Superwahljahr

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ein Superwahljahr ist ein Jahr, in dem besonders viele Wahlen stattfinden. Ein solches Jahr ist in Deutschland und Österreich wahrscheinlich, wenn es auf einer 4 oder einer 9 endet, denn in jenen Jahren gibt es zumindest immer die Europawahl. Bis einschließlich 2009 fanden in Deutschland auch die Bundespräsidentenwahlen in solchen Jahren statt, sowie verschiedentlich die Bundestagswahl.

Die Gesellschaft für deutsche Sprache kürte das Wort 1994 zum Wort des Jahres. Ein weiteres „Superwahljahr“ war 2009. Eine genaue Definition für ein Superwahljahr gibt es allerdings nicht.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahlen 1990[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Phänomen der Superwahljahre in Deutschland hat teilweise mit der Wiedervereinigung 1990 zu tun. Damals wählten sämtliche ostdeutschen Bundesländer anlässlich ihrer Wiedererrichtung ihre Landtage sowie die kommunalen Organe: Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen. Schon im März war hier die DDR-Volkskammer letztmals gewählt worden. Hinzu kamen die Bundestagswahl sowie Landtagswahlen in Niedersachsen, im Saarland, in Bayern, in Nordrhein-Westfalen und (ebenfalls wegen der Wiedervereinigung) in Gesamt-Berlin. Das Wort „Superwahljahr“ kam damals allerdings trotz der zehn Landtagswahlen noch nicht auf.

Vier Jahre später, zum Teil auch acht Jahre später, fanden der ostdeutschen Bundesländer wegen wieder viele Landtagswahlen in einem Jahr statt. Das Phänomen nahm aber ab, weil in einigen ostdeutschen Bundesländern Neuwahlen ausgeschrieben wurden oder die Wahlperiode verlängert wurde.

Superwahljahr 1994[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landtagswahlen fanden in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Bayern, Thüringen, Saarland, Sachsen und Brandenburg statt. Das umstrittenste Ergebnis lieferte Sachsen-Anhalt, wo ein Regierungswechsel von CDU-FDP zu SPD-Grüne vollzogen wurde. Diese Regierung hatte keine absolute Mehrheit im Landtag und war auf Tolerierung durch die PDS angewiesen (sogenanntes Magdeburger Modell).

Ferner gab es Kommunalwahlen in den Ländern Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und im Saarland.

In ganz Deutschland und in der EU kam es im Juni zur Europawahl, das heißt zur Wahl zum Europäischen Parlament.

Krönender Abschluss des Superwahljahres war die Wahl des Bundestages. Es war die zweite Wahl im vereinten Deutschland. Zugleich fand auch die zweite Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern seit der politischen Wende 1989 statt.

Nicht von den Bürgern, aber von der Bundesversammlung wurde ein Nachfolger des scheidenden Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker gewählt. Im dritten Wahlgang setzte sich schließlich Roman Herzog als Kandidat von CDU/CSU und FDP durch.

Superwahljahr 2009[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland fand neben der Europawahl sowohl die Bundestagswahl am 27. September 2009 als auch die Wahl des deutschen Bundespräsidenten am 23. Mai 2009 statt. Daneben wurde die Landtage in Hessen, Sachsen, Thüringen, Saarland sowie in Brandenburg und Schleswig-Holstein neu gewählt.

Zudem fanden Kommunalwahlen in Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen statt.

Superwahljahr 2011[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland fanden Bürgerschafts-, Landtags- und Abgeordnetenhauswahlen in Hamburg, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin statt. Zudem fanden Kommunalwahlen in Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen statt.[1]

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Superwahljahr 1994[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Frühjahr wurden die Landtage Tirols, Kärntens und Salzburgs gewählt, darauf folgte am 12. Juni Österreichs Abstimmung über einen EU-Beitritt des Landes. Im Herbst fand die Vorarlberger Landtagswahl statt und am 9. Oktober folgte schließlich die Wahl zum österreichischen Nationalrat. Dazu kamen mehrere kleine Wahlgänge, wie die Gemeindevertretungswahlen in Salzburg oder die Gemeinderatswahl in Innsbruck.

Insgesamt brachte dieses Superwahljahr gehörige Verschiebungen im Parteiensystem Österreichs, das durch den stetigen Aufstieg der FPÖ Jörg Haiders und durch das 1993 als FPÖ-Abspaltung gegründete Liberale Forum nachhaltig verändert wurde.

Superwahljahr 2009[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch in Österreich wurde 2009 als Superwahljahr bezeichnet, da neben den Europawahlen im Juni die Landtage Salzburgs und Kärntens im März, jene Vorarlbergs und Oberösterreichs im September und die Gemeinderäte in Salzburg, Kärnten und Oberösterreich zu wählen waren.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eckhard Jesse, Roland Sturm (Hrsg.): „Superwahljahr“ 2011 und die Folgen. Nomos, Baden-Baden 2012, ISBN 978-3-8329-7556-2.
  • Wilke, Jürgen/Schäfer, Christian/Leidecker, Melanie 2011: Mit kleinen Schritten aus dem Schatten: Haupt- und Nebenwahlkämpfe in Tageszeitungen am Beispiel der Bundestags- und Europawahlen 1979-2009. In: Tenscher, Jens (Hg.): Superwahljahr 2009. Vergleichende Analysen aus Anlass der Wahlen zum Deutschen Bundestag und zum Europäischen Parlament, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 155–179 doi:10.1007/978-3-531-93220-0_6.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zusammenstellung aller Wahltermine der kommenden Jahre von wahlrecht.de.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Superwahljahr – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen