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Pauline Davis-Thompson

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Pauline Davis-Thompson
Voller Name Pauline Elaine Davis-Thompson
Nation Bahamas Bahamas
Geburtstag 9. Juli 1966
Geburtsort Bain Town, New Providence, Bahamas
Größe 168 cm
Gewicht 57 kg
Karriere
Disziplin 100 m, 200 m, 400 m, Staffellauf, Weitsprung
Trainer Neville Wisdom
Status zurückgetreten
Medaillenspiegel
Art der Medaillen 7 × Goldmedaille 5 × Silbermedaille 7 × Bronzemedaille
Olympische Ringe
 Olympische Spiele
Gold 2000 Sydney 200 m 22,27 s
Gold 2000 Sydney 4 × 100 m Staffel 41,95 s
Silber 1996 Atlanta 4 × 100 m-Staffel 42,14 s
Logo der World Athletics
 Weltmeisterschaften
Gold 1999 Sevilla 4 × 100 m Staffel 41,92 s
Silber 1995 Göteborg 400 m 49,96 s
Logo der World Athletics
 Hallenweltmeisterschaften
Silber 1995 Barcelona 200 m 22,68 s
Bronze 1999 Maebashi 200 m 22,70 s
Logo der Commonwealth Games Federation
 Commonwealth Games
Bronze 1990 Auckland 100 m 11,20 s
Bronze 1990 Auckland 200 m 23,15 s
Logo der Pan American Games
 Panamerikanische Spiele
Bronze 1987 Indianapolis 100 m 11,47 s
Bronze 1987 Indianapolis 200 m 22,99 s
Zentralamerika- und Karibikspiele
Gold 1986 Santiago de los Caballeros 100 m 11,51 s
Gold 1986 Santiago de los Caballeros 200 m 23,06 s
Silber 1986 Santiago de los Caballeros 4 × 100 m 45,49 s
Zentralamerika- und Karibikmeisterschaften
Gold 1989 San Juan 100 m 11,25 s
Gold 1985 Nassau 4 × 100 m 45,71 s
Silber 1989 San Juan 4 × 100 m 46,50 s
Bronze 1985 Nassau 100 m 11,47 s
Bronze 1985 Nassau 200 m 23,37 s

Pauline Davis-Thompson (Geburtsname Pauline Elaine Davis; * 9. Juli 1966 Bain Town, New Providence) ist eine ehemalige bahamaische Leichtathletin und zweifache Olympiasiegerin.

Jugend und Erfolge als Juniorin

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Davis wurde als Älteste von sechs Geschwistern im ärmeren Viertel Bain Town, südwestlich von Nassau, der Hauptstadt der Bahamas, geboren. Ihre Mutter Merle Davis Toussaint, eine Einwandererin aus Jamaika, wurde Krankenschwester. Schon als Mädchen war das läuferische Talent von Pauline klar erkennbar. Ihre Aufgabe im Haushalt war oft, zwei Eimer Wasser von der öffentlichen Wasserstelle zu holen. Dabei wurde sie öfter von älteren Jungs angegangen, denen sie mit Leichtigkeit davonlief, obwohl sie noch die zwei vollen Wassereimer zu tragen hatte. Sie entwickelte eine spezielle Technik, den Körper so zu verdrehen, das dies einerseits das Laufen unterstützte und andererseits das Verschütten des Wassers verhinderte. Dies ergab später den Titel ihrer Autobiografie Running Sideways (Seitwärts laufen).[1]

Frank Rutherford, ein Schulfreund und späterer erster Olympiamedaillengewinner der Leichtathletik für die Bahamas, machte sie mit dem Bain Town Flyers Track Club und seinem Trainer Neville Wisdom bekannt. Dieser überzeugte Paulines Eltern davon, sie im Club trainieren zu lassen, da ihr Sprinttalent auch eine Chance für den sozialen Aufstieg sei. Merle Davis stimmte unter der Bedingung zu, dass Pauline auch in der Schule hervorragende Leistungen bringen müsse.[1] Pauline studierte später an der University of Alabama Kommunikationswissenschaften, worin sie auch den Bachelorabschluss erreichte.

