Märstetten

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Märstetten
Wappen von Märstetten
Staat: SchweizSchweiz Schweiz
Kanton: Kanton ThurgauKanton Thurgau Thurgau (TG)
Bezirk: Weinfelden
BFS-Nr.: 4941i1f3f4
Postleitzahl: 8560
UN/LOCODE: CH MAR
Koordinaten: 722553 / 272518Koordinaten: 47° 35′ 31″ N, 9° 4′ 5″ O; CH1903: 722553 / 272518
Höhe: 425 m ü. M.
Höhenbereich: 410–650 m ü. M.[1]
Fläche: 9,96 km²[2]
Einwohner: 2889 (31. Dezember 2019)[3]
Einwohnerdichte: 290 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
15,1 % (31. Dezember 2019)[4]
Website: www.maerstetten.ch
Lage der Gemeinde
Untersee (Bodensee)Bommer WeierEmerzer WeierBiessenhofer WeierHauptwiler WeierHoorbacher WeierRüütiweierHorberweierBodenseeKanton St. GallenKanton St. GallenBezirk ArbonBezirk FrauenfeldBezirk KreuzlingenBezirk MünchwilenAffeltrangenAmlikon-BisseggBerg TGBirwinkenBischofszellBürglen TGBussnangErlen TGHauptwil-GottshausHohentannenKradolf-SchönenbergMärstettenSchönholzerswilenSulgen TGWeinfeldenWigoltingenWuppenauZihlschlacht-SitterdorfKarte von Märstetten
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Märstetten ist eine politische Gemeinde im Bezirk Weinfelden des Kantons Thurgau in der Schweiz. Märstetten ist ein Haufendorf mit den Weilern Boltshausen, Altenburg, Dattenhub und Ruberbaum am westlichen Fuss des Ottenbergs.

Ab 1803 bildeten die Ortsgemeinden Märstetten und Ottoberg die Munizipalgemeinde Märstetten. 1975 fusionierten diese zur Einheitsgemeinde Märstetten.[7]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche St. Jakob er­hielt 1489 durch den Ausbau von Turm und Schiff ihr heu­tiges Aussehen. Sie steht auf den Burgmauern der Frei­herren von Märstetten.[8]
Märstetten im Jahr 1949
Luftaufnahme vom 21. Mai 2010

Streufunde aus dem Neolithikum, römische Mauerreste und ein Reihengrab aus dem Frühmittelalter belegen eine ununterbrochene Besiedlung. Im Jahr 1155 wurde Marsteten erstmals urkundlich erwähnt. Im Hochmittelalter befand sich oberhalb der Kirche die Burg der Freiherren von Märstätten. Das Domkapitel Konstanz belehnte um 1155 die Freiherren von Klingen mit Märstätten, Illhart und Wigoltingen. Märstätten bildete ein Gericht und umfasste 1724 einen Teil von Ruberbaum sowie einige weitere Höfe. Appellationsinstanzen waren der Gerichtsherr der Herrschaft Altenklingen, nach 1460 der thurgische Landvogt und die eidgenössische Tagsatzung. 1395 war Wilhelm von Enne Inhaber der Gerichtsherrschaft, gefolgt von den Muntprat ab 1419, den von Breitenlandenberg ab 1441, den Brümsi ab 1559, Leonhart Zollikofer ab 1585 und weiteren Mitgliedern aus dessen Familie bis 1798. Märstätten war dem Domkapitel Konstanz zehntpflichtig. Domherr Salomon Buchhorner liess 1613 einen neuen Kehlhof erbauen, dessen Einzugsgebiet aus Boltshausen, Illhart, Sonterswil, Märstätten und Ottoberg bestand. Bis 1798 umfasste die sogenannte innere Gemeinde Märstätten, die äussere Gemeinde Ottoberg und die Aussenhöfe. Ab 1860 versammelten sich die Bürger und Einwohner an Hilarius (13. Januar) zur Bürger-, Orts- und Schulgemeinde, zur Gant sowie zum sogenannten Hilärimahl.[9]

Die Kirche St. Jakob am Pilgerweg Konstanz–Einsiedeln war eine Eigenkirche der Freiherren von Märstätten 1155 gehörte sie zum Besitz des Domkapitels Konstanz. Von 1242 bis 1487 war die Kirche eine Filiale von Wigoltingen. Ohne Zustimmung der regierenden Orte trennte sich Märstätten 1465 von der Mutterkirche, was 1487 bestätigt wurde. 1482 erwirkte Märstätten bei Papst Sixtus IV. eine Bulle mit dem Recht, einen Leutpriester anzustellen. Die Reformation setzte sich 1529 durch. Von 1594 bis 1795 wurde auch die katholische Messe wieder gelesen.[9]

