Peter Schilling

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Sänger Peter Schilling. Für den Insektenkundler siehe Peter Samuel Schilling.
Peter Schilling live in Leipzig im Juni 2010

Pierre Michael „Peter“ Schilling (* 28. Januar 1956 in Stuttgart) ist ein deutscher Sänger und Autor. Er zählt zu den kommerziell erfolgreichsten Künstlern der Neuen Deutschen Welle. Seine Lieder handelten anfangs oft von Science-Fiction-Themen wie der Zukunft des Planeten Erde oder der Raumfahrt, später auch über persönliche Themen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schilling in Schorndorf, 2013

Peter Schilling wuchs unter schwierigen Umständen auf. Seine ersten Lebensjahre verbrachte er im Heim. Danach lebte er bei seiner Mutter, die ihn misshandelte, in einer kleinen Wohnung in Stuttgart.[1] Deshalb erhielt schließlich, als er vierzehn Jahre alt war, seine Großmutter das Sorgerecht für ihn.[2] Seinen Vater hat er nach eigener Aussage nie kennengelernt.

Schilling zeigte früh Talente in den Bereichen Fußball und Musik. So bekam er als 15-Jähriger ein Angebot vom VfB Stuttgart in Form eines Vorvertrags. Daneben lag auch ein Angebot für einen ersten Plattenvertrag vor, für den er sich letztlich entschied. Neben der Musik absolvierte er in seiner Jugend eine Lehre als Reisebürokaufmann.[3] Nachdem er in verschiedenen Rockbands spielte, bewarb er sich bei der Castingshow Talentschuppen mit Katja Ebstein in der Jury sowie bei WEA Records, einer Labelzusammenschluss von Warner Music, Elektra Records und Atlantic Records. Ebenso begleitete er Jürgen Drews auf Tourneen oder arbeitete beim Merchandising von Fleetwood Mac.[4]

1979 erschien noch unter seinen bürgerlichen Namen Pierre Schilling seine erste Single Gib her das Ding.[5] 1981 produzierte Schilling seine erste Langspielplatte Fehler im System und schloss 1982 einen Vertrag mit der WEA ab.[4] Einen Nummer-1-Hit im deutschsprachigen Raum hatte er mit dem Ende 1982 veröffentlichten Lied Major Tom (völlig losgelöst)[6]. Der Nachfolger Die Wüste lebt erreichte im Sommer 1983 Platz 7 in Deutschland und Platz 5 in der Schweiz. Mit der englischen Version von Major Tom (Coming Home) schaffte er es im Herbst 1983 bis auf Platz 14 der amerikanischen Billboard Charts.[7] Der Titel Terra Titanic landete Mitte 1984 auf Platz 26 der deutschen Charts.[8]

Anfang 1989 wurde in den USA das Album The Different Story (The World of Lust and Crime) veröffentlicht. Das Album präsentierte einige Songs aus Error in the System und Things to Come. Neu hinzu kam der Titel The Different Story, der in Zusammenarbeit mit Hubert Kah und Michael Cretu entstanden war.

Nachdem er zwischenzeitlich nach New York gezogen war, erlitt er 1989 ein Burnout-Syndrom, hatte eine Nahtoderfahrung aufgrund eines Status asthmaticus und bat daraufhin um die Kündigung aller Plattenverträge.[4]

1996 startete er ein Nebenprojekt, Space Pilots, mit einem Hit, Trip to Orion, der inhaltlich auf der ersten deutschen Science-Fiction-Fernsehserie Raumpatrouille basiert. Zu Peter Schillings 43. Geburtstag erschien im August 1999 das Best-of-Album Von Anfang an bis jetzt…. Sämtliche Instrumente auf diesem Album spielte er selbst,[9] auch das Arrangement und Produktion kamen aus dem eigenen Tonstudio.[10]

