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Sandra Kiriasis

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Sandra Kiriasis
Nation Deutschland
Geburtstag 4. Januar 1975
Geburtsort DresdenDDR
Karriere
Disziplin Zweier
Position Pilot
Verein RSG Hochsauerland
Nationalkader seit A-Kader
Status zurückgetreten
Karriereende 2014
Medaillenspiegel
Olympische Winterspiele 1 × Goldmedaille 1 × Silbermedaille 0 × Bronzemedaille
Weltmeisterschaften 7 × Goldmedaille 5 × Silbermedaille 1 × Bronzemedaille
Europameisterschaften 7 × Goldmedaille 3 × Silbermedaille 1 × Bronzemedaille
 Olympische Winterspiele
Silber Salt Lake City 2002 Zweierbob
Gold Turin 2006 Zweierbob
 Bob-Weltmeisterschaften
Silber Winterberg 2003 Zweier
Silber Königssee 2004 Zweier
Gold Calgary 2005 Zweier
Gold St. Moritz 2007 Zweier
Gold St. Moritz 2007 Mannschaft
Gold Altenberg 2008 Zweier
Gold Altenberg 2008 Mannschaft
Gold Lake Placid 2009 Mannschaft
Gold Königssee 2011 Mannschaft
Silber Lake Placid 2012 Zweier
Silber Lake Placid 2012 Mannschaft
Bronze St. Moritz 2013 Zweier
Silber St. Moritz 2013 Mannschaft
 Bob-Europameisterschaften
Silber Altenberg 2005 Zweier
Gold St. Moritz 2006 Zweier
Gold Cortina d’Ampezzo 2007 Zweier
Gold Cesana 2008 Zweier
Gold St. Moritz 2009 Zweier
Bronze Igls 2010 Zweier
Gold Winterberg 2011 Zweier
Silber Altenberg 2012 Zweier
Gold Igls 2013 Zweier
Gold Igls 2013 Mannschaft
Silber Königssee 2014 Zweier
Platzierungen im Bob-Weltcup
 Weltcupsiege 46
 Gesamtweltcup Zweier 1. (2002/03, 2003/04,
2004/05, 2005/06,
2006/07, 2007/08,
2008/09, 2009/10,
2010/11)
 Podiumsplatzierungen 1. 2. 3.
 Zweierbob 46 19 16
letzte Änderung: 30. Januar 2014

Sandra Kiriasis, geborene Sandra Prokoff (* 4. Januar 1975 in Dresden), ist eine ehemalige deutsche Bobpilotin. Sie war von 2003 bis 2011 neunmal Gesamtweltcup-Siegerin, 2006 Olympiasiegerin und gewann sieben Weltmeistertitel.

Anfänge als Rodlerin

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Kiriasis, die im erzgebirgischen Geising aufwuchs, begann bereits im Alter von fünf Jahren mit dem Langlauf, wechselte 1985 zum Rennrodeln, wurde 1988 an die Kinder- und Jugendsportschule (KJS) Richard Sorge in Altenberg delegiert und erlebte dort als Nachwuchssportlerin die politische Wende in der DDR. 1991 folgte sie einem Ruf nach Winterberg, wo sie zunächst weiterhin als Rennrodlerin trainierte. Im Juli 1993 wurde sie Soldatin auf Zeit, im Oktober 1993 kam sie als Sportsoldatin zur Sportfördergruppe der Bundeswehr in Warendorf. Im Juniorinnenbereich stellten sich zunächst Erfolge ein, Prokoff gewann 1993 die Bronzemedaille im Einzel und die Goldmedaille im Team bei den Juniorenweltmeisterschaften. In der Folge stagnierten allerdings die Leistungen, zumal sie an den damals höchst erfolgreichen Rodlerinnen um Gabriele Kohlisch, Susi Erdmann, Jana Bode, Sylke Otto oder Barbara Niedernhuber leistungsmäßig nicht herankam. Dies mündete darin , das Prokoff ab der Saison 1997/98 nicht mehr zum Nationalkader gehörte und ihr Dasein als Sanitätssoldatin fristete. Erst die rasante Entwicklung im Frauenbobsport eröffnete der schon fast gescheiterten Spitzensportlerin neue Perspektiven.

