Staatliches Luitpold-Gymnasium München

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Staatliches Luitpold-Gymnasium München
Luitpold-Gymnasium.svg
Schulform Gymnasium
Gründung 1891 (seit 1958 in der Seeaustraße)
Adresse

Seeaustraße 1

Ort München
Land Bayern
Staat Deutschland
Koordinaten 48° 8′ 41″ N, 11° 35′ 32″ OKoordinaten: 48° 8′ 41″ N, 11° 35′ 32″ O
Träger staatlich
Schüler 1012 (Schuljahr 2016/17)[1]
Lehrkräfte 75
Leitung Bernd Hieronymus[2]
Website luitpold-gymnasium.de

Das Staatliche Luitpold-Gymnasium München (auch bekannt als Luitpold-Gymnasium oder LPG) ist ein staatliches Gymnasium im Münchner Stadtbezirk Lehel. Die ursprünglich reine Jungenschule, 1891 als Realschule von Luitpold von Bayern unter dem Namen Königliche Luitpold-Kreisrealschule gegründet, wurde 1908 zur Oberrealschule und ist seit 1983 als Gymnasium auch für Mädchen zugänglich.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Luitpold-Gymnasium ist, neben dem Städtischen St.-Anna-Gymnasium und dem Wilhelmsgymnasium, eines von drei Gymnasien im Münchner Stadtteil Lehel. Die Schule befindet sich in der Seeaustraße, in der Nähe des Englischen Gartens.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luitpold von Bayern, Gründer der Schule

Das Luitpold-Gymnasium wurde 1891 auf die Forderung nach mehr naturwissenschaftlicher Bildung als Königliche Luitpold-Kreisrealschule von Prinzregent Luitpold von Bayern in der Alexandrastraße gegründet. Daher hatte im Gegensatz zu der humanistischen Tradition vieler Gymnasien des 19. Jahrhunderts die Luitpold-Realschule bereits bei seiner Gründung eine starke naturwissenschaftliche Ausrichtung. Sie war die zweite Realschule in München.

Elf Jahre nach der Gründung wurde in der Schule ein pädagogisch-didaktisches Seminar für Reallehrer in den Fächern Deutsch, Geschichte und Erdkunde errichtet und bis 1910 um weitere Fächer erweitert. Bereits 1908 zur Oberrealschule erweitert, konnten in den Fächern Physik, Chemie und Biologie auch Übungen und Versuche durchgeführt werden.

Bis 1959, als eine Pioniereinheit der Bundeswehr das Gelände bezog, sorgte der Schulgarten der Oberrealschule in der Ifflandstraße für Aufsehen, den der Kunsterzieher und Seminarlehrer Küchle gestaltet hatte.

Im Jahr 1944 wurde das Gebäude durch Brandbomben stark beschädigt. Der Schulbetrieb wurde bis 1958 in das Wilhelmsgymnasium ausgelagert. Das neue Schulgebäude, in dem der Schulbetrieb seit September 1958 untergebracht ist, war der erste Nachkriegsschulneubau in München. Im selben Jahr wurde die schulinterne Zeitung Luitbold erstmals gedruckt.[3] 1965 erfolgte die Umbenennung der Oberrealschule in Luitpold-Gymnasium. 1976 wurde die reformierte Oberstufe eingeführt und der erste Schulversuch im Bereich Informatik unternommen. 1983 wurde die Koedukation in dem bisherigen Jungen-Gymnasium eingeführt.[4]

Das Luitpold-Gymnasium verschickt seit 1994 jährlich zu Weihnachten Geschenkepäckchen an ein Kinderkrebskrankenhaus in Kiew. Diese Kinder erleiden zumeist ihre Krankheit durch die Folgen der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl.[5]

Nachdem 2002 durch Eltern von Schülern, die das Luitpold-Gymnasium besuchten, die Elterninitiative Hausaufgabenbetreuung am Luitpold-Gymnasium gegründet wurde, bekam diese am 13. September 2006 den Status einer gemeinnützigen Körperschaft. Etwa drei Jahre später wurde die Hausaufgabenbetreuung im Rahmen der Offenen Ganztagsschule ein Kooperationspartner der bayerischen Regierung und gilt seither aus diesem Grund offiziell als eine schulische Veranstaltung.[6]

Im Jahr 2007 wurde die schulinterne Mensa eröffnet.[7]

Am 17. März 2011 nahmen Schüler im Rahmen eines einjährigen Schulprojektes des Lehrers Joachim Hoffmüller und des Deutschen Amateur Radio Clubs Kontakt zur International Space Station auf und stellten dem im All befindlichen Astronauten Paolo Nespoli diverse Fragen.[8]

Mediale Aufmerksamkeit erlangte das Gymnasium im Juni 2015, als Absolventen eine Stripshow zum Abistreich in der Schule aufführen ließen.[9][10][11]

