Ferner Osten (Föderationskreis)

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Föderationskreis Ferner Osten
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Über dieses Bild
Fläche: 6.215.900 km²
Einwohner: 6.463.000 (2009)
Bevölkerungsdichte: 1,04 Einwohner/km²
Verwaltungssitz: Chabarowsk

Der Föderationskreis Ferner Osten (russisch Дальневосточный федеральный округ, Dalnewostotschny federalny okrug) ist eine administrative Einheit (Föderationskreis) der Russischen Föderation am Pazifik (siehe Föderale Gliederung Russlands). Verwaltungssitz ist Chabarowsk.

Geographie[Bearbeiten]

Kap Tichi am Ochotskischen Meer

Als „Fernen Osten“ (Дальний восток, Dalni wostok) bezeichnet man die Pazifikregion Russlands, die unter anderem die Gebiete Sacha (das frühere Jakutien), die Jüdische Autonome Oblast und die Halbinsel Kamtschatka umfasst. Die Hauptstadt der Region ist Chabarowsk mit 579.000 Einwohnern. Der Föderationskreis Ferner Osten ist mit einem Anteil von 36,4 Prozent an der Gesamtfläche des Landes der größte Föderationskreis Russlands.

Geschichte[Bearbeiten]

Erst im 19. Jahrhundert erschlossen russische Kaufleute und Soldaten die Region, die vorher teilweise zum chinesischen Kaiserreich gehörte. Das russische Engagement des Kaisers Nikolaus II. in der Mandschurei, das mit dem Japanischen Kaiserreich bezüglich der Hegemonie über Korea kollidierte, löste den Russisch-Japanischen Krieg von Februar 1904 bis Herbst 1905 aus. Das Russische Kaiserreich verlor den Krieg und musste einige Gebiete, wie die Südhälfte der Insel Sachalin abtreten.

Die Fernöstliche Republik wurde nach der kommunistischen Oktoberrevolution und der bolschewistischen Machtergreifung im ganzen Land am 6. April 1920 gegründet, um als Pufferstaat einen direkten Krieg zwischen Sowjetrussland und Japan aufzufangen, da 70.000 Japaner zusammen mit 10.000 US-amerikanischen Soldaten im Rahmen der Sibirischen Intervention antikommunistische Truppen der „weißen“ Russen unterstützten. Japan selbst hielt Wladiwostok und Teile der Pazifikküste besetzt, seit 1918 auch angrenzende chinesische Gebiete, und gründete die Küstenrepublik. Erst 1922 wurden diese Republiken wieder an die Sowjetunion angeschlossen.

Die im 7.000 Kilometer entfernten Moskau sitzende russische Regierung hatte sich erstmals 2006 besorgt über die Abgeschiedenheit und Rückständigkeit des russischen Fernen Ostens gezeigt. Präsident Putin bezeichnete sie als Gefahr für die nationale Sicherheit. Im Mai 2012 unterzeichnete Präsident Putin einen Erlass, dem zufolge die Zentralregierung um ein in Chabarowsk ansässiges Ministerium für die Entwicklung des Fernen Ostens erweitert wurde. Am 21. März 2013 segnete die Zentralregierung ein Programm zur Entwicklung des Fernen Ostens ab. Es sieht bis 2025 Ausgaben in Höhe von 321 Milliarden US-Dollar vor. Ziele sind die Umgestaltung des Fernen Ostens in eine wettbewerbsfähige Region mit einer vielgestaltigen Wirtschaft sowie die Verbesserung der sozialen und demographischen Situation auf dem Territorium der Region. Diese Maßnahmen werden in Russland als der Beginn eines Wiederbelebungsprozesses betrachtet.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Der Ferne Osten gehörte traditionell zu den am wenigsten besiedelten Teilen Russlands. Die Bevölkerungszahl der Fernen Ostens erreichte 1990 mit etwas über acht Millionen ihren Höhepunkt. Das war die Folge massiver (und nicht immer freiwilliger) Umsiedlungsmaßnahmen, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts durchgeführt worden waren. Zur indigenen Bevölkerung gehört vor allem die Kategorie der sogenannten „kleinen Völker“. Eine Ausnahme bilden die Jakuten, eine recht zahlenstarke Ethnie, die vorwiegend (zu 97 Prozent) in der Republik Sacha (Jakutien) leben und dort die Hälfte der Gesamtbevölkerung ausmachen. Die Republik ist das einzige Föderationssubjekt im Föderationskreis Fernost, in denen ethnische Russen nicht die dominierende Volksgruppe darstellen.