Wechsel ins Boblager.

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Nachdem es bereits seit der Saison 1995/96 einen Weltcup für Frauen im Bobsport gab, wurde Anfang Februar 2000 auf Prokoffs Heimbahn in Winterberg die erste Weltmeisterschaft im Frauen-Bobsport ausgetragen. Weltmeisterin wurde mit Gabriele Kohlisch recht überraschend eine ehemalige Rennrodlerin. Dieser Erfolg brachte einen enormen Schub für den deutschen Frauen-Bobsport und so wurde auch Prokoff im Sommer 2000 nordrhein-westfälischen Rodel-Landestrainer Walter Oetzel auf ein Comeback im Leistungssport, diesmal im Bobsport, angesprochen. Zusammen mit der Leichtathletin Daniela Clobes als Anschieberin fuhr Prokoff nach 15 Probefahrten in einer verbandsinternen Selektion auf den 5. Platz, bei der zweiten Selektion war sie bereits die zweitbeste Pilotin. Daraufhin meldete sie Bundestrainer Wolfgang Hoppe für den Weltcup der Saison 2000/01 an. Neben Prokoff wurde mit Susi Erdmann eine weitere ehemalige Rennrodlerin für den Bobweltcup gemeldet. Bei der ersten Weltcupstation in Winterberg gelang Prokoff fast die Sensation. Hinter der Vorjahresweltcupsiegerin Jean Racine belegte sie mit dem denkbar knappsten Rückstand von einer Hundertstel Sekunde zusammen mit Anschieberin Daniela Clobes den zweiten Platz. Es folgten im Dezember 2000 bei den nächsten drei Wettbewerben weitere Podestplätze. In Igls kam dabei Kerstin Jürgens als Anschieberin zum Einsatz. Bei den Weltcups und den Weltmeisterschaften in Übersee fuhr Prokoff mit der mittlerweile dritten Anschieberin Ulrike Holzner. Mit ihr gelang ihr beim Weltcupfinale in Park City der erste Weltcupsieg. Am Ende belegte Prokoff in ihrer ersten Weltcupsaison hinter Racine den zweiten Platz vor der drittplatzierten Susi Erdmann. Sie startete für die RSG Hochsauerland. Zum Bobteam Kiriasis gehörten zuletzt neben Kiriasis selbst Berit Wiacker und Petra Lammert als Bremserinnen, Bernhard Lehmann als Heimtrainer und Wolfram Schweizer als Technischer Berater.

Im Juli 2014 beendete Kiriasis ihre Sportkarriere. Kurz vor ihrem Ausscheiden aus der Bundeswehr im Juli 2016 wurde sie zum Stabsfeldwebel der Reserve befördert.[1] Im Jahr 2017 schloss sie ein duales Bachelorstudium in „Gesundheitssport und Prävention“ an der Fachhochschule für Sport und Management Potsdam als Jahrgangsbeste mit einem Schnitt von 1,2 ab.[2] Das Thema ihrer Bachelorarbeit lautete Der Spitzensportler als Spitzenunternehmer – Eine Studie über die Erfolgsgenese von Spitzensportlern als ganzheitliche Unternehmer.

Kiriasis trainierte das Frauen-Bobteam von Jamaika, das sich im Januar 2018 im Zweierbob für die Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang qualifizierte.[3] Noch vor dem Frauen-Bobwettbewerb wurde sie vom jamaikanischen Bobverband entlassen.[4]

Wettkampfbilanz

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Saison Weltcup WM EM OS
Platz Punkte Einzel Team
2001/02 02. 0264 2.
2002/03 01. 0246 2.
2003/04 01. 0196 2.
2004/05 01. 0645 1. 2.
2005/06 01. 0570 1. 1.
2006/07 01. 0730 1. 1. 1.
2007/08 01. 1735 1. 1. 1.
2008/09 01. 1679 7. 1. 1.
2009/10 01. 1608 3. 4.
2010/11 01. 1711 4. 1. 1.
2011/12 03. 1574 2. 2. 2.
2012/13 02. 1798 3. 2. 1.
2013/14 04. 1441 2. 5.

