Abtnaundorf

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Abtnaundorf um 1800
Das Herrenhaus des Gutes Abtnaundorf um 1850
Im Abtnaundorfer Park
Der Eingangsbereich zum Schlossareal
Das Schloss Abtnaundorf 2009

Abtnaundorf ist ein Leipziger Stadtteil im Nordosten der Stadt. Es bildet verwaltungsmäßig zusammen mit einem Teil von Schönefeld den Ortsteil Schönefeld-Abtnaundorf im Stadtbezirk Nordost.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abtnaundorf liegt etwa 4,5 Kilometer vom Stadtzentrum Leipzigs entfernt in der Flussaue der Parthe. Es wird umgrenzt von Schönefeld, Mockau und Thekla.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Naundorf war ein altes Dorf mit Gut, das im 13. Jahrhundert an das Peterskloster Merseburg kam und so das „Abt“ im Namen erhielt. Das Kloster verpachtete das Gut mehrfach, das dann mitunter den Namen des Pächters annahm (Wognaundorff). Um 1540 wurde das zum Gut gehörige Vorwerk Heiterblick errichtet. Nach der Reformation wechselte das Gut häufig den Besitzer, ab 1696 gehörte es längere Zeit Johann Ernst Kregel von Sternbach. 1789 wurde es schließlich von Christian Gottlob Frege (1747–1816) erworben, dem Sohn des Bankiers Christian Gottlob Frege, und blieb bis 1916 im Besitz der Familie. Bereits ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurden Teile des ausgedehnten Landschaftsparks zwischen Dorf und Parthe angelegt. In der Völkerschlacht bei Leipzig wurde Abtnaundorf bei den Kämpfen am 18. Oktober 1813 stark in Mitleidenschaft gezogen.

Installation „doppelt hell an dunklen Ufern“

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann die Landhaus- und Villenbebauung, und nach Inkrafttreten der Sächsischen Landgemeindeordnung von 1838 erfolgte 1839 die Wahl des ersten Gemeinderates. Der Ort gehörte bis 1856 zum kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Kreisamt Leipzig.[1] Im 19. Jahrhundert war Abtnaundorf mit seinem öffentlich zugänglichen Gutspark ein beliebtes, über die Parthewiesen zu erreichendes Ausflugsziel der Leipziger. 1892/93 wurde unter Arnold Woldemar von Frege-Weltzien das Herrenhaus des Gutes abgerissen und als Schloss neu aufgeführt (Architekt: Peter Dybwad). 1930 wurde Abtnaundorf nach Leipzig eingemeindet.

1943 wurde in Abtnaundorf ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald errichtet, dessen Insassen in den Erla-Flugzeugwerken in Heiterblick zur Rüstungsproduktion gezwungen wurden. Vor dem Herannahen der amerikanischen Truppen wurden die etwa 500 Häftlinge auf einen Todesmarsch in Richtung Wurzen getrieben. Die verbliebenen kranken und marschunfähigen Häftlinge wurden während des Massakers von Abtnaundorf bestialisch ermordet (Mahnmal an der Theklaer Straße).

1947 wurde das Rittergut zum Stadtgut, und das Schloss wurde zur Lehrerausbildung und als Krankenhaus genutzt. Von 1966 bis 1996 war hier die Kinderabteilung des Krankenhauses St.Georg. Seit 1998 wurde das Anwesen von einem privaten Investor in eine komfortable Wohnanlage entwickelt. Ab 2012 wurden die Wohnungen des Schlosses Abtnaundorf von einer neuen Eigentümerin in Wohnungs- und Teileigentum aufgeteilt.

Der von 1992 bis 1995 erschlossene Gewerbepark Nordost (u.a. VNG – Verbundnetz Gas, Ernst Klett Schulbuchverlag) liegt zum größten Teil auf der Flur des ehemaligen Rittergutes Abtnaundorf.

Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Installation "doppelt hell an dunklen Ufern" im Rahmen des Projektes „KunstParcours und ParkNetzwerk Parthe“ erinnert an Clara Schumann.[2]

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Abtnaundorf befindet sich die Sportschule „Egidius Braun“ des Sächsischen Fußball-Verbandes e.V. (SFV). Sie wurde von 1958 bis 1966 erbaut. Das acht Hektar große Sportschulgelände beherbergt die größte Kunstrasenhalle Deutschlands mit einer Größe von 90 m × 60 m, zwei Rasenplätze, einen Kunstrasenplatz mit Flutlicht sowie ein Hotel.

Auf dem Gelände der Sportschule befindet sich auch das Steffi-Graf-Nachwuchszentrum des Sächsischen Tennis-Verbandes.

Der sich auf der Heiterblickstraße 17 befindende Reit- und Fahrverein "Herodot" Leipzig e. V. führt jährlich Reit- und Springturniere durch.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Horst Riedel, Thomas Nabert (Red.): Stadtlexikon Leipzig von A bis Z. 1. Auflage. Pro Leipzig, Leipzig 2005, ISBN 3-936508-03-8.
  • G. A. Poenicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen nach der Natur neu aufgenommen von F. Heise, Architect. I. Section: Leipziger Kreis. Leipzig [um 1860].
  • Karl-Heinz Rother, Jelena Rother: "Die Erla-Werke GmbH und das Massaker von Abtnaundorf", hrsg. vom Bund der Antifaschisten e.V. (BdA), Sitz Leipzig/Stadtverband Leipzig der Verfolgten des Naziregimes (VVN) 2013

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Abtnaundorf – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 60 f.
  2. www.stadt-land-kunst.org

Koordinaten: 51° 22′ N, 12° 25′ O