Neben dem Staatlichen Luitpold-Gymnasium München gründete Luitpold bereits 1864 das Realgymnasium München, das 1918 mit dem 1887 gegründeten Luitpold-Gymnasium zusammengelegt wurde. Beide Gymnasien werden häufig fälschlicherweise als dasselbe bezeichnet. Seit 1965 heißt jedoch das ursprüngliche Luitpold-Gymnasium Albert-Einstein-Gymnasium. Dieses Gymnasium befand sich in der Müllerstraße an der Stelle des jetzt stillgelegten Heizkraftwerks und wurde von Albert Einstein besucht. Auch der „Münchner Geiselmord“, die oft zitierte Erschießung von zehn festgehaltenen Geiseln am 30. April 1919, möglicherweise veranlasst durch den kommunistischen Stadtkommandanten und ehemaligen Matrosen Rudolf Egelhofer, fand im Schulhof des Gebäudes statt. Es wurde im Jahre 1944 durch Bomben zerstört.

Unterricht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Unterricht wird nach dem Lehrplan des Gymnasiums in Bayern gehalten.

Im Luitpold-Gymnasium wird als erste Fremdsprache Englisch angeboten; als zweite Fremdsprache wird in der sechsten Jahrgangsstufe zwischen Latein und Französisch abgezweigt, wobei bei der Wahl von Latein in der achten Klasse zusätzlich Italienisch oder Französisch als dritte Fremdsprache angeboten wird, beziehungsweise der Schwerpunkt auf Naturwissenschaften gelegt werden kann. Bei der Fachwahl Französisch wählt der Schüler automatisch auch den naturwissenschaftlichen Zweig mit.

Neben den christlichen Religionen Römisch-katholisch und Evangelisch wird im Luitpold-Gymnasium neben dem Alternativfach Ethik zusätzlich auch die jüdische Religionslehre angeboten.

Das Luitpold-Gymnasium bietet auch zahlreiche Schüleraustauschprogramme an. So können Schüler der achten Jahrgangsstufe, die Französisch als zweite Fremdsprache haben, für zehn Tage nach Voreppe reisen und dort das Collège André Malraux besuchen.[12] Schüler mit Französisch als dritter Fremdsprache können stattdessen an einen Austausch mit dem Lycée Albert Premier, einer Schule in Monaco, teilnehmen.[13] Ein weiteres Austauschprogramm für Schüler, die Französisch als Fremdsprache haben, wird nach Nizza angeboten, wobei die Lycée Albert Calmette als Partnerschule fungiert.[14] Dieser Austausch ist für die neunte und zehnte Jahrgangsstufe angedacht. Für jene Klassenstufen gibt es seit dem Jahr 2012 zudem die Möglichkeit, an einem dreiwöchigen Austausch nach Australien, Brisbane, teilzunehmen, wobei die Ferny Grove State High School die Partnerschule darstellt.[15] Außerdem gibt es für ausgewählte Schüler ein Austauschprogramm mit dem 123. Gymnasium in Kiew.[16]

Grundstücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptgebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Osttrakt mit Lehrsälen

Das Luitpold-Gymnasium verfügt im Westtrakt über eine Cafeteria. Über ihr befindet sich das Direktorat, Sekretariat so wie das Lehrerzimmer. Im Osttrakt sind sowohl die Chemie-, Physik-, Musik-, Biologie- und Kunsträume, wie auch zwei Sporthallen integriert. Während dort beide Gebäudetrakte über zwei Stockwerke gehen, ist im nördlichen Haupttrakt des Gebäudes, wo sich die Klassenzimmer befinden, das Haus vierstöckig. Zwischen dem Ost- und Westtrakt befindet sich der Pausenhof des Gymnasiums.

Landheim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Luitpold-Gymnasium verfügt über ein eigenes Schullandheim in Sachsenhausen bei Wolfratshausen. Dieses wird regelmäßig einmal im Jahr von allen fünften und sechsten Klassen der Schule für jeweils eine Woche besucht. Zudem wird das Gebäude den Abiturienten zur Vorbereitung auf die Abiturprüfung sowie am Wochenende Absolventen zum Wiedersehen zur Verfügung gestellt und ist auch der Tagungsort für Klassensprecherseminare.[17]

Sportanlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben zwei eigenen Sporthallen in der Schule steht dem Luitpold-Gymnasium im Englischen Garten eine von der Stadt gepachtete Schulsportanlage zur Verfügung. Diese Anlage ist wenige hundert Meter von der Schule entfernt, trägt den Namen Hirschanger und wird von zahlreichen benachbarten Schulen und Sozialeinrichtungen benutzt.[18]

Bekannte Angehörige[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lehrer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schüler oder Absolventen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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In der folgenden Tabelle wird eine Auswahl von Schüler und Absolventen des Luitpold-Gymnasiums aufgelistet:

Geboren Name Tätigkeit
1908 Sep Ruf Architekt
1911 Feodor Lynen Biochemiker und Nobelpreisträger 1964
1913 Hans Lamm Journalist, Publizist und Verbandsfunktionär
1913 Schalom Ben-Chorin Journalist und Religionswissenschaftler
1915 Ernst von Khuon Reporter, Journalist und Autor
1919 Fritz Straßner bayerischer Volksschauspieler[19]
1937 Friedrich Schneider Professor für Mess- und Regelungstechnik an der TU München
1939 Peter Kraus Schauspieler und Sänger
1941 Jürgen Micksch Theologe und Soziologe
1943 Manfred Schnelldorfer Eiskunstläufer, Gewinner der Olympischen Spiele in Innsbruck 1964 (Goldmedaille)
1945 Florian Holsboer Direktor des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie
1952 Klaus Heller Autor, Fallschirmspringer und Freifallkameramann[20]
1957 Siegfried Schumann Politikwissenschaftler
1961 Andreas Büttner Rechtsmediziner und Professor an der Universität Rostock
1962 Karl Richter Politiker, Publizist und Autor aus dem rechtsextremen Spektrum
1965 Robert Brannekämper Architekt und Landtagsabgeordneter der CSU
1971 Rick Kavanian deutscher Schauspieler, Komiker und Synchronsprecher mit armenisch-rumänischen Wurzeln
1974 Florian Hahn Bundestagsabgeordneter der CSU
1980 Melody Sucharewicz israelische Sonderbotschafterin
1985 André Emanuel Kaminski deutscher Schauspieler

Quellen und Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Königliche Luitpold-Kreisrealschule München (Hrsg.): Jahresbericht. München 1891–1907 (Digitalisat Beil. zu den Jg. 1893–1897; 1900; 1902; 1904–1905)
  • Luitpold-Kreisoberrealschule München (Hrsg.): Jahresbericht der Luitpold-Kreisoberrealschule in München. München 1908–1922 (Digitalisat Beil zu den Jg. 1908–1909; 1912)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Luitpold-Gymnasium München – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst. Abgerufen am 7. März 2018.
  2. Staatliches Luitpold-Gymnasium München Kontakt. In: luitpold-gymnasium.eu. Luitpold-Gymnasium. Abgerufen am 28. März 2013.
  3. Luitbold Online - Schülerzeitung. In: luitpold-gymnasium.org. Luitpold-Gymnasium. Archiviert vom Original am 13. März 2013. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.luitpold-gymnasium.org Abgerufen am 27. März 2013.
  4. Unser Name und unsere Geschichte. In: luitpold-gymnasium.eu. staatliches Luitpold-Gymnasium München. Abgerufen am 19. März 2013.
  5. Weihnachtspäckchenaktion für Kiew. In: luitpold-gymnasium.eu. staatliches Luitpold-Gymnasium München. Abgerufen am 27. März 2013.
  6. Historie der Elterninitiative Hausaufgabenbetreuung. In: luitpold-gymnasium.eu. staatliches Luitpold-Gymnasium München. Abgerufen am 28. August 2013.
  7. Verpflegung. In: luitpold-gymnasium.eu. staatliches Luitpold-Gymnasium München. Abgerufen am 27. Juni 2013.
  8. Münchner Gymnasiasten funken ins Weltall. In: tz-online.de. tz. 20. März 2011. Abgerufen am 5. Juni 2013.
  9. Heftig! Stripshow bei Abistreich an Münchner Gymnasium. In: tz-online.de. tz. 2. Juli 2015. Abgerufen am 2. Juli 2015.
  10. Abistreich mit Stripperin. In: sueddeutsche.de. Süddeutsche Zeitung. 30. Juni 2015. Abgerufen am 2. Juli 2015.
  11. Absolventen laden Stripperin zum Abistreich ein. In: focus.de. Focus. 30. Juni 2015. Abgerufen am 2. Juli 2015.
  12. Austausch mit Voreppe / Grenoble. In: luitpold-gymnasium.eu. staatliches Luitpold-Gymnasium München. Abgerufen am 27. März 2013.
  13. Austausch mit Monaco. In: luitpold-gymnasium.eu. staatliches Luitpold-Gymnasium München. Abgerufen am 27. März 2013.
  14. Austausch mit Nizza. In: luitpold-gymnasium.eu. staatliches Luitpold-Gymnasium München. Abgerufen am 27. März 2013.
  15. Austausch mit Australien. In: luitpold-gymnasium.eu. staatliches Luitpold-Gymnasium München. Abgerufen am 27. März 2013.
  16. Schüleraustausch mit Kiew. In: luitpold-gymnasium.eu. staatliches Luitpold-Gymnasium München. Abgerufen am 27. März 2013.
  17. Darum beneiden UNS ALLE. In: luitpold-gymnasium.eu. Staatliches Luitpold-Gymnasium München. Abgerufen am 19. März 2013.
  18. Sportanlage Am Hirschanger (Englischer Garten) (PDF; 70 kB) In: ris-muenchen.de. RIS-München. Abgerufen am 19. März 2013.@1@2Vorlage:Toter Link/www.ris-muenchen.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  19. Gemeinde Ottobrunn (Hrsg.): Ottobrunn. Von Otto bis zur Gegenwart. Selbstverlag, Ottobrunn 1986, S. 170 f. (Selbstauskunft).
  20. Vita Klaus Heller