Nach einer musikalischen Durststrecke mit Auftritten auf Ü30-Parties und in Kaufhäusern trat Schilling seit 2002 wieder mit einer Band in Hallen mit bis zu 3000 Zuhörern auf und veröffentlichte Ratgeberliteratur.[4] 2005 erschien von Peter Schilling ein Buch, das als Männer-Ratgeber bezeichnete Werk Lustfaktor-Wellness - Das Wohlfühlmanagement für den Mann.[11] 2007 veröffentlichte Peter Schilling parallel zum gleichnamigen Album Emotionen sind männlich ein zweites Buch.[12] Im Jahr 2008 feierte Peter Schilling auf Jubiläumskonzerten 25 Jahre völlig losgelöst. Hierfür begab er sich beispielsweise in ein Bergwerk in 800 Meter Tiefe, wo ein ausverkauftes Konzert stattfand.[13] Seit 2010 geht Peter Schilling wieder live auf Tour und veröffentlichte das Album Neu und Live 2010.

Seit Mai 2011 ist er Botschafter des Deutschen Kinderschutzbundes. So kam auch ein Auftritt mit Schülern des Erfurter Gymnasiums zustande.[14] Das Engagement beim Deutschen Kinderschutzbund steht unter anderem vor dem Hintergrund seiner schweren Kindheit.[15] Schilling gab 2012 einige Live-Konzerte. 2013 erschien sein drittes Buch, ein autobiografischer Ratgeber mit dem Titel Völlig losgelöst. Mein langer Weg zum Selbstwert – Vom Burnout zurück ins Leben.

Peter Schilling lebt heute in München und ist weiter als Musiker, aber auch als Buchautor tätig. Seine in Hamburg lebende Tochter Janina Korn ist Schauspielerin, Musicaldarstellerin und Stand-up-Komikerin.

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel Chartplatzierungen[16] Anmerkungen
DeutschlandDeutschland DE OsterreichÖsterreich AT Vereinigte StaatenVereinigte Staaten US
1983 Fehler im System 2
(35 Wo.)
4
(10 Wo.)
Erstveröffentlichung: Dezember 1982
1983 Error in the System 61
(13 Wo.)
Erstveröffentlichung: September 1983
englische Version von Fehler im System
1984 120 Grad 62
(1 Wo.)
Erstveröffentlichung: Oktober 1984

weitere Alben

  • 1985: Things to Come (englische Version von 120 Grad)
  • 1993: Geheime Macht
  • 2003: Raumnot 6 vs. 6
  • 2004: Zeitsprung
  • 2004: Retrospektive – Das Remix Album
  • 2005: Lustfaktor Wellness / Delight – Faktor Wellness
  • 2006: Das Prinzip Mensch
  • 2007: Emotionen sind männlich
  • 2011: Neu & Live 2010
  • 2014: DNA

Kompilationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1985: Major Tom – Völlig losgelöst
  • 1989: The Different Story (World of Lust and Crime)
  • 1996: Major Tom
  • 1998: Das Beste von Peter Schilling
  • 1999: Von Anfang an … bis jetzt – Das ultimativ Beste von Peter Schilling
  • 2006: Tauch mit mir … in eine neue Zeit
  • 2007: Aggression und Liebe
  • 2001: Portrait
  • 2008: Error in the System / Fehler im System
  • 2012: Things to Come / 120 Grad

Singles[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel Chartplatzierungen[16][17] Anmerkungen
DeutschlandDeutschland DE OsterreichÖsterreich AT SchweizSchweiz CH Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich UK Vereinigte StaatenVereinigte Staaten US
1982 Major Tom (völlig losgelöst) 1 Gold
(23 Wo.)
1
(12 Wo.)
1
(12 Wo.)
Erstveröffentlichung: November 1982
1983 Die Wüste lebt (Alarmsignal …) 7
(16 Wo.)
5
(8 Wo.)
10
(4 Wo.)
Erstveröffentlichung: April 1983
1983 Major Tom (Coming Home) 42
(6 Wo.)
14
(22 Wo.)
Erstveröffentlichung: August 1983
englische Version
1984 Terra Titanic 26
(15 Wo.)
Erstveröffentlichung: Mai 1984
1984 Hitze der Nacht 46
(9 Wo.)
Erstveröffentlichung: September 1984
1986 Ich vermisse dich 32
(7 Wo.)
Erstveröffentlichung: August 1986
1989 The Different Story (World of Lust and Crime) 61
(10 Wo.)
Erstveröffentlichung: November 1988
1994 Major Tom ’94 29
(15 Wo.)
Erstveröffentlichung: Mai 1994
mit Bomm-Bastic
2000 Major Tom 2000 83
(1 Wo.)
Erstveröffentlichung: Februar 2000
vs. Ground Control
2003 Terra Titanic 2003 89
(3 Wo.)
Erstveröffentlichung: Juni 2003

weitere Singles

  • 1976: Wenn der Teekessel singt (mit Oliver Peters)
  • 1976: Träume sind mehr als nur Illusionen / Sag nie Good-Bye (als Pierre Schilling)
  • 1979: Gib her das Ding / Frei sein ist schön (als Pierre Schilling)
  • 1980: Heut´ ist was los auf der Autobahn / Sweet Sixteen (als Pierre Schilling)
  • 1981: Lied an dich / Lampenfieber (als Pierre Schilling)
  • 1983: The Noah Plan (englische Version von Die Wüste lebt)
  • 1983: Fehler im System
  • 1983: Chill of the Night (englische Version von Hitze der Nacht)
  • 1985: Region 804
  • 1986: Alles endet bei dir
  • 1986: All the Love I Need (englische Version von Ich vermisse dich)
  • 1992: Zug um Zug
  • 1992: Bild der Dunkelheit
  • 1993: (Feuerglut …) Viel zu heiß
  • 1994: Sonne, Mond und Sterne
  • 1995: Terra Titanic (Remixes)
  • 1996: Trip to Orion (mit den Space Pilots)
  • 2000: Kingdom of Rain (als M*Period)
  • 2003: Raumnot (weißt du was es heißt)
  • 2003: Die Wüste lebt 2003
  • 2003: Terra Titanic 2003
  • 2003: Nichts so wie es scheint
  • 2004: Major Tom (völlig losgelöst) RMX
  • 2004: Experiment Erde
  • 2004: Retro
  • 2005: Der menschliche Faktor (VooDoo & Serano Rmx)
  • 2005: Weit weg
  • 2005: Zeitsprung
  • 2006: Es gibt keine Sehnsucht
  • 2010: Kevin

CD-ROM[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1994: Major Tom ’94 – Interaktive CD-ROM

Videos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1984: Major Tom (Coming Home)
  • 1988: The Different Story (World of Lust and Crime)
  • 1994: Major Tom ’94 (Techno Trance Mix – Deutsche Version)
  • 1994: Major Tom ’94 (Techno Trance Mix – English Version)
  • 1994: Sonne, Mond und Sterne

DVD[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2011: Die besten deutschen 80er Hits des Jahrtausends (DVD 1 mit Major Tom, Die Wüste lebt, Terra Titanic und Hitze der Nacht – Auftritte aus der ZDF-Hitparade)

Sonstige Songs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1984: Wooden Heart (auf Album Hallo Elvis)
  • 1996: Trip to Orion – Remix (Space Pilots, live)
  • 1996: Automatic Lover (Space Pilots, live)
  • 2005: Into Forever (Mysterio meets Peter Schilling, auf Album Ride on Time von Mysterio, 2005)
  • 2013: Reden (nur online)
  • 2013: Lot der Moral (live)
  • 2013: Echos (live)

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lust-Faktor Wellness. Das Wohlfühl-Management für den Mann. Orell Füssli, Zürich 2005, ISBN 3-280-05140-1.
  • Emotionen sind männlich. Über Verletzlichkeit, Mut und Veränderung. Lüchow, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-363-03131-7. Begleitend zur gleichnamigen CD.
  • Völlig losgelöst. Mein langer Weg zum Selbstwert – vom Burnout zurück ins Leben. Beltz, Weinheim 2013, ISBN 978-3-407-85962-4.