Die ersten internationalen Erfolge errang Pauline Davis 1982 bei den zentralamerikanischen und karibischen Juniorenmeisterschaften der Gruppe B (unter 17 Jahre) in Bridgetown. Hier gewann sie gleich vier Goldmedaillen über 100 m, 200 m, 400 m und dazu noch im Weitsprung.[2] Im gleichen Jahr nahm sie auch erstmals, gerade 17-jährig, an den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Helsinki teil, wo sie mit 23,64 s als 21. im Viertelfinale ausschied.[3]

1984 qualifizierte sich Pauline Davis erstmals für die Olympischen Spiele in Los Angeles, obwohl sie an einer Zerrung der Oberschenkelmuskulatur litt. Diese hatte sie sich bei zwei Nebenjobs in einem Schnellimbiss und einem Hotel zugezogen, wo sie Geld für ihre Collegeausbildung verdiente.[1] Mit den Staffelkameradinnen Eldece Clarke-Lewis, Debbie Green und Oralee Fowler erreichte sie den 6. Platz über 4 × 100 m. Über 100 m und 200 m scheiterte sie jeweils im Halbfinale als Vierzehnte bzw. Dreizehnte.[4] Trotz ihrer Jugend war sie Flaggenträgerin der Bahamas bei diesen Spielen.[5]

Sportliche Erfolge als Erwachsene

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Ihre ersten Medaillen im Erwachsenenbereich gewann Pauline Davis im heimischen Nassau bei den Zentralamerika- und Karibikmeisterschaften 1985. Mit der 4 × 100 m-Staffel gewann sie die Goldmedaille, über 100 m und 200 m jeweils Bronze hinter den Jamaikanerinnen Merlene Ottey und Grace Jackson.[6] Bei den Zentralamerika- und Karibikspielen 1986 in Santiago de los Caballeros gewann Pauline Davis zwei weitere Goldmedaillen über 100 m und 200 m sowie die Silbermedaille mit der 4 × 100 m-Staffel.[7] Die Panamerikanischen Spiele 1987 in Indianapolis beendete sie ebenfalls zweimal auf dem Siegertreppchen, nämlich als Bronzemedaillengewinnerin über 100 m und 200 m.[8] Bei den Weltmeisterschaften 1987 in Rom verpasste sie als Neunte knapp das 200 m-Finale. Bei ihren zweiten Olympischen Spielen 1988 in Seoul belegte sie über 100 m den 11. sowie über 200 m den 12. Platz.[9]

1989 ging Davis wieder bei den Zentralamerika- und Karibikmeisterschaften in San Juan an den Start und gewann die Goldmedaille über 100 m sowie die Silbermedaille mit der 4 × 100 m-Staffel.[6] 1990 gewann sie die Bronzemedaillen bei den Commonwealth Games in Auckland im 100-Meter-Lauf in 11,20 s und über 200 m in 23,15 s.[10] Bei den Weltmeisterschaften in Tokio 1991 erreichte sie erstmals den 200-Meter-Finallauf und belegte in 22,90 s den 7. Platz,[11] während sie über 100 m als Neunte knapp das Finale verpasste. Ihre dritten Olympischen Spiele 1992 in Barcelona beendete sie als Zehnte über 100 m und als Elfte über 200 m.[12] Bei den Weltmeisterschaften 1993 in Stuttgart verpasste Pauline Davis wiederum als Neunte den Finallauf über 100 m und wurde Zwölfte über 200 m.[13]

1995 gewann sie ihre ersten Weltmeisterschaftsmedaillen, und zwar Silber bei den Hallenweltmeisterschaften in Barcelona im 200-Meter-Lauf hinter der Australierin Melinda Gainsford (22,64 s), wobei sie in 22,68 s einen Landesrekord aufstellte,[14] und ebenfalls Silber über 400 m bei den Freiluftweltmeisterschaften in Göteborg im 400-Meter-Lauf in 49,96 s hinter der Französin Marie-José Pérec.[15] Mit der 4 × 100 m-Staffel belegte sie außerdem in Göteborg Platz 4. Sie war die erste Sportlerin der Bahamas, die bei Leichtathletikweltmeisterschaften auf dem Siegerpodest stand.

1996 gewann Pauline Davis bei ihren vierten Olympischen Spielen in Atlanta auch ihre erste Olympiamedaille mit Silber in der 4 × 100 m-Staffel zusammen mit Eldece Clark-Lewis, Chandra Sturrup und Savatheda Fynes in 42,14 s.[16] Über 400 m landete sie als Vierte in 49,28 s trotz Landesrekords knapp neben dem Siegertreppchen. Bei den Weltmeisterschaften in Athen 1997 erreichte sie Rang 7 über 400 m und Rang 6 mit der 4 × 100 m-Staffel.[17] Nach ihrer Hochzeit holte sich Pauline Davis-Thompson 1999 zwei weitere Weltmeisterschaftsmedaillen. Zunächst gewann sie in 22,70 s Bronze über 200 m bei den Hallenweltmeisterschaften in Maebashi[18] und bei den Freiluft-Weltmeisterschaften in Sevilla gewann die 4-mal-100-Meter-Staffel der Bahamas in der Besetzung Savatheda Fynes, Chandra Sturrup, Pauline Davis-Thompson und Debbie Ferguson in der Landesrekordzeit von 41,92 s den Weltmeistertitel.[19] Zusätzlich belegte sie noch Rang 7 im 400-Meter-Lauf. Pauline Davis-Thompson ist die einzige Leichtathletin, die an allen sieben Weltmeisterschaften von 1983 bis 1999 teilnahm.

