Präbichl

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Dieser Artikel erläutert den Pass der Eisenerzer Alpen bei Leoben und den Ort ebenda, die Ortslage im Grazer Bergland siehe Präbichl (Gemeinde Semriach).

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Präbichl
Nordrampe der neuen Präbichl-Straße

Nordrampe der neuen Präbichl-Straße

Himmelsrichtung Nord Süd
Passhöhe 1226 m ü. A.
Bezirk Leoben, Steiermark
Wasserscheide Erzbach Vordernbergerbach
Talorte Eisenerz Vordernberg
Ausbau B115
Gebirge Eisenerzer Alpen
Max. Steigung 10 % 15 %
Karte (Steiermark)
Präbichl (Steiermark)
Präbichl
Koordinaten 47° 31′ 27″ N, 14° 56′ 51″ OKoordinaten: 47° 31′ 27″ N, 14° 56′ 51″ O
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Der Präbichl (früher auch Prebichl) ist ein Gebirgspass (1226 m ü. A.) im Bezirk Leoben in der Obersteiermark. Hier wird seit über hundert Jahren Schisport betrieben.

Lage und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Präbichlbahnbau, 1912

Der Präbichl trennt die Eisenerzer Alpen (Eisenerzer Reichenstein, 2165 m) vom Hochschwab (Polster, 1911 m). Der Pass verbindet das Erzbachtal mit dem Vordernbergertal und damit die Gemeinden Vordernberg und Eisenerz. Die Passhöhe selbst mit der Rotte Präbichl ist Teil der Gemeinde Vordernberg.

Durch beide Täler verläuft die Eisen Straße (B115), deren Nordrampe in den 1970ern neu trassiert wurde. Von der alten Straße, die eine Steigung von bis zu 24 % aufwies und möglicherweise schon in der Bronzezeit, aber nachweislich im Mittelalter benutzt wurde, ist nur mehr das obere Drittel als Forstweg vorhanden; der untere Abschnitt wurde mit Abraummaterial vom Erzberg zugeschüttet.

Über den Pass führt auch die Erzbergbahn, die früher den Erzberg mit dem Hüttenwerk in Leoben-Donawitz verband. Diese Strecke wird heute als Museumsbahn betrieben.

Von der Passhöhe bietet sich ein schöner Blick auf die umgebende Bergwelt, von der nördlichen Zufahrtsrampe zusätzlich auf die markanten Abbaustufen des Erzbergs.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 wurden am Präbichl über 200 ungarische Juden während eines Todesmarsches durch Mitglieder des Eisenerzer Volkssturms erschossen. 1946 wurden zehn Männer für diese Verbrechen von britischen Militärgerichten in den drei Eisenerz-Prozessen zum Tode verurteilt. Ein Mahnmal auf der Passhöhe erinnert heute an die Opfer.[1][2]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Windkraftanlage Präbichl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Präbichl
Windrad und Umspannwerk
Windrad und Umspannwerk
Lage
Koordinaten 47° 31′ 26″ N, 14° 56′ 56,8″ O
Land OsterreichÖsterreich Österreich
Daten
Typ Windkraftanlage
Primärenergie Windenergie
Leistung 0,6 Megawatt
Betreiber Elektrotankstelle Rudolf Schartner
Betriebsaufnahme 1/2001
Turbine Enercon E40

Januar 2001 wurde hier eine Windkraftanlage errichtet, ein Turm mit 50 m Nabenhöhe und einer Enercon E40-Turbine mit 600 kW Nennleistung und 44 m Rotordurchmesser. Es war – nach der Anlage Almwind – das erste größere Windrad der Steiermark. Es wird von der Elektrotankstelle Rudolf Schartner betrieben.

Das nahe befindliche Umspannwerk Präbichl von etwa 1921 steht unter Denkmalschutz.

Die östliche Eisenerzer Talseite oberhalb ist im Entwicklungsprogramm für den Sachbereich Windenergie (Sapro Windenergie) 2013[3] im Ausmaß von 1,9 km² als Eignungszone zu weiterem Ausbau ausgewiesen.[4] Sie erstreckt sich mit etwa 0,2 km über 700 bis etwa 1600 m Höhe. Geplant sind hier 5 weitere Windräder.[5]

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Präbichl ist für Bergwanderer Ausgangspunkt für den Höhenweg der Eisenerzer Alpen nach Westen und die Hochschwabüberquerung nach Osten. Zugleich sind die beiden Talorte auch Mitglieder der Österreichischen Eisenstraße; der Pass stellte früher in der Verarbeitungskette des Erzes vom Erzberg eine wichtige Verbindung dar. Neben dem Fremdenverkehr wird in diesem Gebiet auch Alm- und Forstwirtschaft betrieben.

Skigebiet Präbichl

Der Präbichl gehört zur Marktgemeinde Vordernberg und wird seit mehr als hundert Jahren als Wintersportort genutzt.

1948 wurde ein Einser-Sessellift auf den Polster errichtet, der die Gäste bis auf die Höhe von 1800 Metern brachte. Die Initiatoren waren Unternehmer und Private aus Leoben und Trofaiach. Der Lift war damals einer der ersten Sessellifte in der Steiermark. Ende der 1980er Jahre wurde der Lift modernisiert. Im Jahre 1988 brannte die Bergstation. Das Wasser zum Löschen wurde mangels Wasserleitung mit dem Lift in Kübeln antransportiert. Dadurch konnte der Schaden gering gehalten werden. Dieser Lift war einer der letzten Einser-Sessellifte in der Steiermark, welcher über Seitenschließbügel und Holzsitzflächen verfügte. Am 3. April 2016 wurde dieser Lift, der auch Polster-Classic genannt wurde, zum Leidwesen vieler Fans der Polsterpisten (Polsterrinne, Polster-Dreieck und Abfahrt über die Leobnerhütte) sowie vieler Bergwanderer von der Schiliftgesellschaft (deren Haupteigentümer die Marktgemeinde Vordernberg ist) eingestellt.

Schigebiet Präbichl

Bis 2012 bestand auch ein dieselbetriebener Schlepplift auf den Polster, der Polster-Basic genannt wurde. Auf der gegenüberliegenden Seite, im Grübl, waren ebenfalls zwei Schlepplifte in Betrieb. Diese wurden abgetragen und 1997 durch eine kuppelbare Vierersesselbahn ersetzt. 1998 folgte eine zweite solche auf den Polster, allerdings nur bis zu einer Höhe von rund 1600 Meter. Diese beiden Bauten kosteten 11 Mio. Euro. Nach dem Jahr 2000 wurde der Arenalift gebaut, um weniger geübten Schifahrern einen eigenen Schilift zur Verfügung zu stellen. Im Jahr 2007 wurde der Weidtallift übernommen und das Schigebiet somit Richtung Vordernberg erweitert. Derzeit gibt es 9 Pisten und 3 Schirouten mit einer Gesamtlänge von 20 km.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Susanne Klemm: Straßen für den Steirischen Erzberg: Archäologisch-historische Altstraßenforschung in der Steiermark, 16−18. Jahrhundert, Lit Verlag, Wien 2011

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Präbichl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mahnmal für den Todesmarsch am Präbichl, no-racism.net
  2. http://derstandard.at/2000025228829/Die-letzten-Tage-des-NS-Terrors
  3. Verordnung der Steiermärkischen Landesregierung vom 20. Juni 2013, mit der ein Entwicklungsprogramm für den Sachbereich Windenergie erlassen wird. LGBl. Nr. 72/2013 (i.d.g.F. online, ris.bka).
  4. Amt der Steiermärkischen Landesregierung – Abteilung 7 Landes- und Gemeindeentwicklung (Hrsg.): Entwicklungsprogramm für den Sachbereich Windenergie. Verordnung, Erläuterungen, Umweltbericht, LGBl. Nr. 72/2013. Graz 2013, Übersichtspläne: Eignungszone Präbichl, S. 20 (pdf, Webartikel, beide raumplanung.steiermark.at).
  5. vergl. Antrag FAVD_Begutachtung, Rudolf Schartner, A13 Umwelt und Raumordnung, 5. April 2013 (pdf, verwaltung.steiermark.at, abgerufen 13. November 2013).