Ungeachtet der geographischen Lage der Region neigen deren Bewohner kulturell Europa zu, und nicht Asien. Ein großer Teil der heutigen Bevölkerung wird durch Umsiedler und deren Nachfahren gebildet.

Der Anfang der 1990er Jahre erfolgte wirtschaftliche und politische Wandel in Staat und Gesellschaft hatte negative Folgen auf die demographische Lage der Region. Die Bevölkerungszahl des Föderalkreises Ferner Osten betrug zum 1. Januar 2014 6,227 Millionen oder 4,34 Prozent der Gesamtbevölkerung Russlands.

Klima, Flora und Fauna[Bearbeiten]

Meeresbucht in der Region Primorje

Das Klima im Fernen Osten schwankt von kontinental bis gemäßigt. Hier befindet sich der Kältepol nördlicher Halbkugel (in der Siedlung Ojmjakon). Die niedrigste jemals gemessene Temperatur wurde auf dem Territorium des Fernen Ostens mit 71 Grad Celsius unter dem Gefrierpunkt gemessen.[1] Die kalten Winter im Fernen Osten sind trocken und sonnenreich. Aufgrund der Trockenheit der Luft lassen sich auch strenge Fröste leichter ertragen. Weite Teile des nördlichen Fernen Ostens sind mit borealem Nadelwald bedeckt oder gehören zur Klimazone der Tundra mit niedrigen Sträuchern, Flechten und Moos. Der Erdboden ist dort häufig dauernd gefroren (Permafrostboden). Deshalb ist im nördlichen Bereich des Fernen Ostens Ackerbau nur in wenigen geschützten Gegenden möglich, die landwirtschaftliche Nutzung beschränkt sich auf Holzwirtschaft. Die Region Primorje - die Region unmittelbar an der Pazifikküste - ist in ähnlichen Breiten gelegen wie Sotschi an der russischen Schwarzmeerküste, und die Sonne scheint hier 180-200 Tage im Jahr. Im Süden der Region Primorje sind die Berge mit besonderen Wäldern, einer Mischung aus Nadelbäumen und breitblättrigen Laubbäumen, der sogenannten Ussuri-Taiga bedeckt.

Gliederung[Bearbeiten]

Far Eastern Federal District
# Flagge Föderationssubjekt Fläche in
km2.
Bevölkerung
2010
Bevölkerung
2015[2]
Hauptstadt/ Verwaltungszentrum
1 Flag of Amur Oblast.svg Oblast Amur 363,700 830,103 809,873 Blagoweschtschensk
2 Flag of the Jewish Autonomous Oblast.svg Jüdische Autonome Oblast 36,000 176,558 168,368 Birobidschan
3 Flag of Kamchatka Oblast.svg Region Kamtschatka 472,300 322,079 317,269 Petropawlowsk-Kamtschatski
4 Flag of Magadan Oblast.png Oblast Magadan 461,400 156,996 148,071 Magadan
5 Flag of Primorsky Krai.svg Region Primorje 165,900 1,956,497 1,933,308 Wladiwostok
6 Flag of Sakha.svg Republik Sacha 3,103,200 958,528 956,896 Jakutsk
7 Flag of Sakhalin Oblast.svg Oblast Sachalin 87,100 497,973 488,391 Juschno-Sachalinsk
8 Flag of Khabarovsk Krai.svg Region Chabarowsk 752,600 1,343,869 1,338,305 Chabarowsk
9 Flag of Chukotka.svg Autonomer Kreis der Tschuktschen 737,700 50,526 50,540 Anadyr
Gesamt 6,169,329 6,293,129 6,211,021

Wirtschaft[Bearbeiten]

Der Föderationskreis ist reich an Rohstoffen. So werden in der Republik Sacha Gold und Diamanten gefördert, auf Sachalin werden Erdöl und Erdgas gewonnen. Die gesamte Energieausbeute von Sachalin wird auf insgesamt 700 Millionen Tonnen Öl und 2.500 Milliarden Kubikmeter Gas geschätzt. Die Region Primorje ist reich an Zinn und Grafit. Im Jüdischen Autonomen Gebiet finden sich Vorkommen von Eisen- und Manganerz.

Russlands Ferner Osten hat seit 1990 rund 90 Prozent seiner Schwerindustrie, darunter die starken Rüstungs- und Papierindustrien sowie den fischverarbeitenden Sektor, verloren. Zudem erwirtschaftet das Gebiet lediglich 5,6 Prozent des nationalen BIP. Die verbliebenen wirtschaftlichen Aktivitäten drehen sich massiv um die Ressourcengewinnung.[3]

So wird auf der Halbinsel Sachalin das größte integrierte Öl- und Gasprojekt der Welt, Sachalin 2, realisiert. Die Entwicklung des Projekts hat die Sakhalin Energy Investment Company Ltd. (Sakhalin Energy) übernommen, ein im Jahr 2000 gegründetes Konsortium unter Federführung von Shell mit Beteiligung der japanischen Konzerne Mitsui und Mitsubishi. Dies war über lange Jahre die größte ausländische Investition in Russland, 2007 übernahm Gazprom die Mehrheitsbeteiligung.

Die wichtigsten noch intakten Industriebranchen sind der Bergbau, die Goldförderung, die Elektroindustrie,die Fischerei- und Forstwirtschaft sowie Buntmetallurgie und Schiffsbau. Am gesamten russischen Holzexport haben die Forstwirtschaft und Holzverarbeitung in den Regionen Primorje und Chabarowsk und im Gebiet Amur einen hohen Anteil. Auch an der Herstellung von Sägeholz, von Holzfaserplatten und Möbeln ist der Föderationskreis maßgeblich beteiligt.

Die Landwirtschaft ist traditionell stark ausgeprägt. Dazu gehören die Rentier- und Pelztierzucht ebenso wie die Fischerei. Mit der Erschließung der Bodenschätze und der Verarbeitung in der Region wird die wirtschaftliche Bedeutung des Föderationskreises Ferner Osten deutlich zunehmen. Schon jetzt arbeitet der Föderationskreis eng mit China, Japan, Süd- und Nordkorea zusammen.

Verkehr[Bearbeiten]

Von den wichtigsten Orten des russischen Fernen Ostens – Wladiwostok und Chabarowsk – gibt es direkte Flüge nach Japan, Süd- und Nordkorea, Thailand und den USA sowie Schiffsverbindungen nach Japan und Südkorea. Durch den südlichen Teil der Region führt die Transsibirische Eisenbahn mit Abzweigungen zur Grenze nach China und zur Pazifikküste.

Entsprechend seiner wirtschaftlichen Bedeutung gehört der Ausbau der Infrastruktur im Föderationskreis Ferner Osten zu den wichtigsten Vorhaben in Russland. Zu den prioritären Projekten des Eisenbahnsektors von 2010 bis 2015 gehören die Herstellung der Bahnverbindung des Gebietes Chabarowsk mit Sachalin über den Tatarensund, die Fortsetzung des Baus der Verbindung zwischen der Baikal-Amur-Magistrale (BAM) und Jakutsk sowie der Bau der Nordsibirischen Eisenbahn von Nadym nach Jakutsk, das zu einem Eisenbahnknoten in Nordsibirien werden soll.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.poezdka.de/113/Russland/ferner-osten.html abgerufen am 12.06.2015
  2. Оценка численности постоянного населения на 1 января 2015 года и в среднем за 2014 год (опубликовано 17 марта 2015 год). Проверено 18 марта 2015. Архивировано из первоисточника 18 марта 2015.
  3. http://www.worldreview.info/de/content/russlands-ferner-osten-erhaelt-finanzielle-unterstuetzung abgerufen am 12.06.2015

Literatur[Bearbeiten]

  • John J. Stephan: The Russian Far East: A History. Stanford University Press, Stanford 1994, ISBN 0-8047-2701-5