Pauline Davis-Thompson nahm von 1984 bis 2000 fünfmal an Olympischen Spielen teil und feierte bei ihren letzten Olympischen Spielen 2000 in Sydney mit 34 Jahren ihre größten Erfolge. Zunächst wiederholte die 4-mal-100 Meter-Staffel der Bahamas ihren Weltmeisterschaftserfolg von 1999 und gewann in der gleichen Besetzung in 41,95 s nun auch Olympiagold vor Jamaika und den Vereinigten Staaten.[20] Dies bedeutete den ersten Olympiasieg für Frauen von den Bahamas. Zwei Tage vorher beendete sie den 200-Meter-Lauf in 22,27 s als Zweite hinter Marion Jones (USA, 21,84 s) und vor Susanthika Jayasinghe (SRI, 22,28 s) sowie Beverly McDonald (JAM, 22,35 s). Da Jones am 5. Oktober 2007 ihre Verwicklung in den BALCO-Skandal und die Einnahme von leistungsfördernden Steroiden vor den Spielen von Sydney gestand, wurde diese nachträglich gesperrt.[21] Dadurch rückte Pauline Davis-Thompson mit der persönlichen Bestleistung von 22,27 s auf den Goldmedaillenrang vor, Jayasinghe gewann Silber. Die Medaille wurde ihr am 9. Dezember 2009 vom IOC zuerkannt[22] und am 11. Juni 2010 im Government in Nassau vom früheren Olympiasieger Alberto Juantorena (Kuba) feierlich verliehen.[23]

Bei einer Körpergröße von 1,68 m betrug ihr Wettkampfgewicht 57 kg.

Am 24. Oktober 1998 heiratete Pauline Davis den jamaikanischen Hürdenläufer Mark Thompson, Olympiateilnehmer 1992. Sie haben keine Kinder, eine Tochter starb 2005 unter der Geburt.[5]

Nach der Sportkarriere

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Nach ihrem Rücktritt vom Wettkampfsport 2000 lebte Pauline Davis-Thompson in Atlanta, wo sie als Marketing-Managerin für das Tourismusministerium der Bahamas tätig war. Von 2003 bis 2007 war sie Mitglied des Women's Committee des Internationalen Leichtathletikverbandes (IAAF) und von 2007 bis 2011 Mitglied des 26-köpfigen Vorstands der IAAF.[24] 2008 war sie Cheftrainerin für die weibliche Leichtathletik an der University of Tennessee in Knoxville.[25] 2010 gründete sie die Bahamas High-Performance Track Academy, um junge Athletinnen und Athleten der Bahamas in sportlicher, akademischer und sozialer Hinsicht zu unterstützen und auszubilden.[26] Seit 2011 ist sie Beraterin des Ministeriums für Jugend, Sport und Kultur der Bahamas und 2019 wurde sie bei den Weltmeisterschaften in Doha Ehrenmitglied auf Lebenszeit des Weltleichtathletikverbands.

2001 erhielt sie zusammen mit ihren Staffelkameradinnen des Olympiasieges von 2000 und des Weltmeisterschaftstriumphs von 1999 den Order of Merit, die höchste Auszeichnung der Bahamas. 2003 wurde sie zur Offizierin des Order of the British Empire (OBE) ernannt.[24]

  • 100 m: 10,97 s (2000; Nassau)
  • 200 m: 22,27 s (2000; Sydney, Olympisches Finale)
  • 400 m: 49,28 s (1996; Atlanta, Olympisches Finale)