Zweierbob Damen

Nr. Datum Ort Bahn Anschieberin
1. 10. Nov. 2001 Deutschland Winterberg Bobbahn Winterberg Ulrike Holzner
2. 11. Nov. 2001 Deutschland Winterberg Bobbahn Winterberg
3. 18. Nov. 2001 Deutschland Königssee Kombinierte Kunsteisbahn am Königssee Nicole Herschmann
4. 22. Nov. 2001 Osterreich Innsbruck-Igls Olympia Eiskanal Igls Ulrike Holzner
5. 23. Nov. 2001 Osterreich Innsbruck-Igls Kunsteisbahn Bob-Rodel Igls Nicole Herschmann
6. 24. Nov. 2002 Kanada Calgary Bob- und Rennschlittenbahn im Canada Olympic Park Ulrike Holzner
7. 30. Nov. 2002 Vereinigte Staaten Park City Utah Olympic Park Track Nicole Herschmann
8. 1. Dez. 2002 Vereinigte Staaten Park City Utah Olympic Park Track Ulrike Holzner
9. 14. Dez. 2002 Vereinigte Staaten Lake Placid Olympia-Bobbahn Lake Placid
10. 16. Dez. 2002 Vereinigte Staaten Lake Placid Olympia-Bobbahn Lake Placid Nicole Herschmann
11. 28. Nov. 2003 Kanada Calgary Bob- und Rennschlittenbahn im Canada Olympic Park Anja Schneiderheinze
12. 29. Nov. 2003 Kanada Calgary Bob- und Rennschlittenbahn im Canada Olympic Park Janine Tischer
13. 6. Dez. 2003 Vereinigte Staaten Lake Placid Olympia-Bobbahn Lake Placid Anja Schneiderheinze
14. 22. Jan. 2004 Norwegen Lillehammer Bob- und Rennschlittenbahn Hunderfossen
15. 23. Jan. 2004 Norwegen Lillehammer Bob- und Rennschlittenbahn Hunderfossen Berit Wiacker
17. 17. Nov. 2004 Deutschland Winterberg Bobbahn Winterberg Anja Schneiderheinze
18. 10. Dez. 2004 Osterreich Innsbruck-Igls Kunsteisbahn Bob-Rodel Igls Berit Wiacker
19. 17. Dez. 2004 Italien Cortina d’Ampezzo Pista olimpica Eugenio Monti
20. 21. Jan. 2005 Italien Cesana Cesana Pariol
21. 14. Feb. 2005 Vereinigte Staaten Lake Placid Olympia-Bobbahn Lake Placid Anja Schneiderheinze
22. 10. Nov. 2005 Kanada Calgary Bob- und Rennschlittenbahn im Canada Olympic Park
23. 18. Nov. 2005 Vereinigte Staaten Lake Placid Olympia-Bobbahn Lake Placid
24. 9. Dez. 2005 Osterreich Innsbruck-Igls Kunsteisbahn Bob-Rodel Igls Berit Wiacker
25. 16. Dez. 2005 Italien Cortina d’Ampezzo Pista olimpica Eugenio Monti Anja Schneiderheinze
26. 12. Jan. 2007 Italien Cortina d’Ampezzo Pista olimpica Eugenio Monti Romy Logsch
27. 19. Jan. 2007 Osterreich Innsbruck-Igls Kunsteisbahn Bob-Rodel Igls Anja Schneiderheinze
28. 9. Feb. 2007 Italien Cesana Cesana Pariol
29. 16. Feb. 2007 Deutschland Winterberg Bobbahn Winterberg Romy Logsch
30. 23. Feb. 2007 Deutschland Königssee Kunsteisbahn Königssee Berit Wiacker
31. 7. Dez. 2007 Vereinigte Staaten Park City Utah Olympic Park Track
32. 14. Dez. 2007 Vereinigte Staaten Lake Placid Olympia-Bobbahn Lake Placid Romy Logsch
33. 12. Jan. 2008 Italien Cortina d’Ampezzo Pista olimpica Eugenio Monti
34. 25. Jan. 2008 Schweiz St. Moritz Olympia Bob Run St. Moritz–Celerina
35. 8. Feb. 2008 Deutschland Winterberg Bobbahn Winterberg Berit Wiacker
36. 6. Dez. 2008 Deutschland Altenberg Rennschlitten- und Bobbahn Altenberg
37. 16. Jan. 2009 Schweiz St. Moritz Olympia Bobrun St. Moritz–Celerina
38. 18. Jan. 2009 Schweiz St. Moritz Olympia Bobrun St. Moritz–Celerina
39. 27. Nov. 2010 Kanada Whistler Whistler Sliding Centre Stephanie Schneider
40. 17. Nov. 2010 Vereinigte Staaten Lake Placid Olympia-Bobbahn Lake Placid Berit Wiacker
41. 18. Nov. 2010 Vereinigte Staaten Lake Placid Olympia-Bobbahn Lake Placid Stephanie Schneider
42. 21. Jan. 2011 Deutschland Winterberg Bobbahn Winterberg Berit Wiacker
43. 29. Jan. 2011 Schweiz St. Moritz Olympia Bobrun St. Moritz–Celerina
44. 12. Jan. 2013 Osterreich Innsbruck-Igls Kunsteisbahn Bob-Rodel Igls Franziska Bertels
45. 13. Feb. 2013 Russland Sotschi Sliding Center Sanki
46. 5. Jan. 2014 Deutschland Winterberg Bobbahn Winterberg Franziska Fritz

