Mittelthurgaubahn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Mittelthurgaubahn
MThB-Steuerwagen (Bt 202) mit Ziel Engen
MThB-Steuerwagen (Bt 202) mit Ziel Engen
Fahrplanfeld: 830, 835
Streckenlänge: 39.58 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Stromsystem: 15 kV 16.7 Hz ~
Maximale Neigung: 24 
Wil–Kreuzlingen
Strecke – geradeaus
SBB-SGAE von Rorschach
Abzweig – in Gegenrichtung: nach rechts
SBB-TB von Ebnat-Kappel
Bahnhof, Station
0.00 Wil 571 m ü. M.
Strecke – geradeaus
Anschluss an FW, Rollbockanlage
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
SBB-SGAE nach Winterthur
Planfreie Kreuzung – unten
FW Wil–Frauenfeld
Haltepunkt, Haltestelle
2.58 Bronschhofen 566 m ü. M.
Haltepunkt, Haltestelle
3.33 Bronschhofen AMP 557 m ü. M.
Bahnhof, Station
5.45 Bettwiesen 546 m ü. M.
Haltepunkt, Haltestelle
6.71 Tägerschen 532 m ü. M.
Bahnhof, Station
8.22 Tobel-Affeltrangen 511 m ü. M.
Bahnhof, Station
11.25 Märwil 506 m ü. M.
Haltepunkt, Haltestelle
14.04 Oppikon 488 m ü. M.
Brücke (mittel)
Bussnang 277 m
Bahnhof, Station
16.38 Bussnang 444 m ü. M.
Brücke über Wasserlauf (groß)
Thur Weinfelden 143 m
Haltepunkt, Haltestelle
17.67 Weinfelden Süd 427 m ü. M.
Abzweig – in Gegenrichtung: nach rechts
SBB-Strecke von Winterthur
Bahnhof, Station
19.17 Weinfelden 429 m ü. M.
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
SBB-Strecke nach Romanshorn
Bahnhof, Station
24.31 Kehlhof 508 m ü. M.
Brücke (mittel)
Buchtobel 105 m
Bahnhof, Station
27.23 Berg 554 m ü. M.
Bahnhof ohne Personenverkehr
28.75 Altishausen 556 m ü. M.
Bahnhof, Station
30.78 Siegershausen 546 m ü. M.
Bahnhof, Station
33.46 Lengwil 509 m ü. M.
Brücke (mittel)
Jakobshöhe 119 m
Bahnhof, Station
36.25 Kreuzlingen Bernrain 461 m ü. M.
Brücke (mittel)
Sauloch 105 m
Haltepunkt, Haltestelle
38.61 Tägerwilen Dorf 415 m ü. M.
Abzweig – in Gegenrichtung: nach rechts
SBB-Strecke von Schaffhausen
Bahnhof ohne Personenverkehr
39.58
59.15
Tägermoos 401 m ü. M.
Bahnhof, Station
60.69 Kreuzlingen 403 m ü. M.
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
Strecken nach Romanshorn, Kreuzlingen
Strecke – geradeaus
Hafen (CH) und Konstanz (D)
ehemaliges Logo der Mittelthurgaubahn

Die Mittelthurgaubahn (abgekürzt MThB) mit Sitz in Weinfelden war eine Schweizer Privatbahn. Sie wurde 2003 einschliesslich ihrer Gütertochter Lokoop freihändig liquidiert, ihre Aktivitäten sowie das Infrastruktureigentum wurden hauptsächlich von der SBB-Tochter Thurbo übernommen, die ursprünglich eine Allianz zwischen der MThB und SBB bilden sollte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem am 11. August 1890 ein Initiativkomitee zum Bau der Mittel-Thurgau-Bahn (MThB) in Kreuzlingen gegründet worden war, knüpfte dieses 1899 die ersten Kontakte zur Westdeutschen Eisenbahn-Gesellschaft AG (WeEG) mit Sitz in Köln. 1901 wurde dem Bundesrat ein Konzessionsgesuch für eine Normalspurbahn eingereicht, das von Ingenieur Jakob Ehrensperger aus Winterthur ausgearbeitet worden war. Die Schweizerische Bundesversammlung erteilte am 19. Dezember 1902 die Konzession für eine Eisenbahn von Wil über Weinfelden bis zur Landesgrenze bei Konstanz. 1903 wurde vom Großherzoglich Badischen Staatsministerium die Einführung der Bahnstrecke in den Bahnhof Konstanz zugelassen. 1906 schloss das Initiativkomitee einen für 15 Jahre unkündbaren Vertrag über den Bau und den Betrieb einer normalspurigen Eisenbahn Wil-Weinfelden-Konstanz mit der WeEG. In diesem Vertrag erschien erstmals der Name "Mittel-Thurgau-Bahn - MThB", unter welchem Namen am 28. April 1908 eine Aktiengesellschaft gegründet wurde. Die Aktienzeichnung begann am 26. November 1906. Das grösste Aktienpaket übernahm der Kanton Thurgau, weitere namhafte Beträge zeichneten die drei Städte Konstanz, Weinfelden und Wil SG sowie der Kanton St. Gallen. Weiter stiessen 27 Gemeinden sowie private Interessenten zum Aktionsärskreis. Die WeEG steuerte ein pfandrechtlich gesichertes Obligationenkapital von 3 Mio Franken bei.

