Tobel-Tägerschen

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Tobel-Tägerschen
Wappen von Tobel-Tägerschen
Staat: Schweiz
Kanton: Thurgau (TG)
Bezirk: Münchwilen
BFS-Nr.: 4776i1f3f4
Postleitzahl: 9555
Koordinaten: 720112 / 264101Koordinaten: 47° 31′ 0″ N, 9° 2′ 0″ O; CH1903: 720112 / 264101
Höhe: 525 m ü. M.
Fläche: km²
Einwohner: 1594 (31. Dezember 2017)[1]
Einwohnerdichte: 228 Einw. pro km²
Website: www.tobel-taegerschen.ch
Komturei Tobel mit Kirche St. Johannes

Komturei Tobel mit Kirche St. Johannes

Karte
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Tobel-Tägerschen ist eine politische Gemeinde im Bezirk Münchwilen des Schweizer Kantons Thurgau. Sie entstand 1999 durch die Vereinigung der beiden Ortsgemeinden Tägerschen und Tobel. Gleichzeitig trennte sich die Ortsgemeinde Braunau von der Munizipalgemeinde Tobel ab und bildet seither eine eigene politische Gemeinde.[2]

Das Wappen der Gemeinde zeigt das Johanniterkreuz und nimmt damit Bezug auf die Kommende Tobel des Johanniter- bzw. Malteserordens, die von 1228 bis 1809 bestand.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tobel-Tägerschen liegt am Südrand des Lauchetals. Die Gemeinde besteht aus den Ortsteilen Tobel, Tägerschen, Erikon, Karlishub und Thürn sowie zahlreichen Kleinstsiedelungen und Einzelhöfen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johanniterkomturei Tobel zwischen 1706 und 1724

Zwischen 1226 und 1228 gründeten die Toggenburger Grafen Diethelm II. und Diethelm III. die mit Gütern reichlich dotierte Johanniterkomturei Tobel, die als Bollwerk gegen das politisch expandierende Kloster St. Gallen entstand. Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts baute die Komturei durch systematischen Erwerb von Gütern, Zehnt- und Gerichtsrechten die Herrschaft Tobel auf. 1258 erwarb die Komturei Güter in Tägerschen. Die Herrschaft Tobel bestand bis 1798. 1807 übernahm der Kanton Thurgau die Komturei und richtete 1811 im landwirtschaftlichen Gutsbetrieb eine Zucht- und Arbeitsanstalt für Männer und Frauen ein. 1973 wurde die kantonale Strafanstalt in der ehemaligen Komturei Tobel aufgelöst.

Mit der Gründung der Komturei entstand in den Grenzen des Niedergerichts Tobel die neue Pfarrei Tobel, die nebst weiteren Siedlungen auch Tägerschen umfasste. Die Kirche St. Johann Baptista stand im Spätmittelalter neben der Komturei im Tal und wurde 1706 bis 1707 auf der Höhe neu errichtet. Die ganze Pfarrei trat 1529 zum neuen Glauben über. 1532 leitete die Komturei die Rekatholisierung ein. Bis ins 18. Jahrhundert gab es zahlreiche Spannungen zwischen den reformierten Kirchgemeinden und dem katholischen Kollator der Pfarrei Tobel.

Im 19. Jahrhundert gingen die Bauern von Tobel und Tägerschen vom Ackerbau zur Vieh- und Milchwirtschaft und zum Obstbau über. Von der Jahrhundertwende bis in die 1920er Jahre prägte die Schifflistickerei zusammen mit der kleinbäuerlichen Landwirtschaft die dörflichen Erwerbsstrukturen. 1911 erhielten die beiden Dörfer Anschluss an die Mittelthurgaubahn. Mit dem nach 1980 einsetzenden Bevölkerungswachstum und dem Bau zahlreicher Einfamilienhäuser wurde Tobel-Tägerschen zur ländlichen Wohngemeinde.[3]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung im Gebiet der heutigen Gemeinde Tobel-Tägerschen[2]
Bevölkerungsentwicklung der einzelnen Gemeinden[2]
1850 1900 1950 1990 2000 2010 2018
Politische Gemeinde 1280 1382 1601
Munizipalgemeinde 1298 1176 1370 1639

Von den insgesamt 1601 Einwohnern im Jahr 2018 waren 269 bzw. 16,8 % ausländische Staatsbürger.[4]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fridolin Suter (1863–1937), in Tobel geboren, Ehrendomherr in Solothurn und Ehrenbürger von Bischofszell

Besonderes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tobel-Tägerschen war Start- und Zielort einer Etappe der Tour de Suisse 2011.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tobel-Tägerschen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2018, abgerufen am 30. September 2018.
  2. a b c 2000 T4 Wohnbevoelkerung ab 1850.xlsx. und 2018_2017_1990_BevGmd.xlsx (Bevölkerung in ausgewählten Jahren, 1990, 2000, 2010, 2017-2018, Vorjahresveränderung). Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau, abgerufen am 1. November 2019.
  3. Verena Rothenbühler: Tobel. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
       André Salathé: Tägerschen. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
    Diese Abschnitte basieren auf den beiden Einträgen im Historischen Lexikon der Schweiz (HLS), der gemäss den Nutzungshinweisen des HLS unter der Lizenz Creative Commons – Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) steht.
  4. 2018_2015_BevGmd_Geschl_Nat.xlsx (Bevölkerung nach Geschlecht und Nationalität, 2015-2018) Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau, abgerufen am 1. November 2019.