Bis 1900 war Märstätten von Acker-, Flachs-, Obst- und Weinbau geprägt, danach folgte Vieh- und Milchwirtschaft. 1909 entstand eine Käserei. Ausserdem brachten das Gewerbe sowie die Leinwand- und Baumwollweberei einen Verdienst. 1855 nahm die Nordostbahn ihren Betrieb auf, worauf in der Nähe des Bahnhofs ein Industriequartier entstand. 1884 wurde die bis 1976 bestehende Leim- und Düngerfabrik Märstätten gegründet, 1885 bis 1888 und von 1900 bis 1924 existierten Stickereien, u. a. eine Monogramm­stickerei. 1968 wurde die Genossenschaft Getreidesammelstelle Mittelthurgau ins Leben gerufen, die 2001 zur Getreide Mittelthurgau AG wurde. Die 1956 gegründete chemische Fabrik Polygal ist auf die Herstellung von Produkten spezialisiert, die auf pflanzlichen Rohstoffen basieren.[9]

→ siehe auch Abschnitt Geschichte im Artikel Ottoberg TG

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Märstetten-blazon.svg

Blasonierung: Gespalten von Schwarz mit einem weissen Löwen mit roter Zunge und Krallen und Weiss mit einem halben schwarzen Adler mit rotem Schnabel, Zunge und Fuss.[10]

Beim Wappen handelt es sich um das der Freien von Märstetten, wie es in der Chronik von Johannes Stumpf gezeigt wird. Nachdem sich im Jahr 1975 die Ortsgemeinden Märstetten und Ottoberg sich zur Einheitsgemeinde Märstetten zusammengeschlossen hatten, wurde das Wappen für die neue Gemeinde weiter verwendet.[10]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung der Gemeinde Märstetten[7]
Bevölkerungsentwicklung der einzelnen Gemeinden
1850 1900 1950 1960 1980 2000 2010 2018
Politische Gemeinde 1568 2234 2480 2885
Munizipalgemeinde 1009 1030 1251 1278
Ortsgemeinde 490 539 832 922
Quelle [9] [7]

Von den insgesamt 2885 Einwohnern der Gemeinde Märstetten im Jahr 2018 waren 398 bzw. 13,8 % ausländische Staatsbürger. 1212 (42,0 %) waren evangelisch-reformiert und 717 (24,9 %) römisch-katholisch. Die Ortschaft Märstetten zählte zu diesem Zeitpunkt 2334 Einwohner. Davon gehörten 51 (u. a. in Egelshofen und Altenklingen) zur Gemeinde Wigoltingen.[11]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2016 bot Märstetten 828 Personen Arbeit (umgerechnet auf Vollzeitstellen). Davon waren 9,4 % in der Land- und Forstwirtschaft, 39,5 % in Industrie, Gewerbe und Bau sowie 51,1 % im Dienstleistungssektor tätig.[5]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Märstetten liegt an der Kreuzung der Hauptstrasse 14 zwischen Frauenfeld und Amriswil und der Hauptstrasse 16 zwischen Konstanz und Wil SG. Märstetten hat einen Bahnhof an der SBB-Linie durch das Thurtal.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dörfer Märstetten und Ottoberg, der Weiler Boltshausen und der Südhang des Ottenbergs sind im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz aufgeführt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

→ siehe auch Abschnitte Sehenswürdigkeiten und Bilder im Artikel Ottoberg TG

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Märstetten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BFS Generalisierte Grenzen 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Höhen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021
  2. Generalisierte Grenzen 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Flächen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021
  3. Regionalporträts 2021: Kennzahlen aller Gemeinden. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2019 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021
  4. Regionalporträts 2021: Kennzahlen aller Gemeinden. Bei späteren Gemeindefusionen Ausländerprozentsatz aufgrund Stand 2019 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021
  5. a b Thurgau in Zahlen 2019. Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau (PDF-Datei; 1,8 MB), abgerufen am 28. April 2020.
  6. Schweizerische Arealstatstik. Abgeschlossen auf 1. Juli 1912. Herausgegeben vom Eidg. Statistischen Bureau. (Memento vom 12. April 2016 im Internet Archive)
  7. a b c Bevölkerungsentwicklung der Gemeinden. Kanton Thurgau, 1850–2000 und Wohnbevölkerung der Gemeinden und Vorjahresveränderung. Kanton Thurgau, 1990–2018. Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau (Excel-Tabellen; jeweils 0,1 MB), abgerufen am 28. April 2020.
  8. Geschichte. Auf der Webseite der Gemeinde Märstetten, abgerufen am 1. November 2019
  9. a b c d Erich Trösch: Märstetten. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  10. a b Gemeindewappen. Auf der Webseite des Staatsarchivs des Kantons Thurgau, abgerufen am 8. Dezember 2019
  11. Ortschaften und ihre Wohnbevölkerung. Ausgabe 2019. Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau (Excel-Tabelle; 0,1 MB), abgerufen am 28. April 2020.
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