Am 10. September 1909 erfolgte zwischen Weinfelden und der Thur der erste Spatenstich. 60 000 Kubikmeter Erdmassen wurden bewegt, unter den sieben zu erstellenden Kunstbauten waren vier grössere Objekte. Der Bussnanger Viadukt wurde erst spät in Angriff genommen, zuletzt der Abschnitt vom Weinfelden-Berg hinunter nach Weinfelden, weil Detailzulassungen auf sich warten liessen. 1911 begannen die Abnahmen der eisernen Brücken. Die Thurbrücke wurde mit drei Schlepptenderloks vom Typ B 3/4 der SBB durch je etwa 85 Tonnen Fahrmasse belastet. Weitere Untersuchungen des Unter- und Oberbaus, der Kreuzungen der Bahn mit Starkstromleitungen, der baulichen Anlagen und des Rollmaterials, erlaubten schliesslich am 16. Dezember 1911 die Eröffnung der Stammstrecke Wil-Weinfelden-Kreuzlingen-Konstanz. Vertragsgemäss führte die WeEG den Betrieb. 1931 ging der Vertrag auf die Vereinigte Kleinbahnen AG (VKA) in Frankfurt am Main über. Diese veräusserte ihre Beteiligung, insbesondere die verzinslichen Obligationen an die AG für Verkehrswesen in Berlin Wilmersdorf und zu einem kleinen Teil an die Overseas Trust Corporation Ltd. in Johannesburg. Ein Paket Inhaberaktien wurde an die Midland Bank Ltd. in London verkauft, kam aber von dort 1938 an die VKA zurück. In den Kriegsjahren wurde der Vertrag zeitweise sistiert. Nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg war die MThB in den Inflationszeiten für die deutschen Vertragspartner eine wichtige Einnahmequelle von harter Währung. Auf Ende 1950 wurde der Vertrag aufgelöst und die MThB ging definitiv in Eigenbetrieb über.

SBB-Interregio auf der ehem. MThB-Strecke Konstanz-Weinfelden im 2-gleisigen Streckenabschnitt zwischen Tägerwilen und Kreuzlingen-Bernrain (2013)

Die 41 km lange, normalspurige und eingleisige Stammstrecke von Kreuzlingen über Weinfelden nach Wil liegt überwiegend im Kanton Thurgau, nur der letzte, vier Kilometer lange Abschnitt gehört zum Kanton St. Gallen. Sie wurde am 20. Dezember 1911 für den Personen- und Güterverkehr eröffnet und mit Dampfzügen und ab 1938 auch mit zunächst gemieteten Dieseltriebwagen befahren. Als letzte nennenswerte Privatbahn der Schweiz führte sie am 24. September 1965 den elektrischen Betrieb ein.

Die Züge begannen und endeten regelmässig in Konstanz, wo Anschluss an das deutsche Staatsbahnnetz bestand. Sie benutzten dabei die 1 km lange Strecke Kreuzlingen – Konstanz, die schon am 17. Juli 1875 von der Schweizerischen Nationalbahn (SNB) in Betrieb genommen worden war und später auf die SBB überging. Kurz vor ihrem Ende expandierte die MThB und übernahm auch Strecken, die bis nach Deutschland führten. Die Investitionen für Infrastruktur und Rollmaterial führten aber zu einer erheblichen Überschuldung, die Mittelthurgaubahn AG wurde schliesslich am 11. Oktober 2002 aufgelöst. Als Hauptverantwortliche traten der langjährige Direktor Peter Joss und Verwaltungsratspräsident Hermann Lei (damals Regierungsrat) zurück. Das Rollmaterial und die Anlagen wurden von der Thurbo AG übernommen.[1]

Erweiterte Betriebsführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausser ihrer Stammstrecke übernahm die MThB in den 1990er-Jahren die Betriebsführung auf folgenden Strecken in Deutschland und der Schweiz:

Diese Aufgaben haben die SBB-Tochterfirmen SBB GmbH (Deutschland) und Thurbo (Schweiz) übernommen, letztere ist jetzt auch Eigentümerin der Stammstrecke (Kreuzlingen–) Tägermoos – (Weinfelden) – (Wil). Der Infrastrukturbetrieb der Seelinie ging zurück zu den SBB, welche auch die Infrastruktur der Stammstrecke im Auftrag der Thurbo betreiben.

Ein Teil des historischen Rollmaterials, wie der «Mostindien-Express» mit der Dampflokomotive Ec 3/5 Nr. 3 (Baujahr 1912) mitsamt den zugehörigen Wagen, ein Triebwagen (ABDe 4/4 Nr. 12, siehe «Thurgauer Pendelzug») und einzelne weitere Fahrzeuge werden vom Verein Historische Mittel-Thurgau-Bahn für Nostalgie-, Gesellschafts- und Ausflugsfahrten unterhalten und betrieben. Diese werden in der Bahn-Erlebniswelt «Locorama» in Romanshorn ausgestellt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Mente: Von der MThB zur Thurbo: 100 Jahre Geschichte und Geschichten über die Bahn im mittleren Thurgau - Begleitet von den Erzählungen eines Kulturdenkmals unter Dampf. Verlag Flügelrad, Weinfelden 2013, ISBN 978-3-033-03961-2.
  • Michael Mente: Wenn eine Nebenbahn zur Hauptsache wird: Vortrag an der Vernissage des Buches "Von der MThB zur Thurbo", Verlagssonderdruck, Flügelrad, Weinfelden 2013.
  • Michael Mente: 100 Jahre Mittel-Thurgau-Bahn. Die MThB und thurbolente Jahre des Regionalverkehrs. In: Eisenbahn-Amateur. Nr. 11, S. 546–555 und 12/2011, S. 598–609 ISSN 0013-2764.
  • Peter Schulijk: Das Ende einer Privatbahn. Mittelthurgaubahn liquidiert. In: Lok Magazin. Nr. 256, Jahrgang 42/2003. GeraNova, München, ISSN 0458-1822, S. 24.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Urteile im Nebenprozess um Bahndebakel Freispruch für Thurgauer Altregierungsrat Hermann Lei,NZZ 16. Dezember 2004