Einflüsse auf Film und Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anfang der 1990er-Jahre gab es in Hollywood Überlegungen, aus dem Titel Major Tom einen Film zu machen. Das Ende erschien jedoch zu düster, ähnlich wie bei Gerry Andersons Unfall im Weltraum (1969). Der Regisseur Ron Howard behielt die Geschichte aber im Kopf, und 1995 drehte er statt einer fiktiven Geschichte schließlich den Film Apollo 13 nach einer wahren Begebenheit mit glücklichem Ausgang, denn man war damals der Meinung, dass die Zuschauer lieber ein positives Ende wollen.
  • In der Science-Fiction-Fernsehserie Defying Gravity – Liebe im Weltall gibt es einige Hommagen an Peter Schilling: Die Astronauten treffen sich in einer Bar namens "Major Tom". Die Pilotin heißt Schilling mit Nachnamen und kommt aus Deutschland.
  • In Staffel 8 der britischen Science-Fiction-Comedy-Serie Red Dwarf identifiziert sich Cat als "Major Tom".
  • Die Zeichentrickserie Animaniacs zitiert in einer Folge den Songtext von "Major Tom (Coming Home)".
  • In einer Folge der 4. Staffel von Breaking Bad singt der Charakter Gale "Major Tom (Coming Home)" als Karaoke-Version.
  • Bei der Bullyparade wird in einer Folge von "Unser (T)Raumschiff" der Song "Major Tom (Völlig losgelöst)" zitiert.
  • Peter Schilling war in einer Folge von South Park Gastsprecher in der deutschen Version und sang auch ein kurzes Lied.
  • Der Scream Award ist der Preis für das phantastische Genre (Science-Fiction/Horror/Fantasy) vom US-Sender "Spike TV". Bei der Preisverleihung im Jahre 2010 wurde immer wieder der Song "Major Tom (Coming Home)" gespielt, diesmal als Coverversion von den Shiny Toy Guns.
  • In Folge 9 der vierten Staffel der US-Fernsehserie The Americans wird "Major Tom (Coming Home)" als Soundtrack verwendet.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Peter Schilling – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter Schilling unterstützt Deutschen Kinderschutzbund auf dksb.de vom 6. Mai 2011
  2. Peter Schilling: „Meine Mutter hat mich verprügelt“ auf bild.de vom 8. Mai 2011
  3. Peter Schilling bei HIT RADIO FFH: „Ich war der lausigste Reiseverkehrskaufmann der Welt“ auf prnewsnet.de vom 23. August 2011
  4. a b c d Christoph Gunkel: Peter Schilling: Was aus Musikern der Neuen Deutschen Welle wurde, einestages vom 26. Januar 2016, abgerufen am gleichen Tag
  5. Biographie in laut.de, abgerufen am 27. Januar 2016
  6. http://www.peterschilling.com/index.php?modul=home&s=disco
  7. Chart History der Billboard Charts auf billboard.com vom 24. Dezember 1983
  8. Platzierung in den Charts auf charts.de
  9. Peter Schilling: - Musik verschafft mir ein Maximum an Freiheit – auf hr-kulturmanagement.de
  10. Peter Schilling: Live aus seinem Tonstudio auf facebook.com
  11. Lustfaktor Wellness - Das Wohlfühlmanagement für den Mann auf wellness-gesund.info vom 15. September 2005
  12. Peter Schilling: Mut zum Gefühl auf bild.de vom 13. September 2007
  13. Peter Schilling zu Gast im Erlebnis Bergwerk auf erlebnisbergwerk.de
  14. Erfurter Gymnasiasten treffen zum Tourabschluss Peter Schilling auf tlz.de vom 5. März 2011
  15. DKSB stellt Jahreskampagne 2011 „KLEINE SEELE. GROSSER SCHMERZ.“ vor auf dksb.de vom 6. Mai 2011
  16. a b Chartquellen: Singles / Alben / Billboard 200
  17. Gold-/Platin-Datenbanken: DE