Teilnahme an Fernsehshows

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Kiriasis nahm regelmäßig als Mannschaftsmitglied bei der „Wok-WM“ von TV total teil und erkämpfte sich dabei je zwei Gold- und Silbermedaillen.

Im Januar 2019 war sie Kandidatin der dreizehnten Staffel von Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! und belegte dort den vierten Platz. Zum Start der dreizehnten Staffel hatte sie zusammen mit Indira Weis als Skihase feat. Bobhase das gemeinsam aufgenommene Lied Es geht auf’s Eis veröffentlicht. Anschließend nahm sie auch am „Dschungel-Special“ von Das perfekte Promi-Dinner teil. Im September 2019 trat sie in der ersten Ausgabe von Renn zur Million … wenn Du kannst! an. Im Januar 2020 war sie bei Ich bin ein Star – Die Stunde danach zu Gast; im Oktober dieses Jahres versuchte sie, ihre bei der Eröffnungs- und Abschlusszeremonie der Olympischen Winterspiele 2010 getragene gelbe Bogner-Jacke in der Sendung Die Superhändler – 4 Räume, 1 Deal zu verkaufen.

Commons: Sandra Kiriasis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Bundeswehrsportschule: Sandra Kiriasis verlässt BW-Schule. Westfälische Nachrichten, 29. Juni 2016, abgerufen am 11. Januar 2019.
  2. Olympiasiegerin Kiriasis auch beim Bachelor spitze . Märkische Allgemeine, 8. Oktober 2017.
  3. Bob-Pilotinnen aus Jamaika erstmals bei Olympia: Von der Aschenbahn in den Eiskanal. Spiegel Online, 16. Januar 2018.
  4. Olympia 2018: Sandra Kiriasis verlässt Bob-Team Jamaika im Streit: Zoff! Deutsche verlässt Bob-Team. sport1.de, 15. Februar 2018, abgerufen am 15. Februar 2018.
  5. Vancouver 2010 – Deutsche Frauen-Bobs erstmals ohne Medaille
  6. Deutsche Schlitten chancenlos Blech für Kiriasis – Martini stürzt