Thurbo

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Thurbo AG

Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 20. September 2001
Sitz Kreuzlingen, Schweiz
Leitung Claudia Bossert
(Vorsitzende der Geschäftsleitung)
Werner Schurter
(VR-Präsident)
Mitarbeiterzahl 500
Branche Transportunternehmen
Website thurbo.ch
Stand: 2021
Historisches Logo

Die Thurbo AG ist eine Eisenbahngesellschaft in der Ostschweiz und im grenzüberschreitenden Verkehr mit Deutschland und Österreich. Sie betreibt auf einem Streckennetz von 658 km den Regionalverkehr, wodurch sie neben den Schweizerischen Bundesbahnen SBB zu den grössten Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) in der Schweiz zählt. Insgesamt werden 180 Bahnhöfe und Haltestellen angefahren. Jährlich befördert Thurbo rund 26 Mio. Reisende und legt dabei 14,5 Mio. Angebotskilometer zurück.[1]

Das Unternehmen wurde am 20. September 2001 gegründet und nahm im Dezember 2002 den Betrieb auf. Thurbo gehört zu 90 % den SBB und zu 10 % dem Kanton Thurgau. Es ist jedoch selbständig und eigenverantwortlich für den Betrieb. Der Name Thurbo ist ein Akronym (Kombination aus Thur respektive Thurgau und Bodensee).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 2005 existierte das Tochterunternehmen EuroThurbo GmbH, das für die in Deutschland gelegenen Seehas- und Seehäsle-Strecken sowie für den Allgäu-Express verantwortlich war. Diese Strecken wurden auf 2005 von der deutschen SBB-Tochter SBB GmbH übernommen, da der Kanton Thurgau, dem 10 Prozent der Thurbo gehören, keine wirtschaftlichen Risiken beim Betrieb von Auslandsstrecken mittragen möchte.

Liniennetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Liniennetz der Regionalbahn Thurbo besteht mit Stand Dezember 2021 aus folgenden Linien:

S-Bahn St. Gallen

S-Bahn Zürich

«Nachtwind» (Nachtlinien)

«ZVV-Nachtnetz» (Nachtlinien)

  • Winterthur – Schaffhausen – Stein am Rhein
    je 4 Nachtverbindungen pro Richtung, Anschluss in Winterthur von/nach Zürich
  • Winterthur – Bülach
    1 Nachtverbindung pro Richtung, Anschluss in Winterthur von/nach Zürich
  • Schaffhausen – Bülach
    3 Nachtverbindungen pro Richtung, Anschluss in Winterthur von/nach Zürich

Rollmaterial[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gelenktriebwagen (GTW) Thurbo
GTW 2/6
GTW 2/6
Nummerierung: 2/6: RABe 526 701–708, 719–751
2/8: RABe 526 752–805
Anzahl: 2/6: 51
2/8: 54[2]
Hersteller: Stadler Rail
Baujahr(e): 2003–2013
Achsformel: 2/6: 2'+Bo+2'
2/8: 2'+Bo+2'+2'
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge: 2/6: 39,4 m
2/8: 54,5 m
Breite: 3 m
Drehgestellachsstand: 2,1 m
Leermasse: 2/6: 63 t
2/8: 82 t
Höchstgeschwindigkeit: 140 km/h
Installierte Leistung: 1100 kW
(GTW 2/6 + GTW 2/8)
Anfahrzugkraft: 2/6: 80 kN
Treibraddurchmesser: 860 mm
Laufraddurchmesser: 750 mm
Leistungsübertragung: elektrisch
Antrieb: elektrisch
Steuerung: bis zu vier Fahrzeuge in Mehrfachtraktion
Kupplungstyp: Schwab
Sitzplätze: 2/6: 90 2.Kl. + 16 1.Kl.
Total: 106

2/8: 146 2.Kl. + 16 1.Kl.

Total: 162
Stehplätze: 2/6: 110
2/8: 168
Fußbodenhöhe: Einstieg: 585 mm
Niederfluranteil: > 65 %

Im Dezember 2001 bestellte Thurbo bei Stadler Bussnang eigenes Rollmaterial, in Form von 80 Gelenktriebwagen, kurz GTW. Aufgrund des Konkurses der Miteigentümerin Mittelthurgaubahn (MThB) erwarben die SBB deren Rollmaterial und übertrugen es auf die Thurbo. Im Dezember 2002 startete daher ein Übergangsbetrieb mit vorhandenem Rollmaterial, darunter den ABDe 536 (EAV), RBDe 566 (NPZ) und RABe 526 680–689 (GTW «Seelinie») der ehemaligen MThB, sowie angemieteten RBe 540 und RBDe 560 (NPZ) der SBB.

Die Ablieferung der bei Stadler in zwei Ausführungen bestellten GTW der dritten Generation startete 2003 mit 51 kurzen GTW 2/6 («AK», 701–751), ab 2005 gefolgt von 29 um einen Mittelwagen längeren GTW 2/8 («AKL», 752–780). Nachdem bereits alle AK ausgeliefert waren, wurde entschieden zehn AK (709–718) ebenfalls um einen Mittelwagen zu AKL (781–790) verlängern zu lassen. Gestiegene Fahrgastzahlen sowie der Ende 2006 dazugekommene Betrieb auf der Tösstalstrecke erforderten diese Verlängerung, die 2008 von Stadler Bussnang vorgenommen wurde.

Schieden mit der Aufgabe des Auslandsbetriebs durch EuroThurbo und deren Fusion mit der SBB GmbH bereits 2005 die MThB-NPZ-Kompositionen aus dem eigenen Fahrzeugbestand, konnten mit der 2007 abgeschlossenen Ablieferung der GTW-III, auch die MThB-EAV-Kompositionen bis Ende 2006 stillgelegt und der Betrieb mit älteren Mietfahrzeugen der SBB beendet werden.

Für die S-Bahn St. Gallen wurden 2010 weitere zwölf AKL (791–802) bestellt, die zugunsten einer Einheitsflotte den bisherigen GTW-III entsprechen; für den Betrieb der Klettgauer Linie (SchaffhausenErzingen) der S-Bahn Schaffhausen wurde die Bestellung um drei AKL (803–805) auf 15 Stück erhöht die 2012–2013 abgeliefert wurden. Ende 2013 umfasste das Rollmaterial der Thurbo 109 Fahrzeuge der GTW-Familie, aufgeteilt in 95 GTW-III, 10 GTW-I und 4 GTW-I-Steuerwagen.

2013 erwarben die SBB von der BLS AG deren 13 GTW-III, die 2003–2004 von der Regionalverkehr Mittelland (RM) beschafft wurden, als mittelfristigen Ersatz für die zehn GTW-I (680–689) und deren vier Steuerwagen (221–224), die allesamt noch von der MThB beschafft wurden. Per 1. Januar 2018 wurden diese 13 GTW 2/8 («AJU», 260–265, 280–287) an Thurbo verkauft und von den SBB für den Flügelzugbetrieb im Jurabogen zurückgemietet. Revidiert und neu lackiert lösten sie im Laufe des Jahres 2021 die GTW-I ab. Als erste Fahrzeuge wurden GTW 680 und Bt 222 am 22. April 2021 nach Emmenbrücke zum Abbruch überführt.[3] Bis Ende Jahr wurden die weiteren GTW-I abgebrochen, mit Ausnahme von GTW 683, der an den Verein MThB-NPZ verkauft wurde.[4]

Die SBB hatten 2003 für den Betrieb der Seetalbahn 17 GTW 2/8 der zweiten Generation in Schmalprofilausführung mit 350 Millimeter Einstiegshöhe beschafft, statt der mittlerweile üblichen 550 Millimeter Höhe; nachdem die von der S28 der S-Bahn Aargau bediente Strecke auf 550-mm-Perrons modernisiert wurde, suchten die SBB ein neues Einsatzgebiet für zwei Fahrzeuge aus dem Pool. Im Rahmen der 2018 begonnenen Modernisierung, die auch den Umbau eines von zwei Einstiegen im Mittelwagen auf 550 mm umfasst, wurde mit Thurbo die buchhalterische Übernahme von zwei modernisierten RABe 520 (GTW «Seetal») für die S36 der S-Bahn Zürich vereinbart.[5] Formal tragen GTW 000 und 016 das Halterkürzel CH-THB der Thurbo, sind aber unverändert Bestandteil des Fahrzeugpools und werden über die Wochenenden jeweils ausgetauscht.

Ende 2021 umfasste das Rollmaterial der Thurbo 108 GTW-III, sowie zwei GTW-II:

Werbung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thurbo-Rollmaterial wird auch als Werbefläche genutzt. Radio und Tele TOP werben am RABe 526 707 mit einer Ganzreklame an der Aussenhaut. Die eine Seite zeigt Radio TOP, die andere Tele TOP. Von 2006 bis 2014 stellte der RABe 526 725 das Theater St. Gallen heraus, wobei die Werbung jeweils aufgrund der Programmwechsel angepasst wurde. Als weiteres Fahrzeug ist seit 2013 der RABe 526 779 für Sympany unterwegs und seit Februar 2017 wirbt der RABe 526 801 für das Jobportal Jobs.ch.

Mehrfach wird auch nur eine Teilwerbung am Antriebsteil angewendet. Zahlreiche Firmen und Anlässe, aber auch die Kantone Thurgau, Schaffhausen, St. Gallen und Aargau werben auf den Zügen.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Rollmaterial[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baureihe Hersteller Baujahr Herkunft Stückzahl Ausrangiert Bemerkungen
Serie Nummern total heute
Triebwagen
ABDe 536 611 SIG/SWS
SAAS/BBC/MFO
1965 MThB (2002) (Üb)006 0 2006 an TPF verkauft
612 2006 an VHMThB abgegeben
613 2005 an TPF verkauft
614–615 2006
616 1966 2004 ex GFM ABDe 4/4 171; an Travys verkauft
RBDe 566 631–634 SWG/SIG/ABB 1994 MThB (2002) (Üb)004 0 2005 > SBB GmbH
Bm 596 671–673 STAG 1996–1997 MThB (2002) (Üb)003 0 2005 > SBB GmbH
RABe 526 680–689 STAG 1998–1999 MThB (2002) (Üb)010 0 2021 683 an Verein MThB-NPZ verkauft
Steuerwagen
Bt 201–202 1965 MThB (2002) (Üb)004 0 2006 an BLS verkauft
203 1964 2005 ex GFM Bt 303; an TPF verkauft
204 2004 ex GFM Bt 302; an Travys verkauft
Bt 211–216 SWG/SIG/ABB 1994 MThB (2002) (Üb)006 0 2005 > SBB GmbH
Bt 221–224 STAG 1999 MThB (2002) (Üb)004 0 2021
Bt 231–232 1962–1963 MThB (2002) (Üb)002 0 2005 > SBB GmbH; ex SZU Bt 997–998
Personenwagen
B 121 MThB (2002) (Üb)009 0 2006 an VDM verkauft
122–127 2006
128 2006 (?) Verbleib unbekannt
129 2006 (?) an VDM verkauft
AB 151III MThB (2002) (Üb)006 0 2004 an Privaten verkauft
152III 2006
153–154 2006
155–156 2004
AB 161–164 1995 MThB (2002) (Üb)004 0 2005 > SBB GmbH
Rangierlokomotiven
Tm 236 642 Stadler 1966 MThB (2002) (Üb)001 0 2003 ex Tm 51; 2007 an Stauffer verkauft

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Infrastruktur (Strecke Wil SGWeinfeldenKreuzlingen) der 2003 liquidierten Mittelthurgaubahn (MThB) ging ins Eigentum der Thurbo über und wurde durch SBB-Infrastruktur unterhalten. Am 1. Juni 2019 wurde die Infrastruktur Kreuzlingen–Weinfelden–Wil SG rückwirkend per 1. Januar 2019 in die SBB Infrastruktur integriert. Thurbo ist von da an ein reines Eisenbahnverkehrsunternehmen.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem Thurbo im Jahre 2013 einen Verlust von 3,1 Millionen Franken eingefahren hatte, verschlechterte sich das Arbeitsklima. Die Gewerkschaft SEV bemängelte die schlechteren Arbeitsbedingungen als beim Mutterhaus SBB, forderte die im Gesamtarbeitsvertrag (GAV) vorgesehenen Lohnanpassungen ein und warf Thurbo vor, das Schlichtungsverfahren zu verzögern.[9] Thurbo führt den Verlust auf geringere Leistungsabgeltungen der Kantone zurück. Der Kanton Thurgau begründet die Kürzung seiner Abgeltungen mit den Gewinnen, die Thurbo in den Vorjahren erzielte.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Petra Volkert: Neuer Name, neue Aussichten. Thurbo AG etabliert sich im Bodenseeraum. In: Lok Magazin. Nr. 260/Jahrgang 42/2003. GeraNova, München ISSN 0458-1822, S. 24.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Thurbo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thurbo: über Thurbo | Werte und Zahlen. In: www.thurbo.ch. Abgerufen am 29. Oktober 2022.
  2. a b GTW 2/8 – das lange Standardfahrzeug von Thurbo (Memento des Originals vom 3. Januar 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.thurbo.ch, thurbo.ch
  3. R. Behrbohm: Erster Thurbo-GTW zum Abbruch überführt. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 6. Minirex, 2021, ISSN 1022-7113, S. 300.
  4. Stephan Frei, Christian Ammann: Neues in Kürze. In: Eisenbahn Amateur. Nr. 8. SVEA, 2021, ISSN 0013-2764, S. 363.
  5. Fabian Scheeder: Refit für Seetal-GTW und Verkauf zweier Züge an Thurbo. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 7/2018, S. 348.
  6. GTW 2/6 – das kurze Standardfahrzeug von Thurbo, thurbo.ch
  7. Medienmitteilung der Thurbo vom 20. November 2010
  8. Fabian Scheeder: Thurbo übernimmt SBB-GTW – und vermietet sie zurück an die SBB. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 1. Minirex, 2018, ISSN 1022-7113, S. 10.
  9. Christof Widmer: Arbeitskonflikt bei Thurbo. In: St. Galler Tagblatt. 13. September 2014, S. 23.
  10. Christof Widmer: Thurbo kritisiert Kantone. In: St. Galler Tagblatt. 17. September 2014, S. 19.