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Tatort: Der Tod ist unser ganzes Leben

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Folge 1021 der Reihe Tatort
Titel Der Tod ist unser ganzes Leben
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Länge 88 Minuten
Produktions­unternehmen X Filme Creative Pool für den Bayerischen Rundfunk
Regie Philip Koch
Drehbuch
Produktion Michael Polle
Musik Sebastian Pille
Kamera Jonas Schmager
Schnitt Dirk Göhler
Premiere 30. Apr. 2017 auf Das Erste, ORF 2, SRF 1
Besetzung
Episodenliste

Der Tod ist unser ganzes Leben ist ein Fernsehfilm aus der Krimireihe Tatort. Der vom Bayerischen Rundfunk produzierte Beitrag wurde am 30. April 2017 im Ersten, im ORF 2 und im SRF 1 ausgestrahlt. In der 1021. Tatort-Folge ermitteln die Münchner Kommissare Batic und Leitmayr in ihrem 75. Fall. Der Tod ist unser ganzes Leben greift den Tatort: Die Wahrheit, in dem der Täter nicht gefunden wurde, wieder auf und wird als Fortsetzung dieser Folge verstanden.

Ein Rollenwechsel bestimmt diesen Tatort: Ermittelt wird gegen die Ermittler selbst. Aufzuklären ist ein völlig aus dem Ruder gelaufener Gefangenentransport, bei dem der Beschuldigte und zwei Polizeibeamte erschossen wurden. Ihre Begleiter, die beiden Kommissare, wurden ebenfalls verletzt, Batic sogar schwer; nur Leitmayr ist vernehmungsfähig und wird einer polizeiinternen Anhörung unterzogen, die zunächst den Hintergrund beleuchtet.

Der Beschuldigte hat zwei Morde begangen, ohne erkennbares Motiv. Beide Opfer sind junge Familienväter, von denen der zweite wie durch ein Wunder überlebt. Blieb der Mord ein Jahr lang unaufgeklärt, wurde der Mordversuch zufällig von einer Überwachungskamera aufgezeichnet. Die Ermittlung des Täters – Klaus Barthold, Museumsangestellter – gelingt nun mühelos. Auch seine Festnahme verläuft glatt. In den Vernehmungen jedoch stellt er sich quer, bekennt sich zu nichts: keinem Gefühl, keiner Reue, ja nicht einmal zu den Taten selbst, trotz erdrückender Beweise. Das bringt vor allem Batic in Rage. Als Barthold ein halbes Jahr später im Zuge des anstehenden Prozesses verlegt werden soll, drängt er darauf, den Transport gemeinsam mit Leitmayr zu begleiten. Er brennt darauf, Barthold zu „brechen“. Das Gegenteil geschieht. Batics Ohnmacht geschickt ausnutzend, reizt Barthold ihn während der Fahrt nur noch mehr, vor allem mit der zynischen Behauptung, der Kommissar müsse ihm sogar dankbar sein für den ersten Mord, denn nur dadurch habe er die attraktive Frau des Opfers näher kennengelernt. Damit trifft er Batics wunden Punkt. Auch Leitmayr muss in der Anhörung dazu Stellung beziehen: Hatte sein Kollege ein persönliches Verhältnis zu jener Frau – Ayumi Schröder – und ihrem Sohn Taro aufgebaut?

Aus Loyalität weist er das kategorisch zurück. Und wird anschließend damit konfrontiert, auch von Batic belogen worden zu sein – von den beiden Polizeibeamten ganz zu schweigen, die Bartholds Überführung verantworteten und diese zu ihrem persönlichen Vorteil missbrauchen wollten. Von den Kommissaren in ihrem Vorhaben gestört, täuschen sie unterwegs eine Panne vor, um sie loszuwerden. Als sich durch Leitmayrs kurzzeitige Abwesenheit wegen eines verdächtigen Fahrzeugs die erstbeste Chance bietet, zögern sie auch nicht, die Dienstwaffe zu gebrauchen; im Handgemenge trifft die Polizistin jedoch versehentlich ihren Kollegen. Batic kann sich retten; die Spur des flüchtigen Trios, von ihm zufällig erlauscht, führt die Kommissare zum verlassenen Gelände der nahegelegenen alten Papierfabrik. Dort angelangt, trennt sich das Trio gerade. Dadurch müssen auch sie sich trennen: Batic folgt der Frau, Leitmayr nimmt sich die beiden Männer vor. Der Polizist beichtet ihm, er hätte mit seiner Kollegin „noch einmal ganz von vorn anfangen“ wollen, und erliegt kurz darauf seinen Schussverletzungen. Barthold nutzt einen Moment der Unaufmerksamkeit für eine blitzschnelle Attacke; Leitmayr stürzt in die Tiefe und bleibt für unbestimmte Zeit bewusstlos liegen. Von einem Schuss aufgeschreckt, sucht er nach Batic und findet ihn schwer verwundet vor; in unmittelbarer Nähe Barthold und die Polizistin, beide tot.

Aus Sicht der Untersuchungskommission ist die Indizienlage klar – nur Batic kann der Täter sein. Leitmayr glaubt das nicht. Darin beirrt ihn weder das Tondokument ihrer Verhöre (mit Batics erregter Drohung gegenüber Barthold) noch der Ballistik-Report (die Todesschüsse stammen aus Batics Dienstwaffe; auf ihr sind nur seine Fingerabdrücke) – ja nicht einmal die Nachricht von Batics Geständnis! Die Anhörung hat er da schon abgebrochen, auf eigene Faust ermittelt und mit Hilfe seines Assistenten eine heiße Spur entdeckt: Der Anruf, der Batic erreichte, als er sich kurzzeitig vom „Pannen“fahrzeug entfernen musste, kam von Ayumi Schröder! Hatte sie ihre Hände im Spiel? Hat Batic davon gewusst? Damit konfrontiert ihn Leitmayr in den zehn Minuten Zwiegespräch, die man ihm gewährt. Batic schweigt dazu. Erst als Leitmayr ihm die drohende Gefängnisstrafe vor Augen hält, wehrt er sich und gibt preis, was ihn umtreibt: der Zweifel am Sinn ihres Tuns, ihres Lebens. „Was kommt denn jetzt noch?“, fragt er. Er selbst, Leitmayr, habe unlängst gesagt, ihr Beruf sei „der größte Fehler“ – zurecht! „Keine Frau, kein Leben, nur Leichen“, klagt Batic: „Der Tod ist unser ganzes Leben.“

Die titelgebende Diagnose führt noch nicht zur Lösung des Falls. Sie bestätigt allerdings, was sich aus Batics Erinnerungen erschließt: Sein Verhältnis zu Ayumi und ihrem Sohn war in der Tat seit Längerem schon persönlich, es nährte seine Hoffnung auf menschliche, familiäre Bindung. Nun, da sie zerstört ist, geht es ihm nur noch darum, Ayumi zur Rückkehr nach Hause zu bewegen, damit für Taro gesorgt ist. Daraus wird ein Wettlauf gegen Leitmayr, der alles daransetzt, sie aufzuspüren, um Batic zu retten. Letztlich gewinnt keiner, denn sie stellt sich selbst. Ihr Koffer mit dem Bestechungsgeld für die Polizeibeamten bezeugt, was sie geplant hatte: eine Gegenüberstellung mit Barthold, von ihm mehrfach verweigert; sie wollte den Menschen kennenlernen, der ihr den Mann genommen hatte. Dazu kam es dann, auf ungeplante Weise, am vereinbarten Treffpunkt in der alten Papierfabrik. Mit Batics Dienstwaffe, die Barthold ihm aus der Hand geschlagen hatte, tötete sie zunächst die Polizistin, bevor diese einen zweiten Schuss auf Batic abfeuern konnte, und später Barthold, nachdem er sie und Batic minutenlang auf unerträgliche Weise gereizt hatte. Batic hatte dann seine Waffe von ihren Fingerabdrücken gereinigt.

Am Schluss sitzen die beiden „Grauköpfe“ auf einer Parkbank. Leitmayr redet, Batic schweigt. Erst auf das Reizwort „Wahrheit“ reagiert er mit dem japanischen Sprichwort, das Ayumi ihm gegenüber gebraucht hatte, als er sich entschuldigte, sie belogen zu haben. Was es bedeutet – Eine Lüge ist manchmal die bessere Wahrheit –, versteht Leitmayr natürlich nicht und fragt nach. „Nix“, erwidert Batic, steht auf und humpelt davon, vermutlich zu seiner Anhörung. Es wird wohl weitergehen mit den beiden langjährigen Kollegen; ihr Vertrauensverhältnis ist freilich erschüttert.

Der Film wurde vom 13. September 2016 bis zum 14. Oktober 2016 gedreht.[1] Für die Schlüsselszenen diente die 2007 stillgelegte Papierfabrik in Dachau als Kulisse.[2]

„Darf ein Vierteljahrhundert gemeinsamen Ermittelns so enden? Man kann Kommissare in Routine versanden lassen; im Tatort Ludwigshafen wird das regelmäßig vorgeführt. Die Münchner Regie macht es anders, ihr grauköpfiges Ermittlerpaar ist ihr Trumpf, denn die Zuschauer sind berührt davon, wenn etwas zerbricht zwischen zwei Menschen, die so lange alles gemeinsam gerockt haben.“

Holger Gertz: Süddeutsche Zeitung[3]

„Hochspannend und so kunstfertig in Splittern und Wiederholungen erzählt, dass man von der Handlung eigentlich gar nichts vorausschicken darf.“

Matthias Hannemann: Frankfurter Allgemeine Zeitung[4]

Für den Film-Dienst ist der Film ein „bestechend perfekt inszenierter Krimi“. Manchmal schieße er zwar „mit schwer glaubhaften Wendungen übers Ziel hinaus“, fessele aber „durchweg als spannende Abkehr vom Krimi-Einerlei.“[5]

Einschaltquoten

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Die Erstausstrahlung von Der Tod ist unser ganzes Leben am 30. April 2017 wurde in Deutschland von 7,27 Millionen Zuschauern gesehen und erreichte einen Marktanteil von 24,1 % für Das Erste.[6] Bei einer Wiederholung am 24. März 2019 zur Hauptsendezeit konnte der Fernsehfilm in Deutschland nochmal 5,99 Millionen Zuschauer erreichen.[7]

Rezeption in der Literatur

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In Michael Köhlmeiers Roman Frankie findet ein Dialog zwischen dem Hauptprotagonisten des Buches Frank und seiner Mutter statt, während diese im Fernsehen die Tatortfolge Der Tod ist unser ganzes Leben sehen, ohne das der Titel der Folge vom Autor genannt wird. Köhlmeier schildert darin die Szene rund um die Verfolgung der Täter im Fabriksgelände und die dabei erfolgten Verwundungen der beiden Kommissare.[8]

Einzelnachweise

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  1. Tatort: Der Tod ist unser ganzes Leben bei crew united
  2. Stephanie Fischer: Erster Fall für Miroslav Nemec. TV-Kommissar präsentiert seinen ersten Krimi. KIR München, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 3. Mai 2017; abgerufen am 30. April 2017.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kir-muenchen.de
  3. Holger Gertz: Wenn es sein muss, dann eben im Rollstuhl. In: Süddeutsche Zeitung. 28. April 2017, abgerufen am 28. April 2017.
  4. Matthias Hannem: Weitermachen, wenn es weh tut. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 30. April 2017, abgerufen am 21. Oktober 2017.
  5. Tatort - Der Tod ist unser ganzes Leben. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 22. Februar 2020.
  6. Timo Nöthling: Primetime-Check: Sonntag, 30. April 2017. In: Quotenmeter.de. 1. Mai 2017, abgerufen am 1. Mai 2017.
  7. Niklas Spitz: Primetime-Check: Sonntag, 24. März 2019. In: Quotenmeter.de. 24. März 2019, abgerufen am 25. März 2019.
  8. Michael Köhlmeier: Frankie. Hanser, München 2023, ISBN 978-3-446-27618-5.