Ronja Räubertochter

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Darsteller von Ronja und Mattis in Astrid Lindgrens Värld, 2014
Modell der Mattisburg in Astrid Lindgrens Värld, 2015

Ronja Räubertochter (Originaltitel: Ronja Rövardotter) ist ein Kinderbuch der schwedischen Autorin Astrid Lindgren, das 1981 erschien. Die Originalillustrationen stammen von Ilon Wikland. Das Buch wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und zu einem Welterfolg.

Handlung[Bearbeiten]

Ronja ist die Tochter des Räuberhauptmanns Mattis und seiner Frau Lovis. Sie wächst auf der Mattisburg im Mattiswald zusammen mit ihren Eltern und deren Räuberbande auf, bis sie eines Tages Birk Borkasohn, den Sohn des verfeindeten Räuberhauptmanns Borka und dessen Frau Undis kennenlernt. Deren Bande, die Borkaräuber, hat sich in einem Gebäudeteil der Mattisburg eingenistet, der am Tag von Ronjas Geburt durch einen Blitzeinschlag vom Hauptbau getrennt wurde. Dieser Teil wird seit dem Einzug der Borkaräuber als Borkafeste bezeichnet.

Indem sie sich gegenseitig in brenzligen Situationen helfen, werden Ronja und Birk rasch enge Freunde („Bruder und Schwester“), sehr zum Ärger ihrer verfeindeten Eltern, die sich gegen die tiefe Freundschaft der Kinder stellen. Als Mattis Birk gefangen nimmt und Ronja sich deshalb freiwillig in die Hände Borkas begibt, eskaliert der Konflikt zwischen den beiden Sippen. Ronja und Birk ziehen gemeinsam in die Bärenhöhle im Wald.

Mattis’ Sehnsucht nach seiner Tochter bewegt ihn schließlich dazu, mit Borka in Dialog zu treten, um den Konflikt zu lösen. Mattis will, dass Ronja auch Räuberin wird, aber Ronja hält, genauso wie Birk, vom Räuberhandwerk nur sehr wenig und entscheidet sich letztendlich gegen diesen Lebensweg.

Interpretation[Bearbeiten]

In ihrem letzten größeren Werk Ronja Räubertochter parodiert Astrid Lindgren einen klassischen Räuberroman. Sie verwendet viele Versatzstücke einer Räubergeschichte (Prügeleien, Brutalität, ungehemmte Gefühle und ursprüngliche Lebensfreude), ironisiert die großsprecherischen Räuber jedoch durch ihre leichte Verletzlichkeit. Der männlichen Räuberwelt wird mit der Titelfigur ein weiblicher, vernünftiger Blick gegenübergestellt. Dabei gestaltet Lindgren den Roman nicht historisch, sondern transportiert in der Handlung zeitgenössische Themen und Probleme.[1] Zu den behandelten Themen gehören Freiheit, Emanzipation, Treue, Respekt, Freundschaft und Liebe, jedoch auch Vorurteile, Konkurrenzdenken, Gewalt und Tod.[2]

Die Liebe zwischen Ronja und Birk, den beiden Kindern verfeinderter Räuberstämme, erinnert an Romeo und Julia. Doch anders als in Shakespeares Tragödie gibt es in Lindgrens Kinderbuch ein Happy End. Die Entschlossenheit der Kinder überwindet die Differenzen der Erwachsenen und öffnet auch diesen neue Möglichkeiten. Die Kinder wagen den Sprung über den „Höllenschlund“ und überwinden damit auch symbolisch die Kluft zwischen den verfeindeten Sippen. Gleichzeitig zeigt der Roman auch die Emanzipation Ronjas von ihrem Vater. Sie, die per Geburt dazu bestimmt ist, über das Reich ihres Vaters zu herrschen, will ihren eigenen Weg gehen.[3]

Ronja und Birk befinden sich im Einklang mit der Natur und erinnern darin an Adam und Eva im Paradies. Sie leben in einem Idealzustand, wie es typisch für die Bücher Astrid Lindgrens ist. Mit dem Einbruch des kalten Winters wird ihr Garten Eden bedroht, doch trotz aller scheinbar unlösbaren Probleme zeigen die Naturschilderungen Lindgrens stets auf, wie wundervoll das Leben ist und dass es sich stets lohnt, seine Ziele zu verfolgen. Der Roman gibt ihre eigene optimistische und positive Einstellung zum Leben wieder und endet auch mit dem Einzug des neuen Frühlings lebensbejahend. Lindgren ergreift Position für den Frieden und gegen Gewalt und zeigt friedliche und gewaltlose Möglichkeiten zur Veränderung der Welt auf. Daher wurde Ronja Räubertochter auch als Friedens- und Zukunftsroman eingeordnet.[4]

Adaptionen[Bearbeiten]

Verfilmung[Bearbeiten]

Hauptartikel: Ronja Räubertochter (Film)

Das Buch wurde 1984 sehr erfolgreich von Tage Danielsson für das Kino verfilmt. Im Fernsehen wurde der Film auch als Miniserie ausgestrahlt.

Ronja mit den Rumpelwichten im Musical

Musical[Bearbeiten]

1994 feierte das von Axel Bergstedt komponierte Musical Ronja Räubertochter[5] seine Premiere.

Familienoper[Bearbeiten]

Am 26. Februar 2015 feierte die gleichnamige Familienoper [6] von Jörg Arnecke (Libretto: Holger Potocki) in der Inszenierung von Johannes Schmid im Theater Duisburg im Rahmen der Kooperation "Junge Opern Rhein-Ruhr" ihre Uraufführung[7]. Neben der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg wird die Oper auch im Theater Bonn und dem Theater Dortmund gezeigt.

Anime[Bearbeiten]

Im Januar 2014 wurde bekannt gegeben, dass der japanische Fernsehsender NHK bei dem auf Computeranimationen spezialisierten Studio Polygon Pictures assistiert von Studio Ghibli eine Anime-Umsetzung der Geschichte in Auftrag gab, die im Herbst 2014 ausgestrahlt wurde. Regie führte bei dem Projekt Gorō Miyazaki.[8]

Ausgaben[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Sanna Pohlmann: Phantastisches und Phantastik in der Literatur. Zu phantastischen Kinderromanen von Astrid Lindgren. J&J-Verlag, Wettenberg 2004, ISBN 3-937983-00-7, S. 209–256.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sanna Pohlmann: Phantastisches und Phantastik in der Literatur. Zu phantastischen Kinderromanen von Astrid Lindgren. J&J-Verlag, Wettenberg 2004, ISBN 3-937983-00-7, S. 209, 213.
  2. Ronja Räubertochter auf KinderundJugendmedien.de.
  3. Sanna Pohlmann: Phantastisches und Phantastik in der Literatur. Zu phantastischen Kinderromanen von Astrid Lindgren. J&J-Verlag, Wettenberg 2004, ISBN 3-937983-00-7, S. 236, 241–242.
  4. Sanna Pohlmann: Phantastisches und Phantastik in der Literatur. Zu phantastischen Kinderromanen von Astrid Lindgren. J&J-Verlag, Wettenberg 2004, ISBN 3-937983-00-7, S. 242, 247–249.
  5. IMDb-Eintrag
  6. [1]
  7. [2]
  8. Goro Miyazaki to Direct Ronia the Robber's Daughter TV Anime. In: Anime News Network. 30. Januar 2014, abgerufen am 17. Juli 2014 (englisch).