nach der Wende umbenannt.

Bahnverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lobeda-Ost ist mit den Linien 3 und 5 sowie Lobeda-West mit den Linien 1, 3 und 4 der Straßenbahn Jena ebenfalls 24 Stunden am Tag erreichbar. Diese weitestgehend auf eigenen Gleiskörpern verkehrende Straßenbahn gibt es erst seit Dezember 1996, nachdem 1991 konkret mit den Planungen derartiger Schienenverbindungen nach Neulobeda begonnen wurde. Zuvor wurde Neulobeda ausschließlich durch zahlreiche Buslinien mit dem Stadtzentrum verbunden: Zu DDR-Zeiten war immer wieder eine Straßenbahn nach Neulobeda geplant, aber die wirtschaftlichen Verhältnisse der DDR ließen einen Bau nicht zu. In den 60er und frühen 70er Jahren gab es ernstgemeinte Pläne, eine leistungsfähige Alwegbahn als Hochbahn von Neulobeda in das Stadtzentrum zu bauen, deren Planung aber auf Ministerratsbeschluss 1971 verworfen wurde, da der Bau einer solchen Bahn mit "heimischen" Mitteln nicht umsetzbar wäre.

Straßenbahnhaltestelle "Lobeda West", im Hintergrund die Schwimmhalle (2013)

Mit dem Zug ist Neulobeda über den Bahnhof Jena-Göschwitz erreichbar. Hier verkehren alle Regionalzüge in Richtung Naumburg, Saalfeld, Erfurt, Gera und Pößneck. Der Bahnhof liegt westlich von Lobeda-West und ist fußläufig und mit der Straßenbahn (Linien 1 und 3) zu erreichen. Die Anbindung an den Fernverkehr erfolgt über den Bahnhof Jena Paradies im Jenaer Stadtzentrum und ist ebenso mit der Straßenbahn erreichbar. Südöstlich der Kernbebauung von Lobeda-Ost liegt außerdem der Bahnhof Neue Schenke, an dem jedoch nur die Regionalbahn von Weimar nach Gera hält.

Gesundheit und Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ambulantes Reha Zentrum Jena

Die seit 1950 erörterte und nach 1970 begonnene Umsiedlung der Universitätskliniken der Friedrich-Schiller-Universität Jena nach Lobeda-Ost (Eröffnung des ersten Bauabschnitts – Klinik für Innere Medizin – am 11. Dezember 1980) wurde abgebrochen und erst nach der Wiedervereinigung 1990 unter dem Titel „Klinikum 2000“ fortgesetzt.

In unmittelbarer Nähe des Uniklinikums befindet sich das Ambulante Reha Zentrum Jena der Gräflichen Kliniken Bad Driburg.

Im Bereich Lobeda-Süd befindet sich ein Gewerbe- und Einkaufsgebiet.

Sport und Freizeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Neulobeda gibt es viele Sport- und Freizeitmöglichkeiten. Hierzu zählen die Schwimmhalle Lobeda-West, mehrere Sportplätze und Sporthallen sowie zahlreiche kleine Spielplätze. Das Fair Resort in Lobeda-Ost bietet auf Indoor-Plätzen Tennis, Badminton, Fitness und Bowling an, eine weitere Gaststätte mit Bowlingbahnen existiert ebenfalls in Lobeda-Ost. Auf einem Festplatz finden u. a. regelmäßig Konzerte der Jenaer Philharmonie statt.[8]

Der Verein KOMME e. V. bietet neben der Schulsozialarbeit an drei Lobedaer Schulen mehrere Betreuungsmöglichkeiten an:

  • Kinder- und Jugendzentrum KLEX
  • KuBuS („Kultur-, Begegnungs- und Sportzentrum“)
  • Stadtteilzentrum LISA („Lobedaer Informations-, Spaß- und Aktionszentrum“)[9]
  • Jugendzentrum Treffpunkt (als einziger städtischer Jugendclub)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Neulobeda – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Carsten Keller: Leben im Plattenbau: Zur Dynamik sozialer Ausgrenzung. Campus Verlag. Frankfurt am Main 2005.
  2. Soziale Ungleichheit und Stadtentwicklung in ostdeutschen Städten
  3. Maßnahmen zur Nachbesserung der Großsiedlungen: Das Fallbeispiel Jena-Lobeda. in: http://www.grin.com/de/e-book/106867/das-wohnen-in-grosswohnsiedlungen
  4. laut Website der Stadt Jena ("Team Statistik")
  5. http://jena.otz.de/web/lokal/leben/detail/-/specific/Vor-30-Jahren-wurde-das-Martin-Niemoeller-Haus-in-Jena-Lobeda-gebaut-302284125
  6. www.osg.de
  7. www.mefa.jena.de
  8. Michael Groß: Mozart und Ravel in Lobeda. Ostthüringer Zeitung, 9. Oktober 2010, abgerufen am 22. April 2013.
  9. Homepage von LISA JenaKultur, Stadtteilzentrum LISA

Koordinaten: 50° 53′ N, 11° 37′ O