Einzelnachweise

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  1. a b c Christel Saneh: Running Sideways: Pauline Davis-Thompson’s inspiring journey from the ghetto to Olympic glory. In: worldathletics.org. 8. März 2022, abgerufen am 6. Dezember 2025 (englisch).
  2. CENTRAL AMERICAN AND CARIBBEAN JUNIOR CHAMPIONSHIPS (UNDER 17). In: gbrathletics.com. Athletics Weekly, 2007, abgerufen am 7. Dezember 2025 (englisch).
  3. WORLD ATHLETICS CHAMPIONSHIPS HELSINKI (OLYMPIC STANDIUM) AUG 7-14, 1983 - 200 METRES WOMEN - 12 AUG 1983. In: worldathletics.org. Abgerufen am 7. Dezember 2025 (englisch).
  4. Richard B. Perelman (Hrsg.): Official Report of the Games of the XXIIIrd Olympiad Los Angeles. 1984. Band II. Los Angeles Olympic Organizing Committee, 1985, ISBN 0-9614512-0-3, S. 258 und 260 (englisch, französisch, la84.org).
  5. a b Happy Olympic anniversary Pauline Davis-Thompson. In: www.tribune242.com. The Tribune, 28. September 2000, abgerufen am 13. Dezember 2025 (englisch).
  6. a b CENTRAL AMERICAN AND CARIBBEAN CHAMPIONSHIPS (WOMEN). In: gbrathletics.com. Athletics Weekly, 2007, abgerufen am 9. Dezember 2025 (englisch).
  7. XV Juegos Centroamericanos y del Caribe - Santiago '86. Comité Organizador, 1986, S. 104 und 108 (spanisch, googleapis.com [PDF]).
  8. 100 Metres / 200 Metres. In: atfs.org. Association of Track and Field Statisticians, S. 15–16, 1987, abgerufen am 9. Dezember 2025 (englisch).
  9. Women's 100 m - Athletics Seoul 1988 Summer Olympics. In: olympiandatabase.com. Sportsencyclo, abgerufen am 11. Dezember 2025 (englisch).
  10. COMMONWEALTH GAMES MEDALLISTS - ATHLETICS (WOMEN). In: gbrathletics.com. Athletics Weekly, 2007, abgerufen am 10. Dezember 2025 (englisch).
  11. LA-WM 1991 200m (F). In: sport.de. RTL News GmbH, 30. August 1991, abgerufen am 10. Dezember 2025.
  12. COOB'92 S.A. (Hrsg.): Oficial Report of the Games of the XXV Olympiad, Barcelona 1992. Band V. Barcelona 1992, ISBN 84-7868-283-X, S. 67–68 (katalanisch, spanisch, französisch, englisch, la84.org).
  13. WORLD ATHLETICS CHAMPIONSHIPS STUTTGART (GOTTLIEB-DAIMLER STADION) 100 METRES WOMEN. In: wordathletics.org. Abgerufen am 11. Dezember 2025 (englisch).
  14. 200 Metres women 5th IAAF World Indoor Championships SPAIN Barcelona (Palau Sant Jordi). In: worldathletics.org. Abgerufen am 11. Dezember 2025 (englisch).
  15. WORLD ATHLETICS CHAMPIONSHIPS GÖTEBORG (ULLEVI STADIUM) 400 METRES WOMEN. In: worldathletics.org. Abgerufen am 11. Dezember 2025 (englisch).
  16. Atlanta 1996 Athletics 4x100m relay women Results. In: olympics.com. IOC, abgerufen am 12. Dezember 2025 (englisch).
  17. Laufen 400m | LA WM 400 m (F) | 04.08. 19:05 | Finale. In: sportschau.de. 16. Juli 2022, abgerufen am 12. Dezember 2025.
  18. 200 Metres women 7th IAAF World Indoor Championships JAPAN Maebashi (Green Dome). In: worldathletics.org. Abgerufen am 12. Dezember 2025 (englisch).
  19. WORLD ATHLETICS CHAMPIONSHIPS SEVILLA (LA CARTUJA) 4x100 METRES RELAY WOMEN. In: worldathletic.org. Abgerufen am 12. Dezember 2025 (englisch).
  20. Bahamians click into gear for record-breaking relay gold. In: olympics.com. IOC, 30. September 2000, abgerufen am 13. Dezember 2025 (englisch).
  21. Jones gibt Medaillen zurück, USA entschuldigen sich. In: spiegel.de. 8. Oktober 2007, abgerufen am 14. Dezember 2025.
  22. http://www.olympic.org/en/content/Media/?articleNewsGroup=&articleId=75414 IOC-Pressemeldung vom 9. Dezember 2009
  23. Duncan Mackay: Davis-Thompson receives Olympic gold medal she was cheated out of by Marion Jones. In: insidethegames.biz. 11. Juni 2010, abgerufen am 13. Dezember 2025 (englisch).
  24. a b Pauline Davis-Thompson (BAH). In: worldathletics.org. 4. Oktober 2007, abgerufen am 13. Dezember 2025 (englisch).
  25. Pauline Davis-Thompson to Guide Sprinters. In: utsports.com. 10. Juli 2008, abgerufen am 13. Dezember 2025 (englisch).
  26. Davis-Thompson announces formation of the Bahamas High-performance Track Academy. In: bahamaslocal.com. 5. September 2010, abgerufen am 13. Dezember 2025 (englisch).